SEASON V · KAPITEL 23

Family Business

Sommer auf Tarth

WORUM ES GEHT

Auf Tarth beziehen Lukas, Jaime, Tyrion und Lennard ein Strandhaus; Brienne stößt dazu. Beim Angeln erzählt Lukas Lennard, den er fortan „Leo“ nennt, die Ereignisse von King's Landing und Storm's End, während Jaime und Brienne sich am Feuer näherkommen, küssen und die Nacht zusammen verbringen. Lukas durchschaut die heimliche Beziehung, lässt die beiden aber spielerisch zappeln, bis Jaime ihm nach einem nächtlichen Trinkspiel alles gesteht – Lukas freut sich ehrlich für ihn. Bei Wanderung und Wasserfall folgen Neckereien, ein gespielter Tod Jaimes und Lukas' Bitte an Brienne, gut auf seinen Vater aufzupassen. Am Ende erfährt auch Tyrion von der Beziehung, und die Tage auf Tarth klingen als Neuanfang der Familie aus.

1

Das Haus am Strand

Schauplatz: Evenfall Hall · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon, Brienne von Tarth

„Da sind wir!“ sagte er lachend und hielt den Schlüssel hoch. „Ich hab ein schönes Haus für uns direkt am Strand gefunden. Kommt, ich zeig’s euch!“

Neugierig folgten wir ihm über einen kleinen, sandigen Pfad, der uns durch eine von Palmen gesäumte Düne führte. Dann sahen wir es aus der Ferne – unser Strandhaus.

Es war ein wunderschönes, zweistöckiges Holzhaus mit einer großen Veranda, von der aus man direkt auf den schimmernden, weißen Sandstrand blicken konnte. Die Wände waren in warmen Holztönen gehalten, mit blauen Fensterläden, die perfekt zu den Farben des Meeres passten. Ein kleiner Holzsteg führte vom Haus direkt ins kristallklare Wasser, das sanft an den Strand plätscherte. Ein paar Hängematten waren zwischen den Palmen aufgehängt, und eine breite Treppe führte hinauf zur Eingangstür.

„Wow…“ entfuhr es mir.

„Nicht schlecht, oder?“ meinte Lennard stolz.

Wir stiegen die Holztreppe hoch, und Jaime drehte den Schlüssel im Schloss. Mit einem leichten Knarren öffnete sich die Tür, und wir traten ein.

Der Innenraum war genauso beeindruckend wie die Außenansicht. Die Einrichtung war einladend und warm – rustikale Holzmöbel, große Fenster, die viel Licht hereinließen, und weiche, bequeme Sofas mit blauen Kissen, die an das Meer erinnerten. Ein großer Holztisch stand im Essbereich, daneben eine offene Küche mit weiß gestrichenen Schränken und einer Arbeitsplatte aus dunklem Stein.

Von der Decke hingen Laternen mit warmem Licht, und an den Wänden waren Bilder von Segelschiffen und Sonnenuntergängen. Der Boden bestand aus dunklem, polierten Holz, und überall lagen weiche Teppiche, die den Raum gemütlicher machten.

Tyrion pfiff anerkennend. „Das nenne ich mal ein Ferienhaus.“

„Hier lässt es sich definitiv aushalten.“ stimmte Jaime zu.

Ich grinste. „Gut gemacht, Lennard.“

Wir erkundeten die Zimmer und stellten fest, dass es zwei Einzelzimmer mit großen, breiten Betten gab, während das dritte Zimmer ein gemütliches Etagenbett hatte.

„Okay, wer schläft wo?“ fragte Lennard.

Tyrion legte die Hände hinter den Kopf. „Ich denke, es ist offensichtlich, dass ich als der Älteste das beste Zimmer bekomme.“

Jaime lachte. „Träum weiter, kleiner Bruder.“

Wir diskutierten eine Weile, konnten uns aber nicht entscheiden. Also schlug ich vor: „Wie wäre es, wenn wir Karten ziehen? Zwei Asse für die Einzelzimmer, zwei Könige für das Stockbett.“

Alle stimmten zu, und Jaime mischte das Kartendeck sorgfältig. Dann hielten wir reihum eine Karte hoch und sahen sie an:

Ich zog ein Ass.

Jaime zog ein Ass.

Lennard und Tyrion hielten jeweils einen König in der Hand.

Ich grinste. „Na dann, viel Spaß euch beiden im Stockbett.“

Tyrion seufzte theatralisch. „Wenigstens schnarche ich nicht.“

„Das werden wir ja sehen.“ meinte Lennard mit hochgezogenen Augenbrauen.

Wir lachten, gingen alle kurz in unsere zugewiesenen Zimmer und ließen uns auf die Betten fallen.

Ich legte mich zufrieden auf mein Bett und ließ mich für einen Moment einfach in die weiche Matratze sinken. Doch lange blieb ich nicht liegen, denn es klopfte an der Tür.

Jaime steckte den Kopf herein und grinste. „Hey, hast du Lust, schwimmen zu gehen?“

Ich richtete mich auf und nickte. „Klar, klingt gut. Ich mach mich nur kurz fertig.“

„Alles klar, ich warte im Wohnraum.“ Er schloss die Tür hinter sich, und ich stand auf, um mir meine Schwimmsachen zu schnappen.

Wechsel zu Lennard und Tyrion

Währenddessen standen Lennard und Tyrion in ihrem Zimmer und diskutierten – oder eher stritten – darüber, wer im Stockbett oben schlafen sollte.

„Ich nehme unten.“ sagte Tyrion entschieden.

„Warte mal, wieso du?“ entgegnete Lennard.

Tyrion zuckte mit den Schultern. „Weil ich kleiner bin. Falls ich nachts rausfalle, ist es für mich schlimmer.“

Lennard verschränkte die Arme. „Das ist kein Argument. Ich bin auch nicht gerade riesig.“

„Aber ich bin älter und du bist definitiv größer als ich.“

„Und? Ich hab dich doch schon im Kartenziehen geschlagen. Das heißt, ich kann dich auch hier schlagen.“

Tyrion schnaubte. „Ich fürchte, du hast eine sehr einseitige Interpretation von Fairness.“

„Vielleicht.“

Tyrion verdrehte die Augen. „Ich gebe mich geschlagen. Aber wehe, du schnarchst.“

„Ich schnarche nicht.“ sagte Lennard, während er sich nach unten legte. „Aber wenn du mich nachts weckst, bist du derjenige, der fliegt.“

Gerade als sich die beiden einig geworden waren, öffnete ich die Tür und grinste. „Na, habt ihr das Drama endlich geklärt?“

„Mehr oder weniger.“ sagte Tyrion trocken.

Ich lachte. „Gut. Kommt ihr mit schwimmen?“

Lennard zuckte mit den Schultern. „Klar.“

„Warum nicht?“ fügte Tyrion hinzu.

Wir machten uns fertig, und wenig später liefen wir alle gemeinsam über den warmen Sand zum Meer.

Am Strand

Das Wasser war angenehm warm, die Wellen kräuselten sich sanft, während wir hineinrannten und mit einem Sprung eintauchten. Die Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfläche, und für eine Weile vergaßen wir alles um uns herum. Wir tobten herum, schwammen ein Stück hinaus, spritzten uns gegenseitig an und ließen uns einfach treiben.

Als die Sonne sich langsam dem Horizont näherte, gingen wir schließlich zurück zum Haus, tropfnass, aber glücklich. Wir nahmen uns Handtücher und trockneten uns ab, während ein lautes Klopfen an der Tür zu hören war.

Ich öffnete die Tür, und dort stand Brienne, mit einem Rucksack über der Schulter.

„Brienne!“ rief Jaime erfreut und ging auf sie zu.

Sie lächelte und nickte uns allen zu. „Ich bin froh, dass ihr endlich mal auf Tarth seid.“

„Wir auch.“ sagte ich grinsend. „Es ist wunderschön hier.“

„Das freut mich zu hören.“ Sie trat ein und stellte ihren Rucksack auf den Tisch.

Tyrion hob eine Augenbraue. „Und was hast du da Schönes mitgebracht?“

Brienne öffnete den Rucksack und zog verschiedene Dinge heraus: Eine Flasche Wein, eine kleine Flasche Schnaps, frisches Brot, Käse, saftige Trauben – und zwei Angeln.

„Fische?“ fragte Lennard neugierig.

Brienne nickte. „Habt ihr sie gesehen? Das Wasser ist voller Fische. Sie schmecken hervorragend gegrillt.“

Wir schauten uns an und lachten. „Klingt nach einem Plan.“ sagte Jaime.

„Also gut,“ meinte Brienne. „Wer fängt an?“

„Nicht ich.“ sagte sie direkt. „Ich hab das Zeug mitgebracht.“

Tyrion hob sofort die Hände. „Dann bin ich raus. Ich werde mich um das Brot kümmern, den Käse herrichten und den Wein probieren.“

Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Natürlich.“

Jetzt blieben nur noch Jaime, Lennard und ich übrig. Lennard hob die Hände. „Ich will nicht.“

Jaime und ich schauten uns an, dann fingen wir gleichzeitig an zu lachen.

„Also bitte,“ sagte ich. „Du kannst doch nicht ernsthaft zwei Leute zum Angeln schicken, die nur ihre linke Hand zur Verfügung haben.“

Lennard verdrehte die Augen. „Verdammt…“

Jetzt mussten Jaime und ich entscheiden, wer geht. Also spielten wir Schere, Stein, Papier.

Drei Mal hoben wir gleichzeitig die Hände – und Jaime gewann.

„Tja, dann kümmere ich mich mit Brienne um den Fisch.“ sagte er grinsend.

Lennard und ich schnappten uns die Angeln und gingen zum Steg.

Wir ließen uns auf die Holzbalken sinken, während die Wellen sanft gegen die Pfosten plätscherten.

Ich warf ihm einen Blick zu. „Hast du schon mal geangelt?“

Lennard nickte, warf die Angel aus und sah mit einem nachdenklichen Lächeln aufs Wasser hinaus. „Früher habe ich oft geangelt. Mein Großvater hat es mir beigebracht. Er hat immer gesagt, dass Geduld der Schlüssel ist. Ein guter Fischer zwingt den Fisch nicht, er lockt ihn an.“

Ich hörte ihm zu, während die Wellen sanft gegen den Steg schlugen. „Hat er recht behalten?“

Lennard grinste. „Tja, sehen wir mal.“

Kaum hatte er das gesagt, spannte sich die Schnur. Mit einem geübten Ruck zog er die Angel hoch, und ein großer, silberglänzender Fisch brach durch die Wasseroberfläche. Ich pfiff beeindruckt. „Verdammt, Lennard. Das nenne ich Talent.“

Er lachte. „Jetzt bist du dran.“

Ich nahm die Angel, während er mir half, die richtige Haltung zu finden. Dann fragte er plötzlich leise:

„Sag mal… was genau ist in King’s Landing passiert?“

Ich erstarrte für einen Moment. Mein Blick glitt über das Wasser, während die Erinnerungen zurückkehrten. Ich atmete tief durch und begann zu erzählen.

„Es begann mit meiner Hochzeit.“

Lennard sagte nichts, doch ich spürte seine volle Aufmerksamkeit.

„Ich hatte Marlis geheiratet. Es war der schönste Moment meines Lebens. Doch dann… wurde sie entführt. Noch vor der Feier danach. Ich war außer mir, wollte sofort los, sie zurückholen.“

Ich ballte die Hand zu Faust. „Doch mein Vater, Jaime, und die anderen… sie hielten es für zu gefährlich. Sie beschlossen, ohne mich aufzubrechen.“

Lennard runzelte die Stirn. „Und du hast sie einfach gehen lassen?“

Ich lachte bitter. „Nein. Ich hatte keine Wahl. Sie haben mir Schlafmittel in den Tee gemischt. Ich bin einfach eingeschlafen, ohne es zu merken.“

Lennards Augen weiteten sich. „Sie haben dich bewusst zurückgelassen?“

Ich nickte. „Zu meinem Schutz, sagten sie später. Aber als ich aufwachte und erfuhr, dass sie ohne mich losgezogen waren, um meine Frau zu retten… ich war außer mir vor Wut. Besonders auf Jaime. Mein eigener Vater, und er hatte mich hintergangen!“

Ich presste die Lippen zusammen. „Ich beließ es nicht dabei. Ich wollte Marlis zurückholen, selbst wenn ich allein gehen musste. Erik war bei mir. Zusammen machten wir uns auf den Weg nach King’s Landing. Unterwegs trafen wir Cengiz, und gemeinsam setzten wir die Reise fort.“

Ich hielt kurz inne, dann fuhr ich fort.

„Als wir im Red Keep ankamen, war das Chaos bereits im vollen Gange. Ich wurde direkt in den Thronsaal geführt. Und dort… sah ich sie alle. Marlis. Jaime. Tyrion. Und… meine Mutter. Cersei.“

Lennard sah mich gespannt an.

„Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte. Vielleicht, dass mein Vater es geschafft hatte, Marlis zu retten. Vielleicht, dass sie unverletzt war und ich sie einfach in die Arme schließen konnte.“

Ich senkte den Kopf. „Doch das war nicht, was mich erwartete. Ich sah Marlis nur noch für einen Moment. Einen einzigen Moment, bevor meine eigene Mutter ihr ein Messer in die Brust rammte.“

Lennard sog scharf die Luft ein.

„Ich konnte nichts tun. Ich war zu weit weg. Ich sah das Leben aus ihren Augen weichen, und ich konnte nichts tun.“

Die Erinnerungen stachen wie Nadeln. „Und dann… tötete Jaime Cersei.“

Lennard blinzelte. „Er hat…?“

Ich nickte langsam. „Ja. Mein eigener Vater hat meine Mutter getötet. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorging. Ob es Wut war oder Reue. Ob er es getan hat, weil er endlich erkannte, was für ein Monster sie war. Oder ob er einfach nur wusste, dass sie nicht mehr gestoppt werden konnte.“

Ich atmete schwer. „Die anderen flohen. Jaime, Tyrion… alle. Sie ließen mich zurück.“

Lennard schwieg lange. Dann legte er mir eine Hand auf die Schulter. „Es tut mir leid. Wirklich.“

Ich nickte. „Danke.“

Nach einer Weile räusperte Lennard sich. „Und… was ist in Storm’s End passiert? Zwischen Jaime und dir?“

Ich schnaubte. „Was wohl? Ich war wütend. Rasend vor Wut.“

Lennard hob eine Augenbraue. „Auf ihn?“

„Natürlich auf ihn!“ rief ich. „Er hatte mich zurückgelassen! Mich schlafen gelegt, als wäre ich ein Kind! Und dann hat er auch noch meine Mutter getötet! Ich konnte nichts mehr verstehen, Leo. Gar nichts. Ich war voller Schmerz und suchte wohl jemanden, dem ich die Schuld geben konnte. Und mein Vater war da.“

Ich schluckte schwer. „Ich habe ihn angegriffen.“

Lennard starrte mich an. „Du hast…?“

Ich nickte. „Ich wollte ihn töten. Ich war so voller Wut, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Ich habe ihn zu Boden geworfen, ihn geschlagen, bis er Blut spuckte. Ich habe ihn angeschrien, gefragt, wie er es wagen konnte, mir alles zu nehmen! Ich wollte… ich wollte, dass er leidet.“

Ich schloss die Augen. „Doch dann… sah ich ihn an. Richtig an. Und in diesem Moment wurde mir klar… dass er mich nie verletzen wollte.“

Lennard sagte nichts, also sprach ich weiter. „Er hat mich nie aufgegeben. Er hat immer versucht, mich zu beschützen. Auch wenn es bedeutete, dass ich ihn hasste. Auch wenn er mich schlafen legen musste, um mein Leben zu retten. Er war nie mein Feind, aber immer für mich da und um mich besorgt.“

Ich lachte bitter. „Ich hätte ihn fast getötet. Aber in letzter Sekunde… konnte ich es nicht.“

Ich erinnerte mich noch genau an den Moment. Wie er schwer atmend unter mir lag und mich nur ansah. Keine Wut. Kein Hass. Nur… Verständnis.

