Ein Kämpfer für Lukas
Cengiz Martell.
„Ich werde für ihn kämpfen!“, rief er. Seine Stimme hallte durch den Stein.
Ich starrte ihn an – fassungslos. Wie aus einem Traum.
Er kam langsam näher. „Heute stirbt der Mountain. Das verspreche ich dir, Lannister.“
Er trat zu Euron und Ramsay. Die beiden sahen ihn an wie ein wild gewordenes Tier, zwischen Belustigung und echtem Zweifel.
Euron lachte: „Wenn du sterben willst – dann tu dir keinen Zwang an.“ Ramsay grinste: „Lass ihn. Vielleicht wird’s ja amüsant.“
Und dann trat Cengiz nach vorne. Bereit. Standfest.
Die Wachen kamen zu mir. Zogen mich zurück.
Ich drehte mich noch einmal um – Brienne. Lennard. Erik. Paul. Bronn – sie alle sahen mich an, diesmal nicht mit Hoffnungslosigkeit, sondern mit Verwirrung. Unglauben. Ein Hauch Hoffnung?
Ich erwiderte ihren Blick. Und ließ mich zurückführen.
Bis ich zu Vater und Onkel kam. Beide mit geweiteten Augen. Vater stürzte zu mir, zog mich in eine Umarmung. Tyrion tat es ihm gleich.
Ich war… zurück bei ihnen. Noch einen Moment. Noch ein paar Atemzüge. Und Cengiz stand bereit, gegen den Mountain zu kämpfen.
Jaime trat sofort dicht an mich heran, kaum dass die Wachen mich zu ihm und Tyrion zurückgeschoben hatten. Seine Augen glänzten feucht, aber diesmal nicht aus Verzweiflung, sondern wegen eines Funken Glaubens, der in ihm aufflammte. „Er wird das schaffen, Lukas“, sagte er fest, beinahe trotzig gegen alles Dunkle in der Welt. „Cengiz wird das schaffen.“ Tyrion nickte sofort. „So wie er da steht... er glaubt an sich selbst. Und manchmal reicht genau das, um Geschichte zu schreiben.“ Ich sagte nichts – ich konnte es gar nicht – aber ich nickte langsam, still, mein Blick noch immer auf die Silhouette gerichtet, die sich mutig gegen das Monstrum stellte.
„Er ist ein Martell“, sagte Jaime dann leise, fast ehrfürchtig. „Er trägt das Blut von Elia Martell in sich… und er wird den Tod ihrer Kinder nicht vergessen haben. Nicht den Schmerz, nicht den Namen des Monsters, das ihn verursacht hat.“
Tyrion atmete tief ein, und seine Stimme wurde rau. „Er ist der Neffe von Oberyn. Und wir haben alle gesehen, wozu Oberyn fähig war. Wie er tanzte, wie er kämpfte… wie er beinahe den Mountain besiegt hätte.“
„Beinahe“, wiederholte Jaime bitter.
Tyrion schwieg kurz, dann nickte er langsam. „Deswegen hoffe ich diesmal so sehr… dass der Ausgang ein anderer ist.“
Cengiz stand nun dem Mountain gegenüber. Der Koloss funkelte ihn voller brutaler Wut an – die Art von Hass, die alles in sich vernichten will. Aber Cengiz? Er blieb gelassen. Kein Zucken, kein Zögern. Er grinste sogar – ein schiefes, unerschrockenes Grinsen, das selbst einem Gott den Atem rauben könnte.
„Verabschiede dich von der Welt“, sagte er ruhig und mit einer Klarheit, die wie Stahl durch die Luft schnitt. „Sie hat dich nie gebraucht.“
Hinter ihm traten Euron, Qyburn und Ramsay näher.
„Kampfbereit machen!“, bellte Euron, die Stimme triefend vor sadistischer Freude.
Qyburn lächelte kalt. „Nun, das wird... lehrreich.“
„Oh bitte, lasst ihn anfangen, ich will sehen, wie seine Knochen klingen“, säuselte Ramsay, seine Augen funkelten vor krankem Vergnügen.
Cengiz zog sein Schwert – Zireael.
Die Klinge sang beinahe, als sie durch die Luft glitt, so makellos, so mühelos. Sie fing das Sonnenlicht ein wie ein Spiegel der Götter selbst. Ein silbriger Schimmer legte sich auf die Arena, als würde ein Stück Mondlicht auf die Erde gefallen sein.
