Lebendiges Gold
Für einen Moment passierte nichts. Dann begannen die Steine sanft zu leuchten – zuerst schwach, dann immer stärker, bis sie das Wasser um unsere Hände in warmes, lebendiges Licht tauchten. Ein Kribbeln breitete sich in meiner rechten – meiner goldenen – Hand aus. Es war kein Schmerz, sondern etwas Wohltuendes, fast wie eine Umarmung von innen.
Nach einigen Sekunden ließ das Leuchten langsam nach. Ich spürte... meine Finger. Verwirrt zog ich die Hand aus dem Wasser. Sie war noch immer aus Gold – wunderschön, glänzend – aber ich konnte sie fühlen. Ich konnte jeden Muskel bewegen, jede Sehne spüren, als wäre sie wieder echt.
Fassungslos blickte ich zu Jaime. Auch er hob seine goldene Hand aus dem Wasser und bewegte die Finger langsam, als könnte er es selbst kaum glauben.
Wir starrten einander an – ungläubig, erstaunt, und dann lachten wir, ein freudiges, fast unkontrolliertes Lachen, das aus der Tiefe unserer Seelen kam.
Tyrion, Gorwin und Kevin standen da und sahen uns genauso überwältigt an. Es war, als hätte uns das Schicksal nach allem, was wir verloren hatten, endlich etwas zurückgegeben. Etwas, das wir längst abgeschrieben hatten.
Wir standen noch immer am Brunnen, als die Freude über unsere wiedererlangte Kraft sich wie ein Feuer in unseren Herzen ausbreitete. Ich konnte nicht anders, als Kevin, Tyrion und Gorwin nacheinander zu umarmen. „Danke“, murmelte ich leise, ehrlich. „Ich weiß nicht, was ihr da gefunden habt… aber es hat etwas verändert. Etwas Gutes.“
Wir kehrten in den Aufenthaltsraum zurück, füllten die Becher und stießen an – auf das Leben, auf Freundschaft, auf Wunder, die man nie erwartet. Das Bier schmeckte süßer als sonst, fast so, als würde es die Freude in uns widerspiegeln. Wir lachten, prosteten uns zu, feierten still, aber herzlich, während draußen die Sterne über Casterly Rock funkelten.
Irgendwann, als die Augen schwer wurden und die Wärme des Alkohols sich ausgebreitet hatte, verabschiedeten sich Kevin, Jorah und Tyrion, ihre Stimmen müde und zufrieden. Sie wünschten uns eine gute Nacht und zogen sich auf ihre Zimmer zurück.
Nur Vater und ich blieben zurück. Wir saßen nebeneinander auf der steinernen Bank am Rand des Brunnens, ein Bierkrug in der Hand, den Blick in den Himmel gerichtet. Ein leichter Wind strich durch den Garten, trug den Duft von Gras und Blüten zu uns herüber.
Ich lächelte glücklich, nahm einen Schluck und lehnte mich leicht gegen die Banklehne. Nach einer Weile fragte ich ihn mit einem schelmischen Grinsen: „Was glaubst du eigentlich, wie Brienne reagieren wird, wenn sie das sieht?“ Ich hielt meine goldene – nun wieder lebendige – Hand hoch und bewegte spielerisch die Finger.
Jaime lachte leise und schüttelte den Kopf. „Sie wird es nicht glauben“, sagte er mit diesem weichen Tonfall, den er sich nur für Brienne und mich aufhob. „Wahrscheinlich wird sie erst drei Mal dagegen schlagen müssen, um sicherzugehen, dass sie sich das nicht nur einbildet.“ Er zwinkerte mir zu, und ich lachte leise.
Dann wurde er ernster, sah mich von der Seite her an und fragte: „Und du? Was hast du dir gewünscht, Lukas?“
Ich blickte in meinen Bierkrug, drehte ihn langsam zwischen den Fingern, bevor ich antwortete. Meine Stimme war leise, ehrlich. „Ich habe mir gewünscht... dass ich euch alle beschützen kann. Dich, Brienne... meinen kleinen Bruder, wenn er geboren wird. Onkel Tyrion. Alle, die ich liebe. Dass ich stark genug sein werde, damit sie sicher sind. Damit ihnen nichts passiert.“
Jaime sah mich einen Moment lang an, lange und nachdenklich. Ich hob schließlich den Kopf und lächelte leicht. „Und du?“, fragte ich sanft.
Er blickte in die Nacht hinaus, und ich sah, wie sein Gesicht für einen Moment von tiefer Zuneigung durchzogen war. „Dasselbe“, sagte er ruhig. „Dass ich euch beschützen kann. Dich, Brienne, Tyrion... und den kleinen, wenn er endlich auf die Welt kommt. Dass ich die Fehler meiner Vergangenheit nicht mehr wiederhole. Und dass ich diesmal alles tue, um euch zu bewahren.“
Ich schluckte hart und nickte, ein Kloß im Hals. Wir saßen einfach da, zwei Männer, zwei Krieger verbunden durch Blut und Liebe und all das Leid, das wir überwunden hatten.