„Er sagte, dass er mich immer lieben würde, egal was ich tue und dass er mir nie wehtun wollte.“

Lennard schüttelte langsam den Kopf. „Und dann?“

Ich seufzte. „Dann habe ich es begriffen. Ich habe aufgehört, meine Faust hatte sich gelöst. Und ich habe ihn in den Arm genommen und mich entschuldigt. Er zog mich mit letzter Kraft an sich und hat mich auch umarmt. Ich habe mich tausend Mal entschuldigt und er sagte nur, dass ich das nicht muss und dass alles okay ist.“

„Ich habe geheult wie ein verdammtes Kind.“

Lennard grinste leicht. „Und Jaime?“

„Er auch. Hat mir Mut gemacht und mir gesagt, dass wir das schaffen werden und dass alles wieder gut wird.“

Lennard nickte nachdenklich. „Das klingt… nach ihm.“

Ich schnaubte mit einem leichten, stolzen Grinsen. „Ja. Tut es. Er ist ein guter Mensch und der beste Vater, den man sich vorstellen kann.“

Lange saßen wir einfach nur da und hörten den Wellen zu.

Ich spürte plötzlich ein kräftiges Ziehen an meiner Angel. „Scheiße, da ist was dran!“ rief ich aufgeregt. Lennard lachte. „Dann hol ihn rein, aber vorsichtig!“

Ich kämpfte gegen das Gewicht des Fisches, zog die Schnur ein, während Lennard mir half. Nach einem Moment durchbrach ein weiterer großer, silbrig glänzender Fisch die Wasseroberfläche. Ich schnappte nach Luft. „Verdammt, der ist riesig!“

Lennard grinste. „Nicht schlecht für deinen ersten richtigen Fang.“

Ich hielt den Fisch mit beiden Händen und betrachtete ihn stolz. „Wir haben genug. Lass uns zurückgehen.“

Wir machten uns auf den Weg zurück zum Haus, die Fische fest im Griff. Die Sonne färbte den Himmel bereits in sanfte Orangetöne, als ich Lennard mit einem breiten Grinsen ansah. „Weißt du was, Leo? Das war echt cool.“

Er blieb stehen und verzog das Gesicht. „Leo? Wirklich?“

Ich lachte. „Ja, das passt zu dir. Leo.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Auf keinen Fall. Nenn mich nicht so.“

Ich zuckte die Schultern und grinste frech. „Doch. Du bist jetzt Leo.“

Er stöhnte genervt. „Du machst das extra.“

„Natürlich.“ Ich lachte und boxte ihm freundschaftlich gegen den Arm. Dann wurde ich kurz ernst. „Aber mal ehrlich… ich bin echt froh, dass ich hier bin. Mit dir. Mit den anderen. Nach allem, was passiert ist…“ Ich atmete tief durch. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell wieder… na ja, wohlfühlen kann.“

Lennard – nein, Leo – sah mich an, sein Gesichtsausdruck wurde weicher. Dann nickte er. „Geht mir genauso. Ich mag dich auch, weißt du?“

Ich grinste. „Das wollte ich hören.“

Wir erreichten das Haus, wo Jaime und Brienne draußen bereits ein Feuer entfacht hatten. Als sie die großen Fische sahen, begannen ihre Augen zu leuchten.

„Nicht schlecht!“ Jaime klopfte mir auf die Schulter. „Ich wusste, dass du was draufhast.“

Brienne nickte anerkennend. „Das wird ein Festmahl.“

Jaime nahm uns die Fische ab, während Brienne sich das Messer schnappte, um sie auszunehmen. „Geht schon mal rein,“ sagte sie. „Setzt euch zu Tyrion, der braucht sicher Gesellschaft. Wir kümmern uns um den Fisch.“

Ich sah zu Leo. „Na dann, auf zu Tyrion, Leo.“

Er schüttelte nur den Kopf und murmelte: „Leo… echt jetzt…“, doch ich sah, wie er grinste, als wir das Haus betraten.

2

Ein Kuss am Feuer

Schauplatz: Evenfall Hall · Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Lukas Lannister, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon

Jaime und Brienne saßen nebeneinander am Feuer, während der Fisch langsam über den Flammen brutzelte. Der salzige Meereswind wehte durch ihre Haare, und das Knacken des brennenden Holzes erfüllte die Stille zwischen ihnen.

Brienne warf Jaime einen prüfenden Blick zu. Er saß mit den Ellbogen auf den Knien nach vorne gebeugt, gedankenverloren ins Feuer starrend. Sie seufzte leise, rückte ein wenig näher zu ihm und fragte sanft: „Wie fühlst du dich?“

Jaime zuckte kaum merklich zusammen, als hätte sie ihn aus tiefen Gedanken gerissen. Dann sah er sie an und verzog leicht die Lippen zu einem müden Lächeln. „Willst du die Standard-Antwort? Oder die ehrliche?“

Brienne hielt seinem Blick stand. „Die ehrliche.“

Jaime atmete tief ein, sah wieder ins Feuer und nickte langsam. „Natürlich.“ Sie musterte sein Gesicht, die kleinen Wunden, die noch nicht ganz verheilt waren, und die feinen Narben, die sich über seine Wange zogen.

„Was ist mit den Narben?“ fragte sie leise. „Woher kommen sie?“

Jaime schwieg einen Moment, dann seufzte er und rieb sich über das Gesicht. „Von Lukas.“

Brienne runzelte die Stirn. „Lukas?“

Jaime nickte. „Er war sauer auf mich. Und er… hat mich konfrontiert. In Storm’s End.“

Brienne hob eine Augenbraue. „Konfrontiert?“

Ein humorloses Lächeln zuckte über Jaimes Lippen. „Er hat mich fast umgebracht.“

Brienne erstarrte. „Was?“

Jaime winkte ab. „Alles ist gut. Es war… Es musste passieren. Ich hätte es genauso verdient.“

Er sah ihr in die Augen, und für einen Moment erkannte sie etwas, das sie lange nicht mehr in seinem Blick gesehen hatte: pure Erleichterung, aber auch Schmerz.

„Aber dann… hat er es nicht getan. Er hat mich nicht gehasst, Brienne. Er hat erkannt, dass ich ihn nur beschützen wollte. Und dann…“

Jaime blinzelte schnell, als seine Augen plötzlich glasig wurden. „Dann hat er mir vergeben. Er hat mich immer noch geliebt.“

Er schüttelte den Kopf, seine Stimme brach. „Ich hatte solche Angst, Brienne. Ich hatte solche verdammte Angst, dass er mich hasst. Dass ich ihn verloren habe, weil ich ihn in Casterly Rock außer Gefecht gesetzt habe. Weil ich ihn nicht mitgenommen habe, um Marlis zu retten. Weil er mit ansehen musste, wie sie starb. Und dann… habe ich Cersei getötet. Meine Schwester. Meine Geliebte. Die Mutter meiner Kinder.“

Sein Atem zitterte, und Brienne sah, wie sich Tränen ihren Weg über seine Wangen bahnten.

„Ich bin ein schlechter Mensch, Brienne. Ich verdiene es nicht, geliebt zu werden. Nicht nach allem, was ich getan habe. Ich habe Bran damals aus dem Turm gestoßen. Ich habe alles für Cersei getan, obwohl ich wusste, was sie war. Ich habe mit ihr Kinder bekommen, meine eigene Schwester geliebt. Ich habe Marlis sterben lassen. Ich habe Cersei getötet. Und ich…“ Seine Stimme brach endgültig. „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.“

Brienne spürte, wie ihr eigenes Herz schwer wurde. Doch anstatt Worte zu suchen, legte sie sanft ihre Hände um seine Wangen, drehte sein Gesicht zu sich und hielt ihn fest. Seine blauen Augen waren voller Schmerz, doch sie ließ ihn nicht ausweichen.

„Jaime.“ Ihre Stimme war weich, aber bestimmt. „Du bist ein guter Mensch.“

Er schüttelte leicht den Kopf, aber sie ließ es nicht zu.

„Alles, was passiert ist, hatte seinen Grund. Du hast Fehler gemacht, ja. Aber das macht dich nicht zu einem schlechten Menschen.“

Jaime schloss für einen Moment die Augen, als würde es ihn zu sehr überwältigen, ihr zuzuhören.

„Weißt du, wer dich liebt?“ Sie wartete kurz. „Tyrion. Lukas.“

Seine Augen öffneten sich wieder, und Brienne sah, wie tief ihn das traf.

„Dein Sohn liebt dich so sehr, Jaime. Und das nicht, weil er muss, sondern weil er dich als das sieht, was du wirklich bist. Ein liebevoller Vater, ein Mann, der sein Bestes gibt. Ich sehe es in seinem Blick, jedes Mal, wenn er dich ansieht.“

Sie strich ihm mit den Daumen sanft über die Wangen, wischte die Tränen fort.

„Du bist es wert, geliebt zu werden.“

Jaime schüttelte heftig den Kopf, als wollte er die Worte aus seinem Verstand verbannen. „Brienne…“ Seine Stimme klang gebrochen. „Du kannst nicht wissen, ob er das wirklich so sieht. Vielleicht… vielleicht sagt er nur, dass er mich liebt, weil ich sein Vater bin. Weil er denkt, er muss.“

Brienne ließ ihn nicht aus ihrer Umklammerung. „Ich weiß es, Jaime. Und ich werde es dir beweisen.“

Sie musterte ihn kurz mit einem herausfordernden Blick. „Wenn wir reingehen, frage ich ihn direkt vor allen: ‚Lukas, liebst du deinen Vater?‘ Und ich wette, dass er ohne Zögern ‚Ja‘ sagen wird.“

Jaime sah sie entsetzt an. „Brienne…“

Sie lächelte leicht. „Und falls ich Unrecht habe – was ich nicht habe –, dann werde ich drei Gläser von dem stärksten Schnaps hier auf Ex trinken. Aber falls ich gewinne… dann bist du dran.“

Jaime starrte sie an. Sein Inneres war ein einziges Chaos. Er wollte nicht daran glauben, dass Lukas ihm so einfach vergeben hatte. Dass sein Sohn ihn immer noch liebte, obwohl er ihn in Casterly Rock außer Gefecht gesetzt hatte. Obwohl er ihn all dem Schmerz ausgesetzt hatte. Er verdiente es nicht. Und doch – ein winziger, verzweifelter Funke Hoffnung flackerte in ihm auf.

Schließlich senkte er den Blick und nickte langsam. „Okay. Deal.“

Er ließ sich wieder nach vorne sinken, die Ellbogen auf die Knie gestützt, sein Blick erneut auf die tanzenden Flammen gerichtet.

Brienne beobachtete ihn still. Sie sah, wie tief er in seinen Gedanken versank, wie er sich selbst immer wieder niedermachte. Ihr Herz zog sich zusammen, als sie ihn so gebrochen sah.

„Lukas wird dir sagen, dass es okay ist, Jaime.“ Ihre Stimme war sanft, doch voller Überzeugung. „Er wird dir sagen, dass er dir verzeiht. Weil Cersei dich kaputt gemacht hat. Weil sie dich immer nur für ihre eigenen Zwecke benutzt hat.“

Jaime schloss für einen Moment die Augen. Diese Worte trafen ihn tief.

Cersei…

Die Frau, die er ein Leben lang geliebt hatte. Die er bis zum Ende hätte beschützen wollen. Und doch… am Ende hatte er das Schwert durch ihr Herz getrieben.

War Brienne wirklich die Einzige, die ihn so sah, wie er war?

Nicht als der „Königsmörder“. Nicht als der Bruder, der alles für seine Schwester getan hatte. Nicht als der Mann, der den größten Teil seines Lebens für eine kaputte, vergiftete Liebe geopfert hatte.

Sondern als Jaime.

Als Mensch.

Als Mann, der Fehler gemacht hatte, aber trotzdem geliebt werden konnte.

Langsam hob er seinen Blick wieder und sah Brienne an.

Sie war ihm näher gerückt, ihre Hände noch immer sanft an seinen Wangen. Ihre blauen Augen blickten ihn mit einer Wärme an, die ihm den Atem raubte.

Sie sieht mich.

Nicht als Lannister. Nicht als Ritter. Nicht als den Mann, der er einmal war.

Sondern als den Mann, der ich jetzt bin.

Er spürte, wie seine Atmung tiefer wurde, wie ein seltsames Kribbeln durch seinen Körper lief.

Brienne blieb still, ließ ihm die Zeit, die er brauchte.

Und dann…

Dann beugte sich Jaime ein kleines Stück vor.

Brienne tat dasselbe.

Seine Hand hob sich zögerlich und berührte ihre Wange. Ihre Haut war warm unter seinen Fingerspitzen, ein Kontrast zur kühlen Nachtluft.

Ihre Nasenspitzen berührten sich beinahe.

Und dann…

küssten sie sich.

Zunächst vorsichtig, als könnten sie es selbst kaum glauben. Doch als ihre Lippen sich sanft bewegten, als ihre Körper sich noch näher zueinander lehnten, spürte Jaime etwas, das er lange nicht mehr gespürt hatte.

Keine Schuld.

Kein Schmerz.

Kein Chaos.

Nur Brienne.

Nur diesen Moment.

Und für diesen einen Moment… war es genug.

Jaime spürte, wie seine Kehle trocken wurde.

Gerade als die beiden sich voneinander getrennt hatten, öffnete sich die Tür.

Tyrion stand darin und fragte mit seinem typischen Sarkasmus nach dem Fisch. Brienne lachte, und sagte Tyrion dass sie jetzt reinkommen, was die beiden auch taten. Aber das war in diesem Moment das Letzte, was Jaime beschäftigte. Brienne hatte ihm einen Blick zugeworfen, der ihm verriet, dass sie genau wusste, was sie tat, als sie direkt fragte:

„Lukas, ich habe eine Frage – liebst du eigentlich deinen Vater?“

Für einen Moment war es, als hätte jemand die Luft aus dem Raum gesogen. Jaime erstarrte.

Sein Herz setzte aus.

Das war es.

Der Moment, den er gefürchtet hatte.

Er wollte aufspringen, wollte etwas sagen, wollte den Raum verlassen, bevor die Antwort ihn zerstören konnte – aber dann hörte er meine Stimme.

„Natürlich.“

Jaime blinzelte, sein Atem stockte. Und dann – dann sah er mich an.

Ich saß da, leicht angetrunken, mit roten Wangen und glänzenden Augen. Aber meine Stimme war klar. Klarer als jede andere in diesem Raum. Und was ich als Nächstes sagte, traf ihn wie ein Hammerschlag.

