SEASON IX · KAPITEL 38

The Wars to Come

Ramsays Drohung

WORUM ES GEHT

Ramsays Brief aus Winterfell verhöhnt Lukas, Sansa und Jaime und droht Joren grausam. Jaime tröstet Lukas, am nächsten Morgen werden alle informiert, und Lukas bricht unter der Last zusammen, bevor die Freunde ihn auffangen. Der Plan steht: Die Lannister-Armee zieht in drei Teilen zum Crossroads Inn und weiter über die Kingsroad nach Winterfell. In der Nacht vor dem Aufbruch sagt Joren sein erstes Wort, 'Papa'. Unterwegs passieren sie die Ruinen von Riverrun und den Whispering Wood und erreichen ein verdächtig leeres Crossroads Inn.

1

Ramsays Brief

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Lewyn Ortengryn, Jaime Lannister, Joren

Ein mulmiges Gefühl überkam uns beide. Lewyn nahm der Krähe vorsichtig die Nachricht ab. Wortlos gingen wir in sein Zimmer, Lewyn entzündete eine Kerze, deren Flamme die Dunkelheit nur notdürftig vertrieb, und wir setzten uns nebeneinander.

Er brach das Siegel auf, entrollte den Brief – die Handschrift war sauber, beinahe kunstvoll, und doch atmete sie Wahnsinn in jedem Schwung der Feder. Lewyn begann laut zu lesen:

An den kleinen goldenen Abschaum, der sich „Löwe“ nennt – Lukas Lannister,

ich habe von Riverrun gehört. Heldenmut? Stolz? Ehre? Ich habe beinahe auf mein Frühstück gespuckt. Was für ein jämmerliches Spektakel das gewesen sein muss.

Und dann höre ich – oh welch göttlicher Zufall – dass du jetzt deinen kleinen Schwanz in meine Sansa steckst.

Meine Sansa.

Das ist süß. Fast poetisch. Weißt du, wie sie klang, wenn sie geweint hat? Wie ein Lied. Zitternd. Sanft. Ihr Körper war immer so schön steif, so unbeholfen, wenn ich sie nahm – wie ein gefrorenes Reh. Man musste sie nur brechen, und sie wurde ganz weich.

Ihr Haar roch nach Veilchen. Ihre Tränen schmeckten nach Erlösung. Ich habe sie mir vom Gesicht geleckt, als wär’s Honig vom Götterbaum.

Aber gut – sie gehört ja jetzt dir. Herzlichen Glückwunsch, Königsmörder-Sohn. Ich hoffe, du fängst nicht auch an zu weinen, wenn du sie entkleidest. Oder nein, weinen würdest du nicht du bist doch wie dein Vater!

Denn sind wir ehrlich: Ist es nicht süß, wie sehr du ihm ähnelst? In den Augen, im Haar… vielleicht sogar im Bett, wer weiß. Wenn schon Inzest, dann bitte konsequent.

Ach, und bevor ich es vergesse: Ich habe gehört, ihr habt nun Zuwachs. Einen kleinen Bastard, gezeugt von seiner monströsen Maid und deinem ruhmreichen Daddy. Wie rührend.

Ein kleines Ding – halb Bär, halb goldener Abschaum. Vielleicht schneide ich ihm das Gesicht auf und sehe nach, ob er von innen hübscher ist.

Oder ich drehe ihm ganz langsam das Genick um. Ich mag das Geräusch. Es klingt wie knisterndes Feuerholz. Weißt du, was noch besser ist? Wenn man’s macht, während sie schreien. Dann hört’s sich an wie Musik.

Ich freue mich schon, ihn schreien zu hören.

Und dann dich.

Und dann sie.

Ihr alle werdet singen – für mich.

Aber weißt du, was das Beste ist, kleiner Löwe mit dem großen Namen und dem weichen Herz?

Ich sitze gerade dort, wo deine rothaarige Hure einst geschlafen hat.

Winterfell.