Jaime sog hörbar die Luft ein. „Bei den sieben Höllen… was ist das für ein Stahl?“
Ich wollte gerade antworten, da starrte Tyrion plötzlich auf das Schwert – seine Augen weiteten sich vor Schock, seine Lippen formten stumme Worte, bevor er schließlich sagte: „Das kann nicht sein… das kann… das kann nicht sein.“
Wir sahen ihn beide verdutzt an. „Was meinst du?“, fragte Jaime.
Tyrion wirkte wie jemand, der einen Traum berührt. „Zireael“, flüsterte er. „Dieses Schwert… Es ist eine Legende. Ein Mythos aus Dorne. Es soll in den Red Mountains verborgen gelegen haben… eine Ewigkeit lang. Niemand wusste, ob es überhaupt je existiert hat.“
„Und doch hält er es jetzt in der Hand“, sagte ich leise, fassungslos.
Tyrion holte tief Luft, fuhr sich mit der Hand über den Bart und begann zu erzählen, die Augen dabei halb geschlossen, als würde er in eine uralte Geschichte eintauchen:
„Vor Jahrhunderten… in den Tagen, als die Rhoynar noch Magie in die Wüsten webten, wurde dieses Schwert geschmiedet. Sein Name: Zireael. Der Schmied? Nymor Stardust – ein Halbblut, Rhoynar und Erster Mensch. Kein gewöhnlicher Schmied, oh nein. Er war ein Seher. Ein Mann, der behauptete, die Stimmen der Sterne zu hören. Eines Nachts hatte er eine Vision – von einer Klinge, geboren aus Feuer und Schatten, aus dem Herzen eines gefallenen Sterns, getränkt mit dem Blut eines Sanddrachen. Und ich weiß, wie das klingt… aber so erzählt man es in Dorne. Die Klinge war leicht wie der Wind, tödlich wie ein Skorpion. Der Griff – verziert mit Schlangen, die sich um einen Opal winden, in dem die Seele des Sanddrachen wohnen soll. Zireael… wählt ihren Träger. Immer. Und wehe dem, der nicht würdig ist. Manche sagen, sie brennt die Hand eines falschen Trägers, andere, dass sie sich in Luft auflöst. Nymor übergab sie an Ashara Sandviper, die berühmteste Schwertkämpferin ihrer Zeit. Sie schlug hundert Männer in einer Schlacht nieder… und dann verschwand die Klinge. Manche sagen, Ashara versteckte sie in der Klinge der Dämmerung – andere glauben, das Schwert ging seinen eigenen Weg. Seitdem tauchte es nur vereinzelt auf. Wanderer, Träumer, Seherinnen… niemand hielt es lange. Zireael prüft. Sie gehört keinem Menschen. Sie gehört einem Zweck. Und jetzt… jetzt steht sie dort. In den Händen von Cengiz.“
Tyrion endete still. Und für einen Moment sprach niemand.
Jaime und ich sahen Cengiz an, und ich fühlte es in meinem Herzen. Er war unschuldig. Reinen Herzens. Verurteilt für etwas, das er nie getan hatte. Verstoßen, verachtet… aber nie gebrochen. Auserwählt.
Genau das, was ich dachte, sprach Jaime dann leise aus: „Er… ist der Richtige. Ich weiß es. Er ist es.“
Und wir alle – Jaime, Tyrion und ich – richteten unseren Blick auf Cengiz. Wie er stand, mutig und fest, die Klinge des Gleichgewichts in der Hand. Wie der Sand von Dorne um ihn heraufwirbelte, als würde das Schicksal selbst seinen Weg markieren.
Jaime legte mir eine Hand auf die Schulter und sagte dann mit fester Stimme: „Vielleicht ist das hier doch nicht das Ende, Lukas. Vielleicht… ist es der Anfang. Wir müssen jetzt hoffen. Und glauben.“
Ich nickte, und wir blickten nach vorn – auf den Moment, auf den Kampf, auf Cengiz… und auf das Schicksal, das sich in der Arena entscheiden würde.
Der Fall des Mountain
Die Arena verstummte in einem einzigen Moment der gespannten Erwartung. Der Staub glitzerte golden in der Nachmittagssonne, die über die Mauern von King's Landing fiel. Cengiz stand ruhig da, sein Blick unbeirrt auf den Mountain gerichtet, der ihm gegenüber wie ein Monolith aus Wut und Gewalt ragte. Das Schwert Zireael ruhte leicht in seiner Hand, als wäre es Teil seines Körpers – ein silbriges Flüstern von Schicksal und Macht.