„Papa, ich weiß, ich bin ein Idiot, und ich kann mir vorstellen, dass du momentan mit deinen Gefühlen durcheinander bist nach allem, was passiert ist und das bin ich auch. Ich habe in letzter Zeit Dinge getan, die dich wahrscheinlich verunsichert haben. Aber lass mich dir aus meinem tiefsten Herzen versichern, dass ich dich mehr liebe als jeden anderen Menschen auf der Erde. Du bist mein bester Freund, meine größte Säule, mein Fels in der Brandung, und ich würde, wenn ich müsste, sofort mein Leben für dich opfern. Bitte glaub mir, so wie ich dir glauben sollte, dass ich dir immer alles verzeihen würde und dass ich dich mehr lieb habe als mein eigenes Leben.“

Stille.

Jaime fühlte, wie seine Lippen bebten.

Sein Herz raste.

Diese Worte. Diese Worte, die er niemals für möglich gehalten hätte.

Er hatte so viele Jahre in dem Glauben verbracht, dass er nicht mehr als Hass verdiente. Dass jede Liebe, die er jemals gekannt hatte, vergiftet gewesen war. Dass er für all das, was er getan hatte, niemals wirklich vergeben werden konnte.

Doch ich war da.

Sein Sohn.

Und ich sagte ihm, dass er geliebt wurde.

Nicht aus Pflicht.

Nicht aus Zwang.

Sondern weil ich es wollte. Weil ich es so fühlte.

Sein Körper fühlte sich an, als würde er brechen. Er spürte, wie seine Brust sich zusammenzog, wie seine Schultern bebten. Er wollte etwas sagen, aber kein Wort kam über seine Lippen.

Ich bin sein Fels in der Brandung.

Ich bin sein bester Freund.

Die Emotionen übermannten ihn.

Er biss die Zähne zusammen, seine Finger krallten sich in den Tisch. Er wollte nicht weinen. Nicht hier. Nicht vor allen.

Aber dann sah er Brienne.

Sie hatte ihn die ganze Zeit beobachtet. Und jetzt – jetzt war da dieses Lächeln. Dieses sanfte, triumphierende Lächeln.

„Ich hab’s dir doch gesagt, er liebt dich sehr.“

Jaime schluckte. Er konnte nichts anderes tun, als ihr stumm in die Augen zu blicken.

Sie hatte recht gehabt.

Gottverdammt, sie hatte so recht gehabt.

Er senkte kurz den Kopf, holte tief Luft und schüttelte leicht den Kopf, als würde er versuchen, sich zu sammeln. Dann – ohne ein weiteres Wort – griff er nach seinem Becher und trank einen großen Schluck.

Der Fisch wurde serviert, und alle aßen. Gespräche entwickelten sich, das Lachen wurde lauter, und die Anspannung in Jaime löste sich langsam.

Aber die Wette stand noch.

Und er wusste, dass Brienne darauf wartete.

Also – als niemand hinsah – nahm er heimlich die ersten Schlücke des starken Schnapses. Das Brennen in seiner Kehle war fast angenehm.

Doch Brienne hatte es bemerkt.

Sie grinste. „Ich hab’s gesehen, Jaime.“

Tyrion, der sowieso immer ein Auge für Alkohol hatte, lachte laut auf. „Ah, na wenn das so ist – ich zieh nach.“

Leo und ich folgten, und ehe wir uns versahen, hatten alle ein Glas in der Hand.

Die Stimmung wurde ausgelassen, und der Abend wurde länger.

Jaime lehnte sich schließlich zurück, den Blick auf die lodernden Flammen gerichtet.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit…

fühlte er sich nicht mehr verloren.

Der Abend war erfüllt von Lachen und dem seltenen Gefühl von Sicherheit. Nach all dem Schmerz und der Angst, die jeder von ihnen durchlebt hatte, war dieser Moment des Friedens ein Geschenk.

Irgendwann erhob sich Tyrion schwerfällig von seinem Platz und klopfte Lennard auf die Schulter. „Also, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich werde ins Bett gehen – bevor ich vom Stuhl kippe.“

Lennard schnaubte amüsiert. „Ich glaub, du kippst eher um, bevor du dein Bett erreichst.“

„Deshalb solltest du mich begleiten, Leo.“ Tyrion grinste breit, während Lennard bei dem Namen kurz mit den Augen rollte. „Aber gut, komm her, kleiner Mann.“

Er half Tyrion auf, legte seinen Arm um dessen Schultern und führte ihn die Treppe hinauf. Man hörte noch ein undeutliches „Ich bin gar nicht so betrunken, du übertreibst!“ von Tyrion, bevor sich eine Tür leise schloss.

Jetzt saß nur noch ich mit meinem Vater und Brienne im Wohnraum, während das Feuer im Kamin leise knisterte.

Das Gespräch kam auf unsere alten Heimatorte.

„Casterly Rock war eine Festung der Löwen“, begann Jaime, sein Blick auf die Flammen gerichtet. „Mächtig, hoch und uneinnehmbar. Gold in den Mauern, goldene Löwen auf den Bannern. Aber…“ Er machte eine Pause, nahm einen Schluck aus seinem Becher. „Es war auch kalt. Nicht im wörtlichen Sinne, aber… die Mauern haben einen nicht wirklich gewärmt.“

Ich nickte, meine Gedanken wanderten zurück. „Ich erinnere mich an die Hallen, endlos lang und immer voller Leute. Aber irgendwie war es nie… heimelig. Es war imposant, aber nicht warm.“

Brienne lächelte leicht. „Tarth ist ganz anders. Eine Insel voller grüner Wälder und blauer Seen. Man nennt sie nicht umsonst die Saphirinsel.“ Sie sah kurz zu Jaime. „Vielleicht nicht so prunkvoll wie Casterly Rock, aber ein Ort, an dem man durchatmen kann. Ein Ort, der…“ Sie hielt kurz inne, suchte nach den richtigen Worten. „... ein Zuhause sein kann.“

Jaime sah sie lange an, bevor er sich mit einem leichten Schmunzeln zu mir wandte. „Was sagst du, Lukas? Casterly Rock oder Tarth?“

Ich lehnte mich nachdenklich zurück. „Wenn ich ehrlich bin… ich glaube, ich mag das hier.“ Ich machte eine ausladende Geste. „Nicht die goldenen Hallen oder die grünen Wälder, versteht mich nicht falsch ich liebe Casterly Rock trotzdem. Aber ich meine das, was wir gerade haben. Ein Zuhause ist nicht der Ort, sondern die Menschen, mit denen man es teilt.“

Jaime sah mich einen Moment lang an, dann nickte er langsam. „Kluger Junge.“

Brienne lächelte mich an, und für einen Moment genoss jeder einfach die Ruhe.

Dann jedoch bemerkte ich die Müdigkeit, die in mir aufstieg. Ich gähnte und streckte mich. „Ich glaube, ich werde schlafen gehen.“

Ich stand auf, ging zuerst zu Brienne und umarmte sie. „Gute Nacht, Brienne.“

„Gute Nacht, Lukas.“

Dann wandte ich mich an Jaime, der mich mit einem sanften Blick ansah. Ich umarmte ihn fest. „Schlaf gut, Papa.“

Er drückte mich kurz fester an sich. „Du auch, mein Sohn.“

Mit einem zufriedenen Lächeln verließ ich den Raum und ging schlafen.

Brienne und Jaime saßen noch eine Weile schweigend beieinander, bis Brienne schließlich sagte: „Ich sollte wohl auch gehen. Es ist spät.“

Jaime hob eine Braue. „Du willst ernsthaft jetzt noch im Dunkeln gehen?“

Brienne überlegte kurz und nickte dann. „Wahrscheinlich nicht.“

Jaime lehnte sich zurück, sein Mund verzog sich zu einem leicht herausfordernden Grinsen. „Tja, dann bleibt nur eine Möglichkeit. Mein Bett ist groß genug für zwei – ich bin schließlich genau wie Lukas ziemlich gut im Kartenziehen.“

Brienne schüttelte leicht den Kopf und schmunzelte. „Oh, seit wann kann man denn gut im Kartenziehen sein?“

„Es ist ein Talent.“ Jaime zuckte mit den Schultern.

Sie lachte leise und willigte schließlich ein.

Beide nahmen ein großes Kissen von der Couch sowie eine zusätzliche Decke und bewegten sich leise zu Jaimes Zimmer. Dort angekommen zog Jaime seine Bettsachen ein wenig zur Seite, sodass Brienne genug Platz hatte.

Dann machten sich beide bettfertig.

Jaime löste den Gürtel seines Hemdes und zog es sich über den Kopf, fuhr sich kurz durch die Haare und setzte sich auf die Bettkante. Brienne entledigte sich ihres Kleids, legte es vorsichtig beiseite und zog sich eine lockere Tunika über, bevor sie sich neben ihn setzte.

Ohne viele Worte legten sich beide hin.

Jaime drehte sich leicht auf die Seite und beobachtete Brienne im schwachen Licht.

Sie war hier.

Sie war geblieben.

Jaime lag auf dem Rücken und starrte an die dunkle Zimmerdecke. Der Raum war ruhig, nur das sanfte Atmen von Brienne neben ihm war zu hören. Doch schlafen konnte er nicht. Sein Kopf war zu voll.

Der Kuss.

Briennes Hände an seinen Wangen.

Ihr Blick, als sie ihm versicherte, dass er ein guter Mensch war.

Er wusste nicht, was er fühlen sollte – oder vielleicht wusste er es und hatte nur Angst, es zuzulassen.

„Kannst du nicht schlafen?“

Briennes Stimme war leise, aber klar. Sie lag auf der Seite, das Gesicht zu ihm gedreht.

Jaime drehte leicht den Kopf zu ihr und zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich. Du?“

„Auch nicht.“

Eine kurze Pause. Dann sprach Brienne weiter:

„Ich habe heute etwas bemerkt…“

Jaime hob eine Braue. „Oh? Und was?“

Brienne zögerte kurz. „Wie du Lukas ansiehst. Als er heute Abend gesagt hat, dass er dich liebt. Da war so viel in deinem Blick. Er bedeutet dir wirklich alles, nicht wahr?“

Jaime blinzelte und atmete tief durch. Dann nickte er. „Ja. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas erleben würde. Dass ich einen Sohn haben könnte, der mich ansieht und wirklich… liebt. Ohne Bedingungen, ohne Angst. Einfach so.“

Brienne lächelte leicht. „Es hat sich für dich verändert, oder?“

Jaime drehte sich jetzt ganz zu ihr und stützte seinen Kopf auf die Hand. „Was hat sich verändert?“

„Was du von dir selbst hältst.“

Er betrachtete sie einen Moment lang. Brienne hatte eine Art, Dinge zu sehen, die er selbst nicht bemerkte.

„Vielleicht.“ Er ließ ein kleines Lächeln zu. „Vielleicht fange ich an zu glauben, dass ich doch nicht so ein verfluchtes Monster bin.“

Brienne hielt seinem Blick stand. „Du warst nie eins, Jaime.“

Etwas in seiner Brust zog sich zusammen. Es war dieses Gefühl, das ihn immer überforderte, wenn sie ihn so ansah.

Er wollte das Thema wechseln, irgendetwas sagen, das die Spannung löste, aber stattdessen sagte er:

„Warum bist du noch hier?“

Brienne runzelte leicht die Stirn. „Wie meinst du das?“

Jaime atmete langsam aus. „Nach allem, was ich getan habe… Warum bist du immer noch hier? Warum bist du nicht längst gegangen?“

Brienne schüttelte den Kopf. „Weil ich dich sehe, Jaime. Ich sehe dich, wie du wirklich bist. Und ich…“ Sie zögerte kurz, bevor sie weitersprach. „Ich wollte nicht gehen.“

Es war ein leises Geständnis, aber es hing schwer zwischen ihnen.

Ohne wirklich darüber nachzudenken, rückte Jaime ein Stück näher. Brienne tat dasselbe. Ihre Knie berührten sich leicht unter der Decke.

Die Stille wurde wärmer. Weicher.

Jaime schmunzelte leicht. „Ist dir kalt?“

Brienne zog leicht die Brauen hoch. „Nein… wieso?“

Jaime hob eine Ecke der Decke an und bot sie ihr wortlos an. Brienne sah ihn einen Moment lang an, dann schob sie sich ein Stück näher unter die gleiche Decke.

Jetzt war da fast kein Abstand mehr zwischen ihnen.

Jaime konnte ihren Atem auf seiner Haut spüren.

Es war keine plötzliche, überstürzte Bewegung, sondern eine natürliche Annäherung – fast, als ob ihre Körper selbst wussten, dass sie zueinander gehörten.

Schließlich legte Brienne ganz ruhig ihren Kopf auf Jaimes Brust.

Jaime erstarrte kurz. Sein Herz schlug schneller, als er es gewohnt war.

Er wusste nicht, was er tun sollte. Aber als er spürte, wie entspannt Brienne auf ihm lag, löste sich seine Unsicherheit allmählich.

Langsam, fast vorsichtig, hob er eine Hand und legte sie auf ihren Rücken.

Er schloss kurz die Augen und atmete tief durch.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte er sich nicht allein.

Jaime spürte, wie Briennes Atem ruhig gegen seine Brust strich. Ihr Kopf lag schwer auf ihm, als hätte sie endlich einen Platz gefunden, an dem sie sich sicher fühlte.

Er wusste nicht genau, wann seine Hand begonnen hatte, sanft über ihren Rücken zu streichen, aber er hörte nicht auf. Es fühlte sich einfach… richtig an.

Nach allem, was er durchgemacht hatte – nach all den Kämpfen, all den Verlusten, all den inneren Dämonen – war dieser Moment so unerwartet friedlich, dass es ihn fast erschreckte.

Brienne bewegte sich leicht und kuschelte sich noch ein wenig fester an ihn. Ein kleines, zufriedenes Seufzen entkam ihren Lippen.

Jaime konnte nicht anders. Er senkte den Kopf ein wenig und drückte einen sanften Kuss auf ihre Stirn.

Brienne regte sich leicht, schien aber nicht aufzuwachen.

Er schloss die Augen und atmete tief durch.

Ein letztes Mal dachte er darüber nach, ob das hier richtig war – ob er es verdiente.

Doch als Brienne sich im Schlaf an ihn schmiegte, entschied er sich, dass es keine Rolle spielte.

Er ließ sich einfach fallen.

Und so schliefen sie ein.

3

Ein süßer Verdacht

Schauplatz: Evenfall Hall · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon

Am nächsten Morgen blinzelte Jaime langsam und spürte als erstes die Wärme neben sich.

Brienne.

Sie lag noch immer an ihn gelehnt, ihr Kopf ruhte an seiner Brust. Ihre Augen waren noch geschlossen, aber ihr Atem war ruhig und wach.

Dann schlug sie langsam die Augen auf.

Ihre Blicke trafen sich.

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Es war kein unangenehmes Schweigen – nur ein sanftes, leicht verwirrtes, aber dennoch zufriedenes Innehalten.

Dann lächelte Brienne leicht. „Guten Morgen.“

Jaime erwiderte das Lächeln. „Morgen.“

Sie blieben einfach liegen.

Keiner machte Anstalten, aufzustehen.

Brienne bewegte sich schließlich ein wenig und fragte: „Wie spät ist es?“

Jaime hielt einen Moment inne, lauschte ins Haus.

Stille.

Kein Geräusch von Lukas, Tyrion oder Lennard.

