SEASON VIII · KAPITEL 31

Let's Begin

Neue Hände, neue Wege

WORUM ES GEHT

Lukas und Jaime trainieren mit ihren neuen Händen, und in einem Mannschaftskampf entwaffnet Lukas seinen Vater. Nach einem ruhigen Monat wird Sansa nach Winterfell gerufen und reist mit Erik, Tyrion und Gorwin ab; zuvor küssen sich Lukas und Sansa, doch am letzten Abend streiten sie heftig über Haus Forrester, und Sansa fragt, ob Jaime seine Gefangenschaft vielleicht verdient habe. Lukas zieht sich verletzt zurück und kümmert sich um Paul, der sich um Gorwin sorgt. Drei Wochen später kommt ein Rabe aus Riverrun: Haus Tully hat sich Euron angeschlossen und hält Tyrion, Sansa, Erik und Gorwin gefangen. Jaime und Lukas ziehen mit Cengiz, Lennard, Paul, Bronn, Dickon und der Lannister-Armee los, während Jorah und Kevin bei Brienne bleiben.

1

Training im Morgennebel

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Brienne von Tarth, Sansa Stark, Erik Stark, Bronn, Cengiz Martell, Lennard Baratheon, Kevin Mormont, Jorah Mormont, Dickon Tarly, Paul Lannister, Ser Gorwin

Wir begannen langsam. Die Schwerter kreuzten sich mit einem ersten, vorsichtigen Klang, dann mit einem zweiten. Wir mussten beide erst wieder in ein Gefühl kommen – unsere Bewegungen waren anfangs etwas eckig, tastend. Aber bald fand Jaime wieder seinen Rhythmus, und ich folgte ihm. Schritt – Schlag – Block – Drehung. Wir bewegten uns über den Platz wie zwei Tänzer, die eine alte Melodie wiederentdeckten. Kein Zögern mehr, nur Konzentration. Die Hände gehorchten, der Atem war ruhig. Der Nebel wich langsam dem Licht der aufgehenden Sonne.

Nach einiger Zeit hielten wir inne, beide außer Atem, aber lachend. Ich strich mir den Schweiß von der Stirn. „Ich dachte, wir trainieren – nicht, dass du mir hier das Frühstück austreibst.“ „Ach bitte“, grinste Jaime. „Ich habe dich gerade drei Mal fast zu Boden gebracht.“ „Drei Mal gezuckt, meinst du wohl.“ Ich warf ihm einen schiefen Blick zu. „Du bist langsamer als ein betrunkenes Pony.“

Jaime schnaubte, warf sein Schwert in die Luft und fing es mit seiner rechten – funktionierenden – Hand auf. „Ach ja? Dann zeig mal, was du kannst.“

Und so begannen wir unseren kleinen, spaßigen Kampf. Die Hiebe waren schneller, die Schritte wendiger, und die Worte flogen ebenso wie die Schwerter:

„Willst du noch eine Pause, Vater? Oder gleich einen Stuhl und ein Glas Wein?“ „Red weiter, Lukas. Vielleicht hast du irgendwann mal das letzte Wort. Wenn ich tot bin.“ „Dann mach dich auf was gefasst. Ich hab noch viel zu sagen.“

Wir lachten laut, parierten, schlugen, drehten uns, und ich merkte: so hatte ich mich seit Jahren nicht mehr gefühlt. Frei. Lebendig. Ganz.

Doch dann ertönte plötzlich ein Pfiff vom Rand des Platzes. Wir hielten inne, atmeten schwer – und drehten uns um.

Und da standen sie. Tyrion. Brienne. Sansa. Erik. Paul. Bronn. Cengiz. Lennard. Kevin. Jorah. Dickon. Gorwin.

Sie alle sahen uns an – teils mit Staunen, teils mit Lächeln. Erik hatte die Hände in die Hüften gestemmt und schüttelte den Kopf. „Natürlich prügeln sie sich schon wieder.“ Tyrion hob die Brauen. „Ich bin mir nicht sicher, ob das Training oder ein familiärer Machtkampf ist.“

Ich konnte nicht anders als laut zu lachen. Jaime warf sein Schwert zur Seite, ich meines ebenfalls – und wir liefen lachend zu ihnen, durch den aufsteigenden Nebel, mit offenen Armen.

Die Sonne ging gerade auf über Casterly Rock. Und für einen Moment… war alles vollkommen.

Der Nebel war mittlerweile fast ganz verschwunden und die Sonne war nun warm auf unser Gesicht gefallen, als wir gemeinsam auf dem Übungsplatz standen – verschwitzt, lachend, umgeben von Freunden und Familie. Ich hatte gerade mein Schwert beiseitegelegt, als ich mich zu Jaime umdrehte, beide noch voller Adrenalin und Euphorie vom morgendlichen Training. Ich grinste.

„Was hältst du von einem kleinen Mannschaftskampf?“ fragte ich, während ich mir mit dem Unterarm über die Stirn wischte.

Er hob eine Braue. „Du willst dich blamieren?“

Ich lachte. „Eher dich blamieren.“

Das rief sofort Aufmerksamkeit hervor. Die anderen waren schnell Feuer und Flamme – ein paar Minuten später hatten wir uns aufgestellt, Schwerter in den Händen, bereit für das, was Tyrion mit verschränkten Armen beobachtete, als wäre er Richter eines Turniers.

„Also gut“, begann er mit theatralischer Stimme, während er zwischen uns auf und ab ging. „Die Regeln sind simpel – und ich erwarte, dass ihr sie einhaltet, auch wenn ihr allesamt die Angewohnheit habt, euch wie wildernde Wölfe aufeinander zu stürzen.“

Er hob einen Finger. „Erstens: Wenn euer Schwert euch aus der Hand geschlagen wird – raus. Zweitens: Wenn ihr einen Hieb abbekommt, der euch unter echten Bedingungen das Leben kosten würde – ebenfalls raus. Drittens – und das ist wichtig: Wenn der Anführer eures Teams besiegt wird – also entwaffnet wird oder einen ‘tödlichen’ Treffer bekommt – ist das gesamte Team ausgeschieden.“

Ich grinste zu Jaime rüber. „Du bist bereit zu verlieren?“

Er grinste zurück. „Ich hoffe, du bist bereit zu lernen.“

Dann fingen wir an, die Teams zu wählen. Natürlich war Jaime mein Gegenüber beim Auslosen.

Ich entschied mich zuerst: „Erik.“ Er kam mit einem breiten Grinsen zu mir und schlug mir die Faust gegen die Brust. Jaime wählte sofort Cengiz. Dann nahm ich Lennard – ein starker Kämpfer, präzise. Jaime grinste nur und deutete auf Bronn. Ich entschied mich für Kevin – er hatte auf seiner Reise sicher nicht nur Magiesteine gesammelt. Jaime wählte Jorah, der schon mit dem Holzschwert übte, als stünde er auf dem Schlachtfeld. Und schließlich wählte ich Paul – schnell, flink, unberechenbar. „Dann bleibt mir Dickon“, sagte Jaime mit einem Nicken. „Ich hätte ihn sowieso genommen.“

Tyrion trat zurück. „Na dann – auf mein Zeichen.“

Wir bildeten unsere Reihen, standen uns gegenüber, die Sonne blendete leicht von der Seite, das Gras unter unseren Füßen noch feucht.

