SEASON VII · KAPITEL 29

Girls Girls Girls

Zurück in Casterly Rock

WORUM ES GEHT

In Casterly Rock erfährt die Gruppe von Ser Alton Darrik, dass Sansa und Gorwin nach Storm's End aufgebrochen sind. Lukas kann wegen Marlis' Sachen nicht in sein Zimmer, findet Trost bei Jaime und Brienne und schläft bei Erik. Am nächsten Morgen kehren Sansa und Gorwin zurück; Sansa ohrfeigt Lukas, weil er sie betäubt hatte, umarmt ihn dann aber. Bei einem nächtlichen Spaziergang erzählt Lukas ihr alles, und sie kommen sich näher, bis Kevin, Jorah, Dickon und Kevins Frau Rina eintreffen. Kevin zeigt zwei geheimnisvolle Steine aus Essos, die Lukas und Jaime in den Brunnen tauchen.

1

Heimkehr ohne Marlis

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Brienne von Tarth, Cengiz Martell, Lennard Baratheon, Erik Stark, Bronn, Paul Lannister

Als wir endlich Casterly Rock erreichten, war es, als hätte sich der Kreis geschlossen. Die Zitadelle ragte über dem Meer auf, wie aus einem anderen Zeitalter. Mein Zuhause.

Ein Mann wartete am Tor. Mittleres Alter, wacher Blick, graue Schläfen – elegant, aber zurückhaltend.

„Willkommen zurück in Casterly Rock. Ich bin Ser Alton Darrik, Vertreter von Ser Gorwyn.“

Tyrion trat nach vorn. „Wo ist Gorwyn?“

Alton neigte respektvoll den Kopf. „Ser Gorwyn und Lady Sansa sind vor wenigen Tagen nach Storm’s End aufgebrochen.“

Ich spürte, wie sich Frust in meinem Magen regte. „Verdammt... wir haben sie verpasst.“

Wir sahen uns alle an – genervt, angespannt. „Schickt einen Raben nach Storm’s End“, sagte ich. „Sagt ihnen, sie sollen zurückkommen.“

Die Gruppe begann sich aufzulösen. Die Anspannung der letzten Tage wich der Erschöpfung. Alle suchten ihre Zimmer auf – außer mir.

Ich stand vor meiner alten Tür. Die Hand auf der Klinke. Aber ich konnte sie nicht drücken.

Es war, als würde etwas mich festhalten. Marlis.

Ich wusste, was hinter der Tür auf mich wartete. Ihr Kleid auf dem Stuhl. Ihre Haarbürste auf dem Tisch. Ihre Notizen. Ihre Wärme – eingefroren in Gegenständen.

Ich trat zurück, drehte mich um und ging den Gang entlang. Ohne wirklich zu wissen, wohin. Dann blieb ich vor der Tür von Vater und Brienne stehen. Klopfte leicht.

„Papa?“ Meine Stimme war fast ein Flüstern.

„Komm rein, mein Junge“, hörte ich Jaimes Stimme. Warm. Offener, als ich es erwartet hatte.

Ich trat ein. Brienne saß auf dem Bett, Jaime am Fenster. Als sie mich sahen, standen sie beide sofort auf.

„Alles in Ordnung?“ fragte Brienne leise.

Ich wollte ja sagen. Aber... „Ich bin einfach nur froh, dass ich lebe“, sagte ich. Dann stockte ich. „Aber… ich kann nicht in mein Zimmer. Alles ist noch da… von ihr.“

Brienne trat zu mir, nahm meine Hand. „Setz dich.“

Ich ließ mich auf das Bett sinken. Brienne setzte sich neben mich, Jaime auf die andere Seite. Dann zogen sie mich in eine Umarmung – fest, ehrlich, tröstlich. Ich schloss die Augen. Ließ es zu.

Niemand sprach.