Das Zuhause deiner Sansa. Ihrer Ahnen. Ihrer Träume. All das gehört jetzt mir – wieder. Ich habe ihre alten Kleider gefunden. Den Kamm, mit dem sie sich jeden Morgen das Haar strich. Den kleinen Umhang, in den sie sich wickelte, als ich sie nackt in den Schnee schubste, nur um zu sehen, wie lange sie zittert, bevor sie umfällt.

Ich trage gerade ihre Nachtrobe. Ja, ich passe hinein. Vielleicht schicke ich sie dir mit dem nächsten Boten – durchtränkt mit meinem Schweiß und meinem Spott.

Komm doch vorbei. Lass uns wie zivilisierte Männer über Besitzrechte sprechen. Du bringst deinen golden glänzenden Vater mit – der Königsmörder, der sein Leben lang mit Schuld gefüttert wurde und jetzt versucht, dich zu retten, obwohl er selbst längst verloren ist. Ich bringe den Wein.

Und eure kleinen Wunderhände – diese makellosen, magisch rückgekehrten Dinger aus Gold – sind ein hübsches Symbol. Wie ironisch: Ihr habt nun wieder beide Hände, wie ich hörte wegen dem Mormont Bastard, aber ich werde euch zeigen, wie nutzlos sie sind, wenn ich sie euch Stück für Stück zerlege.

Finger für Finger. Knochen für Knochen.

Dann setze ich mich in euer Blut, halte euch den Kopf eures kleinen Bastards hin – und frage, ob ihr ihn erkennt, nachdem ich ihm das Gesicht abgezogen habe.

Kommt nach Winterfell. Ich habe das Feuer angemacht. Ich habe das Schloss vorbereitet. Und ich habe all die Schreie gesammelt, die ihr bald selbst von euch geben werdet.

Ich verspreche euch: Wenn ihr hier ankommt, werdet ihr nichts mehr behalten, was nicht schreit oder blutet.

Mit tiefster Respektlosigkeit, mit größter Vorfreude, und mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, Ramsay Bolton Erbe der Bestie. König der Zerschlagenen. Und der einzige Mann, der weiß, was Angst wirklich ist.

Lewyns Hände zitterten so sehr, dass er den Brief kaum halten konnte. Sein Blick traf meinen – in seinen Augen spiegelte sich dieselbe Mischung aus Angst und brennender Wut, die auch in mir loderte.

Mir schnürte es die Kehle zu. Jeder einzelne Satz hatte sich wie ein glühendes Messer in meinen Verstand gebrannt. Meine Hände ballten sich zu Fäusten, Nägel bohrten sich in meine Handflächen.

Lewyns Stimme war kaum mehr als ein Flüstern:

„Er… er sitzt wirklich dort… in Winterfell…“

Ich spürte, wie mein Herz raste. Doch neben der Angst war da diese unbändige Entschlossenheit, die sich in meiner Brust zusammenzog wie ein Sturm.

Die Kerze in Lewyns Zimmer flackerte matt, während wir noch immer stumm nebeneinander saßen, der Brief lag wie ein Fluch zwischen uns. Mein Herz raste. Ich fühlte mich, als würde ich jeden Moment ersticken. Da hörten wir plötzlich draußen im Gang eine Stimme – laut, panisch, voller Angst:

„Lukas! Wo bist du?! Lukas!“

Es war Papas Stimme. Ortengryn sprang auf, riss die Tür auf und rief hastig:

„Hier, Ser Jaime! Hier drin!“

Papas Gesicht war kreidebleich, seine Augen weit vor Sorge, als er hereinstürmte, Joren eng an seine Brust gedrückt. Joren weinte schrill, Tränen liefen über seine kleinen roten Wangen. Papa wiegte ihn kurz sanft hin und her, küsste ihm die Stirn und flüsterte leise:

„Ganz ruhig, mein kleiner Löwe… schau mal, da ist dein Bruder.“

Dann sah er mich – unsere Blicke trafen sich, meine Augen voller Angst. Ohne Worte deutete ich auf den Brief, der noch immer auf dem Tisch lag, das Siegel der Boltons blutigrot im Kerzenlicht leuchtend.