„Los!“

Der Kampf begann.

Es war ein wildes, lautes Chaos aus Holzschlägen, Rufen, Staub und Gelächter. Erik war der Erste, der Kevin mit einem gezielten Tritt zur Seite schubste, woraufhin Jorah sich auf ihn warf – sie rollten über den Boden, bis Lennard mit einem Schrei eingriff. Ich hatte gerade Bronn pariert, als ich sah, wie Paul Dickon mit einem Trick entwaffnete – das war einer weniger.

Dann spürte ich einen Hieb gegen meine Schulter – nicht stark, aber genug, dass ich gemerkt hätte, dass es eine echte Wunde gewesen wäre. „Autsch. Okay, okay – das wär's gewesen“, murmelte Paul und ging lachend zur Seite. Erik schaffte es, Jorah zu überlisten, und auch Kevin brachte Bronn zu Fall, als dieser einen Moment zu unachtsam war.

Dann fiel Cengiz – von Lennard aus dem Gleichgewicht gebracht und durch einen Schlag an der Brust „getroffen“, eliminierte dabei aber auch Lennard selbst. Nur Jaime blieb.

Und ich.

Ich sah ihn an – verschwitzt, kampfbereit, mit funkelnden Augen.

Wir umkreisten uns. Jeder Schlag ein Echo unseres Trainings. Ich wusste, dass ich nur eine einzige Lücke brauchte – aber er war schneller, älter, erfahrener. Ich blockte, wich aus, versuchte eine Drehung, doch er konterte. Holz schlug auf Holz. Die Zuschauer rundherum hielten den Atem an.

Dann, mit einem kleinen Trick, den Erik mir einmal gezeigt hatte – eine scheinbar sinnlose Drehung, die den Gegner verwirrt – drehte ich mein Schwert in die linke Hand, lockte Jaime aus der Mitte… und zack – mit der rechten traf ich blitzschnell gegen seinen Griff.

Das Schwert fiel.

Stille. Für einen Moment.

Dann brach Jubel aus – von Erik, Kevin, Lennard, Paul, sogar von Tyrion, der die Arme hochriss. Ich grinste breit, sah Jaime an, der mich ebenso verblüfft wie amüsiert anstarrte.

„Gut gemacht“, sagte er mit einem ehrlichen, stolzen Lächeln. Ich trat vor, reichte ihm meine linke Hand, half ihm auf.

„Du wirst alt, Vater.“

„Oder du einfach besser“, sagte er, fast stolz. Ich grinste nur, schlug ihm auf die Schulter – und dann gingen Erik, Lennard und ich schon mal voraus zum Frühstück.

Hinter uns folgten Jaime, Bronn und Cengiz – in gemütlichem Schritt.

Cengiz stieß Jaime in die Seite. „Sag mal… hast du ihn gewinnen lassen?“ Jaime zuckte nur mit den Schultern, der Blick nach vorn gerichtet. „Wer weiß… vielleicht. Vielleicht auch nicht.“ Bronn lachte ebenfalls.

Kurz darauf saßen wir alle gemeinsam beim Frühstück – erschöpft, hungrig, glücklich. Das Brot war warm, der Käse würzig, die Stimmen laut. Und während wir lachten, aßen und Pläne für den Tag schmiedeten, spürte ich es tief in mir:

Ich war genau da, wo ich sein sollte.

2

Ein Ruf aus dem Norden

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Erik Stark, Cengiz Martell, Tyrion Lannister, Sansa Stark, Paul Lannister, Ser Gorwin

Der letzte Monat war wie ein Traum.

Wir hatten trainiert, gelacht, gefeiert. Ich fühlte mich freier als je zuvor – mein Körper war stärker geworden, mein Geist klarer, meine goldene Hand war keine Last mehr, sondern ein Teil von mir. Vater und ich hatten fast täglich trainiert und mittlerweile waren wir beide wieder auf einem Niveau mit Cengiz, Erik, Lennard oder Bronn. Das alte Feuer brannte wieder in uns.

Und an einem dieser warmen Nachmittage saßen wir gemeinsam im Garten – Vater, Erik, Cengiz, Tyrion, Sansa, Gorwin, Paul und ich. Die Sonne tauchte alles in goldenes Licht, es roch nach Gras und leicht nach gebratenem Fleisch aus der Küche. Wir hatten gute Laune. Bis der Diener kam.

Er reichte uns eine versiegelte Nachricht, ein Rabe aus dem Norden.

Sansa öffnete ihn und las ihn leise, dann nochmal. Ihre Stirn legte sich leicht in Falten, aber sie war ruhig, kontrolliert wie immer. „Sie bitten mich, nach Winterfell zu kommen. Es geht wohl nur darum, nach dem Rechten zu sehen. Nichts Dringendes, aber... sie hätten gerne, dass ich mich zeige.“

Wir sahen uns kurz in der Runde an.

Erik sagte sofort: „Ich begleite dich. Wenn einer auf dich aufpasst, dann ich.“ Sansa lächelte dankbar. Cengiz winkte ab. „Der kalte Norden ist nichts für mich. Ich geh lieber mit Paul in den Weinkeller.“ Paul grinste. „Klingt nach einem besseren Plan.“

Tyrion streckte sich gemütlich. „Ich war schon lange nicht mehr in Winterfell... ein paar alte Erinnerungen auffrischen wäre nicht schlecht. Ich komm mit.“ Vater und ich warfen uns einen kurzen Blick zu. Irgendwas in uns zögerte – aber keiner von uns sagte etwas.

Da meldete sich Gorwin plötzlich zu Wort. „Ich würde auch gerne mitkommen.“

Paul sah ihn erschrocken an. „Bist du dir sicher?“ Gorwin legte ihm ruhig die Hand auf die Schulter. „Ja. Ich wollte schon immer den Norden sehen. Und vielleicht kann ich helfen.“ Paul nickte langsam, wenn auch sichtlich besorgt. Ich merkte mir, dass ich später mit ihm darüber reden sollte – aber in dem Moment sagte ich nichts.

Kurz darauf standen wir auf, verstreuten uns. Ich ging mit Vater in Richtung Übungsplatz. Die Sonne sank langsam, ein paar Wolken zogen über den Himmel.

„Was meinst du?“, fragte er schließlich. „Sollen wir mitgehen?“

Ich überlegte, seufzte dann. „Ich weiß nicht. Ich bin eigentlich gerade... zufrieden hier. Es fühlt sich gut an.“

Er nickte verstehend. „Mir geht’s genauso. Ich will ehrlich gesagt auch lieber hierbleiben – bei dir, bei Brienne... falls sie Hilfe braucht.“

Ich sah ihn an und lächelte leicht. „Also bleiben wir?“

Er klopfte mir auf die Schulter. „Ja. Aber, wenn du dich umentscheidest – ich komme mit. Ich hab dir versprochen, dich nie wieder alleine zu lassen.“

Ich lachte und schlug ihm leicht gegen den Rücken. „Alles gut, wir bleiben hier. Ich sag’s Sansa nachher.“

Dann übten wir. Das Training war intensiv, schnell, hart – aber auch voller Spaß. Unsere Bewegungen waren flüssig, wir blockten, konterten, wir lachten und stöhnten über wunde Muskeln.