Dann sagte Brienne vorsichtig: „Wenn du willst, helfen wir dir morgen, die Sachen wegzuräumen. Du musst das nicht alleine machen.“

Ich nickte. Keine Worte. Aber ich wusste, sie spürten, was ich meinte.

Dann sprach Jaime, seine Stimme tief und ruhig: „Du sollst sie nicht vergessen, Lukas. Sie war Teil deines Lebens. Und wird es immer sein. Aber du darfst auch nach vorne schauen… auf deinen Bruder. Auf das, was kommt.“

Ich atmete tief durch. Spürte, wie sich ein Knoten in mir löste. „Danke… euch beiden.“

Brienne sah mich sanft an. „Wenn du willst, kannst du heute Nacht hier schlafen.“

Ich lächelte – zum ersten Mal seit dem Gespräch. „Eigentlich gern… aber ich glaube, ich geh zu Erik. Ich muss ihn ein bisschen aufziehen, dafür, dass er beim Kampf geheult hat.“

Jaime lachte laut. „Ganz wie Ich. Schwarzer Humor in schweren Momenten.“

Brienne schüttelte lachend den Kopf. „Wie könnt ihr nur über sowas lachen? Dein Leben stand auf dem Spiel!“

Ich zuckte die Schultern. „Das ist Lannister-Humor.“

Später klopfte ich an Eriks Tür. „Komm rein“, hörte ich seine Stimme.

Ich trat ein. Erik saß auf dem Bett, sah mich an. Ich versuchte, locker zu bleiben.

„Hey, Rik...“ Ich schluckte. „Ich kann nicht in mein Zimmer. Marlis’ Sachen sind noch da... ich... kann das gerade nicht. Kann ich heute bei dir schlafen?“

Erik stand sofort auf, kam zu mir. Umarmte mich fest. „Natürlich, Bruder. Immer.“

Ich ließ mich kurz in seinen Armen halten, dann nickte ich. „Danke.“

Ich ging ins Bad, wusch mir das Gesicht, putzte die Zähne. Vater hatte mir frische Klamotten gebracht.

Als ich zurückkam, lag Erik schon im Bett, aber er war noch wach. Ich legte mich neben ihn.

Wir lagen im Bett, beide unter der schweren, aber angenehm warmen Decke. Der Raum war ruhig, nur das gelegentliche Knacken der Holzbalken und das entfernte Rauschen des Windes draußen begleiteten uns. Doch der Schlaf kam nicht – zu viel war geschehen, zu viel bewegte uns.

Nach einer Weile drehten wir uns gleichzeitig auf die Seite und setzten uns halb auf, die Kissen im Rücken, schweigend nebeneinander.

Ich sah kurz zu Erik, dann zur Decke. „Weißt du...“, sagte ich leise, fast ehrfürchtig, „ich bin froh, dass ich nicht sterben musste.“

Er sagte erst nichts, nickte nur langsam. Dann folgte seine Stimme, genauso ruhig: „Ich auch… sehr.“

Ein kleines, befreiendes Lachen löste sich aus meiner Brust. Erik sah mich schief an, seine Augen noch ein bisschen rot vom Tag, aber weicher als sonst. Ich grinste. „Denk nicht, ich hätte das nicht mitbekommen... wie du auf dem Boden lagst und geheult hast.“

Er lachte auf, ein kurzes, beschämtes Geräusch. „Hab ich nicht. Ich... ich hatte nur was im Auge und Paul hat mich geschubst.“ Dann zog er die Stirn zusammen, legte gespielt schmollend den Kopf schräg. „Außerdem ist es kein schöner Anblick wenn sein bester Freund gegen den Mountain kämpfen soll… Und er mit nur einer Hand kämpft weil er von Gefahr zu Gefahr läuft.“

Ich schüttelte schnaubend den Kopf. „Du bist so ein Barsch.“

Er funkelte mich an, grinste. „Du bist ein Barsch.“

Wir lachten. Und diesmal klang es wie früher – wie damals, als alles einfacher war.

