SEASON VI · KAPITEL 26

The Trial

Das Urteil

WORUM ES GEHT

Im Thronsaal führt Euron die Anklage, erinnert an Jaimes Königsmord und enthüllt, dass Cersei von ihm schwanger war. Qyburn verkündet das Urteil: Jaime und Tyrion werden nach Casterly Rock verbannt, Lukas zum Tode verurteilt. Lukas gesteht den Mord, begründet ihn mit Cerseis Mord an Marlis und ihrem Angriff auf Jaime, woraufhin Brienne, Lennard, Erik, Paul und Bronn eingreifen und festgenommen werden. Lukas fordert einen Trial by Combat; Euron stimmt zu, präsentiert den Mountain als Gegner und verbietet allen Gefangenen, für Lukas zu kämpfen.

1

Anklage vor dem Thron

Schauplatz: King's Landing · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Brienne von Tarth, Lennard Baratheon, Erik Stark, Bronn, Qyburn, Ramsay Bolton, Paul Lannister, Euron Greyjoy

Ich setzte mich. Tyrion zu meiner Linken. Vater zu meiner Rechten. Wie ein Schutzwall. Wie eine letzte Bastion.

Dann drehte ich leicht den Kopf nach rechts – und sah sie.

Brienne. Lennard. Erik. Paul. Bronn.

Sie saßen gemeinsam. Ihre Gesichter voller Furcht, Anspannung, Mitleid. Aber jeder einzelne nickte uns aufmunternd zu.

Der Saal war ein einziger Sturm aus Stimmen und Bewegung, bis Euron sich langsam erhob. Er hob eine Hand – und Ramsay, mit einem finsteren Grinsen, trat einen Schritt vor und brüllte:

„RUHE!“

Ein Schwall Stille fiel über den Raum, wie ein schwerer Schleier. Nur vereinzeltes Murmeln blieb zurück. Euron trat in die Mitte vor den Thron, drehte sich langsam zu den Reihen der Zuschauer, sein Blick wanderte über sie hinweg – und schließlich ruhte er auf uns.

„Wisst ihr noch…“ begann er, fast beiläufig, „…was hier im Thronsaal geschah, als Robert Baratheon die Schlacht am Trident gewann? Als Aerys II., der Irrenkönig, noch auf dem Eisernen Thron saß, hier, wo wir jetzt stehen?“

Ein paar zögerliche Stimmen flüsterten etwas. Einige schauten sich an. Euron lächelte kalt.

„Natürlich wisst ihr es nicht. Ihr wisst es nicht mehr, nicht wirklich. Ihr habt es verdrängt. Oder ihr wart zu jung, zu dumm, oder einfach zu feige, euch zu erinnern.“ Er ließ seine Worte wirken, dann trat er zwei Schritte näher an uns heran.

„Ich sag's euch. Der König, Aerys, wollte sie alle töten. Die ganze Stadt. Wildfire unter der Erde. In allen Kellern. Unter dem Roten Bergfried, unter jedem Haus. Und während er hier oben saß, auf dem Thron, befahl er es…“ Er sah Jaime an, sein Blick brannte. „…und Ser Jaime Lannister – Königsgarde, goldenes Haar, stolzer Blick – hat ihm das Schwert in den Rücken gestoßen. Und dann… ihm die Kehle durchgeschnitten. Von hinten.“

Stille. Dann erste empörte Stimmen.

„Verräter!“ „Eidbrecher!“ „Er hat uns gerettet!“ „Lügen!“

Euron lachte leise. „Jaime Lannister. Der Königsmörder. Der, der den Eid brach, den Eid, den er geschworen hatte. Und warum? Weil’s sich gut anfühlte? Hm?“

Er wandte sich direkt an Vater. „Sag es uns, Jaime. Hat es sich gut angefühlt? Hat es so gut geschmeckt, dass du deinen eigenen Sohn dazu bringen musstest, auch zu töten? Diesmal die Königin.“

Ich spürte, wie Jaime zusammenzuckte. Ich wandte mich langsam zu ihm, traf seinen Blick. Seine Augen… voller Schmerz. Voller Erinnerung. Und Schuld.