Später, als die Sonne längst verschwunden war und nur noch der Mond über Casterly Rock thronte, traf ich Sansa wieder bei der alten Bank. Sie lächelte, als sie mich sah, und umarmte mich liebevoll. Ich hielt sie einen Moment fester als sonst. Wir setzten uns und rückten näher aneinander.

„Wann willst du los?“ fragte ich leise.

„Übermorgen früh“, sagte sie ebenso leise. Ich nickte und schloss kurz die Augen.

Dann fragte sie mich: „Willst du mich nicht begleiten?“

Ich öffnete die Augen wieder, sah sie an. „Es tut mir leid. Ich... Ich bleibe lieber hier. Bei Vater und Brienne. Ich will helfen, wo ich kann. Und ich... Ich freue mich so auf meinen kleinen Bruder, weißt du? Ich will hier sein, wenn er kommt. Ich genieße das Training. Ich genieße einfach... hier zu sein.“

Ich verhaspelte mich ein wenig, suchte nach den richtigen Worten. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich rechtfertigen. Ich erwartete eine Enttäuschung, ein genervtes Seufzen vielleicht. Doch sie sah mich nur mit diesem ruhigen, warmen Blick an und sagte:

„Das ist doch kein Problem, Lukas. Es macht mich glücklich, wenn du glücklich bist. Und ich habe ja Erik, Tyrion und Gorwin bei mir. Wir passen aufeinander auf.“

Ich atmete aus. Doch dann hob ich den Blick wieder.

„Aber… ich weiß nicht, ob ich wirklich glücklich bin, wenn ich daran denke, dass ihr unterwegs seid. Dass du, Erik, Tyrion, Gorwin da draußen seid... und ich hier. Ich hab einfach Angst. Dass euch etwas passiert.“

Ich hatte kaum zu Ende gesprochen, da beugte sie sich plötzlich vor – und küsste mich.

Es war ein sanfter, warmer, ruhiger Kuss. Nicht überstürzt, nicht ungeduldig. Er fühlte sich an wie ein Versprechen. Ich erwiderte ihn – zärtlich, tief. Mein Herz schlug mir bis zum Hals.

Als sie sich löste, grinste sie mich an. „Bist du jetzt glücklich?“

Ich war völlig überrumpelt, sah sie erstaunt an – und dann lächelte ich.

Langsam, fast ehrfürchtig, nickte ich. „Ja... ich bin glücklich.“

Sie drückte meine Hand kurz, dann stand sie auf. „Ich geh schlafen. Wir sehen uns morgen.“

Ich blieb allein auf der Bank zurück. Über mir spannte sich ein wolkenloser Himmel voller Sterne. Der Mond war fast voll. Ich sah nach oben, schloss die Augen.

Und spürte es tief in mir:

Ja, ich war glücklich. Endlich.

3

Abschiede vor der Reise

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Tyrion Lannister, Erik Stark, Sansa Stark, Paul Lannister, Ser Gorwin

Der nächste Tag begann wie jeder andere – ruhig, vertraut, fast schon idyllisch. Aber unter der Oberfläche lag diese gewisse Schwere, dieses Wissen, dass heute nicht alles gleich bleiben würde. Onkel Tyrion, Erik, Gorwin und Sansa waren damit beschäftigt, ihre Sachen zu packen. Das Ziel: Winterfell. Die Heimat der Starks.

Ich versuchte den Tag normal zu verbringen, trainierte am Morgen mit Vater, lachte mittags mit Paul und Lennard, doch je näher der Abend rückte, desto stiller wurde ich.

Es war spät, die Sonne war längst untergegangen, als ich aufbrach, um mich zu verabschieden.

Zuerst ging ich zu Gorwin. Er stand in seinem Zimmer, prüfte gerade ein kleines Reisebündel. Als er mich sah, drehte er sich um und lächelte.

„Du wirst den Norden mögen“, sagte ich leise und trat näher. Er nickte. „Ich bin gespannt. Und keine Sorge, Lukas. Ich passe auf alle auf.“ Ich legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ich weiß. Pass auch auf dich auf.“

Wir umarmten uns kurz, dann verließ ich ihn, ließ ihn zurück mit seiner Vorfreude und dem Licht der Laterne.

Nächster Halt: Tyrion.

Er saß in seinem Gemach, trank gerade den letzten Schluck aus einem Kelch. Als ich klopfte, hob er nur die Hand, als Zeichen hereinzukommen. Ich trat ein.

„Du gehst also wirklich zurück in den kalten Norden, Onkel.“

Er grinste. „Na ja, es gab angenehmere Reisen, aber ich glaube, ich werde es überleben. Es wird Zeit, dass ich mich wieder daran erinnere, wie Winter schmeckt.“ Ich schmunzelte. „Pass auf dich auf.“ „Du auch. Und halt deinen Vater von Dummheiten ab.“ Ich zwinkerte ihm zu. „Leichter gesagt als getan.“

Dann verließ ich auch ihn – und klopfte ein paar Minuten später an Eriks Tür. Er öffnete selbst, sah mich an, seine Reisekleidung bereits an.

„Komm rein, Bruder“, sagte er. Ich trat ein, schlug ihn leicht gegen die Schulter. „Lass Sansa nicht aus den Augen, ja?“ „Ich würde eher sterben“, sagte er ernst. „Und Gorwin und Tyrion sind bei mir. Wir schaffen das.“ Ich nickte, rang mir ein Lächeln ab. „Ich weiß. Trotzdem...“ Er zog mich kurz in eine Umarmung. „Wir sehen uns bald.“

Und dann... stand ich vor ihrer Tür. Ich zögerte einen Moment, atmete tief durch und klopfte.

„Herein“ kam ihre Stimme.

Ich öffnete die Tür. Sansa saß auf dem Bett, ein Buch aufgeschlagen neben sich, doch als sie mich sah, legte sie es zur Seite und lächelte.

4

Disputes and Despair

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Sansa Stark

DISPUTES and despair

Ich schloss die Tür hinter mir, setzte mich wortlos zu ihr. Ohne ein weiteres Wort beugte sie sich vor und küsste mich. Sanft, wie gestern. Vertraut. Dann legte sie sich in meine Arme und ich hielt sie. Es war für einen Moment, als wäre alles ruhig in der Welt.

Doch mein Herz schlug schneller. Ich konnte nicht anders.

„Warum genau... musst du nach Winterfell?“, fragte ich leise.

Sansa sah kurz auf. „Haus Forrester hat um ein Treffen gebeten. Es geht um die Eisenhain-Vorkommen. Alte Handelsrechte. Sie wollen mit mir verhandeln.“

Forrester.

Der Name traf mich wie ein Schlag. Ich hatte ihn schon mal gehört. Lang, lang ist’s her. Ein Gespräch zwischen meiner Mutter und meinem Großvater Tywin. Ein Brief... Ein Brief der Forresters, damals, als mein Vater von Robb Stark gefangen war. Ich erinnerte mich nur vage an die meisten Zeilen – bis auf eine, die sich eingebrannt hatte:

„Wir werden die Starks in allen Belangen unterstützen, um euer verlogenes, aus Inzest bestehendes Haus für immer zu vernichten, und wir werden mit dem Königsmörder anfangen und seinen Kopf nach King's Landing schicken, falls die Starks uns nicht schon zuvor gekommen sind.“

Die Worte brannten wie Feuer in meinem Inneren.