Ich legte meinen Arm um seine Schulter, ließ meine Hand kurz dort ruhen, bevor ich ihn sanft zu mir zog. „Ich kann dir vermutlich nie genug danken… dafür, dass du da bist. Egal, was war, Erik. Ich wusste immer, dass ich zu dir kommen kann. Du hast nie weggesehen. Du warst immer… einfach da.“

Ich umarmte ihn fest. Keine Worte für einen Moment, nur Wärme.

Er erwiderte die Umarmung sofort, seine Hände drückten mich genauso fest. „Ich kann dir nur dasselbe zurückgeben“, sagte er, seine Stimme leiser, als ich sie kannte. „Ich weiß ehrlich nicht, wie ich weitergemacht hätte… wenn dir was passiert wäre.“

Ich streichelte mit einer Hand langsam seinen Rücken. „Dann hätte ich dich von oben beschützt, weißt du. Aus dem Himmel halt. Ich hätte… Wolken beiseitegeschoben, wenn du Sonne gebraucht hättest. Oder dich mit Windstößen aus dem Schlaf gerüttelt, wenn du mal wieder im Bett liegst und nichts tust. Dafür gesorgt dass jede Frau dich will.“

Er lachte leise. „Rede.“

Ich grinste und schüttelte den Kopf.

„Du Penner“ sagte ich ihm lachend.

„Hey, das mit den Frauen hast du gesagt du Gammler.“

Danach redeten wir noch lange. Über vieles. Über nichts. Über alles.

Irgendwann fragte er, fast beiläufig: „Freust du dich eigentlich schon auf deinen Bruder?“

Ich blickte zur Decke, dann schloss ich die Augen kurz. „Ja… sehr. Ich hab in der Nacht vor dem Kampf von ihm geträumt. Von seiner Geburt. Von Vater… und von mir.“

Erik runzelte leicht die Stirn, neugierig. „Und? Was war das für ein Traum?“

Ich lächelte bei der Erinnerung. „Vater hielt ihn im Arm… ich war dabei. Und wir nannten ihn Joren. Keine Ahnung, woher das kam, aber... es war ein schöner Name und ein noch schönerer Traum und wenn alles gut läuft, werde ich es wirklich erleben. Ich war immer der kleinste, schön mal nicht der jüngste in der Familie zu sein.“

Er nickte nachdenklich. „Joren… Klingt stark. Wie ein Lannister.“

Ich lehnte mich zurück, ließ meinen Kopf gegen die Wand sinken. „Ich hoffe, ich kann für ihn so ein Bruder sein, wie du es für mich warst.“

Erik schwieg einen Moment. Dann sah er mich an und sagte mit ruhiger Stimme: „Das wirst du, Lukas. Ganz sicher.“

2

Eine Ohrfeige zur Begrüßung

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Erik Stark, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Bronn, Lennard Baratheon, Cengiz Martell, Sansa Stark, Ser Gorwin

Am nächsten Morgen wachten Erik und ich auf. Das Sonnenlicht fiel weich durch das Fenster und tauchte den Raum in ein warmes, beruhigendes Licht. Wir blieben noch einen Moment einfach liegen, ohne Worte, genießten das ruhige Atmen des anderen, bevor wir uns schließlich aufrafften.

„Bereit?“, fragte ich und grinste ihn an.

„Klar. Frühstück ruft“, erwiderte er und rieb sich verschlafen die Augen.

Gemeinsam verließen wir das Zimmer und schlenderten die breiten, kühlen Flure von Casterly Rock hinunter. Unten im großen Saal trafen wir auf Vater, Tyrion, Bronn, Lennard und Cengiz, die sich bereits angeregt unterhielten. Die Stimmung war locker, fast schon ausgelassen – ein Gefühl, das ich lange vermisst hatte.

