SEASON IX · KAPITEL 37

Lewyn Ortengryn

Die Geschichte des Maesters

WORUM ES GEHT

Lewyn erzählt Lukas seine Lebensgeschichte: als Waise aus Whitestone Hollow im Grünen Tal kam er zu den Maestern der Eyrie, dann an die Citadel und schließlich nach Ironrath, wo die Forresters ihm ein Zuhause gaben, bis Ramsay es zerstörte. Lukas tröstet ihn und verspricht, Ironrath zurückzuholen; Casterly Rock sei nun sein Zuhause. Eine Krähe mit dem Siegel der Boltons landet vor den beiden.

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Der Junge aus Whitestone

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Lewyn Ortengryn

Er schluckte, schien mit den Worten zu ringen, dann begann er leise:

„Weißt du… ich bin im Green Vale geboren. Ein kleiner, unscheinbarer Fleck in den Bergen – Whitestone Hollow hieß das Dorf. Die Häuser waren einfach, das Leben hart, aber es war ruhig. Ich kann mich kaum an meine Eltern erinnern… Nur Bruchstücke. Die Wärme ihrer Stimmen, das Gefühl einer starken Hand auf meinem Rücken. Dann… Stille.“

Er atmete flach ein, als müsse er sich zwingen, weiterzusprechen.

„Ein Fieber kam durchs Tal. Innerhalb von zwei Tagen war ich Waise. Ich konnte kaum laufen. Ich… Ich erinnere mich noch, wie ich in der Ecke saß, zu klein, um zu verstehen, warum sie nicht mehr aufwachten. Die anderen Dorfbewohner wussten nicht, wohin mit mir. Also schickten sie mich fort – in die Eyrie, zu den Maestern. Ich war ein Fremder unter Marmor. Ein Junge mit leeren Händen und noch leererem Herzen.“

Seine Stimme zitterte.

„Ich hatte keine Freunde dort. Nur Bücher. Kälte. Schweigen. Ich fragte nie nach meinem Nachnamen, denn niemand hatte mir je einen gegeben. Ich war einfach der Junge aus Whitestone. Kein Wappen. Kein Blut, das jemand zählen wollte.“

Er blickte in die Ferne.

„Als ich alt genug war, schickten sie mich zur Citadel nach Oldtown. Ich lernte alles – Pflanzenkunde, Heilkunst, Sternkunde, sogar die Kunst, Menschen zu trösten, obwohl ich selbst nie getröstet wurde. Ich bestand Prüfungen, band Ringe… doch in Wahrheit war ich nur auf der Suche nach einem Ort, wo ich mehr war als ein Schatten.“

Dann hob er den Blick. Eine Bitterkeit lag in seinem Ausdruck.

„Und dann… kam ich nach Ironrath. Zu den Forresters. Sie gaben mir ein Bett, ja, aber mehr noch: Sie gaben mir einen Namen. Nicht aus Blut, sondern aus Vertrauen. Sie nannten mich Freund, Bruder, manchmal sogar Onkel, wenn die Kinder mich neckten. Ich war nie wirklich einer von ihnen – aber sie behandelten mich so.“

Er presste die Lippen zusammen. Seine Stimme wurde brüchig.

„Ich habe sie geliebt. Jeden Einzelnen. Ich war endlich angekommen. Endlich… Zuhause.“

Dann senkte er den Kopf, und in seiner Stimme lag nur noch Schmerz.

„Aber dann kam Ramsay. Mit Feuer und Blut. Ironrath brannte. Ich… Ich habe den Schrei von Ser Ryon gehört, ehe sie ihn niederstachen. Ich habe die Leichen der Kinder gesehen. Der Alten. Der Wehrlosen.“

Seine Hände bebten.

„Ich… ich konnte nichts tun. Ich war kein Krieger. Nur ein Mann mit einer Kette. Ich stand zwischen den brennenden Balken… und betete. Und es kam keine Antwort.“

Er sah mich an, die Augen glänzten feucht.

„Ich habe versagt. Ich habe mein Zuhause verloren. Zum zweiten Mal.“

Seine Stimme brach. Tränen liefen ihm über die Wangen. Ich zog ihn zu einem großen, moosbedeckten Felsen am Rand des Burghofs, setzte mich mit ihm und legte meinen Arm um seine Schulter.

„Lewyn… es tut mir so leid, was du durchmachen musstest und glaub mir du hast nicht versagt“, sagte ich leise, meine Stimme voller Mitgefühl. „Ramsay wird eines Tages für das bezahlen, was er dir und den Forresters angetan hat. Ich verspreche dir: Wir holen ihr Heim zurück. Und bis dahin…“

Ich sah ihm tief in die Augen, die im Mondlicht glänzten.

„…bis dahin hast du hier, in Casterly Rock, ein Zuhause. Für immer. Du bist der coolste Maester, den ich kenne. Und ich bin froh, dass du hier bist.“

Er schluchzte, lachte leise, wischte sich die Tränen ab und umarmte mich dann fest.

„Danke, Lukas… du bist… du bist etwas ganz Besonderes. Du hast ein so großes Herz. Ich werde immer für dich da sein. Als dein Freund. Als dein Maester. Als dein Bruder im Geiste.“