Ich spannte mich an. Sansa merkte es sofort. „Was ist los?“, fragte sie vorsichtig.

Ich atmete scharf ein. „Ich finde es nicht gut, dass du mit diesem... verlogenen Haus verhandeln willst.“

Sie sah mich verwirrt an. „Was meinst du?“ „Die Forresters haben den Lannisters damals den Krieg erklärt. Sie haben gedroht, meinem Vater den Kopf abzuschneiden. Als er gefangen war. Sie haben ihn behandelt wie ein Tier. Wie... wie Dreck.“ Meine Stimme wurde wütender. „Und jetzt willst du mit diesen Leuten verhandeln?“

Sie schien überrascht, dann leicht verärgert. „Lukas... sie haben sich dem Haus Stark gegenüber immer loyal verhalten. Sie haben nie den Glauben an uns verloren. Sie sind standhaft gewesen, ehrlich, ehrenvoll. Ich kenne sie. Sie sind nicht deine Feinde.“

„Nicht meine Feinde?“, fuhr ich dazwischen. „Sie wollten meinen Vater tot sehen. Sie wollten seinen Kopf nach King's Landing schicken. Als wäre er ein Preis. Dein Bruder Robb, deine Mutter Catelyn... sie alle haben ihn behandelt, als wäre er kein Mensch. Sie haben ihm jede Würde genommen.“

Jetzt wurde auch sie wütend.

„Wage es nicht, ihre Namen hier so in den Mund zu nehmen“, sagte sie scharf. „Und falls du es vergessen hast, ich war währenddessen ebenfalls gefangen. In King's Landing. Von deiner Familie.“

Ich schnaubte. „Oh, richtig. Du warst gefangen in der Hauptstadt. Du konntest tun und lassen, was du wolltest. Du hast das Leben einer Königin gelebt, während du gefangen warst.“

Sie funkelte mich an, entsetzt.

„Du weißt nicht wie ich mich gefühlt habe…“ zischte sie.

Ich spürte, wie mir der Zorn in den Nacken stieg.

„Nein weiß ich nicht.“, sagte ich genervt. „Es war sicher die Hölle für dich. Aber für meinen Vater? Es muss ein Kinderspiel für ihn gewesen sein, es war ja nicht so, als hätte er über ein Jahr lang in seiner eigenen Scheiße gesessen und jeden Tag um sein Leben gebangt.“

Ich konnte bei allem Willen nicht glauben, dass sie ihre Gefangenschaft, mit der von Papa verglich.

Ich sah sie an, immer noch zornig, verletzt. Doch da verengten sich ihre Augen, welche mich fixierten und sie begann langsam, ruhig und voller Ernsthaftigkeit mir eine Frage zu stellen:

„Hast du jemals auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht... nach allem, was er getan hat, ob dein Vater es vielleicht verdient hat, was ihm dort passiert ist?“

Stille.

Ich spürte, wie meine Schultern schwer wurden, mein Herz wie ein Stein in meiner Brust lag. Ich starrte sie an. Enttäuschung, Entsetzen, Schmerz – alles lag offen in meinem Gesicht.

Ich öffnete den Mund: „Wie kannst du es wagen...“

Langsam stand ich auf.

Ich sah sie noch einmal an. Und mit einem enttäuschten Nicken sagte ich nur:

„Wenn du das, was du gerade gesagt hast wirklich ernst meinst, dann bleib doch in deinem ach so geliebten Norden mit den ach so tollen Forresters. Gute Reise, Sansa.“

Dann drehte ich mich um, öffnete die Tür – und ging.

Ich schloss die Tür leise hinter mir.

Der Flur war still. Mein Zimmer nicht weit. Ich ging wie durch Nebel.

Und als ich die Tür hinter mir schloss und mich aufs Bett sinken ließ, starrte ich einfach nur ins Dunkel.

5

Der Morgen danach

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Cengiz Martell, Lennard Baratheon, Bronn, Kevin Mormont, Brienne von Tarth, Paul Lannister

Der Morgen war trüb, als würde das Wetter meine Stimmung spiegeln. Ich blieb einfach liegen, das Kissen über den Kopf gezogen. Es klopfte leise an der Tür, Brienne rief nach mir, ihre Stimme sanft und besorgt. Ich bewegte mich nicht. Tat so, als würde ich schlafen. Ihre Schritte entfernten sich schließlich.

Ich wollte Sansa, Erik, Tyrion und Gorwin nicht noch einmal sehen. Nicht nach dem, was gestern gesagt wurde. Nicht mit diesem Knoten in der Brust, mit dem bitteren Nachgeschmack ihrer Worte in meinem Kopf.

Ich ließ das Frühstück ausfallen, wollte niemandem begegnen. Ich zog mir nur schnell etwas über und schlich mich in Richtung Ausgang – doch der Zufall spielte mir nicht in die Karten.

Cengiz und Lennard standen in einem Flurabschnitt, redeten lebhaft über ihre Schwerter – „Zireael“ und „Stormbreaker“. Cengiz hielt sein Schwert wie eine Auszeichnung.

„Wenn du mit Zireael durch einen Schildwall brichst, hörst du diesen Ton – wie wenn Eisen selbst aufgibt.“ Lennard grinste breit und klopfte gegen seine Klinge. „Und wenn Stormbreaker daneben reinhaut, bleibt von dem Schild nichts übrig außer Splitter im Gesicht des Gegners.“ „Schonmal einen Nordmann gesehen, der zwei Schritte zurückgeht, bevor er fällt?“ fragte Cengiz, fast begeistert. „Letztes Mal bei den Banditen im Süden“, antwortete Lennard. „Die beiden hier waren wie ein Donnerschlag.“ Sie hielten kurz inne, als sie mich bemerkten.

„Na, Schlafmütze“, sagte Lennard mit einem Schmunzeln. „Hast du den halben Tag verschlafen, oder was?“ Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Konnte nicht schlafen. Wollte etwas spazieren gehen.“ „Kommst du nicht mit frühstücken?“ fragte Cengiz. Ich schüttelte den Kopf. „Kein Appetit.“ Sie sahen sich kurz an, dann nickten sie. „Na gut. Bis später.“

Ich sah ihnen nach und ging dann in Richtung des Übungsplatzes. Er war leer, still – genau das, was ich gerade brauchte.

Ich setzte mich in die Mitte des Platzes, auf den kalten Boden, sah in den Himmel, in dem sich erste graue Wolken zusammenzogen. Die Gedanken rasten. Bilder von gestern Abend. Ihre Worte. Ihr Blick.

Beim Frühstück fragte Vater irgendwann, wo ich und Paul seien. Kevin antwortete: „Paul sitzt in seinem Zimmer. Hat wohl keinen Hunger.“ Cengiz zuckte mit den Schultern. „Lukas meinte, er will spazieren. War wohl nicht nach Frühstück.“ Bronn, der gerade in einen Apfel biss, sah zu Jaime. „Scheint, als wärst du heute der einzige Lannister mit Appetit.“ Die anderen lachten leise.