Ich lief zu ihnen und begrüßte alle herzlich. „Guten Morgen!“, rief ich und spürte, wie sich ein echtes Lächeln auf mein Gesicht schlich.

„Da kommt ja unser Held“, sagte Bronn grinsend.

„Held vielleicht... aber noch halb verschlafen“, fügte Tyrion mit einem Augenzwinkern hinzu.

Ich lachte, als plötzlich eine Tür quietschend aufschwang. Wir alle drehten uns um – und da standen sie: Sansa und Gorwin. Endlich.

Gorwin strahlte, als er auf Vater und Tyrion zustürmte und beide kräftig umarmte. „Bei den sieben Göttern, ich hab euch vermisst!“, rief er,.

Währenddessen kam Sansa mit schnellen Schritten auf uns zu – auf mich, Erik, Bronn, Lennard und Cengiz.

Ich lächelte breit und öffnete leicht die Arme. „Sansa, es ist so schön dich zu sehen!“, rief ich ehrlich glücklich.

Doch plötzlich – klatsch! – landete eine schallende Ohrfeige auf meiner Wange. Die ganze Halle verstummte für einen Moment.

„DU... DU verdammter Idiot!“, fauchte sie wütend. „Mich mit Mohnblumensaft betäuben, damit ich nicht mit nach King's Landing komme? Als wäre ich ein kleines Kind, das man verstecken muss! Was hast du dir dabei gedacht, Lukas?!“

Ich hielt mir die Wange, musste aber unwillkürlich grinsen – ich hatte das irgendwie kommen sehen.

Doch noch bevor ich etwas erwidern konnte, schloss Sansa mich fest in die Arme. „Trotzdem...“, flüsterte sie und ihre Stimme brach leicht, „...bin ich so glücklich, dass du noch lebst. Nach allem, was passiert ist...“

Ich spürte ihre zitternden Arme um mich, spürte die ehrliche Erleichterung. Über ihre Schulter hinweg trafen sich ihre Augen mit Cengiz‘, voll tiefer Dankbarkeit. Dann drückte sie mich noch fester an sich.

„Ich bin froh, dass du da bist“, murmelte sie.

„Ich auch, dass du hier bist“, flüsterte ich zurück.

Nach einer Weile löste sie sich von mir, atmete tief durch und sagte zusammen mit Gorwin: „Wir gehen uns kurz frisch machen. Wir sind gleich wieder da.“

Wir nickten nur, noch überwältigt von dem Moment, und sahen ihnen nach, wie sie den Saal verließen.

Zurück blieben Erik, Vater, Tyrion, Bronn, Lennard, Cengiz und ich. Alle sahen sich an – und dann brach schallendes Lachen aus.

Ich blickte zu Vater, der sich kaum halten konnte, und verzog grinsend das Gesicht. „Und was lachst du so, hä? Du hast mir selbst ein paar Tage davor dasselbe angetan!“, warf ich ihm spielerisch vor.

Er hob abwehrend die Hände und nickte lachend. „Ja, das stimmt. Aber erinnerst du dich auch, was du MIR dann angetan hast, als wir uns wiedergesehen haben?“

Er tippte auf seine Nase, die damals geblutet hatte, als ich ihm mit meiner goldenen Hand ins Gesicht geschlagen hatte.

Ich grinste schief. „Ach komm schon, Vater. Sei froh, dass ich nur deine Nase erwischt hab!“

Alle lachten wieder, selbst Cengiz schüttelte grinsend den Kopf.

Danach zogen wir uns alle ein wenig zurück. Jeder wollte für sich sein, die vergangenen Tage verarbeiten. Ich verbrachte ein paar Stunden damit, einfach auf meiner Bettkante zu sitzen und aus dem Fenster auf das Meer zu schauen, während die Sonne langsam tiefer sank.