Papa übergab Joren vorsichtig an Ortengryn, der ihn sofort schaukelte und beruhigte. Er selbst setzte sich zu mir, legte seine warme, kräftige Hand auf meine Schulter und strich beruhigend darüber. Dann griff er nach dem Brief und begann zu lesen.

Sein Gesicht verfinsterte sich mit jedem Wort. Sein Kiefer spannte sich an, seine Augen wurden hart wie Stahl. Als er fertig war, warf er den Brief mit zitternder Hand auf den Tisch, zog mich fest an sich und hielt mich in einer Umarmung, die alles andere ausblendete.

„Ich hab dich lieb, Lukas. Und ich schwöre dir: Ich werde dich beschützen. Wir werden Ramsay zu Fall bringen – mit den Schwertern und mit beiden Händen. Lass nicht zu, dass seine Worte in deinen Kopf kriechen. Schieb sie weg. Du bist stärker als das.“

Ich nickte, Tränen stiegen mir in die Augen, doch seine Umarmung gab mir Halt. Ich klammerte mich an ihn.

„Ich liebe dich auch, Papa“, flüsterte ich heiser.

Ortengryn reichte mir Joren, der nun mit großen, noch leicht verweinten Augen zu mir aufsah. Ich nahm ihn auf den Arm, und sein unschuldiger, neugieriger Blick ließ meine Angst wie Eis in der Sonne schmelzen. Ich küsste seine Stirn, spürte, wie er sich an mich schmiegte, und atmete tief durch.

Lewyn schlug leise vor:

„Wir sollten den anderen morgen früh Bescheid geben. Wenn wir jetzt alle wecken, verursachen wir nur Panik…“

Wir stimmten ihm zu und schmiedeten einen Plan: Lewyn würde Rodrik, Jorah, Kevin und Rina informieren. Papa wollte Brienne, Tyrion, Bronn, Lennard und Paul aufklären. Ich selbst sollte Sansa, Erik, Cengiz und Nina alles erzählen.

Wir verabschiedeten uns von Lewyn, der in seinem Zimmer blieb, um Wache zu halten. Papa und ich gingen leise mit Joren in seinem Arm in sein und Briennes Zimmer. Drinnen war es ruhig, nur das leise Knacken des Kamins war zu hören. Papa legte sich links aufs Bett, ich rechts. Joren lag zwischen uns, gluckste müde, während seine kleinen Hände unsere Finger umklammerten.

Papa legte seinen Arm schützend um Joren und mich, sein Blick weich und voller Liebe:

„Meine zwei kleinen Löwen… ich werde euch immer beschützen.“

Ich legte meinen Arm ebenfalls um die beiden und flüsterte:

„Und ich werde euch beide auch immer beschützen.“

Joren gluckste zufrieden, sein Köpfchen rollte hin und her, dann gähnte er laut und lang. Papa und ich mussten leise lachen, die Anspannung der Nacht wich einem warmen Gefühl von Geborgenheit. Joren kuschelte sich zwischen uns, und gemeinsam fielen wir in einen ruhigen, erschöpften Schlaf.

2

Ein Kreis aus Familie

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Lewyn Ortengryn, Brienne von Tarth, Tyrion Lannister, Sansa Stark, Erik Stark, Cengiz Martell, Nina, Kevin Mormont, Jorah Mormont, Lennard Baratheon, Bronn, Dickon Tarly, Paul Lannister, Joren, Rodrik Forrester, Rina

Am Morgen begannen wir, wie verabredet, jeden zu informieren. Lewyn machte sich leise, aber bestimmt auf den Weg, um Rodrik, Jorah, Kevin und Rina Bescheid zu geben. Keine großen Worte, kein Aufsehen – nur ernste Gesichter und stille Entschlossenheit.