Doch Jaime runzelte die Stirn. Da stimmte was nicht. Er wandte sich an Cengiz: „Weißt du, in welche Richtung er gegangen ist?“ „Richtung Übungsplatz, glaub ich.“ „Danke“, sagte Jaime nur – und stand auf.

Er verließ den Saal mit ruhigen, aber bestimmten Schritten.

Ich saß währenddessen noch immer da, starrte in die langsam dunkler werdenden Wolken. Dann spürte ich plötzlich eine sanfte Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um – Vater.

„Hey, mein Großer. Alles okay?“, fragte er ruhig. Ich schluckte. „Oh… hey Papa. Öhm… ja, alles okay, denke ich.“

Er sah mich lange an. Sagte nichts. Setzte sich neben mich und blickte ebenfalls in den Himmel.

„Du bist angespannt, weil sie weg sind, oder?“

Ich nickte zögerlich. „Ja, schon… Ich vertraue den Forresters nicht. Ich... ich mag sie nicht.“

Vater schwieg einen Moment, dann sagte er: „Ich verstehe dich. Aber hey, dein Onkel Tyrion und Gorwin – sie wissen, wie man sich aus der Affäre zieht. Und Erik... du weißt, wie gut er ist. Er wird sie beschützen, egal was passiert.“

Er machte eine Pause, dann sprach er leise weiter:

„Und Sansa... sie ist eine starke junge Frau, sie weiß wie man die richtigen Worte wählen muss, um das zu erreichen, was sie möchte.“

Ich atmete tief durch. Irgendwas in mir zog sich zusammen, aber ich zwang mich zu einem schwachen Lächeln. „Damit hast du auf jeden Fall recht.“

Er schlug mir leicht auf den Rücken. „Na also. Kein Grund zur Panik.“

„Ja…“, sagte ich – halb überzeugt, halb schauspielernd.

Dann wechselte er das Thema, fast wie beiläufig: „Weißt du, was mit Paul los ist? Kevin meinte, er sitzt nur in seinem Zimmer.“

Ich sah ihn überrascht an – und plötzlich fiel mir Pauls Blick ein, als Gorwin gesagt hatte, er würde mit nach Winterfell kommen. Diese plötzliche Anspannung. Dieses Erschrecken.

„Ich glaube… es könnte mit Gorwin zu tun haben“, murmelte ich. „Aber ich weiß nicht, wieso.“

Vater legte den Kopf leicht schräg, sein Blick blieb sanft. „Vielleicht solltest du mal nach ihm sehen. Bring ihm was zu essen. Und dir auch. Ich denke, du könntest das brauchen.“

Ich sah ihn an – und wusste, dass er durchschaute, wie es in mir aussah. Dass er wusste, dass mich etwas anderes belastete, worüber ich mit ihm (noch) nicht reden konnte. Dass er es nicht von mir verlangte, sondern mich ablenken wollte. Und das... bedeutete mir viel.

„Okay“, sagte ich schließlich. „Lass uns reingehen. Ich schau nach Paul.“

In diesem Moment begann es zu regnen. Dicke, kalte Tropfen fielen vom Himmel und platschten auf den Sand des Platzes. Vater lachte leise. Ich auch.

Drinnen in der Burg war es warm, der Regen prasselte noch gegen die Fenster, während ich mir in der Küche etwas zu essen zusammenstellte. Zwei grüne Äpfel, ein Stück frisches Brot, etwas würziger Käse – nichts Großes, aber genug, um jemanden auf andere Gedanken zu bringen. In meinem Kopf drehte sich alles um das Gespräch mit Papa... und um Paul.

Ich lief die Stufen hinauf zu seinem Zimmer und klopfte leise an seine Tür. Keine Antwort.

„Hey, Cousin… ich hab etwas zu essen dabei“, sagte ich vorsichtig und öffnete langsam die Tür.

Das Zimmer war nur schwach beleuchtet. Die Vorhänge waren zugezogen, das Licht des Morgens kaum zu sehen. Ich entdeckte Paul auf dem Bett, eingehüllt in seine Decke. Nur seine dunklen Haare ragten hervor. Dann bewegte er sich langsam, zog die Decke von seinem Gesicht.

Seine Augen waren rot. Er hatte geweint.

„Ich hab keinen Hunger“, murmelte er matt.

Ich trat ein, schloss leise die Tür hinter mir und setzte mich zu ihm ans Bett. Mit einem leisen, traurigen Lächeln blickte ich ihn an.

„Paul… bitte. Sag mir, was los ist. Und lüg mich nicht an, ja?“

Er seufzte schwer, lange. Dann starrte er auf das Muster der Decke vor sich. „Es ist wegen Gorwin…“

Ich runzelte die Stirn. „Wegen Gorwin?“

„Ich hab Angst, Lukas… ich hab Angst, dass ihm etwas passiert.“

Ich legte ihm vorsichtig die Hand auf die Schulter, fühlte wie angespannt sein ganzer Körper war. „Hey… Erik ist dabei. Onkel Tyrion, Sansa. Sie werden auf ihn aufpassen. Du weißt, wie vorsichtig Gorwin ist.“

Er schüttelte den Kopf. „Es geht nicht nur darum, dass er vorsichtig ist. Es ist... mehr als das.“

Ich schwieg, ließ ihn reden.

„Als mein Vater – Kevan – und mein Bruder Lancel in der Sept gestorben sind…“, begann er stockend, „… da war ich in Essos. Ich war ganz allein. Ich hatte niemanden mehr… keinen, dem ich mich richtig öffnen konnte. Kein Lannister, kein Freund, nichts. Nur Stille.“

Seine Stimme war brüchig, aber ich unterbrach ihn nicht.

„Und Gorwin… er hat irgendwie erkannt, womit ich kämpfe. Ohne dass ich es aussprechen musste. Er hat sich einfach neben mich gesetzt. Und wir haben geredet. Immer wieder. Über alles – meine Familie, seine Erlebnisse, Politik, Träume… über Dinge, über die ich sonst nie mit jemandem rede. Er hat mir geholfen, Lukas. So verdammt sehr.“

Ich spürte einen Kloß in meinem Hals. Es wurde mir klar – Gorwin war für Paul das, was Papa für mich war. Sein Halt. Sein Vertrauter.

Ich drückte sanft seine Schulter. „Ich versteh dich… wirklich. Ich weiß, wie das ist, jemanden zu haben, bei dem man endlich so sein kann, wie man wirklich ist.“ Ich sah ihn an. „Aber ich verspreche dir… er kommt zurück. Und bis dahin... kannst du auch mit mir reden. Wann immer du willst.“

Paul nickte langsam, dankbar. Sein Blick war noch voller Zweifel, aber er vertraute mir. Dann schaute er mich prüfend an, als würde er mich durchleuchten.

„Du kämpfst auch mit was, oder?“, fragte er leise.

Ich zögerte. Schluckte. Doch dann nickte ich und ließ meinen Blick zu Boden sinken.

„Sansa und ich… wir haben uns geküsst“, sagte ich zuerst.

Ein kleines, echtes Lächeln stahl sich in sein Gesicht. „Wirklich? Das ist… wow. Ich mein, das ist schön, Lukas.“

Ich atmete tief ein.

„Ja… war es auch. Bis gestern Abend.“

Sein Lächeln verschwand langsam, als er meine Miene sah.

„Was ist passiert?“, fragte er sanft.