3

Spaziergang unter Sternen

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Sansa Stark

Der Abend war gerade angebrochen, als es an meiner Tür klopfte. Ich richtete mich auf und rief: „Herein!“

Sansa trat ein, frisch gewaschen, das rote Haar im Licht schimmernd, ein warmes Lächeln auf den Lippen. „Hättest du Lust, ein wenig mit mir zu spazieren?“, fragte sie. „Hier innerhalb von Casterly Rock. Nur ein bisschen… reden, vielleicht?“

Ich spürte, wie mein Herz bei der Frage ganz leicht hüpfte, und erwiderte sofort: „Natürlich. Sehr gerne.“

Und so verließen wir gemeinsam das Zimmer, bereit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Wir schlenderten langsam los, Sansa und ich. Der große Außengarten von Casterly Rock war in das silbrige Licht der Sterne getaucht, die über uns funkelten wie Millionen kleiner Versprechen. Eine leichte, warme Brise wehte durch die Bäume und ließ die Blätter sanft rascheln. Es war eine dieser Nächte, die still wirkten, aber in der Luft lag eine Energie, als könnte jeden Moment etwas Großes geschehen.

Zuerst sprachen wir kaum. Unsere Schritte klangen leise auf den Steinen, und ich hörte nur unser beider Atem in der nächtlichen Ruhe. Schließlich war ich es, der das Schweigen brach.

„Sansa…“, begann ich stockend und schluckte schwer. „Ich… ich muss dir erzählen, was passiert ist, während du weg warst.“

Sie nickte nur sanft und sah mich mit großen, wachsamen Augen an, bereit zuzuhören.

Also erzählte ich. Während wir durch die langen, von Hecken gesäumten Wege liefen, begann ich, die Knoten der letzten Monate zu lösen: Wie Cersei – meine eigene Mutter – Marlis grausam getötet hatte. Wie Jaime – mein Vater – danach nicht zögerte und sie in einem Moment der Klarheit erschlagen hatte. Wie ich alleine zurückgeblieben war, wie ich fliehen konnte – voller Schmerz, voller Wut. Wie ich in Storm's End auf Jaime getroffen habe… und ihn fast getötet hätte, bevor ich erkannte, dass er nie mein Feind war, sondern immer nur versucht hatte, mich zu beschützen.

Meine Stimme bebte leicht, als ich davon sprach, wie Ramsay, Gyrontius und Qyburn uns dann gefangen nahmen, wie sie mir den Mord an Cersei anhängten und mich in den Tod schicken wollten. Wie ich gegen den Mountain hätte kämpfen sollen – gegen diesen Albtraum aus Fleisch und Hass. Und wie Cengiz im letzten Moment erschien… und mein Leben rettete.

Als ich endete, standen wir still zwischen den Büschen, im sanften Licht der Sterne.

Sansa schluckte schwer und sah mich lange an. Ihre Stimme war weich, als sie schließlich sagte: „Lukas… was du durchgemacht hast… das ist… es ist unvorstellbar. Es muss sich angefühlt haben, als würde die ganze Welt dich verraten.“

Ich nickte nur gebrochen. Ich konnte nichts sagen. Ich fühlte, wie die Mauern in mir zu bröckeln begannen. Ohne ein weiteres Wort zog sie mich mit sanfter Geste auf eine der steinernen Bänke am Rand des Gartens. Ich ließ mich neben ihr nieder, die Hände schwer auf den Knien.

Meine Brust zog sich zusammen, der Schmerz in mir wühlte sich nach oben. Ich war kurz davor, zusammenzubrechen.

Da spürte ich, wie ihre Hand durch meine Haare strich – eine zärtliche, beruhigende Bewegung. Sie drehte sanft meinen Kopf zu sich.

„Hör mir zu“, sagte sie leise, aber fest, mit einer Entschlossenheit, die wie ein Lichtstrahl durch mein inneres Chaos schnitt. „Auch wenn Marlis nicht mehr hier ist… auch wenn diese Monate dich gezeichnet haben… Du bist nicht allein, Lukas. Du hast uns. Du hast deinen Vater. Er liebt dich mehr als alles andere auf dieser Welt.“

Ihre Worte trafen mich tief. Ich schloss kurz die Augen und ließ sie auf mich wirken.