Papa suchte währenddessen Brienne, Tyrion und Paul auf. Sie saßen noch gemeinsam beim Frühstück, als er mit düsterem Blick auf sie zutrat. Er legte den Brief vor sich auf den Tisch, erzählte ihnen mit gepresster Stimme von Ramsays Nachricht und was das bedeutet. Briennes Gesicht wurde bleich, ihre Hand krampfte sich um Jorens kleines Händchen, den sie liebevoll an sich drückte. Tyrions Augen flackerten vor Zorn, doch als er zu Jaime sah, wurde sein Blick weich – er verstand, dass es jetzt um mehr als einen Kampf ging. Paul atmete schwer, schloss die Augen und nickte dann nur, während er leise murmelte:

„Wir sind bei euch. Bedingungslos.“

Gemeinsam – Brienne mit Joren auf dem Arm, Tyrion, Paul und Papa – machten sie sich sofort auf den Weg zu mir.

In der Zwischenzeit hatte ich bereits Erik und Sansa alles erzählt. Sansa war vor Schock erst erstarrt, dann schossen ihr Tränen in die Augen. Sie zog mich fest an sich, ihre Arme zitterten leicht.

„Ich werde Ramsay für dich aufhalten“, sagte ich, meine Stimme bebte, doch sie klang fester, als ich mich fühlte.

Sansa legte ihre Stirn an meine und sah mich mit einem Blick an, in dem Liebe und Angst glühten:

„Und ich will, dass du auf dich aufpasst. Du weißt nicht, wozu er fähig ist…“ „Sansa, ich–“ wollte ich einwenden, doch sie legte mir einen Finger auf die Lippen.

„Ich weiche nicht von deiner Seite. Wir schaffen das gemeinsam.“

Ich nickte, überwältigt von ihrer Stärke, und küsste sie sanft. Dann gingen wir zusammen weiter, um Nina und Cengiz aufzusuchen. Ich erzählte ihnen alles, während sie fassungslos wurden, Cengiz die Hände zu Fäusten ballte und Nina mir eine Hand auf die Schulter legte.

Genau in diesem Moment kamen Papa, Brienne, Tyrion und Paul auf uns zu. Als ich alle zusammen sah – die Gesichter meiner Familie und Freunde, voller Mitgefühl, Entschlossenheit, Sorge – übermannte mich plötzlich die Angst wie eine Lawine. Meine Beine wurden weich, meine Brust schnürte sich zu, ich rang nach Luft, während die Panik in mir hochkochte und ich unkontrolliert zu schluchzen begann.

Zeitgleich tauchten Lewyn, Kevin, Rina, Lennard, Rodrik und Jorah auf, alle mit ernsten Gesichtern, alle mit demselben Ziel: bei mir zu sein. Ich brach völlig in Tränen aus, mein Schluchzen hallte durch die Halle.

Papa stürzte zu mir, nahm mich fest in die Arme. Ich vergrub mein Gesicht in seiner Schulter, zitterte, weinte hemmungslos. Seine starke Hand strich mir immer wieder beruhigend durch die Haare.

Nach und nach kamen auch Sansa, Erik, Cengiz, Lennard, Tyrion, Paul, Kevin und Lewyn dazu. Sie legten ihre Hände auf meine Schultern, meinen Rücken, hielten mich fest. Schließlich schlossen sich alle zu einem Kreis, einem dichten Ring aus Menschen, die sich umarmten. Wir wiegten uns sanft hin und her, die Stille nur unterbrochen von leisen Schniefen, den beruhigenden Worten, die sich abwechselten:

„Wir sind bei dir.“ „Wir schaffen das.“ „Wir sind eine Familie.“ „Nichts wird uns trennen.“

Brienne, die Joren auf dem Arm hielt, kam mit ihm ganz nah an mich heran. Er sah mich mit seinen großen, unschuldigen Augen an, streckte sein Patschehändchen nach mir aus und gluckste leise – als wollte er sagen: Alles wird gut.

Papa hielt mich fest, sein Arm wie ein Schild um mich, seine Stimme ruhig und unerschütterlich:

„Es wird alles gut, mein Löwe. Wir stehen das gemeinsam durch. Niemand bricht uns.“

Ich fühlte die Hände der anderen auf mir, ihre Stimmen, die Wärme ihres Beistands. Und trotz der Angst, die in mir schwelte, spürte ich einen Anflug von Kraft. Einen Schimmer von Mut. Weil ich wusste: Ich war nicht allein.