Dann hob Cengiz die freie Hand leicht, eine Geste der Einladung, der Verachtung – und sagte mit einem herausfordernden Grinsen: „Na los. Komm schon, Koloss. Zeig mir, was du kannst.“
Der Mountain brüllte, seine Stimme ein Donnern, das die Steine erbeben ließ. Er stürmte los wie ein Sturm, eine Wand aus Metall und Muskeln – aber Cengiz wich aus, mit einer geschmeidigen Drehung, leichtfüßig wie ein Tänzer, der dem Tod ausweicht. Als der Riese ins Leere schlug, drehte sich Cengiz mit einem Lachen um.
„Du bist zu langsam!“ rief er über die Schulter und lachte hell auf.
Am Rande standen Jaime, Tyrion und ich – starr vor Spannung. Jaime flüsterte: „Unglaublich. So hab ich noch niemandem gegenüber dem Mountain gesehen.“
Tyrion biss sich auf die Unterlippe, doch ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Das gefällt mir. Das gefällt mir sehr.“
Der Mountain, wild geworden durch den Spott, stürmte erneut auf Cengiz zu. Diesmal nutzte Cengiz seinen Schwung, ließ sich seitlich fallen und riss Zireael mit einer präzisen Bewegung über das Bein des Riesen – ein sauberer Schnitt. Blut spritzte, ein dunkles Rot auf dem Sand.
Cengiz stand wieder, ließ die Klinge in der Sonne tanzen und sprach mit einer Stimme, die durch die Arena hallte: „Keine Sorge... es ist vorbestimmt, dass du durch Zireael dein Ende finden wirst.“
Die Menge hielt den Atem an.
Ich beugte mich nach vorne, die Hand auf Jaimes Arm. „Er verletzt ihn. Er schafft es wirklich.“ Tyrion nickte, die Augen weit. „Zireael... es prüft seinen Träger. Und Cengiz hat bestanden.“
Wieder raste der Mountain los, diesmal mit wilderen, unkontrollierten Schlägen – und wieder war Cengiz schneller. Er ließ Klinge auf Klinge folgen, wie Tropfen eines drohenden Regens – ein Schnitt an der Schulter, ein weiterer am Oberschenkel, dann einer an der Seite des Halses. Der Mountain wurde langsamer. Keuchender. Wütender.
Euron, Qyburn und Ramsay standen an der Seitenlinie. Qyburns Hände zitterten leicht. Ramsay kaute nervös auf seiner Lippe, das erste Mal ohne spöttisches Lächeln. Euron ballte die Fäuste, während Gyrontius nur gelangweilt auf den Kampf sah, als wäre alles unter seinem Niveau.
Cengiz wich einem gewaltigen Schlag aus, rollte über den Boden, sprang wieder auf und sagte dann spöttisch: „Was ist los, Großer? Wird dir langsam heiß in der Rüstung?“ Ein weiterer Treffer, diesmal tief in die Seite.
Ich klammerte mich an Jaime, während Tyrion flüsterte: „So begann es damals auch… Oberyn hatte ihn… und doch…“ Er stockte. „Bitte, Götter… nicht noch einmal.“
Ich drehte mich zu Vater und fragte ihn „Denkst du er schafft es? Denkst du er gewinnt?“
Jaime sah mich an, legte seine Hand auf meine Schulter und sagte nickend, entschlossen „Ja, er wird es schaffen.“
Dann – mit einem Aufschrei, halb Schmerz, halb Raserei – fiel der Mountain auf ein Knie. Cengiz stand vor ihm, schweißbedeckt, keuchend, doch seine Augen leuchteten. Der Mountain brüllte und griff nach ihm – aber Cengiz wich zur Seite aus, hob Zireael – und schlug zu.
Ein einziger Hieb, geführt mit all der Kraft des Schicksals. Die Klinge glitt durch Helm und Fleisch, und der Mountain sackte zusammen – reglos. Ein dunkler Fleck breitete sich unter ihm aus.
Die Arena verstummte für einen Moment. Dann – Jubel. Ungläubig, heftig, erschütternd. Cengiz trat zurück, das Schwert locker in der Hand, und sagte ruhig: „Ich habe es dir gesagt. Dein Ende.“
Ich hielt mir die Hand vor den Mund, Tränen in den Augen. „Ich... ich muss nicht sterben.“ Tyrion riss die Arme in die Luft: „ER HAT ES GESCHAFFT! WIR SIND FREI!“
Ich fiel Jaime in die Arme. Wir schrien durcheinander, gelöst, erleichtert: „Wir sind frei! Wir leben! Wir sind eine Familie! CENGIZ HAT UNS GERETTET!“
Währenddessen umarmte Brienne Lennard fest, Tränen liefen über ihr Gesicht. Erik und Paul klatschten sich ab, Bronn lachte laut, fast ungläubig. „Der Junge hat’s echt getan.“
Dann rannten wir – Jaime, Tyrion und ich in die Mitte der Arena, direkt zu Cengiz. Ich warf mich ihm um den Hals, Jaime legte ihm die Hand auf die Schulter, Tyrion umarmte seine Beine.