Schließlich stemmte Vater sich ächzend von der Bank hoch und streckte die Hand aus. Ich nahm sie – unsere beiden goldenen Hände, jetzt lebendig und warm – und ließ mich hochziehen.
„Und morgen früh“, sagte er mit einem Lächeln, „trainieren wir. Neue Hände, neues Glück.“
Ich grinste breit. „Mach dich auf was gefasst, Vater. Ich hab dich schon früher fast geschlagen – jetzt wird’s ernst.“
Er lachte und legte seinen Arm um meine Schulter, während wir langsam zurück in Richtung unserer Zimmer gingen. Die Burg war still, der Flur nur von wenigen Fackeln beleuchtet. Unsere Schritte hallten leise über den Boden. Als wir an meiner Tür ankamen, klopfte er mir noch einmal leicht auf den Rücken.
„Gute Nacht, mein Sohn“, sagte er leise. Ich lächelte. „Gute Nacht, Vater.“
Dann traten wir jeweils in unsere Zimmer. Und ich blieb noch einen Moment an der Tür stehen, die Stirn an das kühle Holz gelehnt, und fühlte, wie mein Herz vor Dankbarkeit fast platzte.
Ein Morgen voller Hoffnung
Die Tür zu Briennes und Jaimes Gemächern öffnete sich leise, nur das leise Knarren der alten Scharniere war im dämmrigen Licht des Morgens zu hören. Jaime schloss die Tür sanft hinter sich, eine Kerze in der Hand, deren Schein warm über sein Gesicht tanzte. Seine goldene Hand, die nun wieder lebendig war, bewegte sich leicht zitternd, als wäre sie noch immer nicht ganz daran gewöhnt, sich wieder zu regen.
Brienne lag schlafend auf der Seite, das Gesicht halb von goldenem Haar umrahmt, die Hand schützend auf dem kleinen, kaum sichtbaren Bauch. Jaime trat näher, seine Schritte leise. Doch seine Ungeduld, seine überschäumende Freude waren stärker als jede Vorsicht.
„Brienne“, flüsterte er zärtlich, während er sich neben sie setzte und ihr sanft über den Arm strich. „Brienne, wach auf.“
Sie blinzelte, öffnete langsam die Augen, noch ganz in der Wärme des Schlafs gefangen. „Jaime? Ist etwas passiert?“
Er grinste breit und hob die Kerze etwas höher, dann zeigte er ihr seine rechte Hand – die sich nun mit einem sanften Zittern öffnete und schloss. Brienne starrte für einen Moment, als würde sie träumen. Dann riss sie die Augen auf und richtete sich mit einem Ruck auf.
„Was…? Wie? Wie ist das möglich?!“ Ihre Stimme war ein halbes Lachen, ein halbes Schluchzen.
„Magie“, sagte Jaime mit einer Stimme, die vor Staunen selbst noch nicht ganz glaubte, was geschehen war. „Kevin hat auf seiner Reise mit Jorah, Dickon und Rina zwei seltsame Steine mitgebracht. Sie… erkennen selbstlose Wünsche. Und wenn man sie ins Wasser hält…“ Er bewegte die goldene Hand erneut. „…geben sie einem etwas zurück. Lukas und ich… wir beide… es hat bei uns funktioniert.“
Brienne warf die Decke zur Seite, sprang auf und umarmte ihn so fest, dass ihm fast die Luft wegblieb. „Du kannst sie wieder bewegen…“, murmelte sie fassungslos. „Ich kann dich beschützen“, sagte Jaime, seine Stirn an ihre gelehnt. „Dich… unseren Sohn… Lukas. Tyrion. Alle.“
Brienne legte ihre Hände an sein Gesicht, Tränen in den Augen. „Du warst nie weniger ohne diese Hand. Aber ich weiß, was das für dich bedeutet.“ Jaime nickte. „Es bedeutet… Hoffnung.“
Sie küsste ihn, sanft, lange. Dann schoben sie sich wieder unter die Decke, eng umschlungen. Und während draußen der Morgen dämmerte, schliefen sie noch einmal ein – in dem Wissen, dass sie stärker waren als je zuvor.
Der Himmel war noch in zarten Nebel gehüllt, als ich mich, mit einem warmen Umhang und dem Übungsschwert in der Hand, zum Trainingsplatz begab. Die Steine unter meinen Füßen waren noch feucht vom Morgentau, und meine goldene Hand fühlte sich so eigenartig vertraut an, als hätte sie nie etwas anderes gekannt.
Am Platz wartete Jaime schon, ebenfalls mit einem Holzschwert in der Hand. Wir sahen uns an – Vater und Sohn – und beide mussten wir grinsen wie zwei Jungs auf ihrem ersten Turnier.
„Bereit, alter Mann?“ „Bereit, du vorlauter Welpe“, gab Jaime zurück und warf mir ein Schwert zu, das ich mit der linken Hand fing – und dann mit der rechten drehte. Ein wohliges Kribbeln durchzog meinen Arm.