Nachdem sich die Tränen getrocknet hatten, schoben wir alle den Schock beiseite und konzentrierten uns auf das, was nun kommen musste. Wir setzten uns in den großen Saal, Dickon hatte sich inzwischen zu uns gesellt, seine kräftige Gestalt vermittelte zusätzliche Stärke. Gemeinsam mit Papa begannen wir, den Plan zu schmieden: Wir würden die Lannister-Armee mobilisieren und sie zu den Crossroads Inn führen, von wo aus wir dann geschlossen über die Kingsroad nach Winterfell ziehen würden.

Papa und ich sahen uns an, wir wussten beide, dass wir nicht alle Soldaten gleichzeitig kontrollieren konnten. Also schlugen wir vor, die Armee in drei Teile zu gliedern, jedem Teil eigene Anführer zuzuteilen, um Chaos und Missverständnisse im Feld zu vermeiden.

„Der erste Teil wird von Lukas und mir geführt“, sagte Papa fest, während er eine Karte von Westeros ausbreitete und auf den Marschweg deutete. „Den zweite Teil“, fügte ich hinzu, „übergeben wir an Tyrion, Cengiz und Lennard – sie kennen sich gut mit Strategie aus und können die Truppen motivieren.“ „Und der dritte Teil“, ergänzte Papa, „geht an Jorah und Rodrik. Beide sind erfahrene Kämpfer und wissen, was Disziplin bedeutet.“

Es herrschte einen Moment lang angespannte Stille, dann nickten alle einstimmig. Jeder wusste, dass es gefährlich werden würde, doch in diesem Moment lag Entschlossenheit in den Gesichtern – und der unerschütterliche Wille, füreinander einzustehen.

Nachdem die Aufteilung geklärt war, erhoben sich alle langsam. Müde, aber mit einem klaren Ziel vor Augen, verließen sie nach und nach den Saal und zogen sich in ihre Zimmer zurück, um sich für die bevorstehenden Tage zu stärken.

3

Die Nacht vor dem Aufbruch

Schauplatz: Casterly Rock · Cengiz Martell, Nina, Lukas Lannister, Sansa Stark, Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Paul Lannister, Joren

Im Zimmer war es ruhig, nur der Wind rauschte leise durch die Schlitze des Fensters. Cengiz saß auf der Bettkante und fuhr gedankenverloren mit einem weichen Tuch über die makellos geschliffene Klinge von Zireael. Er betrachtete sein Spiegelbild in der schimmernden Klinge, bevor er über die Schulter zu Nina blickte.

„Bist du dir sicher, dass du mitkommen willst?“ fragte er leise, fast zögerlich.

Nina trat näher, ihre Augen funkelten entschlossen.

„Natürlich. Wir gehen da zusammen durch. Ich kämpfe an deiner Seite – immer.“

Sie setzte sich hinter ihn aufs Bett, schlang ihre Arme um seinen Hals und legte ihre Hände auf seine, die noch immer den Griff von Zireael hielten. Für einen winzigen Moment glaubte Cengiz, dass die Klinge ein sanftes, kühles Blau aufleuchten ließ. Gleichzeitig meinte Nina, ein zartes Pink über das Metall huschen zu sehen. Doch sie sagten nichts – sie hielten einfach still, spürten den Herzschlag des anderen.

Schließlich legten sie sich nebeneinander, hielten sich fest und glitten in einen unruhigen, aber hoffnungsvollen Schlaf, während draußen die ersten Vorbereitungen für den Aufbruch begannen.

Die Nacht hatte etwas Schweres an sich, als würde die Dunkelheit selbst die Anspannung spüren, die über der Burg lag. In meinem Zimmer lag Sansa noch ruhig schlafend neben mir, ihr rotes Haar im Mondlicht schimmernd. Ich konnte nicht schlafen, zu viele Gedanken rasten durch meinen Kopf. Vorsichtig schwang ich die Beine aus dem Bett, schlich mich hinaus und machte mich auf den Weg in die Küche.