Ich erzählte ihm alles. Die ganze Szene. Mein Abschied von allen. Mein Gespräch mit Sansa. Der Streit. Ihre Verteidigung der Forresters. Mein Zorn. Ihre Worte. Und dann…

„Sie hat mich angesehen… und gefragt, ob ich jemals daran gedacht hab, ob mein Vater vielleicht verdient hat, was ihm damals passiert ist…“

Paul erstarrte. Sein Blick war leer.

Ich fuhr fort, leiser: „Ob er es verdient hatte… gefangen genommen zu werden. Seine Hand zu verlieren. Wie ein Tier behandelt zu werden.“

Meine Stimme zitterte.

„Ich weiß, ich hab sie auch verletzt. Ich hab ihre Familie erwähnt. Robb. Catelyn. Ich war wütend… aber diese Worte…“, ich schüttelte langsam den Kopf, „… sie haben mich zerschmettert. Ich kann sie nicht vergessen.“

Paul sah mich tief an, mit echter Betroffenheit.

„Lukas… ich glaube nicht, dass sie das so gemeint hat. Du kennst sie. Du weißt, dass sie deinen Vater… dass sie Jaime mag. Sie hat das im Affekt gesagt. Sie war verletzt. Wütend.“

Ich nickte, aber es war ein langsames, trauriges Nicken.

„Vielleicht“ murmelte ich. „Aber sie hat es ausgesprochen. Und es war, als würde jemand mit einem Hammer mein Herz in tausend Stücke schlagen.“

Paul schwieg. Dann sagte er nach einer langen Pause: „Wenn sie zurückkommt… red mit ihr. Versuch es. Und ich… ich rede mit Gorwin. Ich will, dass du wieder lachst. Und ich will, dass du deinen Frieden findest. Auch mit ihr.“

Ich atmete tief durch, schluckte schwer – und doch fühlte ich mich plötzlich leichter.

„Das ist… wahrscheinlich der beste Plan, den wir im Moment haben“, sagte ich ehrlich.

Dann griff ich in das kleine Päckchen, das ich mitgebracht hatte. Holte zwei grüne Äpfel hervor, das Brot, den Käse.

Ich grinste schwach. „Weißt du was? Ich glaub, wir beide könnten was zu essen vertragen.“

Paul lachte leise, fast kindlich – ein kleiner Funke Lebensfreude in seinem Blick. „Bei einem grünen Apfel kann kein Lannister widerstehen“, sagte er und griff zu.

Wir aßen. Nicht viel, aber genug, um uns wieder etwas normaler zu fühlen. Danach sahen wir uns an.

„Karten spielen?“, fragte ich. „Nur, wenn du bereit bist, zu verlieren“, antwortete Paul mit einem aufkeimenden Grinsen.

Wir verließen gemeinsam das Zimmer und gingen nach unten zu den anderen, wo bereits ein paar Stühle und ein Kartentisch standen. Für einen Moment – nur für diesen Moment – ließen wir die Sorgen ruhen. Wir lachten, spielten, und es war… gut.

6

Nachricht aus Riverrun

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Cengiz Martell, Lennard Baratheon, Bronn, Brienne von Tarth, Kevin Mormont, Jorah Mormont, Dickon Tarly, Paul Lannister, Rina

Die drei Wochen danach vergingen langsam – zäh wie kalter Honig. In Casterly Rock schien der Alltag wieder eingekehrt zu sein, doch unter der Oberfläche brodelte etwas. Jeder wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Ruhe zerbrechen würde.

Ich trainierte täglich mit Vater, oft zusammen mit Cengiz und Lennard. Die Übungen wurden intensiver, präziser. Ich wurde stärker, schneller – aber mein Blick war oft in die Ferne gerichtet. Manchmal, in den ruhigen Momenten zwischen den Hieben, spürte Jaime, dass mich noch etwas beschäftigte. Doch er fragte nicht. Noch nicht.

Cengiz und Lennard verbrachten ebenfalls viel Zeit miteinander. Sie hatten sich zu einer Art Brüderpaar entwickelt, besonders im Training. Immer wieder diskutierten sie über ihre Klingen – „Zireael“, Cengiz’ elegantes, silberweißes Schwert aus valyrischem Stahl, geschmiedet mit einem Griff aus Drachenglas, blitzte im Sonnenlicht wie reines Licht. Und „Stormbreaker“, Lennards massives Breitschwert, kraftvoll und alt, soll aus den Überresten eines legendären Donnerschwerts geschmiedet worden sein, das einst in Valyria verwendet wurde. In den Übungskämpfen waren sie ein fast perfektes Team – Cengiz schnell und wendig, Lennard wie ein Bollwerk aus Stahl.

Bronn hielt sich meist zwischen Waffenkammer, Taverne und Wachtruppen auf. Er machte seine üblichen Sprüche, doch man merkte, dass auch er gespannter war als sonst. Wann immer jemand nach seinem Rat fragte, war er zur Stelle – nicht unbedingt mit einem Lächeln, aber mit einem scharfen Verstand.

Brienne, inzwischen deutlich schwanger, hatte das aktive Training eingestellt, kümmerte sich aber mit eiserner Konsequenz um die Organisation innerhalb der Burg. Sie war oft mit Rina, Kevins Frau, unterwegs – zwischen den beiden hatte sich eine starke Freundschaft entwickelt. Sie waren das ruhige Zentrum inmitten der Unruhe.

Kevin verbrachte seine Zeit zwischen der Bibliothek und dem Übungsplatz. Er studierte alte Aufzeichnungen – über die Tullys, Riverrun, die Boltons, Greyjoys. Gleichzeitig trainierte er mit mir und Paul, sprach aber nur wenig. Man merkte ihm an, dass sein Geist ständig arbeitete, dass er etwas witterte.

Jorah kümmerte sich um die Außenwachen, ließ Späher aussenden, prüfte die Handelsrouten. Seine Erfahrung aus Essos machte ihn zu einem wertvollen Beobachter. Oft war er auf den Türmen, den Blick gen Norden gerichtet.

Dickon Tarly führte die Soldaten an, plante Verteidigungsübungen, organisierte die Versorgung. Seine stille, aber feste Art wurde respektiert – und als nötig erachtet.

Doch während all das geschah, lag stets diese nervöse Stille über allem – das Wissen, dass etwas im Schatten lauerte.

In meinem Zimmer herrschte noch Gelächter. Paul, Kevin, Cengiz, Lennard und ich saßen um einen Tisch. Das Spiel war hitzig, Paul grinste triumphierend, gerade im Begriff eine Runde zu gewinnen – als die Tür aufgerissen wurde.

Mein Vater stand dort – die Augen wach, die Stimme scharf: „Jungs, schnell! Kommt mit nach unten. Wir treffen uns im Speisesaal. Ich hole Bronn, Jorah und Dickon!“

Ohne Erklärung. Ohne Mimik. Und doch war alles in seinem Blick.

Wir alle erstarrten. Sekunden nur – dann sprangen wir auf und liefen los.