Ich schüttelte leicht den Kopf. Nicht aus Vorwurf. Sondern weil ich verstand. Weil ich wusste, was in ihm tobte. Er war mein Vater. Er hatte sie geliebt. Er hatte sie gehasst. Er hatte sie verloren.

Jaime (Gedanken): „Ich habe Cersei nicht beschützt. Ich habe sie nicht mehr geliebt, als sie mich am meisten hasste. Ich habe sie verloren… und nun verliere ich dich auch, Lukas. Ich wollte dich retten. Und jetzt… sitze ich hier. Und sehe, wie sie dich richten werden. Für das, was ich tat. Oder was ich nicht tat.“

Lukas (Gedanken): „Was passiert hier nur. Ich wollte kein Held sein. Kein Mörder. Ich wollte nur leben… lieben… frei sein, mit meiner Familie. Und jetzt... bin ich wie Vater ein Königsmörder. Sie alle hassen uns.“

Euron trat näher, seine Silhouette vor mir. Bedrückend. Mächtig. Ich spürte seinen Atem. Seine Stimme war rau, voller Zorn:

„Wie konntest du es übers Herz bringen, deine eigene Mutter zu ermorden, hä?“ Sein Finger zeigte auf mich, spitz wie ein Dolch. „Was hat er dir eingetrichtert, hm?“ – er deutete auf Jaime – „…dieser gebrochene, goldhändige Feigling, der seine Schwester gefickt und seinen König abgestochen hat. War das deine Erziehung, Junge?“

Ich öffnete den Mund – …doch dann sah ich etwas. In Eurons Augen.

Eine einzelne Träne. Sie glitt langsam über seine Wange.

Er sprach heiser weiter: „Cersei… war schwanger. Von mir.“

Ein Raunen ging durch den Saal. Einige schrien auf. Andere fluchten. Dann explodierte der Thronsaal in Stimmen:

„Ein Kind?!“ „Lüge!“ „Götter, nein…“ „Was für eine Farce…“ „Verrückt!“ „Er lügt! Sie war nie…!“

Jaime keuchte. Seine Augen weiteten sich. Tränen traten hervor – diesmal offen. Tyrion schlug die Hand vor den Mund. Ich selbst konnte kaum atmen.

Ich rieb Vater über den Rücken. Mit meiner goldenen Hand. Langsam, mechanisch, hilflos.

Dann beugte ich mich zu Tyrion. Flüsterte voller Schock: „Was… was glaubst du… passiert jetzt? Wenn sie… wirklich schwanger war, als sie starb…?“

Tyrion wollte gerade antworten – …doch Euron drehte sich wieder zu Qyburn. Seine Stimme war plötzlich tonlos:

„Verlies das Urteil.“

Qyburn stand auf. Würdevoll. Regungslos.

„Männer und Frauen des Reiches, Hohen Lords, edle Gäste…“ begann er, die Stimme sanft, fast zu ruhig für diesen Ort. „…nach sorgfältiger Beratung und Anhörung aller vorliegenden Beweise ergeht folgendes Urteil.“

Sein Blick wanderte zu Jaime, dann zu Tyrion – dann zu mir.

„Ser Jaime Lannister – verbannt. Für immer aus King's Landing. Rückkehr nach Casterly Rock. Keine politischen, juristischen oder militärischen Befugnisse. Unter Aufsicht.“ „Lord Tyrion Lannister – verbannt. Für immer aus King's Landing. Rückkehr nach Casterly Rock. Keine politischen, juristischen oder wirtschaftlichen Befugnisse. Unter Aufsicht.“

Kurze Pause. Dann kam es.

„Ser Lukas Lannister…“

Mein Herz stockte. Die Luft war schwer.