„Und nicht nur er“, fuhr sie fort und lächelte sanft. „Tyrion, Erik, Bronn, Lennard, Paul, Brienne… Cengiz und Gorwin. Sie alle sind für dich da. Sie alle würden alles für dich tun.“

Ich nickte, meine Stimme rau und brüchig, als ich endlich etwas sagte: „Ja… und Papa… er hat mich nie aufgegeben. Nie. Selbst als ich ihn fast getötet hätte. Er war einfach nur da… Papa war da. Immer.“ Ich spürte, wie Tränen in meinen Augen brannten, während ich weiter sprach. „Seine Stärke, sein Stolz… aber auch sein Herz. Ohne ihn… ich weiß nicht, ob ich heute noch hier wäre.“

Als ich wieder zu Sansa sah, standen auch ihr die Tränen in den Augen.

Ich lächelte schief, typisch Lannister, und sagte leise: „Außerdem hab ich ja dich.“

Sie lachte leise, eine Mischung aus Erleichterung und Zuneigung, und schüttelte leicht den Kopf. „Ja, du hast mich. Und ich dich. Für immer, Lukas.“

Für einen Moment saßen wir einfach da und ließen die Welt draußen die Welt sein. Wir starrten gemeinsam in den klaren, endlosen Sternenhimmel.

Nach einer Weile bemerkte ich, wie sich Sansas Hand meiner annäherte. Zögernd, fast unsicher, berührte sie leicht meine linke Hand – die echte, nicht die goldene. Reflexartig zuckte ich erst ein Stück zurück, überrascht von der Berührung. Aber dann spürte ich, wie sich meine Hand von selbst wieder annäherte, als würde sie wissen, dass sie diesen Halt brauchte. Unsere Finger fanden sich, berührten sich sanft, schmiegten sich ineinander. Es fühlte sich ruhig an. Richtig.

4

Rückkehr der Reisenden

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Sansa Stark, Kevin Mormont, Jorah Mormont, Dickon Tarly, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Ser Gorwin, Rina

Gerade als wir uns tief in die Augen blickten, unterbrach ein Geräusch die Stille: das dumpfe Getrappel mehrerer Pferde, das von außerhalb des Tores zu uns herüberwehte.

Sansa und ich sahen uns an, sofort wachsam. „Komm“, flüsterte ich, stand auf und nahm sie leicht an der Hand mit.

Wir liefen vorsichtig Richtung Haupttor. Dort, im schwachen Licht der Fackeln, konnte ich vier Gestalten erkennen: drei Männer und eine junge Frau. Mein Herz machte einen Satz.

Kevin Mormont. Jorah Mormont. Dickon Tarly. Und eine junge Frau mit schwarzen Haaren.

Ein Lächeln breitete sich wie von selbst auf meinem Gesicht aus. „Öffnet das Tor!“, rief ich voller Freude.

Die schweren Tore öffneten sich knarrend und ließen sie hinein – staubig, erschöpft, aber lebendig.

Und sie waren wieder hier. Endlich.

Kaum waren die Tore richtig geöffnet, lief ich den Ankömmlingen entgegen. Ohne zu zögern, schloss ich Kevin, Jorah und Dickon nacheinander in die Arme, spürte ihre vertraute Stärke und das raue Lachen, das aus den Jahren alter Freundschaft kam. Dann wandte ich mich der jungen Frau mit den schwarzen Haaren zu, die sich strahlend vorstellte: Rina, Kevins Frau. „Erzähl mir nicht, du hast auf eurer Reise geheiratet?“, fragte ich grinsend. Kevin lachte, zog Rina stolz an sich und nickte. „Tja, manche Dinge findet man, wenn man am wenigsten damit rechnet.“

Auch Sansa trat vor und begrüßte alle herzlich. Sie und Rina schienen sich auf Anhieb zu verstehen.