Dort, im fahlen Licht einer einsamen Kerze, saß Paul am Tisch. Seine Augen starrten leer zur Decke, die Hände zitterten leicht. Ich gähnte, holte mir ein Glas Wasser und setzte mich ihm gegenüber.

„Paul… bist du bereit?“ fragte ich leise.

Er schüttelte nur den Kopf, seine Stimme bebte.

„Ich habe solche Angst… aber ich spüre auch so viel Wut. Wegen Gorwin. Ich will es Ramsay heimzahlen. Aber… ich habe Angst, dass ich einfriere, wenn es soweit ist. Dass ich nichts tun kann…“

Ich legte meine Hand fest auf seine und sah ihm tief in die Augen.

„Dann nimm deine ganze Angst und deine ganze Wut… und verwandle sie in Zorn.“ Er hob den Blick, suchte Halt in meinen Worten. „…nimm all deinen Zorn, Paul, und gib ihm ein Ziel. Lenke ihn auf Ramsay. Und wenn du Angst hast, kämpfst du einfach an meiner Seite.“

Einen Moment lang war es still. Dann erkannte ich, wie in seinen Augen aus Furcht Entschlossenheit wurde. Ich klopfte ihm auf die Schulter, wir standen gemeinsam auf und gingen zurück zu unseren Zimmern. Ich legte mich wieder zu Sansa, die sich schlaftrunken an mich schmiegte, und schloss endlich die Augen.

Ein leises Wimmern riss Jaime aus dem Schlaf. Joren wälzte sich unruhig, seine kleinen Hände ruderten tastend durch die Luft. Brienne setzte sich sofort auf, nahm ihn sanft hoch und schaukelte ihn, während Jaime die vorbereitete Flasche griff und sie dem Kleinen reichte. Gierig nuckelte Joren daran, sein Blick noch ganz verschlafen.

Jaime beobachtete seinen Sohn liebevoll, doch seine Gedanken schweiften ab.

„Brienne… ich habe Angst“, begann er rau. „Nicht nur davor, was Ramsay tun könnte. Sondern auch davor, dass Lukas… dass er bricht. Die Angst, die Erinnerungen… es könnte ihn zerreißen.“

Brienne sah ihn fest an, ihre Stimme ruhig, aber eindringlich.

„Er ist stärker als du denkst, Jaime. Und ihr habt die Schwerter, die Flüche… ihr werdet sie zu eurem Vorteil nutzen.“

Er nickte langsam, doch die Sorgen ließen sich nicht ganz verscheuchen.

„Ich habe trotzdem Angst… Angst, dass ich nicht mehr zurückkehre. Dass ich euch verliere.“

Brienne legte eine Hand an seine Wange.

„Du wirst zurückkehren. Zu uns. Und wir schaffen das zusammen.“

Joren war inzwischen fertig, seine Augen fielen wieder schwer. Brienne legte sich mit ihm ins Bett, Jaime folgte, zog sie beide dicht an sich. Joren kuschelte sich an seine Brust, gähnte herzhaft und griff nach Jaimes Händen. Für einen Moment hielten sich Vater und Sohn nur an den Händen, sahen sich an – dann murmelte Joren mit müder Stimme:

„Papa…“

Die Welt schien stillzustehen. Jaime starrte ihn ungläubig an, sein Herz schlug schneller, Brienne riss überrascht die Augen auf. Dann breitete sich ein strahlendes Lächeln auf Jaimes Gesicht aus. Er zog Joren noch enger an sich, Brienne legte ihren Arm um beide, und während draußen der Wind leise um die Mauern wehte, schliefen sie so, ganz eng beieinander, in dieser kleinen Insel aus Liebe ein.