„Früh genug.“ Er grinste leicht. „Nach dem, wie der Abend gestern verlief, wird noch niemand wach sein.“

Brienne hob eine Braue und lächelte. „Mehr Zeit für uns.“

Jaime betrachtete sie für einen Moment. Dann zog er sie langsam wieder enger an sich und spürte ihre Wärme.

Es fühlte sich so natürlich an, dass er sich fragte, warum sie das nicht schon viel früher getan hatten.

Sie lagen einfach so da, genossen den Moment, bis Brienne schließlich fragte:

„Ich will nichts unterbrechen, aber… wie erklären wir das?“

Jaime blinzelte und dachte kurz nach.

Sie hatte recht.

Tyrion würde es GENAU analysieren. Und Lennard würde wahrscheinlich Fragen stellen, bei Lukas war er sich komplett unsicher.

Jaime seufzte und fuhr sich mit einer Hand durchs Gesicht.

„Ich weiß nicht…“ Er hielt kurz inne, dann sah er Brienne an. „Ich weiß nicht, wie Lukas reagieren würde.“

Brienne runzelte leicht die Stirn. „Denkst du, es würde ihn stören?“

Jaime zögerte. „Ich… bin mir nicht sicher. Nach allem, was mit seiner Mutter passiert ist… und auch mit Marlis – nach allem, was ich getan habe…“ Er atmete tief durch. „Cersei ist erst seit kurzer Zeit weg. Und jetzt… ist da plötzlich etwas Neues.“

Brienne sah ihn an, ihr Blick sanft und verständnisvoll. „Ich verstehe deine Sorge.“

Jaime schloss kurz die Augen. „Er hat so viel verloren. Ich will nicht, dass er denkt, ich ersetze sie einfach oder dass er denkt dass ich ihn dann aus den Augen verliere.“

Brienne legte eine Hand auf seinen Arm. „Vielleicht solltest du mit ihm reden, wenn der richtige Moment kommt.“

Jaime nickte langsam, aber er sagte nichts.

Nach einem Moment der Stille fuhr Brienne fort: „Und was ist mit Tyrion und Lennard?“

Jaime lachte leise. „Tyrion würde es lieben, mich damit aufzuziehen. Und Lennard… der würde wahrscheinlich einfach nur staunen.“

Brienne grinste. „Dann sollten wir es langsam angehen. Ich könnte sagen, dass ich gegangen bin und einfach früh wiederkam.“

Jaime sah sie an. „Du willst lügen?“

Sie lachte leise. „Sagen wir, wir gehen es langsam an. Man muss ja nicht direkt alle verwirren.“

Jaime betrachtete sie einen Moment lang, dann nickte er zustimmend.

„Gute Idee.“

Brienne stand langsam auf und streckte sich. „Ich werde mich dann mal anziehen und das Frühstück vorbereiten.“

Jaime beobachtete sie und nickte. „Ich helfe dir.“

Brienne hob eine Braue. „Du willst freiwillig helfen?“

Jaime zuckte mit den Schultern. „Dann kann ich sagen, dass ich dich reingelassen habe.“

Brienne lachte leise. „Schlau.“

Die beiden machten sich leise fertig, schnappten sich ihre Sachen und gingen vorsichtig aus der Tür, um sich keine neugierigen Blicke einzufangen.

Brienne begann das Frühstück vorzubereiten – Brot, Butter, Käse, ein wenig Obst und natürlich Tee. Jaime half ihr dabei, wobei er sich eher auf das Probieren der Zutaten konzentrierte als auf das eigentliche Zubereiten.

Ich wachte langsam auf, rieb mir die Augen und blinzelte verschlafen zur Decke. Mein Kopf fühlte sich noch schwer vom Schlaf an, aber der Geruch von Tee und frischem Brot lockte mich schließlich aus dem Bett.

Gähnend und leicht taumelnd kam ich nach unten und sah Jaime und Brienne bereits in der Küche.

„Guten Morgen.“ Meine Stimme war noch etwas müde.

Die beiden drehten sich gleichzeitig um und grinsten mich an. „Guten Morgen, Lukas.“

„Tee?“ fragte Brienne mit einem freundlichen Lächeln.

Ich ließ mich auf einen Stuhl fallen und nickte. „Klingt gut.“

Kurz darauf stellte sie mir eine Tasse mit grünem Apfeltee hin. Ich umfasste die warme Tasse mit meiner Hand, aber bevor ich einen Schluck nahm, hielt ich inne und blinzelte die beiden an.

„Dieses Mal ist da kein Schlafmittel drin, oder? Oder kann ich ihn ohne Sorgen trinken?“ fragte ich lachend.

Jaime lachte laut, legte mir einen Arm auf den Rücken und grinste. „Ich versichere dir, dass nichts drin ist.“

Dann nahm er demonstrativ einen Schluck.

Ich lachte ebenfalls, nahm einen Schluck und grinste. „Gut, dann wären wir wenigstens beide außer Gefecht.“

Wir lachten alle drei.

Doch während ich weiter trank, begann mein Kopf langsam zu rattern.

Etwas war anders.

Jaime und Brienne wirkten… glücklicher als sonst. Es war nicht nur das Lachen – es war die Art, wie sie sich ansahen. Wie sie sich bewegten.

Ich sagte nichts, aber ich merkte es mir.

Ich trank meinen Tee aus, seufzte zufrieden und stellte die leere Tasse ab. „Ist es okay, wenn ich mich nochmal kurz hinlege? Könnt ihr mich dann bitte wecken, wenn Tyrion und Leo wach sind und es Frühstück gibt?“

Die beiden nickten sofort.

„Natürlich.“ sagte Brienne mit einem warmen Lächeln.

„Klar, mach ruhig.“ bestätigte Jaime.

Ich stand auf, streckte mich und ging zurück in mein Zimmer.

Als ich mich in mein Bett legte, wollte ich eigentlich einfach nur noch ein bisschen dösen.

Doch dann…

Ein Gedanke schlich sich in meinen Kopf.

Nachts…

Ich musste nachts auf die Toilette.

Und da…

Ich hatte Stimmen aus Jaimes Zimmer gehört.

Ich war zu müde gewesen, um darauf zu achten, aber jetzt… Jetzt wurde mir klar, dass es sich dabei um zwei Stimmen gehandelt hatte.

Und dann noch etwas…

Als ich auf dem Weg zum Klo war, hatte ich Briennes Stiefel noch im Haus stehen sehen.

Mein Blick wurde nachdenklich.

Hatte sie überhaupt das Haus verlassen?

Die Gedanken wirbelten in meinem Kopf umher.

Ist da etwas zwischen meinem Vater und Brienne?

Ich ging alles in meinem Kopf durch – jedes Detail, jede kleine Geste zwischen ihnen, die mir aufgefallen war.

Jaime und Brienne waren sich schon immer nahe gewesen, das wusste ich. Aber jetzt… Jetzt ergab es noch mehr Sinn. Die Art, wie sie sich ansahen. Die Art, wie sie lachten. Die Indizien waren da, sie waren eindeutig.

Dann kam mir ein anderer Gedanke.

Vater und Mutter.

Ich erinnerte mich an all die Male, in denen Vater sich wie Dreck gefühlt hatte. Wertlos. Kaputt.

Ich erinnerte mich an den Hass in den Augen meiner Mutter, jedes Mal, wenn sie mit ihm sprach – diese verächtliche Art, wie sie ihn behandelte. Sie hatte ihn kontrolliert, ihn niedergemacht, ihn klein gehalten. Immer und immer wieder.

Sie hatte ihn benutzt, wenn es ihr passte, und ihn verstoßen, wenn er nicht tat, was sie wollte.

Ich sah ihn noch vor mir, wie er nach ihrer Aufmerksamkeit suchte, nach ihrer Liebe – und sie ihn nur mit einem kalten Lächeln abspeiste, als wäre er nichts weiter als ein Hund, den sie an der Leine hielt.

Sie hatte ihn manipuliert. Ihn leiden lassen. Ihm das Gefühl gegeben, niemals gut genug zu sein.

Und dann war da Brienne.

Brienne, die immer gut zu mir war. Die mir gegenüber immer respektvoll war, die mich ernst nahm und nicht behandelte, als wäre ich nur ein Kind.

Und sie war die Einzige, die mehr in meinem Vater erkannte als nur den „Königsmörder“.

Ich dachte an die beiden zusammen.

Ich fragte mich, ob es für mich okay war.

Ja.

Ja, es war okay.

Eigentlich fand ich es sogar ganz gut.

Ja, es war schnell nach dem Tod meiner Mutter, aber ich wusste, was sie Vater angetan hatte.

Und ich wusste, was Brienne für ein Mensch war.

Ich konnte mir vorstellen, dass das funktionieren könnte.

Aber…

Ich würde sie nicht darauf ansprechen.

Nein.

Das wäre viel zu einfach.

Stattdessen würde ich sie zappeln lassen.

Ich grinste leicht bei dem Gedanken.

Wie lustig es sein würde, die kleinsten Zeichen zu erkennen, sie vielleicht in unangenehme Situationen zu bringen, ohne sie auffliegen zu lassen.

Ich wusste genau, wie Onkel Tyrion sofort merkte, wenn Vater lügen musste. Und jetzt war ich an der Reihe.

Beim Frühstück würde ich Brienne fragen, ob sie gut heimgekommen ist.

Und Vater…

Ob er gut geschlafen hat.

Mein Grinsen wurde breiter.

In diesem Moment klopfte es an der Tür.

Ich setzte eine unschuldige Miene auf.

Die Tür öffnete sich.

Jaime trat ein.

Er setzte sich zu mir aufs Bett, und ich blieb einfach liegen, zu müde, um mich zu bewegen.

„Na, fit?“ fragte er mit einem leichten Grinsen.

Ich verzog das Gesicht. „Ehh… immer noch müde.“

Ohne zu zögern, ließ er sich neben mir nieder, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und atmete entspannt aus.

„Sind die anderen noch nicht wach?“ fragte ich nach einer Weile.

„Brienne ist gerade dabei, sie zu wecken,“ antwortete er.

Ich lachte leise. „Dann kann das ja noch dauern, bis Onkel Tyrion auf den Beinen ist.“

Jaime lachte ebenfalls. „Ja, das kann dauern. Aber solange kann ich hier noch etwas entspannen.“

Ich stimmte zu und streckte mich genüsslich, bevor ich mich auf die Seite drehte und ihn ansah.

„Sicher, dass nicht doch Schlafmittel im Tee war?“ fragte ich mit einem müden Lächeln.

Er schüttelte leicht den Kopf und lachte. „Falls ja, dann war’s Brienne.“

Der Moment, in dem er ihren Namen aussprach…

Dieses Glück in seiner Stimme…

Es bestätigte meine Theorie.

Ich konnte nicht länger warten.

Ich musste eine Anspielung machen.

Wir lagen einen Moment schweigend da, ich gähnte und murmelte: „Ich hab nicht so gut geschlafen.“

Jaime drehte sich sofort leicht zu mir. „Alles okay? Hattest du einen Albtraum?“

Ich winkte ab. „Nein, alles gut. Wahrscheinlich nur ein bisschen zu viel Alkohol.“

Er lachte.

Jetzt oder nie.

Ich sah ihn an und fragte ganz beiläufig: „Und du? Hast du gut geschlafen?“

Jaime blinzelte.

Für den Bruchteil einer Sekunde war da… etwas.

Ein Zögern.

Sein Gesichtsausdruck blieb kontrolliert, aber ich bemerkte den kurzen Moment der Unsicherheit in seinen Augen.

„Äh, ja… ja, eigentlich ziemlich gut. War ein langer Tag, also… ja.“

Er versuchte, es beiläufig klingen zu lassen.

Zu beiläufig.

Er log.

Ich wusste es!

Aber ich ließ mir nichts anmerken.

Ich nickte einfach und antwortete ruhig: „Das ist schön.“

Dann drehte ich mich langsam auf den Rücken und schloss für einen Moment die Augen.

Jaimes Perspektive

Für einen kurzen Moment überlegte ich, was ich sagen sollte.

Dann entschied ich mich für die naheliegendste Antwort:

„Äh, ja… ja, eigentlich ziemlich gut. War ein langer Tag, also… ja.“

Einfach. Glaubwürdig. Ohne unnötige Details.

Lukas nickte nur und sagte ruhig: „Hm. Das ist schön.“

Er wirkte entspannt, schloss kurz die Augen und drehte sich langsam auf den Rücken.

Ich spürte, wie sich meine Schultern lockerten.

Hat funktioniert.

Er hatte nichts gemerkt.

Ich musste mir keine Sorgen machen.

Ich lag noch im Bett, meine Augen halb geschlossen, während ich hörte, wie Brienne, Tyrion und Leo im Wohnraum redeten. Ich streckte mich und setzte mich langsam auf.

Neben mir schlief Jaime immer noch – und das mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck.

Doch das war mir egal.

Ich hatte andere Pläne.

Grinsend stupste ich ihn an. Keine Reaktion.

Also versuchte ich es anders.

„Auf geht’s, Frühstück, alter Mann.“ sagte ich laut und lachend.

Sofort schossen Jaimes Augen auf, er riss sich aus dem Schlaf und blinzelte mich an.

„ALTER MANN?!“ wiederholte er empört und sprang auf.

Ich brach in schallendes Gelächter aus.

„Na warte nur ab, das werde ich nicht auf mir sitzen lassen!“ rief er, doch auch in seiner Stimme lag ein amüsiertes Lachen.

„War doch nur ein Witz,“ grinste ich und strubbelte ihm durch die Haare.

„Du willst mich einfach nur ärgern, oder?“ fragte er, während er seine Haare versuchte zu richten.

„Ich revanchiere mich nur für die unzähligen Male, die du das mit mir gemacht hast.“ erwiderte ich frech.

Jaime lachte und schüttelte den Kopf. „Unfassbar.“

Dann gingen wir gemeinsam zum Frühstückstisch und setzten uns.

Jaime sah Tyrion an und fragte: „Na, verkatert?“

Tyrion stöhnte leise. „Sagen wir, mein Kopf fühlt sich an, als wäre ein Mammut darüber getrampelt. Aber abgesehen davon geht es mir prächtig.“

Leo lachte und meinte: „Dann war es doch eine gute Nacht.“

Tyrion schnaubte. „Wenn du dein Schnarchen als gute Nacht bezeichnest…“

Leo verzog das Gesicht. „Oh, bitte. Ich habe nichts gegen dein Schnarchen gesagt, also beschwer dich nicht über meines.“

Tyrion legte sich eine Hand aufs Herz. „Mein Schnarchen ist melodisch und sanft wie das Rauschen der Wellen.“

„Eher wie ein brüllender Bär.“ entgegnete Leo trocken.

Wir alle lachten.

Doch dann kam mein Moment.

Ganz beiläufig drehte ich mich zu Brienne. „Bist du gestern gut nach Hause gekommen?“

Sie nickte. „Ja, ich war ziemlich schnell daheim.“

Sie sagte es überzeugend.

Viel überzeugender als Jaime es heute Morgen getan hatte, als er mich angelogen hatte.

Aber…

Während sie sprach, sah sie Jaime an.

Und er sah sie an.

Ich unterdrückte ein Grinsen.