„Du hast uns gerettet!“ „Wir verdanken dir alles!“ „Auf ewig, Cengiz! Auf ewig!“
Cengiz schüttelte leicht den Kopf, schmunzelte: „Ich habe das nicht für euch getan.“
Wir alle erstarrten für einen Moment – und dann lachte ich, kichernd, befreit: „Dann war’s wohl ein Versehen, dass du unsere Ärsche gerettet hast!“ Tyrion stimmte ein, Jaime schüttelte lachend den Kopf, und selbst Cengiz – der ernste, entschlossene Kämpfer – musste laut lachen.
Dann trat er einen Schritt vor, blickte zu den still gewordenen Euron, Qyburn und Ramsay und sagte mit sarkastischer Höflichkeit: „Danke für euer Vertrauen in mich.“
Ich trat vor und rief: „Jetzt lasst Brienne, Lennard, Erik, Paul und Bronn frei. SOFORT!“
Euron presste die Lippen zusammen, doch ein Nicken folgte. Ramsay spuckte auf den Boden, Qyburn senkte den Blick – und gaben den Wachen den Befehl.
Die Tore öffneten sich. Brienne, Lennard, Erik, Paul und Bronn stürmten heraus. Lachen, Umarmungen, Tränen.
Gemeinsam – Cengiz, Ich, Jaime, Tyrion, Brienne, Lennard, Erik, Paul und Bronn – verließen wir die Arena. Die Tore von King’s Landing öffneten sich, und wir traten hinaus ins Licht des beginnenden Abends.
Vor den Toren blieb Jaime stehen, drehte sich zu Brienne – und küsste sie voller Erleichterung und Zärtlichkeit.
Alle jubelten, umarmten mich, klopften mir auf die Schulter, hielten dich fest.
Ich lebte. Ich war frei. Und wir waren endlich – eine Familie.
Der Weg nach Casterly Rock
Als wir das schwere, dunkle Tor von King's Landing hinter uns ließen, atmete ich zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich durch. Der Wind trug den salzigen Duft des Meeres heran, und obwohl meine Beine von der Reise schwer waren, fühlte ich mich leicht. Frei.
Wir hatten überlebt. Ich hatte überlebt.
Neben mir liefen Jaime, Tyrion, Brienne, Cengiz, Lennard, Erik, Paul und Bronn. Eine bunte, seltsame Truppe – und doch fühlte es sich an, als würde ich mit meiner Familie reisen.
Der Weg nach Casterly Rock zog sich über mehrere Tage. Doch der Schmerz der Vergangenheit war leichter zu tragen, wenn man ihn teilen konnte.
Ich ging oft mit Brienne und Jaime. Ihre Nähe gab mir Ruhe. Cengiz schloss sich uns immer wieder an. Ich hatte ihn selten so… offen erlebt. Er unterhielt sich mit Bronn über alte Kämpfe, mit Lennard über Waffen, scherzte sogar mit Paul über Lieder, die er in irgendwelchen Tavernen gehört hatte.
Einmal kam er zu uns, als wir gerade gemeinsam den Ausblick von einem Hügel genossen.
„Ihr wirkt... erleichtert“, sagte er, ein Lächeln im Gesicht, das so selten war, dass es mich fast rührte.
Brienne legte schützend die Hand auf ihren Bauch. „Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich mich wirklich frei fühle“, sagte sie, und ihre Stimme klang weich.
Cengiz nickte. „Und ihr erwartet ein Kind… Ich freue mich für euch.“
Jaime lächelte stolz, zog Brienne leicht zu sich heran. „Danke. Und danke, dass unser Kind in einer Welt leben darf, in der es dich gibt.“
Ich sagte nichts, aber innerlich fühlte ich, wie sehr ich das meinte: Dass ich dankbar war. Für Cengiz. Für alle, die noch da waren. Für mich selbst.
Tyrion mischte sich ein, wie immer mit seinem typischen Spott. „Hoffen wir, er wird nicht so groß wie Brienne. Sonst passt es nicht durch die Türen von Casterly Rock.“
Wir lachten. Und ich lachte mit – ehrlich. Zum ersten Mal seit Langem.