Dann fiel Kevins Blick auf meine rechte Hand – die glänzende, goldene. Er runzelte die Stirn und starrte mich an. „Was zur Hölle ist dir denn passiert, Lukas?“, fragte er erschrocken.

Ich lachte leise, legte einen Arm um seine Schulter und meinte: „Das… ist eine lange Geschichte, mein Freund.“

Gemeinsam führten wir sie hinein. Es war spät – das Schloss schlief fast – nur vereinzelte Lichter brannten noch in den Fluren. Der große Aufenthaltsraum war in warmes Licht getaucht, und dort, am langen Tisch, saßen Vater, Tyrion und Gorwin. Sie unterhielten sich leise, doch als wir den Raum betraten, hoben alle drei überrascht den Kopf.

Für einen Moment herrschte Stille, dann sprangen sie auf. Kevin stellte Rina rasch vor, und nach einer kurzen, freudigen Begrüßung saßen wir alle zusammen am Tisch, eng aneinandergerückt wie eine große Familie, die endlich wieder zusammengefunden hatte.

Wir fragten neugierig, was sie auf ihrer Reise gefunden hatten. Kevin, Jorah und Dickon berichteten von ihren Abenteuern: von alten Tempeln, in denen vergessene Götter verehrt wurden, von einer unterirdischen Stadt tief unter Essos, von verborgenen Magiequellen und Reliquien aus einer Zeit, in der Drachen noch zahlreich am Himmel flogen. Sie zeigten uns seltsame Münzen, ein Stück einer uralten, fast durchsichtigen Rüstung – und dann zwei kleine Steine, die merkwürdig in mattem Blau und Grün schimmerten.

Nach einiger Zeit verabschiedeten sich Sansa, Rina, Jorah und Dickon, müde von der langen Reise und der späten Stunde. Nur noch Kevin, Jaime, Tyrion, Gorwin und ich blieben zurück.

Kevin grinste, kramte in seiner Tasche und zog zwei kleine Steine hervor. Sie schimmerten wie eingefangene Sternensplitter. Neugierig beugte ich mich vor. „Was ist das?“, fragte ich. Kevin zuckte nur mit den Schultern. „Irgendwas aus dieser unterirdischen Stadt. Wir hatten keine Ahnung, was es ist. Aber… sie fühlten sich wichtig an.“

Gorwin und Tyrion sahen sich die Steine aufmerksam an. Dann tauschten sie einen bedeutungsschweren Blick. „Kommt“, sagte Gorwin mit einem Grinsen. „Wir zeigen euch was. Draußen.“

Verwundert, aber neugierig folgten wir ihnen hinaus in den nächtlichen Innengarten von Casterly Rock. Der Mond stand hell am Himmel, tauchte alles in blasses Licht. In der Mitte des Gartens plätscherte ein kleiner Brunnen, dessen Wasser in leisen Bögen sprudelte.

Gorwin erklärte: „Diese Steine… sie sollen den innersten, selbstlosesten Wunsch eines Menschen erkennen. Nur wer nicht für sich selbst, sondern für andere etwas geopfert hat, wird von ihnen angenommen.“

Tyrion grinste breit und stupste mich leicht mit dem Ellenbogen. „Na, wenn das nicht genau nach euch beiden schreit.“

Kevin nickte zustimmend und bevor Jaime oder ich protestieren konnten, hatten sie uns fast dazu gedrängt, jeweils einen Stein zu nehmen.

Wir standen da, Vater und ich, ein wenig unsicher, die kühlen Steine in unseren Händen spürend. Ich sah Vater an, er sah mich an. Wir atmeten tief durch – und tauchten gleichzeitig die Steine ins Wasser.