„Das ist schön,“ sagte ich und nahm einen Schluck Tee. „Falls es zu spät gewesen wäre, hättest du auch hier schlafen können. Ich hätte mir mit Vater das Bett geteilt.“

Brienne lächelte leicht und antwortete: „Mal sehen, wie es heute Abend wird. Vielleicht ist das ja möglich.“

Innerlich grinste ich.

Habe ich euch.

4

Strand und Trinkspiele

Schauplatz: Evenfall Hall · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon

Nach dem Frühstück beschlossen wir, wieder ans Meer zu gehen.

Alle kamen mit – außer Tyrion, der sich nochmal hinlegte und murmelte, dass das Meer seinem Magen nicht gut tun würde.

Kaum waren wir im Wasser, genossen wir die Wellen.

Jaime und Brienne hielten sich nah beieinander.

Ließen sich aber nichts anmerken.

Doch dann…

Plötzlich kam Vater auf mich zu, packte mich mit überraschender Geschwindigkeit und tauchte mich kurzerhand unter Wasser.

Ich war völlig überrumpelt.

Als ich wieder auftauchte, lachte er breit. „Alter Mann, von wegen!“

Ich blinzelte das Wasser aus meinen Augen und grinste. „Das kam unerwartet.“

Er lachte, doch ich ließ mir das nicht gefallen.

Sofort griff ich nach ihm, tauchte ihn unter und begann laut zu lachen.

Jaime tauchte wieder auf und schüttelte das Wasser aus seinen Haaren.

„Ich lasse das doch nicht auf mir sitzen! Meine Reflexe sind besser als deine und ich bin schneller… Alter Mann.“

Ich grinste frech.

Sein Blick verengte sich spielerisch.

„Jetzt reicht’s!“ rief er lachend.

Er stampfte im Wasser auf mich zu.

Ich kreischte und sprintete in Richtung Strand, während er mir hinterherjagte.

Leo und Brienne waren immer noch im Wasser, beobachteten das Spektakel.

Leo lachte und fragte: „Sind die beiden wirklich immer so?“

Brienne sah uns kurz nach, lächelte sanft und antwortete: „Ja. Ja, das sind sie.“

Leo grinste. „Sollen wir auch rausgehen?“

Brienne schüttelte den Kopf. „Lass sie. In spätestens einer Minute liegen sie beide im Sand.“

Und tatsächlich sollte Brienne Recht behalten.

Jaime rief mir noch hinterher: „Schaffst du es noch vor dem alten Mann wegzulaufen?!“

Ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen.

Doch dann –

Er war plötzlich direkt hinter mir.

Ich spürte, wie er sich nach mir streckte.

Ich schrie auf –

Und dann riss er mich um.

Wir beide fielen in den Sand.

Komplett voller Sand blinzelten wir uns an.

Dann spuckte Jaime ein paar Sandkörner aus.

Ich tat dasselbe.

Und dann…

Dann brachen wir beide in lautes Lachen aus.

Wir lachten so sehr, dass wir beide einen Schluckauf bekamen.

„Hicks.“

„Hicks.“

Es hörte einfach nicht auf.

Langsam rappelten wir uns auf und gingen zurück ins Wasser, wo Brienne und Leo uns bereits auslachten.

„Seht euch an!“ rief Leo lachend. „Ihr seid voller Sand!“

Brienne schüttelte den Kopf und musterte Jaime. „Wie habt ihr das nur geschafft?“

Leo nickte. „Ja, Lukas, bei dir auch alles voll. Ihr seht aus wie Sandstatuen.“

Jaime und ich zuckten nur gleichzeitig mit den Schultern.

Brienne lachte. „Ihr seid wirklich ein Geist und eine Seele.“

Leo stimmte zu. „Jetzt verstehe ich, was Tyrion und Brienne meinten. Ihr seid wirklich gleich.“

Ich grinste und sagte – trotz Schluckauf: „Ja stimmt, oder Papa?“

Jaime lachte und nickte. „Ja, ja, das sind wir.“

Ich konnte es mir nicht verkneifen.

„Wobei… Ich bin kein alter Mann.“

Ich grinste ihn an.

Er sah mich kurz an – und dann zeigte er auf den Strand.

„Runde 2?“ fragte er grinsend.

Ich schüttelte sofort den Kopf. „Nein, nein, das reicht mir.“

Aber das reichte ihm nicht.

Er kam auf mich zu, verstrubbelte meine Haare und sagte: „Sieh das als deine Strafe.“

Dann gingen wir alle aus dem Wasser.

Wir setzten uns nach dem wilden Strandtag nach drinnen zu Tyrion, der gemütlich auf dem Sofa lag, ein Glas in der Hand. Leo hatte sich ebenfalls dazugesellt, während Brienne und Jaime kurz verschwunden waren, um sich trockene Kleidung zu holen. Als sie zurückkehrten, war da sofort wieder diese fast unsichtbare, aber spürbare Spannung zwischen ihnen – nicht unangenehm, eher wie ein vertrautes Flirren in der Luft.

Während wir uns unterhielten, bemerkte ich zum Beispiel, wie Jaime Brienne ganz beiläufig ein Kissen reichte, als sie sich setzte – nicht einfach so, sondern genau das, das sie vorhin auch benutzt hatte. Oder wie ihre Finger sich ganz kurz streiften, als sie beide gleichzeitig nach der Karaffe griffen. Es war nichts Weltbewegendes, aber in Summe eindeutig.

Einmal fragte Leo nach der besten Aussicht auf der Route, die wir am nächsten Tag wandern wollten, und Brienne begann zu erzählen. Jaime unterbrach sie plötzlich und sagte schnell: „Ach ja, stimmt, das war da mit dem großen Stein, nicht?“ Ich wusste aber genau, dass er nie an dem Ort war, den sie beschrieben hatte – ich hatte mit ihm die Strecke ein paar Tage zuvor geplant. Ich grinste leicht, sagte aber nichts weiter, nur: „Ach, du erinnerst dich also auch noch daran?“ „Na klar“, sagte er schnell und sah kurz weg. Ich bemerkte das Zucken in seinem Mundwinkel, welches er immer hat, wenn er lügt. Ich tat trotzdem so, als glaubte ich ihm, aber innerlich notierte ich mir das wie einen Punktestand: Wieder ein Punkt für mich.

Am Abend saßen wir dann alle gemeinsam am Tisch, und Tyrion schlug wie immer ein Trinkspiel vor. „Lasst uns König der Aussagen spielen“, sagte er. Die Regeln waren einfach: Reihum musste jeder eine Aussage machen, z. B. „Ich habe noch nie in einem Schloss übernachtet“. Alle, auf die das nicht zutraf, mussten trinken. Es wurde schnell wild und lustig – von peinlichen Geständnissen bis zu haarsträubenden Anekdoten.

Brienne trank überraschend oft, deutlich mehr als sonst, und lachte bei jedem Schluck etwas lauter. Ihre Wangen wurden langsam rot, und sie lehnte sich immer öfter zu Jaime hinüber, manchmal so weit, dass ihre Schulter seine streifte. Tyrion bemerkte nichts, Leo war zu sehr mit seinem eigenen Glas beschäftigt. Aber ich sah es. Immer wieder trafen sich ihre Blicke – intensiver als nötig.

Dann, in einem Moment der Stille nach einer besonders verrückten Aussage von Tyrion, sah Brienne Jaime fast schon verliebt an. Sie öffnete leicht den Mund, als wolle sie etwas sagen – etwas Großes. Ich merkte sofort, wie Jaime innerlich erstarrte. Seine Augen weiteten sich kaum merklich, als würde er still rufen: Nein, bitte nicht jetzt!

„Hey Brienne“, unterbrach ich schnell, lächelnd, aber mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldete, „geht’s dir gut? Du wirkst als solltest du dich hinlegen.“ Sie blinzelte, sah zu Jaime – der in diesem Moment fast erleichtert ausatmete – und verstand sofort. „Das ist vermutlich eine gute Idee“, sagte sie und stand langsam auf.

Ich wollte natürlich helfen – oder besser: helfen lassen. Also sagte ich: „Papa, bringst du sie kurz auf mein Zimmer und nimmst meine Sachen zu dir?“ „Klar“, sagte er sofort und stand auf, ohne zu zögern. Die beiden verschwanden nach oben.

Tyrion lehnte sich zurück, seine Wangen leicht gerötet. „Ich hab sie wohl ein wenig zu stark abgefüllt“, kicherte er. Ich lachte. „Sie war nicht dein einziges Opfer.“ Ich zeigte auf Leo, der fast im Sitzen einschlief, mit halb geöffnetem Mund.

Wir lachten beide, Tyrion nickte und sagte: „Na gut… Ich denke, auch wir sollten das Kapitel heute schließen.“ Leo murmelte ein schlaftrunkenes „Gute Nacht“, während Tyrion ihm half, aufzustehen. Gemeinsam verschwanden sie.

Ich blieb noch kurz allein am Tisch sitzen, das Glas halbvoll in der Hand, und ließ die Szene langsam ausklingen.

Brienne lag bereits in meinem Bett, hatte sich zugedeckt und wirkte deutlich ruhiger. Jaime öffnete leise die Tür und schlich sich mit ihren Bettsachen hinein. Als er sie sah, lächelte er.

„Das war ganz schön knapp“, sagte er leise.

Brienne senkte den Blick leicht. „Es tut mir leid. Ich… Ich war unvorsichtig.“

Er setzte sich neben sie, schüttelte den Kopf. „Du musst dich nicht entschuldigen. Ich hätte dich auffangen sollen.“

Sie sah ihn an, ihre Augen klarer als erwartet. „Du bist immer da.“

Er schluckte. Und in dem Moment war da wieder dieses Band zwischen ihnen – unausgesprochen, aber spürbar.

Brienne griff sanft nach seinem Hemd und zog ihn zu sich herunter, küsste ihn lange, zärtlich.

Als sie sich lösten, sagte sie mit ruhiger Stimme: „Du solltest zurückgehen. Nicht dass Lukas, Tyrion oder Leo Verdacht schöpfen.“

Er nickte, stand langsam auf. „Ich hoffe, wir teilen bald wieder ein Bett – freiwillig.“ Dann grinste er leicht. „Und wenn du was brauchst, klopf einfach.“

Gerade als er zur Tür ging, sagte Brienne mit fester Stimme: „Ich liebe dich.“

Er blieb stehen. Dann drehte er sich um, seine Augen leuchteten. Er trat zurück zu ihr, beugte sich vor und küsste sie sanft.

„Ich liebe dich auch.“

Dann verließ er leise das Zimmer und ging zurück in den Wohnraum.

5

Nachtgespräche

Schauplatz: Evenfall Hall · Lukas Lannister, Jaime Lannister

Jaime kam langsam die Treppe herunter, sein Gesicht wirkte ruhig, aber seine Augen suchten. Als er in den Raum trat und nur mich am Tisch sah, runzelte er leicht die Stirn. „Wo sind Tyrion und Leo hin?“ fragte er.

Ich sah kurz auf und nahm noch einen Schluck aus meinem Glas. „Die sind beide ins Bett. Leo war praktisch schon beim Sitzen eingeschlafen, und Onkel Tyrion meinte, das Meer hätte seinen inneren Gleichgewichtssinn ruiniert.“

Jaime schmunzelte „Das Meer also, sicher nicht der Alkohol.“ und ging ein paar Schritte weiter in den Raum.

„Was auch sonst, Onkel ist doch der trinkfesteste von uns“, sagte ich, lehnte mich zurück und grinste frech, „Tja, dann sind wohl nur noch wir zwei übrig.“

In diesem Moment hielt Jaime kurz inne. Er sah mich an, sein Blick ruhig, aber in seinem Kopf begann etwas zu arbeiten. Vielleicht sollte ich es ihm sagen, dachte er. Er ist nicht mehr das kleine Kind von früher. Er ist erwachsen. Und er hat so viel mitbekommen in den letzten Tagen… vielleicht weiß er es sogar längst.

Er überlegte. Aber… was, wenn es das verändert? Wenn er sich hintergangen fühlt? Wenn das Vertrauen leidet? Er schaute mir in die Augen, sah mein ehrliches, schelmisches Grinsen, und genau da kam ich ihm zuvor.

„Na?“ fragte ich, grinsend wie ein kleiner Teufel. „Hält der alte Mann noch ein paar Runden König der Aussagen aus?“

Jaimes Augen weiteten sich kurz überrascht, dann lachte er plötzlich herzlich, der Moment der Ernsthaftigkeit verflog wie ein Schatten in der Morgensonne. „Alter Mann, hm ist das dein neuer Spitzname für mich?“ wiederholte er kopfschüttelnd. „Du wirst wirklich immer frecher.“

„Nur weil ich weiß, dass du mich nicht ein zweites Mal im Sand versenkst.“

„Willst du das wirklich riskieren?“ erwiderte er, aber seine Stimme war weich.

Er setzte sich zu mir an den Tisch, und wir beide füllten unsere Gläser nach. Das Feuer im Kamin war heruntergebrannt, aber ein warmes Glühen blieb im Raum – wie zwischen uns.

Runde 1 – Ich habe noch nie etwas gestohlen.

Ich grinste, nahm demonstrativ keinen Schluck. Jaime hingegen hob sein Glas.

„Was?!“ fragte ich lachend. „Du hast was gestohlen?“

„Naja…“ begann er und zuckte mit den Schultern. „Als ich ungefähr zwölf war, hab ich mal einen Apfel vom Markt genommen. Ich hab gedacht, ich bin ganz unauffällig. Cersei hat’s natürlich gesehen und mich verraten.“

Ich lachte. „Natürlich hat sie das. Was hast du dann gemacht?“

„Ich hab versucht, den Apfel wieder zurückzulegen. Inzwischen war er angebissen.“

Ich hielt mir den Bauch vor Lachen. „Klingt nach einem typischen Tag für dich und Mutter.“

Runde 2 – Ich habe noch nie jemanden aus tiefstem Herzen bewundert.

Wir beide tranken, langsam. Ich sah ihn danach direkt an.

„Wen bewunderst du am meisten?“ fragte ich.

Er dachte kurz nach. „Ich glaube… früher war das Vater. Wegen seiner Stärke, seiner Disziplin. Heute?“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „Ich bewundere Menschen, die sich selbst treu bleiben – auch wenn es weh tut.“

Ich nickte langsam, spürte den Ernst in seinen Worten.

„Und du?“ fragte er.

Ich dachte nach. „Dich“, sagte ich ruhig.

Er sah mich leicht überrascht an. Ich zuckte mit den Schultern. „Du bist mein Vater. Du hast Fehler gemacht, sicher. Aber du bist auch da. Du hörst zu, du kämpfst für Menschen, die du liebst. Ich sehe das, weißt du.“

Er wurde still, aber sein Blick sagte mehr als tausend Worte.

Runde 3 – Ich habe noch nie gelogen, um jemanden zu schützen.

Wir beide tranken gleichzeitig.

„Das war keine große Überraschung, oder?“ sagte ich lachend.

„Nein“, erwiderte Jaime mit einem halben Lächeln. „Aber weißt du – man merkt gar nicht, wie oft man das tut. Kleine Lügen, aus Sorge. Oder um jemandem Mut zu geben.“

Ich nickte langsam. „Manchmal merkt man es aber doch. Auch, wenn man so tut, als würde man es nicht.“

Seine Augen trafen meine. Für einen Moment war da wieder diese kleine Spannung. Ich sah, wie er etwas sagen wollte – aber ich hob nur das Glas.