4

Marsch nach Norden

Schauplatz: Unterwegs · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Cengiz Martell, Nina, Sansa Stark, Bronn, Erik Stark, Jorah Mormont, Lennard Baratheon, Lewyn Ortengryn, Kevin Mormont, Dickon Tarly, Paul Lannister, Joren, Rodrik Forrester

Der nächste Morgen kam still und schwer. Die Sonne schien zwar, doch jeder Schritt, den wir in Richtung Tor machten, schien von dem Wissen beschwert, dass wir nicht alle zurückkehren würden. Die Burg war still geworden, als sich unsere Gruppe sammelte: Ich, Papa, Tyrion, Paul, Cengiz, Sansa, Bronn, Erik, Rodrik, Jorah, Lennard und viele andere. Die Lannister-Armee war in Bewegung.

Bevor wir das Tor durchschritten, blieben Papa, Tyrion, Paul und ich stehen – Brienne wartete mit Joren auf dem Arm. Ich hörte, wie Joren leise "Papa" sagte, die Arme zu Jaime ausstreckend. Mein Herz schmolz – und als Brienne mir mit einem warmen, aber erschöpften Lächeln zuflüsterte:

„Seine ersten Worte. Es war das Erste, was er gesagt hat…“ blickte ich zu Papa, und in seinen Augen stand ein stiller, tiefer Stolz. Ohne Worte nahm er Joren noch einmal auf den Arm, küsste ihn auf die Stirn, streichelte ihm durchs Haar – dann gaben wir uns allen einen letzten festen Blick, bevor wir uns abwandten und die Tore von Casterly Rock hinter uns schlossen.

Die Straßen waren staubig, doch wir bewegten uns mit geregelter Ruhe. Die Teilarmeen waren aufgeteilt – geführt von Papa und mir, Tyrion mit Cengiz und Lennard, sowie Rodrik und Jorah. Die Struktur war klar, die Ordnung half uns, Ruhe zu bewahren.

Als wir Riverrun passierten, war das einst stolze Gemäuer kaum mehr als verkohlte Ruinen. Rauch kroch immer noch aus einigen Stellen. Ich hielt kurz an, mein Blick ruhte auf den Trümmern.

„Es wird Zeit, dass wir zurücknehmen, was sie uns genommen haben“, murmelte ich leise.

Wenig später näherten wir uns dem Whispering Wood – die Blätter dort flüsterten im leichten Wind wie Stimmen längst vergangener Schlachten. Hier war Stark-Blut vergossen worden, hier war Jaime einst gefallen, hier war Geschichte geschrieben worden… und sie schien uns zu beobachten.

5

Ein leeres Gasthaus

Schauplatz: Crossroads Inn · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Cengiz Martell, Nina, Sansa Stark, Bronn, Erik Stark, Jorah Mormont, Lennard Baratheon, Lewyn Ortengryn, Kevin Mormont, Dickon Tarly

Als die Sonne langsam versank, zeichnete sich der Umriss des Gasthauses ab – das Crossroads Inn, halb von Nebel umgeben, halb von der untergehenden Sonne vergoldet. Vor dem Gebäude standen mehrere beladene Wägen.

„Händler“, sagte Bronn. „Oder Durchreisende“, meinte Tyrion. „Merkwürdig, dass trotzdem alles frei ist“, warf Ortengryn ein. „Ja… sehr merkwürdig“, sagte Sansa leise, und ich spürte ihre Unruhe wie meine eigene.

Trotzdem gingen wir hinein. Der Wirt, ein älterer, bleicher Mann mit seltsam leerem Blick, empfing uns freundlich.

„Willkommen, meine Herren und Damen. Alles frei – ihr könnt bleiben, solange ihr wollt.“

Ich tauschte einen skeptischen Blick mit Ortengryn und Sansa. Irgendetwas war faul. Doch die Erschöpfung saß tief, die Männer waren müde, und der Tag war lang gewesen.

„Wir essen, und danach besprechen wir alles draußen mit den jeweiligen Einheiten“, schlug Papa vor.

Gesagt, getan. Nach dem einfachen, aber warmen Mahl – Brot, Fleisch, etwas Wein – gingen alle hinaus, um sich auf die Nacht vorzubereiten. Die Anführer kümmerten sich um ihre Einheiten. Wir wollten morgen bei Sonnenaufgang weiterziehen, die Kingsroad nach Norden nehmen, in Richtung Winterfell.