In den Gängen zog Paul an meinem Ärmel. „Lukas… ich hab ein ganz, ganz schlechtes Gefühl.“, flüsterte er. „Was ist, wenn… was ist, wenn es um Gorwin geht? Oder Sansa, Tyrion, Erik? Sie sollten doch erst in einer Woche in Winterfell ankommen. Warum sonst ruft uns dein Vater so dringend – und so spät?“

Ich schluckte. „Es gibt sicher andere Gründe. Vielleicht ist’s nur eine Versammlung. Vielleicht… erlaubt er sich einen Scherz.“ Ich zwang ein Lächeln. Paul nickte – aber der Zweifel wich nicht aus seinen Augen. Und ich… ich begann es selbst zu fühlen. Diese Stille vor dem Sturm.

Kaum waren wir da, da kamen auch mein Vater, Bronn, Jorah und Dickon herein. Ihre Gesichter sprachen Bände – blass, ernst, geschockt. Keine Spur von Alltäglichkeit.

Ich trat nach vorn. „Was ist los?“, fragte ich. Meine Stimme klang fremd.

Jorah trat vor, zog ein versiegeltes Pergament hervor. „Ein Rabe aus Riverrun.“, sagte er. „Mit einer Botschaft.“

Dann entrollte er den Brief – und begann zu lesen.

Nachricht aus Riverrun

An die Herren von Casterly Rock.

Wir haben Tyrion Lannister, Sansa Stark, Erik Stark und Pfarrer Gorwin gefangen genommen. Sie befinden sich in sicheren Zellen unter dem Haus Tully – das nun dem Königshaus dient.

Haus Tully hat sich, mit klarem Verstand und aus Überzeugung, der wahren Ordnung unterworfen. Wir stehen nun an der Seite von König Euron Greyjoy, Lord Ramsay Bolton und Qyburn, der rechten Hand des Königs.

Wenn ihr eure Angehörigen jemals wieder lebendig sehen wollt, kommt nach Riverrun – alle, deren Namen auf dieser Nachricht stehen.

Dort werdet ihr unser Angebot hören.

Weigert ihr euch oder kommt ihr nicht rechtzeitig, werden sie nie wieder das Tageslicht sehen.

Riverrun steht. Und der Norden beugt sich.

– Im Namen des Königs

Gezeichnet: Haus Tully

Stille. Nur das Flackern der Kerzen. Dann ein leiser, gebrochener Laut neben mir.

Paul.

Er krallte sich an meinen Arm, zitterte, seine Augen voller Tränen. Ich zog ihn sofort an mich, legte den Arm um ihn, spürte, wie er kämpfte, nicht zusammenzubrechen.

„Wir werden sie retten. Alle.“, flüsterte ich ihm zu. „Wir haben schon Schlimmeres überstanden. Dann schaffen wir das auch.“

Rufe, Fragen, Wut und Angst brachen aus. Kevin schüttelte den Kopf, Lennard lief auf und ab, Cengiz starrte regungslos auf den Tisch.

Dann hob mein Vater die Hand. „Ruhe.“, sagte er mit fester Stimme. „Jorah und ich besprechen heute Nacht den Plan. Ihr alle – geht jetzt in eure Zimmer. Ruht euch. Morgen früh besprechen wir alles und dann brechen wir auf.“

Widerwillig, aber geschlossen, nickten wir. Als ich mit Kevin, Paul, Cengiz und Lennard gerade gehen wollte, trat mein Vater zu uns.

„Kevin, Lukas – bleibt bitte kurz noch hier.“

Ich drehte mich zu Cengiz und Lennard. „Passt bitte auf Paul auf, ja? Er… er braucht euch gerade.“ Beide nickten ernst, legten Paul die Hände auf die Schultern und führten ihn hinaus.

Kevin und ich stellten uns vor unsere Väter – Jaime und Jorah.

Mein Vater sah mich ruhig an. „Lukas… du kommst mit mir.“, sagte er. „Wir beide gehen. Ich lasse dich nicht allein.“

Dann wandte sich Jorah an Kevin: „Du bleibst mit mir hier. Wir halten Casterly Rock, kümmern uns um Brienne und Rina. Und wenn das Kind kommt… dann informieren wir euch rechtzeitig. Damit ihr bei der Geburt da sein könnt.“

Kevin und ich nickten langsam.

Dann verließ Jorah mit Kevin den Raum.

Ich blieb mit Jaime zurück. Und der Blick, den er mir zuwarf, sagte alles.

7

Vater und Sohn am Kamin

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister

Der große Raum war still. Nur das Knistern des Feuers im Kamin war zu hören, während wir beide – Papa und ich – darin standen. Draußen war die Nacht längst hereingebrochen. Der Mond hing schwer über den Zinnen von Casterly Rock, als würde auch er spüren, dass etwas im Umbruch war.

Ich sah meinen Vater an – diesen Mann, der so vieles erlebt hatte, so vieles verloren hatte und trotzdem hier stand. Mein Vater. Und ich schüttelte langsam den Kopf.

„Glaubst du… glaubst du, dass bei ihnen alles okay ist?“, fragte ich leise, fast als würde ich hoffen, dass seine Antwort etwas in mir beruhigen könnte. „Tyrion… Sansa… Gorwin… Erik…“

Er sah mich an, sein Blick fest, voller Überzeugung. Dann nickte er.

„Ja. Das glaube ich wirklich“, sagte er ruhig. „Das ist eine Gruppe, die weiß, wie man überlebt. Tyrion denkt schneller als jeder andere. Erik hat den Norden im Blut. Sansa… ist viel klüger und stärker, als viele ihr je zugetraut haben. Und Gorwin…“ – ein kurzes, fast bewunderndes Lächeln flog über sein Gesicht – „…Gorwin hat das Herz eines Löwen und die Geduld eines Weisen. Sie halten zusammen. Und die Tullys… sie mögen jetzt glauben, Stärke auf ihrer Seite zu haben, aber sie wissen, dass sie keinen offenen Krieg gegen uns führen können. Nicht gegen die Armee von Casterly Rock. Nicht gegen uns.“

Ich glaubte ihm. Ich wollte ihm glauben. Und doch spürte ich diese Leere in mir.

„Wieso muss schon wieder so etwas passieren?“, fragte ich, meine Stimme nun brüchiger. „Wieso immer wieder diese Angriffe, diese Machtspiele…? Warum können wir nicht einfach nur in Frieden leben?“

Er senkte kurz den Blick. Dann atmete er tief durch.

„Ich frage mich das auch oft, Lukas. Sehr oft.“ Seine Stimme war jetzt wärmer, leiser. „Aber die Wahrheit ist: Es wird erst enden, wenn wir all jene besiegt haben, die unseren Frieden nicht wollen. Solange es Männer wie Euron Greyjoy, Ramsay Bolton und Qyburn gibt, wird es keine Ruhe geben. Sie leben vom Chaos. Vom Leid anderer.“

Ich seufzte schwer. „Dann kann das noch lange dauern… und ich weiß nicht mal, wie es je enden soll.“

Auch er schüttelte nun den Kopf. „Ich auch nicht. Aber wir werden einen Weg finden. Wir haben ihn immer gefunden.“

Eine kurze Stille trat ein. Ich sah zum Kamin, beobachtete die züngelnden Flammen, spürte, wie sich diese Mischung aus Angst, Entschlossenheit und Müdigkeit in meiner Brust breit machte.