„Nächste Runde?“ sagte ich und zwinkerte.

Er nickte, das Lächeln kehrte zurück.

Runde 4 – Ich habe noch nie jemanden absichtlich in den Wahnsinn getrieben.

Ich sah ihn sofort an. „Papa. Du. Mich. Immer.“

Er lachte. „Du bist aber auch leicht zu provozieren!“

Ich verschränkte die Arme. „Du hast mir mal den letzten Muffin weggegessen und dann behauptet, ich hätte ihn selbst gegessen und es vergessen.“

Er lachte lauter. „Weil du vorher schon vier hattest! Ich hab dich nur vor dir selbst geschützt.“

Ich tat entrüstet. „Und das nennst du Schutz? Das ist psychologische Kriegsführung!“

„Du warst sieben!“

„Und du warst zu dem Zeitpunkt noch mein Onkel!“

Wir brachen beide in ein wohliges, gemeinsames Lachen aus – das Glas in der einen, die Vergangenheit im Herzen. Der Abend fühlte sich leicht an, ehrlich und verbunden.

Jaime nahm noch einen Schluck und lehnte sich zurück. Dann sah er mich mit einem schiefen Grinsen an. „Übrigens“, begann er, „du hast mich auch in den Wahnsinn getrieben.“

Ich riss theatralisch die Augen auf. „Ich?! Wann denn bitte?!“

Er lachte laut. „Andauernd, Lukas. Du hast mich mit jedem Jahr mehr in den Wahnsinn getrieben – mit deinen Fragen, deinen Launen, deinem plötzlichen Wachwerden mitten in der Nacht, weil du wusstest, dass ich wach bin…“

Ich lachte mit, aber gleichzeitig spürte ich etwas Warmes in seiner Stimme – kein Vorwurf, nur ehrliche Erinnerung. Dann wurde sein Blick ein wenig ernster.

„Weißt du… am Tag bevor wir uns in Storm’s End wiedersahen, hatte ich einen Traum.“

Ich stellte mein Glas ab und richtete mich ein wenig auf.

„Was für einen Traum?“ fragte ich leise.

„Im ersten Traum standest du bei Marlis. Ich wollte zu dir rennen. Ich habe dich gerufen, aber meine Beine… sie haben nicht funktioniert. Ich kam einfach nicht näher. Und du… du hast mich nur angesehen.“

Ich sah ihn ruhig an, sagte nichts. Er fuhr fort.

„Du hast nur gesagt: Es ist deine Schuld. Du hast sie nicht gerettet. Und dann standest du einfach da, zwischen mir und ihr, und ich konnte nichts tun, nichts sagen, nichts ändern.“

Ich schluckte. „Ja… das klingt… schlimm“, sagte ich langsam. „Ich kann mir vorstellen, wie weh das getan hat.“

Er nickte, sah ins Glas. „Aber pass auf – das war noch nicht alles.“

Ich hielt inne, mein Blick blieb bei ihm. Er atmete tief ein.

„Im zweiten Traum warst du… dort. Im Garten von Storm’s End. Du standest einfach nur da, mit dem Rücken zu mir. Ich bin zu dir gegangen. Ich hab dir eine Hand auf die Schulter gelegt.“

Ich sagte nichts, aber mein Herz schlug schneller.

„Du hast dich umgedreht. Und da war… keine Wut, kein Hass. Aber auch kein Verzeihen. Nur… nichts. Ein leerer Blick. Und dann hast du mir auch die Hand auf die Schulter gelegt. Und du hast nichts gesagt. Keine Antwort, keine Frage, kein Urteil. Nur diese… Leere.“

Ich sah ihn an. Lange. Dann griff ich nach seiner Hand, die locker auf dem Tisch lag.

„Ich glaube… das war nicht Leere“, sagte ich leise. „Ich glaube, das war dein eigener Zweifel. Nicht zu wissen, ob du’s verdient hast, dass ich dir verzeihe.“

Er blinzelte, hielt den Blick kurz gesenkt.

„Ich hätte dir geantwortet“, sagte ich bestimmt. „Wärst du wach geblieben. Ich hätte was gesagt, dir gesagt dass ich dir verzeihe.“

Er nickte, sichtlich berührt. Ein langer Moment der Stille folgte – warm, dicht, vertraut.

Dann seufzte ich und sagte mit einem Lächeln: „Komm, eine Runde schaffen wir noch. Zum Abschluss was Ehrliches, aber nicht so Schweres.“

Jaime hob die Braue. „Was hast du im Sinn?“

Ich überlegte kurz, dann sagte ich: „Ich habe noch nie gedacht, dass ich kein guter Vater/Sohn bin.“

Wir sahen uns an – und tranken beide. Langsam.

Ich stellte mein Glas ab und sprach zuerst: „Ich hab oft gedacht, ich wär nicht gut genug. Dass ich dich enttäusche. Dass ich zu nervig bin, zu schwierig, zu emotional. Und wenn du dann mal nicht da warst… hab ich gedacht, vielleicht bin ich schuld, dass du nicht bleibst.“

Jaime schloss kurz die Augen. „Lukas… ich würde dich niemals freiwillig verlassen.“

„Ich weiß, dass alles nicht so einfach war. Ich weiß auch, dass du immer versuchst da zu sein. Ich hab das nie übersehen.“

Er nahm einen Moment, dann sprach er: „Ich… hab so oft das Gefühl gehabt, dass ich dir nicht gerecht werde. Dass ich zwar versuche, ein Vater zu sein – aber nur in manchen Momenten wirklich für dich da sein kann. Und ich hab mich gefragt, ob du jemals glauben kannst, dass ich dich wirklich liebe.“

Ich sah ihn ruhig an. „Ich weiß es. Manchmal war’s nicht leicht, ja. Aber ich hab’s immer gespürt. Trotz allem. Und ich bin froh, dass wir hier sitzen und über sowas reden können.“

Er nickte. Wir beide blickten auf unsere Gläser – leer.

„Dann sollten wir wohl auch schlafen gehen“, sagte ich ruhig.

„Ja“, stimmte Jaime zu.

Wir standen auf, gemeinsam, und gingen in unser Zimmer. Ohne viele Worte zogen wir uns um, jeder für sich, aber mit einer Vertrautheit, die aus gemeinsamen Jahren gewachsen war – aus Schweigen, Kämpfen, und Wiederfinden.

Dann legten wir uns hin, jeder auf seine Seite des Bettes, aber keine zwei Minuten später sagte ich leise: „Schläfst du schon?“

„Nein“, kam es genauso ruhig von ihm zurück.

Wir lagen da – bereit, noch etwas zu sagen, ein letztes Stück Nähe zu teilen, bevor die Nacht kam.

Der Raum war still. Nur das sanfte, flackernde Licht der kleinen Laterne warf goldene Muster an die Wände. Ich lag auf dem Rücken, das Kissen warm im Nacken, mein Blick zur Seite gerichtet – zu Jaime.

Sein Gesicht war ruhig, aber ich erkannte es sofort: Diese Mischung aus Erleichterung und Zufriedenheit… und dazwischen, klar zu sehen für mich, eine Unruhe. Eine Unsicherheit, die sich wie ein Schleier über ihn legte. Ich wusste sofort, worum es ging.

„Bist du glücklich?“ fragte ich leise.

Er runzelte leicht die Stirn, überrascht.

„Also… ich meine jetzt gerade. So wie alles ist. Hier.“

Er atmete tief ein, lehnte sich zurück, den Kopf an das Bettgestell, das Kissen zwischen Hinterkopf und Holz.

„Ich bin… schon glücklich“, sagte er. „Es ist schön hier. Ruhig. Und ich hab das Gefühl, dass ich – dass wir – endlich mal durchatmen können. Einfach weg von allem.“

Er lachte leise – aber es war kein freies Lachen. Mehr ein bitterer Hauch.

„Aber… ich weiß nicht, ob das so bleibt.“

Ich hob die Augenbrauen. „Warum nicht? Was soll sich denn ändern?“

Er sah kurz zu mir, dann senkte er den Blick, zögerte. Schließlich setzte er sich auf, zog die Decke ein Stück weg, setzte sich im Schneidersitz hin und fuhr sich durch die Haare.

„Lukas… ich will dir was sagen. Aber ich brauch dich, dass du mir einfach… zuhörst, okay? Ohne mich sofort zu verurteilen oder irgendwas reinzulesen. Ich wollte's dir schon den ganzen Tag erzählen, aber… es hat nie gepasst. Ich glaube, jetzt ist es soweit.“

Ich nickte, sagte kein Wort.

Er atmete tief durch. „Es geht um Brienne.“

Ich hob nur ganz leicht den Kopf. Wartete.

„Es hat angefangen… am Feuer. Als wir den Fisch zubereitet haben. Wir saßen einfach nur da… haben geredet, über alles Mögliche. Über das, was wir verloren haben. Und über das, was vielleicht noch kommt.“

Sein Blick wurde weicher.

„Dann hat sie irgendwann ihre Hände an mein Gesicht gelegt. So… vorsichtig, so… warm. Und dann hat sie mich geküsst. Und ich hab sie geküsst. Es war kein Zögern, kein Denken. Es war einfach… richtig.“

Ich sah, wie schwer es ihm fiel, das in Worte zu fassen, aber er sprach weiter.

„Und danach… sind wir nicht einfach auseinandergegangen. Sie ist nicht gegangen. Sie ist mit mir hoch, wir… wir haben nicht viel gesagt. Sie hat sich hingelegt, zu mir. Und sie ist geblieben.“

Ein Hauch von Rührung in seiner Stimme.

„Wir haben beieinander gelegen. Und es war so… friedlich. Aber auch nah. Vertraut. Und ja – wir haben uns näher gekannt in dieser Nacht. Nicht nur körperlich. Auch sonst. Ich hab mich bei ihr sicher gefühlt. Nicht als Ritter, nicht als… Vater, nicht als Lannister. Einfach als ich.“

„Später… also, heute Abend, als ich sie auf dein Zimmer gebracht hab… Lag sie schon im Bett. Ich wollte mich nur kurz noch erkundigen ob es ihr gut geht, weißt du? Aber dann saß ich da. Und sie war so ehrlich. So verletzlich und gleichzeitig… stark.“

Er hielt inne, fast wie um sich selbst zu ordnen.

Ein leises Zittern in seiner Stimme. „Und dann… bevor ich gehen wollte, hat sie gesagt, dass sie mich liebt. Und Lukas… ich… hab ihr gesagt, dass ich sie auch liebe.“

Wieder wurde es still. Er sah mich an, nervös. In seinen Augen lag Hoffnung – und Angst.

Ich ließ die Stille wirken. Dann sagte ich:

„Hmm… ich weiß nicht, Papa… das ist schon echt viel. Also… schwierig, echt schwierig.“

Seine Augen weiteten sich sofort. Ich konnte sehen, wie sich sein Magen innerlich zusammenzog. Die Panik. Die Angst, die er vor meinen kommenden Worten hatte.

Und dann grinste ich. „Echt schwierig… dich zu verarschen.“

Er starrte mich an – fassungslos.

„Was?!“

Ich fing an zu lachen.

„Sogar bei diesem Thema verarscht du mich?!“

Ich lachte noch mehr.

Er warf die Hände in die Luft. „Das ist ein weiterer Beweis. Du treibst mich in den Wahnsinn.“

„Na, wenigstens bleib ich konsequent“, grinste ich breit und rollte mich ein Stück näher zu ihm. Dann wurde ich ernster.

„Aber jetzt mal ehrlich… Ich freu mich. Wirklich. Wenn du mit Brienne glücklich bist… dann bin ich das auch. Ich mag sie sehr. Und vor allem: Nach dem, was Mutter dir über all die Jahre angetan hat…“

Ich machte eine kurze Pause.

„Du hast so viel durchgemacht. So viel ertragen. Sie hat dich klein gemacht, gedemütigt, manipuliert, dich benutzt – als Mann, als Bruder, als Vater. Und trotzdem hast du so lange versucht, ihr gerecht zu werden. Ich weiß gar nicht, wie du das alles ausgehalten hast.“

Er sah mich an, sein Blick weich und tief bewegt.

Ich fuhr fort: „Du hast’s verdient, dass dich jemand liebt, ohne Bedingungen. Jemand, der dich sieht. Und nicht das, was du darstellen sollst.“

Jaimes Lippen zitterten leicht. Dann sagte er leise: „Danke… mein Junge.“

„Alles gut, Papa.“ Ich legte meine Hand auf seinen Unterarm. „Du darfst jetzt auch mal einfach glücklich sein.“

Jaime sah mich an, und in seinem Blick lag diese aufrichtige Wärme, wie sie nur jemand haben kann, der in einem einzigen Moment ganz im Jetzt lebt.

„Ich bin so glücklich, dass du das okay findest“, sagte er mit leiser Stimme.

Ich grinste. „Ich find’s nicht nur okay… ich find’s sogar gut.“ Dann lachte ich.

Sein Lächeln wurde breiter, und er hob die Hand, wuschelte mir durch die Haare. Ich schloss die Augen und ließ es einfach zu, wie früher. Lächelnd, entspannt.

„Weißt du…“, begann er dann, während er sich wieder etwas zurücklehnte, „ich kann mir das alles so gut vorstellen. Brienne und ich… du, Tyrion… Wir, zusammen, als Familie. Glücklich. Zufrieden. Vielleicht sogar in Frieden. Ich will, dass das passiert. Und ich werde alles tun, damit wir die beste verdammte Familie werden, die Westeros je gesehen hat.“

Ich musste lachen. „Daran hab ich keinen Zweifel, Papa.“

Er lachte auch, ein freies, volles Lachen. „Pass nur auf… nicht dass du bald noch einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester bekommst.“

Ich zog sofort eine empörte Augenbraue hoch. „Entschuldige mal bitte! Sollte es nicht eher für mich an der Zeit sein, dir Enkel zu schenken?“

Er verzog das Gesicht gespielt entsetzt. „Oh Gott, fang nicht an mit ‘alter Mann’, bitte nicht!“

Ich lachte. „Ich sag ja nur.“

Er grinste schief. „Wie alt bist du nochmal?“ Dann hob er bedeutungsvoll die Augenbrauen. „Ich war damals noch viel jünger, als ich mit dem Thema Kinder anfing. Also wenn wir schon über das reden: Da ist bei mir noch alles drin.“

Ich starrte ihn an, mit offenem Mund, leicht verstört was er mir da sagte aber ich lachte.

Er grinste zurück. „Ich sag ja nur.“

Wir brachen beide in lautes Lachen aus. Es war dieser Moment, in dem die Vergangenheit, die Zukunft und alle Sorgen einmal für ein paar Sekunden nicht zählten.

Doch als das Lachen langsam verklang, wurde ich stiller. Ich blickte zur Decke, überlegte. Wie es wohl wäre, noch einen kleinen Bruder zu haben? Oder eine kleine Schwester? Eine neue Kindheit in dieser Familie, mit diesem Jaime als Vater. Mit Brienne als Mutter. Es war ein schöner Gedanke. Ungewohnt, aber schön. Wärme breitete sich in mir aus – aber auch ein leichtes Ziehen in der Brust.

Ich sah ihn an. „Ich hätte dir wirklich gerne Enkelkinder mit Marlis geschenkt.“

Meine Stimme war weicher, brüchiger geworden. Etwas in meinem Inneren zog sich zusammen.