„…wird zum Tode verurteilt. Des Mordes an ihrer Majestät Königin Cersei I. sowie ihres ungeborenen Kindes – das, wie bekanntgegeben, das Kind König Eurons war.“

Meine Sicht wurde verschwommen. Ein Tosen im Kopf. Der Saal brach erneut aus:

„Unrecht!“ „Er ist unschuldig!“ „Tötet ihn!“ „Gnade!“ „Hängt ihn!“ „Schande!“ „Ehre den Göttern!“

Ich brach zusammen, spürte die Arme von Vater und Tyrion um mich. Lautlos. Der Schmerz war zu viel. Es war vorbei.

Doch dann, mit spitzem Ton, durchdrang Eurons Stimme den Tumult:

„Noch letzte Worte, Bastard?“ Er trat vor, sein Blick provozierend. „Eine Verteidigung? Eine Lüge, die du loswerden willst, bevor dir der Kopf abgeschlagen wird?“

Alle Blicke waren auf mich gerichtet. Und der Raum, der eben noch getobt hatte,… …wartete jetzt. Auf meine Antwort.

2

Geständnis und Trial by Combat

Schauplatz: King's Landing · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Brienne von Tarth, Lennard Baratheon, Erik Stark, Bronn, Qyburn, Ramsay Bolton, Paul Lannister, Euron Greyjoy, Gyrontius Greyjoy, Gregor Clegane

Die Stille vor dem Sturm war lähmend. Ich sammelte mich, rang nach Fassung, suchte Halt in Tyrions Blick – er war voller Trauer, aber auch Hoffnung. Mit Tränen in den Augen nickte er mir zu, hob dann den Zeigefinger. Eine letzte Chance.

Ich verstand.

Dann drehte ich mich langsam, meine Bewegungen schwer wie Eisenketten, und ließ meinen Blick durch den Saal schweifen. Brienne, Lennard, Erik, Paul und Bronn – ihre Gesichter spiegelten Entsetzen, Wut und Unverständnis. Sie diskutierten lautstark mit Wachen, schrien, warfen die Arme in die Luft. Es war nicht nur ihre Empörung – sie standen für mich auf. Für uns.

Schließlich sah ich zu Vater.

Als unsere Blicke sich trafen, wurde alles andere still. Er verstand. Ohne ein Wort trat er zu mir, legte seinen Arm um mich und drückte mich fest. „Eine letzte Chance… gewinnen oder verlieren, es ist unsere letzte Chance...“, flüsterte er mir rau ins Ohr. Ich spürte seine Stimme tief in mir – wie ein Echo von dem, was uns verbunden hatte.

Ich atmete tief ein, trat in die Mitte des Thronsaals und begann zu sprechen. Die Worte zitterten anfangs, doch ich zwang meine Stimme zur Klarheit.

„Ja. Ich habe meine Mutter getötet.“

Ein empörtes Raunen donnerte durch den Saal wie ein plötzlicher Sturm. Einige schrien, andere keuchten auf, Stimmen überlagerten sich. Ich hob die Hand – und sprach weiter.

„Ich tat es… weil sie zuerst meine Frau ermordet hat.“

Ein Moment der Stille folgte – nun nicht mehr wütend, sondern gespannt.

„Cersei… hat Marlis den Dolch durch die Brust gerammt. Sie hielt sie fest, sah ihr in die Augen, und stieß zu, kalt, wie nur ein Mensch ohne Herz es vermag.“

Meine Stimme brach beinahe, aber ich fuhr fort, kämpfte mich durch die Bilder.

„Marlis fiel in meine Arme. Ihr Blut floss über meine Hände, ihre letzten Worte waren mein Name. Ich schrie, ich flehte – doch sie war fort.“

Ich sah in die Gesichter der Jury, in Eurons Blick, in Ramsays kalte Augen. Dann zeigte ich auf Jaime.

„Und sie… meine Mutter… sie wollte auch ihn töten. Meinen Vater. Sie lief auf ihn zu, mit demselben Dolch, voller Hass, bereit, erneut zu töten. Ich… ich konnte nicht zulassen, dass sie auch ihn aus meinem Leben reißt.“

Meine Stimme wurde lauter, fast ein flehender Schrei.