Dann sprach er weiter: „Aber morgen, Lukas, ist unsere erste Priorität klar: Wir ziehen los. Mit Cengiz, Lennard, Paul, Bronn, Dickon, der Lannister Armee… Wir holen Tyrion, Erik, Gorwin und Sansa zurück. Und zwar lebend.“

Ich nickte, ohne den Blick vom Feuer zu nehmen.

Dann merkte ich, wie sich sein Blick auf mich legte. Dieses typische, väterliche Schweigen – wenn er spürte, dass da noch mehr war. Dass ich etwas sagte… aber nicht alles.

„Was bedrückt dich?“, fragte er schließlich ruhig. „Du wirkst… nicht nur wegen der Nachricht so aufgewühlt.“

Ich schwieg einen Moment. Er ließ mir die Zeit. Kein Drängen. Nur das Feuer, sein Blick und die Nacht.

Schließlich sagte ich leise: „Ich werde es dir sagen. Versprochen. Aber… jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.“

Er nickte sofort, keine Enttäuschung in seinem Gesicht – nur Verständnis. „Gut. Dann warte ich. So lange du brauchst.“ Dann legte er seine Hand auf meine Schulter, warm und fest. „Aber du kannst mir immer alles erzählen, Lukas. Was auch immer es ist. Ich bin immer für dich da.“

Ich sah ihn an – die ganze Welt hielt ihn für unnahbar, furchteinflößend oder gefühlskalt. Aber ich kannte ihn anders, wirklich. Ich kannte sein Herz. Und ich wusste, dass er es ernst meinte.

„Ich weiß“, antwortete ich leise. „Und du kannst mir auch immer alles erzählen. Egal wann. Egal was. Ich bin für dich da.“

Ein Lächeln zog über sein Gesicht, eins, das ich selten sah – weich, voller Stolz. Dann klopfte er mir mit einer Mischung aus Stärke und Zärtlichkeit auf die Schulter.

„Weißt du… wir zwei haben hart trainiert in den letzten Wochen und Monaten. Und wenn ich es mir so ansehe…“, sagte er grinsend, „…dann stehen da gerade zwei der besten Schwertkämpfer, die Westeros je gesehen hat.“

Ich schnaubte ein kleines Lachen, halb belustigt, halb stolz. „Wirklich? Besser als Arthur Dayne und Brienne?“

„Brienne hat dich wahrscheinlich noch immer in zwei Zügen am Boden… aber ja. Ich würd’ sagen, wir sind auf gutem Weg. Zu Arthur Dayne muss ich nichts sagen, oder?“ Dann wurde er wieder ernst. „Hol deine Decke und dein Kissen. Du schläfst heute auf der Couch bei uns. Ich will, dass du morgen fit bist, wenn wir aufbrechen. Keine Diskussion.“

Ich zögerte kurz. Dann nickte ich, nahm einen tiefen Atemzug und ging los.

Denn morgen würde der Krieg beginnen.

8

Ausmarsch der Löwen

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Cengiz Martell, Lennard Baratheon, Bronn, Dickon Tarly, Jorah Mormont, Kevin Mormont, Paul Lannister

Die Nacht war still gewesen. Selbst der Wind, der sonst durch die Gänge von Casterly Rock pfiff, hatte geschwiegen. Ich war schnell eingeschlafen – überrascht davon, wie sehr Vaters Worte mich tatsächlich beruhigt hatten. In seinem Beisein fiel alles etwas leichter, als hätte seine bloße Nähe mir den Mut zurückgegeben, den ich so dringend brauchte.

Am nächsten Morgen herrschte Bewegung. Noch vor Sonnenaufgang packten wir unsere Sachen. Rüstungen wurden geschnallt, Schwerter überprüft, Taschen gesichert. Alles ging schnell, ohne viele Worte – jeder wusste, was auf dem Spiel stand.

Dann gingen wir zu Brienne, die uns am Burgtor erwartete. Ihr Bauch war nun deutlich gerundet. Ich umarmte sie fest. „Pass gut auf dich auf“, sagte ich. Sie nickte und sah dann Vater lange an. Keine Worte, nur ein Blick, der alles sagte: Kommt zurück. Beide. Vater küsste sie, hielt kurz inne – dann gingen wir weiter.

In der Großen Halle war bereits alles vorbereitet. Dort standen Cengiz, Lennard, Paul, Bronn und Dickon, kampfbereit, entschlossen – als warteten sie nur auf den ersten Trommelschlag. Sie reihten sich neben uns auf. Jeder von ihnen trug sein Schwert wie eine Verlängerung seiner selbst. Man spürte den Willen in ihren Blicken – diese Reise war keine Pflicht, sie war ein Schwur. Eine Mission.

Jorah und Kevin standen vorn, erhoben sich auf ein Podest, und Jorahs Stimme hallte durch den Raum: „Freunde! Brüder! Wir ziehen heute los, geführt von Ser Jaime Lannister – nicht nur ein Krieger, sondern ein Vater, ein Anführer, ein Mann mit einem Ziel. Wir marschieren nach Riverrun, um unsere Verbündeten zu retten. Sansa Stark, Tyrion Lannister, Erik Stark und Gorwin – sie werden nicht alleine gelassen!“

Kevin übernahm: „Während ihr zieht, halten Jorah und ich die Stellung hier in Casterly Rock. Wir passen auf Brienne auf, und sobald sich das Kind ankündigt, geben wir Nachricht – damit Vater und Sohn rechtzeitig bei der Geburt da sein können.“

Ich sah kurz zu Vater, der leicht nickte. Dann streifte mein Blick Paul – blass, aber fest. Cengiz ballte die Fäuste, bereit. Lennard legte die Hand auf den Griff von Stormbreaker. Bronn spuckte kurz aus, dann grinste er. Dickon wirkte wie ein Sturm im Innern – ruhig, aber voller Kraft.

Dann war es soweit. Wir traten aus der Großen Halle hinaus auf den weiten Platz vor dem Schloss.

Und dort… stand sie.

Die Lannister-Armee.

Reihen um Reihen aus goldroten Bannern, glänzenden Rüstungen, Helmen, Pferden, Schwertern. Die Banner mit dem goldenen Löwen flatterten im Wind. Die Sonne erhob sich langsam hinter uns, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet. Der Himmel färbte sich in goldene Streifen – als stünde Westeros selbst in Flammen.

Ich sog die Luft ein. Stolz. Angst. Hoffnung. Alles vermischte sich in mir zu einem einzigen Gedanken:

Wir retten sie. Was auch immer es kostet.

Wir stiegen auf unsere Pferde. Ich vorne, neben Vater. Hinter uns: Paul, Cengiz, Lennard, Bronn, Dickon. Noch einmal warf ich einen Blick zurück – auf Brienne, Jorah und Kevin, die aus den oberen Fenstern blickten. Dann preschte Jaime vor und rief:

„Lannisters! Auf nach Riverrun! Für unsere Familie – für unsere Freunde!“

Die Trommeln begannen zu schlagen und Rains of Castamere begann zu spielen. Ein dunkler, tiefer Rhythmus – wie das pochende Herz eines gewaltigen Tieres.

Und wir ritten los.

Die Erde bebte unter den Hufen. Die Banner tanzten im Wind. Gold und Rot bewegten sich wie ein lebendiger Strom durch die Landschaft. Und über allem hallte ein Gedanke in mir: Wir sind Lannisters. Wir geben niemanden auf.