Jaime schwieg einen Moment, dann legte er sanft einen Arm um meine Schultern, zog mich näher an sich.

„Ich weiß“, sagte er leise. „Ich weiß, wie viel sie dir bedeutet hat. Und ich weiß auch, wie sehr du dir das gewünscht hast.“

Ich nickte stumm.

Er fuhr fort, seine Stimme ruhig, aber voller Gefühl: „Aber dein Leben ist noch lange nicht vorbei, mein Junge. Du bist jung. Du hast dein Herz nicht verloren – es wurde nur verletzt, stark verletzt. Aber ein gebrochenes Herz kann heilen. Und das wird es. Vielleicht nie ganz. Aber genug, um neu zu lieben. Und vielleicht… um mir doch noch Enkel zu schenken.“

Ich sah ihn an. „Würdest du dich freuen, Opa zu werden?“

Sein Blick wurde weich, seine Augen glänzten leicht.

„Ich glaube… ich würde es lieben“, sagte er mit einem Lächeln. „Ein kleiner Junge oder ein kleines Mädchen, der oder die meinen Sohn als Vater hat… Ich würde alles dafür tun, dass sie in einer Welt aufwachsen, in der sie lachen können. Ich würde ihnen Geschichten erzählen, ihnen beibringen, wie man mit dem Schwert umgeht – oder wie man gut lügt.“ Er grinste. „Je nachdem, ob du willst, dass ich ihnen das beibringe.“

„Und wir sollten ihnen beibringen, wie man es schafft beide Hände zu behalten,“ fügte ich noch hinzu.

„Definitiv,“ antwortete Vater lachend.

„Aber wir würden auch aufpassen, dass sie niemals in die Situation kommen, das fürchten zu müssen,“ sagte er.

Ich musste wieder lachen, auch wenn es dieses Mal ein bisschen durch Tränen brannte.

„Und wenn du irgendwann Vater wirst… dann wirst du wissen, wie es ist, jemanden mehr zu lieben, als du je für möglich gehalten hättest. Und dann wirst du mich besser verstehen – und ich dich.“

Ich schluckte schwer. „Dann… weißt du Bescheid. Wenn es soweit ist, wirst du offiziell zum alten Mann ernannt.“

Er prustete. „Du bist echt… du machst mich wahnsinnig.“

Ich grinste. „Schon wieder ein Beweis.“

Wir lagen noch immer nebeneinander im Bett, in dieses warme, beruhigende Halbdunkel der Laterne getaucht. Unsere Stimmen waren inzwischen leiser geworden, ruhiger – aber Müdigkeit wollte sich nicht so recht einstellen.

Ich drehte mich leicht zu ihm und fragte nach einer Weile: „Papa?“

„Hm?“, murmelte er und drehte ebenfalls den Kopf zu mir.

„Hast du eigentlich manchmal Angst? Also so richtig?“

Er blinzelte, überrascht von der Frage. „Angst…?“

„Ja. Nicht im Kampf. Sondern… so richtig Angst. Vor der Zukunft. Davor, Leute zu verlieren. Oder zu versagen.“

Ein paar Sekunden war es still, dann antwortete er. „Mehr als du glaubst.“ Er richtete sich ein wenig auf, stützte den Arm unter seinem Kopf. „Früher dachte ich, dass ich keine Angst habe. Ich war jung, überheblich, dachte, ein Lannister sei unbesiegbar. Und dann… kam die Realität.“

Ich hörte ihm aufmerksam zu. Er sprach ruhiger, fast so, als rede er mehr zu sich selbst.

„Ich hatte Angst, Cersei zu verlieren – obwohl ich sie gehasst habe für vieles. Aber der Gedanke, allein zu sein, war schlimmer. Und später, als ich erkannte, wie kaputt das alles war, hatte ich Angst, nie wiedergutzumachen, was ich angerichtet habe. Angst, Tyrion zu verlieren. Angst… dich nie kennenzulernen.“

Ich schluckte. Die Art, wie er das sagte, traf mich tief.

„Jetzt…“, fuhr er fort, „habe ich Angst, dass das hier zerbricht. Dass ich all das, was ich gerade habe – dich, Brienne, sogar diese verrückte Ruhe – wieder verliere.“

Ich antwortete leise: „Ich glaub, das ist okay. Angst heißt ja auch, dass dir etwas wichtig ist.“

Er lächelte. „Du bist klüger, als ich es in deinem Alter war.“

Ich grinste. „Ich bin dein Sohn.“

Daraufhin lachten wir beide leise. Und so redeten wir weiter – über Angst, über Liebe, über das Erwachsenwerden, darüber, wie es ist, wenn man seine Heldenbilder loslässt und stattdessen Menschen sieht. Das Gespräch zog sich durch die Nacht, immer wieder unterbrochen von Schweigen, Gedanken, kleinen Lachern oder einem Schulterklopfen.

Und irgendwann – irgendwann gegen Morgengrauen – schliefen wir ein. Tief, friedlich, entspannt.

6

Wanderung zum Wasserfall

Schauplatz: Evenfall Hall · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon

Der Nachmittag hatte sich bereits in den Raum geschlichen, als die Tür leise aufging.

Brienne trat als Erste ein, gefolgt von Tyrion, der gerade an einem Apfel kaute, und Leo, der ein halbes Stück Brot in der Hand hielt.

Brienne blieb stehen, als sie uns beide sah. Wir lagen immer noch da, Jaime leicht auf die Seite gedreht, ich mit einem Arm über dem Kopf, beide friedlich schlafend, Haare zerzaust, die Decke halb heruntergerutscht.

„Oh. Mein. Gott.“, flüsterte Leo, und ein schelmisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Sind die beiden süß.“

Tyrion verschränkte die Arme. „Ich hab meinen Bruder selten so unschuldig aussehen sehen. Ich muss ein Foto im Kopf machen, bevor er aufwacht und wieder Blödsinn redet.“

Brienne lächelte sanft, aber auch belustigt. „Ich finde es… irgendwie rührend. Sehen aus wie zwei große Jungs nach einem Pyjamaparty-Drama.“

„Vielleicht haben sie sich gegenseitig Gruselgeschichten erzählt“, flüsterte Tyrion gespielt ernst. „Oder über die Zukunft geweint.“

„Vielleicht haben sie sich gegenseitig Liebesbriefe vorgelesen“, warf Leo grinsend ein. „Oder Tagebucheinträge.“

„‚Lieber Papa, heute war ich wieder sehr tapfer. Ich hab nicht geweint, als ich fast über meine eigenen Gedanken gestolpert bin.‘“ Tyrion setzte seine ironischste Erzählstimme auf.

Brienne verdrehte die Augen, konnte sich das Kichern aber nicht verkneifen. „Okay, wir müssen sie wecken. Sonst verpassen sie die ganze Wanderung.“

Leo tippte sich ans Kinn. „Ich hab da ne Idee…“

Drei Sekunden später nickten alle.

Keine fünf Minuten später standen Brienne, Tyrion und Leo mit einem großen Holzeimer voll kaltem Wasser neben dem Bett. Alle drei hatten Mühe, nicht laut loszulachen.

„Auf drei“, flüsterte Tyrion.

„Eins… zwei… drei!“

SCHWAPP!

Das kalte Wasser ergoss sich über uns – schockartig, klirrend, mitten ins Gesicht und über die Decke.

Ich riss die Augen auf und japste. „WAS ZUM—?!“

Jaime schnappte nach Luft, setzte sich auf, rieb sich das Gesicht. „Götterverdammt!“

„Guten Mooooorgen!“, rief Leo fröhlich.

Tyrion lehnte sich an den Türrahmen, Apfel in der Hand, grinsend. „Ihr sahet aus wie ein liebestrunkener Löwenvater und sein kleiner Löwenwelpe.“

Brienne versuchte halb ernst, sich zu beherrschen. „Wir haben euch zehn Minuten lang nicht geweckt bekommen… das war unsere einzige Chance.“

Jaime starrte sie alle an, dann sah er zu mir. Ich blinzelte, Wasser lief mir von der Stirn.

„Ich glaube, ich habe meine Meinung geändert. Ich will keine Familie mehr.“

„Zu spät“, grinste Jaime.

„Ich sag ja nur“, murmelte ich.

„DU!“, rief er, lachte und warf ein nasses Kissen nach mir.

Ein paar Minuten später, nachdem wir uns trockengelegt, umgezogen und beschwert hatten, machten wir uns fertig. Die Sonne draußen schien golden auf die Wiesen, es roch nach Holz, Wind und Frühling.

Und so brachen wir endlich auf – zur geplanten Wanderung, mit einer Gruppe, die zwar völlig chaotisch war… aber vielleicht genau deshalb wie eine richtige Familie wirkte.

Bevor wir losliefen, versammelten wir uns noch kurz am Waldrand. Die Sonne stand angenehm warm am Himmel, und der Wind rauschte leise durch die Baumwipfel.

„Also, wo lang?“, fragte Tyrion, der bereits mit einem kleinen Wanderstab ausgestattet war.

Brienne deutete auf eine alte Karte. „Wir gehen den Gratweg entlang – hier entlang, durch die Wälder, dann über das Hochplateau, und wenn wir gut durchkommen, können wir am späten Abend bei der kleinen Lichtung mit dem Wasserfall rasten.“

„Wasserfall?“, fragte Leo begeistert. „Ich hoffe, ich darf reinspringen.“

„Nur wenn du vorher nicht von Bären aufgefressen wirst“, grinste ich.

Die Route war wirklich schön. Wir liefen erst durch einen lichten Mischwald, dann einen moosigen Abschnitt mit altem Eichenbewuchs. Kleine Pfade wanden sich durch das Unterholz, und immer wieder sah man zwischen den Ästen die goldene Weite des Tals.

Irgendwann, mitten im Gehen, drehte ich mich zu den anderen. „Ich muss mal kurz pinkeln. Geht schon mal weiter, ich hol euch ein.“

Alle nickten. Ich verschwand zwischen den Büschen.

Kaum war ich außer Sicht, drehte sich Jaime schnell zu den anderen um. „Okay. Jetzt ist die Gelegenheit. Ich brauche eure Hilfe.“

Brienne zog skeptisch eine Braue hoch. „Wofür?“

„Ich will mich rächen. Für all die kleinen Gemeinheiten in den letzten Tagen. Dieses Grinsen, dieses ‚Ich sag ja nur‘...“

„Also… was schwebt dir vor?“, fragte Tyrion, die Arme vor der Brust verschränkt, schon halb grinsend.

Jaime bückte sich und zog einen kleinen Weinschlauch hervor. „Ich schmier mir das hier ins Gesicht, als hätte ich aus dem Mund geblutet. Und ein bisschen an die Stirn, damit’s aussieht, als hätte ich einen Schlag abbekommen.“

Er tat genau das – der dunkle Rotton tropfte theatralisch aus seinem Mundwinkel, und ein gezielter Klecks auf der Stirn wirkte tatsächlich wie geronnenes Blut. Dann rieb er etwas davon an einen größeren, kantigen Stein am Wegesrand.

„Und das soll ich glauben?“, fragte Brienne halb belustigt.

„Er wird’s glauben. So wie ich ihn kenne, flippt er sofort aus. Wenn er gleich zurückkommt, wirft einer von euch einen Stein zu Boden – laut genug, dass es wie ein Aufprall klingt.“

„Das ist echt makaber“, sagte Leo, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen.

Tyrion zuckte die Schultern. „Ich mach das. Hab nen guten Wurfarm.“

„Und wenn er um Hilfe ruft?“, fragte Brienne.

Jaime grinste teuflisch. „Dann bleibt ihr trotzdem versteckt. Ich will, dass er das spürt. Nur kurz. Er soll mal sehen, wie das ist, wenn man so was glauben muss.“

Tyrion lachte leise. „Du bist schlimmer als er.“

„Wird Zeit, dass er’s merkt.“

Alle drei versteckten sich hinter Büschen, Bäumen, kleinen Felsen. Jaime legte sich dramatisch auf den Rücken, den Arm schlaff zur Seite, die Augen halb geschlossen. Ein bisschen Wein lief aus seinem Mundwinkel. Der Stein sah wirklich aus, als hätte er ihn am Kopf erwischt.

Dann… hörten sie Schritte. Ich kam zurück auf den Pfad.

KLACK! – Tyrion warf einen Stein mit voller Wucht auf einen Felsen. Das Geräusch hallte durch den Wald.

„Hey! Leute? Alles okay? Da war so’n komisches Geräusch!“, rief ich in die Runde und trat auf den Pfad zurück. Keine Antwort. Ich sah mich um… und dann sah ich ihn.

Jaime. Am Boden. Auf dem Rücken. Etwas Rotes an seinem Mund. An seiner Stirn. Und… …der Stein. Direkt neben ihm. Blut?

Ich erstarrte. Mein ganzer Körper fror ein, mein Atem stockte.

„Papa? … PAPA?!“

Ich rannte los. Mein Herz schlug wie wild.

„Nein… nein, das kann nicht sein… Papa!“

Ich rutschte auf die Knie, meine Hände zitterten, griffen nach seinem Gesicht.

„NEIN! Nicht jetzt! Nicht so! Du darfst mich nicht allein lassen! Nicht nach allem… Nicht nach dem, was wir aufgebaut haben!“

Ich schluchzte, völlig aufgelöst, starrte ihn an, streichelte seine Stirn, die anscheinend blutete.

„Du hast gesagt, wir werden die beste Familie! Du kannst mich nicht… DU KANNST MICH NICHT VERLASSEN!“

Meine Stimme brach, wurde rau.

„Bitte… wach auf… ich brauch dich… Ich brauch dich wirklich…“

Ich legte meine Stirn an seine. Schluckte. Flüsterte. „Ich verzeih dir alles… aber nicht, wenn du jetzt gehst…“

Dann… bewegte er sich.

Ich blinzelte. Seine Finger… griffen mein Handgelenk.

Bevor ich reagieren konnte, zog er mich plötzlich zu sich heran – mit überraschender Kraft – und warf mich über sich hinweg. Ich landete mit einem dumpfen Plumps auf dem Rücken.

„AUA—?!“

Und dann: lachte er.

Er stand auf, das Gesicht noch mit Wein verschmiert, und lachte sich halb tot. Hände auf den Knien, der Bauch bebte.

„Ooooh Götter… das Gesicht! DAS GESICHT!“

Ich lag völlig überwältigt auf dem Boden und starrte ihn an. Ich zitterte noch leicht, mein Blick verschwommen von Tränen, Wut, Schock und… Unglauben.

„Tja“, grinste er. „Hättest du nicht gedacht, dass der alte Mann dich so verarschen kann, oder?“

Ich stand langsam auf, noch immer außer Atem.

„Du verdammter…“ Ich schüttelte den Kopf, trat zu ihm, und… umarmte ihn.

Fest.

„Verarsch mich, wie du willst“, murmelte ich leise, mein Gesicht an seiner Schulter, „aber bitte nie wieder so. Nie wieder so…“

Er erwiderte die Umarmung, streichelte mir den Rücken.

„Okay. Ich verspreche es. Nie wieder so.“

Ich löste mich leicht, sah ihm in die Augen – ernst.