„Sie hat ihn über Jahre gequält. Ihn missbraucht, ihn kontrolliert, ihn besessen, ihn zerstört – und doch liebte er sie. Und ich… ich liebte ihn. Ich liebe ihn! Ich konnte nicht mehr zusehen, wie sie uns zugrunde richtet.“

Einige Leute im Saal riefen:

„Gnade!“ „Lass sie frei!“ „Das ist nicht gerecht!“ „Er hat sein Recht zu leben!“

Die Unruhe nahm zu. Brienne trat mit gezücktem Schwert vor, Lennard und Paul stießen Wachen beiseite, Erik rief:

„Das ist Wahnsinn! Das Urteil muss aufgehoben werden!“

Bronn trat zur Seite und schob zwei Ritter auseinander. Chaos drohte auszubrechen.

Doch dann – Ramsays Stimme schnitt durch den Tumult.

„Nehmt sie alle fest. Brienne. Lennard. Erik. Paul. Bronn. In die Zellen.“

Wie Maschinen bewegten sich die Wachen. Widerstand half nichts – sie wurden entwaffnet und abgeführt. Ich blickte entsetzt zu Vater, zu Tyrion – beide standen wie erstarrt.

Schmerz, Zorn, Entsetzen, Hoffnung… alles brodelte in mir, vermischte sich zu etwas Neuem – Entschlossenheit.

Ich ging langsam nach vorn, zum Tisch der Jury. Meine Schritte hallten. Ich sah ihnen fest in die Augen.

„Ich fordere ein Trial by Combat.“

Ein Raunen fuhr wie ein Donnerschlag durch den Raum. Köpfe schnellten hoch, Blicke kreuzten sich. Murmeln, Rufe, Empörung – aber auch Neugier.

„Gewinne ich,“ fuhr ich fort, „werden mein Vater Jaime Lannister und mein Onkel Tyrion Lannister freigesprochen. Brienne, Lennard, Erik, Paul und Bronn werden freigelassen. Und wir gehen. Alle.“

Die Jury tagte kurz. Gyrontius beugte sich vor, grinste schief.

„Es wäre... unterhaltsamer als so ein jämmerliches Ende.“

Qyburn nickte langsam. „Das Recht auf einen Zweikampf steht ihm zu.“

Ramsay spuckte auf den Boden. „Ich will sehen, wie du winselst, wenn du stirbst.“

Dann erhob sich Euron, trat in die Mitte und drehte sich theatralisch zum Saal.

„Nun gut... es sei dir gestattet, Königsmörder… ein Trial by Combat zu haben!“

Jubel, Proteste, Schreie – alles tobte.

Ich drehte mich zu Vater und Tyrion. Wir sahen uns an – Hoffnung flackerte.

Doch dann erhob Euron erneut die Stimme – tiefer, drohender.

„Der Kampf findet morgen statt. Um 14 Uhr.“

Er machte eine Geste – und der große Eingangstor öffnete sich. Ein Schatten fiel in den Raum. Schritte, dumpf wie schwere Hammerschläge.

Dann trat er ein.

Ser Gregor Clegane. Der Mountain.

Der Raum verstummte. Keine Rufe mehr. Nur das Knarren der Rüstung, sein Atem hinter dem Helm.

Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Jaime stand da, sein Mund leicht geöffnet, sprachlos. Tyrion schluckte leer. Ich war starr.

Euron trat wieder nach vorn.

„Ach ja… nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Niemand, der derzeit unter Arrest steht, darf für dich kämpfen.“

Ein Hohn, eine Falle, ein Todesurteil.

Meine Beine zitterten. Dann kamen Wachen – und führten uns ab. Zurück in unsere Zelle.

Niemand sprach. Die Luft war dick wie Nebel. Tyrion saß in der Ecke, starrte ins Leere. Vater stand an der Wand, die Stirn gegen den Stein gepresst.

Ich setzte mich, lehnte mich an ihn, und langsam, wie unter Wasser, schloss ich die Augen.

Ich hatte nichts mehr.

Und so nickte ich ein.