„Wirklich. Ich dachte, ich hätte dich verloren.“

Er nickte. „Ich weiß. Und jetzt sind wir quitt. Für das Gespräch. Dafür, dass du mich hast zappeln lassen.“

Ich schnaubte halb, dann grinste ich leicht. „Abgemacht.“

„Aber“, fügte ich noch hinzu und sah ihn eindringlich an, „wenn du mir noch einmal auch nur im Ansatz das Gefühl gibst, du wärst tot… dann erschlag ich dich wirklich.“

Er lachte wieder. „Versprochen.“

Dann gingen wir gemeinsam zurück zu den anderen – ich noch immer leicht durchnässt von Tränen, er noch mit roten Weinflecken im Gesicht – beide aber nun lachend. Und während wir zu den Büschen zurückliefen, in denen Brienne, Tyrion und Leo kaum noch die Luft halten konnten vor Lachen, wusste ich eines ganz sicher: Dieser Mann war mein Vater. Und ganz gleich, wie irre er manchmal war – ich war verdammt froh, dass ich ihn hatte.

Wir liefen gemeinsam weiter, jetzt wieder vereint und in lockerer Stimmung. Die Sonne stand hoch, die Luft war klar, und das Zwitschern der Vögel wurde nur hin und wieder vom Knirschen unserer Schritte auf dem Pfad unterbrochen.

Tyrion hinkte leicht neben mir her und verzog das Gesicht. „Bei allen Göttern… Meine Füße… ich schwöre, sie haben sich inzwischen von meinem Körper abgespalten und führen ein Eigenleben. Und zwar ein leidendes.“

Ich lachte. „Weißt du eigentlich, dass wir den ganzen Weg auch wieder zurück müssen?“

Er blieb kurz stehen, sah mich mit entsetztem Blick an und stützte sich dramatisch auf seinen Wanderstab. „Sag das nochmal. Und zwar ganz langsam. Damit ich weiß, ob ich jetzt sofort aus Protest sterben oder einfach bergab rollen soll.“

Ich grinste breit. „Das war der langsame Teil.“

In dem Moment kam Leo leicht hüpfend zu uns. „Hey, weiß einer von euch, wie lange’s noch bis zum Wasserfall ist? Ich hab so Bock reinzuspringen! Ich will da jetzt baden.“

Tyrion hob eine Augenbraue. „Ich hoffe, du bist immun gegen Kälte. Die letzten, die da reingesprungen sind, kamen als Eiszapfen wieder raus.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Vielleicht noch ’ne halbe Stunde? Je nachdem wie oft mein lieber Onkel noch eine Jammerpause braucht.“

„Ich nehme mir das Recht heraus, an jeder Weggabelung ein Klagelied zu singen“, sagte Tyrion feierlich und seufzte.

Während wir vorne lachten, liefen Jaime und Brienne ein Stück weiter hinten, etwas abseits, ihre Schritte synchron. Briennes rechte Hand hielt seine linke – fest, ruhig.

„Weißt du…“, begann Jaime leise und warf ihr einen kurzen Seitenblick zu, „ich hab mit Lukas über uns gesprochen.“

Brienne drückte sanft seine Hand. „Und was hat er gesagt?“

„Ich war nervös wie ein Junge vorm ersten Turnier“, lachte Jaime verlegen. „Ich hab ihm einfach alles rausgeredet. Dass ich dich liebe. Dass es mir ernst ist. Dass ich’s nicht mehr verstecken will.“

Brienne sah ihn gerührt an.

Er fuhr fort: „Und dann... dann hat er mich verarscht. Kurz. Er tat so, als würde ihn das stören oder als wär er sauer. Ich hab wirklich kurz gedacht, er will nichts mehr mit mir zu tun haben. Mein Herz ist mir fast in die Hose gerutscht. Ich dachte, wir streiten uns jetzt richtig. Und das alles nur, weil ich ehrlich war.“

Brienne lachte leise. „Was hast du erwartet? Er ist dein Sohn. Und wenn ich mir die letzten Tage so anschaue, kommt er dir mehr und mehr nach. Das war doch fast zu erwarten.“

Jaime grinste schief. „Ja… wahrscheinlich. Aber hat er da nicht ein bisschen übertrieben?“

Brienne blieb plötzlich stehen. Jaime hielt an und sah sie verwundert an.

Sie drehte ihn zu sich, legte ihre Hand sanft an sein Kinn und sah ihm tief in die Augen.

„Auf einer Skala von ‚gerechtfertigt‘ bis ‚übertrieben‘...“, begann sie ruhig, „was war dann deine Aktion gerade? Dich totzustellen? Vor deinem Sohn? Um ihm eine Lektion zu erteilen? Und dann auch noch zu lachen, als er dachte, er hätte dich verloren?“

Jaime blinzelte. „Okay. Punkt für dich.“ Er grinste schief. „Vielleicht... ein klitzekleines bisschen übertrieben. Aber du hättest sein Gesicht sehen sollen.“

Brienne seufzte.

„Aber weißt du“, fügte Jaime ernst hinzu, „er hat sich gefreut. Nicht nur, dass ich glücklich bin – er meinte, ich hätte es verdient. Nach allem. Und dass er dich sehr gern hat… dass du cool bist.“

Brienne lächelte sanft.

„Und dann“, sagte Jaime und sah kurz in die Ferne, „haben wir geredet. Ich hab ihm gesagt, dass wir die beste Familie sein werden, die Westeros je gesehen hat.“

Brienne trat einen halben Schritt näher, legte beide Hände an seinen Oberkörper, ihre Stirn fast an seiner.

„Das… klingt nach einer verdammt guten Idee“, sagte sie leise.

Sie küsste ihn – ruhig, innig. Ein Moment, der ganz ihnen gehörte, fernab von Lärm, Geschichte oder Pflicht. Nur sie.

Dann lösten sie sich voneinander, händchenhaltend, und liefen langsam zurück in unsere Richtung, wo Tyrion gerade demonstrativ jammerte, weil ein winziges Steinchen in seinem Schuh war, und Leo Anlauf nahm, um einen kleinen Hang hinunterzurennen. Ich stand daneben, drehte mich kurz um und sah, wie Jaime und Brienne näherkamen – und ich konnte mir das Grinsen einfach nicht verkneifen.

Etwa eine halbe Stunde später hörten wir es schon rauschen – dieses gleichmäßige, tiefe Donnern, das lauter wurde, je näher wir kamen. Der Wald lichtete sich, und vor uns erstreckte sich eine natürliche Lichtung, durch die sich ein breiter Fluss schlängelte, der an einem hohen, moosbewachsenen Felsen hinunterstürzte. Der Wasserfall glitzerte in der Sonne, Gischt tanzte in der Luft und bildete einen feinen, kühlen Nebel. Zwischen den Felsen sammelte sich das Wasser zu einem klaren, türkisfarbenen Becken.

Leo riss sich sofort das Shirt vom Leib und schrie: „ENDLICH!“ – dann rannte er los und sprang mit einem lauten „YEEEHA!“ in hohem Bogen ins Wasser. Die Wellen, die er verursachte, platschten ans Ufer.

Tyrion, der sich immer noch über jeden Schritt beschwerte, setzte sich seufzend auf einen großen, flachen Stein am Rand. „Ich werde jetzt die diplomatische Strategie fahren und nur meine Füße ins Wasser halten. Vielleicht kann ich damit den Schmerz aus meinen Zehen vertreiben, ohne dass meine Ehre ertrinkt.“

Ich grinste und ließ mich ins Gras fallen. Nur noch Vater, Brienne und ich waren da. Jaime streckte sich, reckte den Rücken und sagte mit gespieltem Ernst und einem neckischen Grinsen: „So… ich muss mal für große Königsmörder.“

Ich hob eine Braue. „Dann geh mal schön einen abseilen!“

Er drehte sich noch einmal kopfschüttelnd um und grinste.

Brienne kicherte. Als er im Wald verschwand, trat sie näher zu mir und setzte sich neben mich.

Die Sonne schien durch die Bäume auf ihr Gesicht, ihre blonden Haare wirkten fast silbern im Licht.

„Es ist wirklich schön, dass du das alles so… okay findest“, sagte sie leise.

Ich sah sie an und nickte langsam. „Ich finde es nicht nur okay. Ich find’s gut. Wirklich.“

Ich atmete tief durch, spürte den weichen Boden unter meinen Händen, das entfernte Rauschen des Wasserfalls.

„Weißt du… ich hab mir uns als Familie oft vorgestellt. Dich, Vater, Tyrion, mich. So wie wir gerade sind. Und irgendwie… fühlt sich das alles richtig an. Nicht perfekt, aber echt.“

Brienne sah mich an, warm und geduldig.

„Ich bin einfach nur froh, dass er glücklich ist“, sagte ich leise. „Nach allem, was zwischen ihm und Cersei war… Ich hab das nie so richtig begriffen damals, aber es hat mich genauso zerfressen.“

Ich schluckte, meine Stimme wurde brüchig.

„Er hat mich aus King's Landing rausgeholt… weil sie mich töten lassen wollte. Und dann auch ihn. Weil er mir sagen wollte, dass er mein Vater ist.“

Ich schaute auf den Boden, meine Hand fuhr über das weiche Gras.

„Stell dir das vor… Sie wollte uns beide lieber tot sehen, als mich wissen zu lassen, dass Jaime mein Vater ist und nicht Robert.“

Ich zögerte, atmete erneut tief durch, dann sah ich Brienne an. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, gebrochen, aber ehrlich.

„Kannst du dir vorstellen, wie schlimm das ist… wenn deine eigene Mutter nicht will, dass du deinen richtigen Vater kennst?“ „Obwohl er… und du… euch so gut verstanden habt?“ „Sie ihn dafür hasst, dass er einfach… da sein will. Für sein Kind. Für ein Kind, das…“ Ich suchte nach Worten. „…das einen echten Vater mehr gebraucht hat als alles andere auf dieser verdammten Welt.“

Brienne legte sanft ihre Hand auf mein Knie, sagte noch nichts – hörte einfach nur zu.

Ich schluckte schwer, dann fuhr ich leise fort:

„Und trotzdem… hat er sie geliebt. Immer wieder. Auch als alles schon verloren war. Er hat darum gekämpft, sie nicht mehr zu lieben, aber… er konnte nicht loslassen.“ Meine Stimme senkte sich noch weiter. „Ich hab das alles mit angesehen. Wie es ihn zerfressen hat. Jeden einzelnen Tag. Wie er da saß… stumm, gebrochen.“

Ich sah auf, meine Augen glänzten. „Und man bekommt das nicht mehr aus dem Kopf… seinen Papa so hilflos zu sehen… nie wieder.“

Ein stiller Moment. Nur der Wind in den Bäumen und das Plätschern des Wassers.

Ich räusperte mich, atmete tief durch und sah sie fest an. „Ich weiß, ich muss dir das eigentlich nicht sagen. Ich vertraue dir – wirklich. Aber… ich muss es trotzdem sagen. Für mich.“

Meine Stimme wurde klarer, fester. „Bitte sei gut zu ihm. Pass auf ihn auf. Er soll verdammt nochmal nie wieder so unglücklich sein. Ich liebe es, ihn so zu sehen… so glücklich. Ich will, dass das so bleibt.“

Brienne schwieg noch einen Moment, dann legte sie ihre Hand über meine und drückte sie sanft.

„Lukas…“, begann sie ruhig, aber mit Nachdruck, „ich verspreche dir: Ich werde gut zu ihm sein. Ich werde ihn beschützen – vor allem, was ihn wieder runterziehen könnte. Ich kenne seine Narben, seine Schwächen… aber ich kenne auch seine Stärke. Und ich liebe ihn – mit allem, was ich habe. Ich werde auf ihn achten, so wie er auf mich achtet. Das schwöre ich dir.“

Ich lächelte. Dankbar. Erleichtert.

Dann hörten wir es hinter uns rascheln. Ich sah kurz über die Schulter – da war Bewegung im Gebüsch. Ich beugte mich etwas zu Brienne rüber. „Er denkt, wir haben ihn nicht bemerkt“, flüsterte ich grinsend.

Sie hob eine Augenbraue. Wir standen auf, drehten uns scheinbar unauffällig wieder zum Wasserfall. Dann – ein kurzer Blick, ein Nicken. Im gleichen Moment drehten wir uns um, sprangen vor und packten Jaime, der gerade dabei war, sich an uns heranzuschleichen.

„WAS ZUM—!?“

Mit einem einzigen Schwung war er in der Luft – und im nächsten Augenblick platschte er kopfüber in den See. Leo jubelte laut, Tyrion klatschte in die Hände.

„Das habt ihr schön gemacht!“, rief Tyrion lachend.

Jaime tauchte prustend wieder auf, das nasse Haar klebte ihm im Gesicht, die Kleidung schwer vom Wasser durchnässt. Er stapfte ans Ufer, schnaubte, genervt, aber nicht wirklich böse.

„Zweimal an einem Tag. Zweimal! Komplett nass gemacht.“ Er schob sich die Haare aus der Stirn. „Das ist… Rekord.“

Ich trat zu ihm, nahm meinen trockenen Mantel ab und legte ihn ihm über die Schultern. „Hier. Nicht, dass du dich erkältest, Vater.“

Er sah mich misstrauisch an.

Ich grinste. „Sag mal… was ist eigentlich schlimmer: In einen eiskalten See geworfen zu werden… oder von seinem eigenen Vater veräppelt zu werden, kurz zu glauben, man hat ihn verloren, und dann von ihm auf den Rücken geworfen zu werden, während er sich kaputtlacht?“

Jaime seufzte, legte sich den Mantel enger um und funkelte mich an – mit diesem leicht genervten, aber liebevollen Blick, den nur ein Vater seinem viel zu vorlauten Sohn schenken kann.

„Weißt du was? Wir sind beide Idioten.“

Alle lachten laut los und Onkel Tyrion sagte mit seinem frechen Grinsen „Ja das seid ihr definitiv.“

Vater und ich sahen uns an, dann gingen wir und schmissen auch ihn in den See.

„Idioten, Vollidioten!“ schrie er, doch er konnte sich nicht verkneifen dabei etwas loszulachen. Dann schaute er kurz zu Jaime. Die beiden sahen sich an und machten ihren Plan aus.

Gerade als ich mich wieder Richtung Wiese begeben wollte, spürte ich ein Ziehen an meinem Bein und ein Schubsen gegen meinen Rücken und dann lag auch ich im See.

„Das war irgendwie vorhersehbar“, lachte ich, während ich noch Wasser ausspuckte.

Dann gingen Vater, Onkel und ich zur Wiese in die Sonne, um uns zu trocknen. Brienne und Leo saßen schon dort, sie sahen sich kurz an. Dann sagte Brienne nur: „Typisch Lannister.“

7

Neuigkeiten für Tyrion

Schauplatz: Evenfall Hall · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon

Die Sonne war bereits hinter den Hügeln verschwunden, als wir gemeinsam den Rückweg antraten. Die Luft war erfüllt vom leisen Rascheln der Blätter, dem Plätschern des Baches in der Ferne und dem sanften Geräusch unserer Schritte auf dem Waldboden. Leo war noch ganz energiegeladen vom Baden, Tyrion beschwerte sich wieder leicht über seine Füße, aber diesmal mit einem Grinsen im Gesicht.

Ich lief neben Vater, der sich seinen nassen Ärmel hochgekrempelt hatte und langsam wieder trocknete. Ich sah ihn kurz von der Seite an und fragte schließlich leise:

„Sag mal… hast du schon einen Plan, wie du es Tyrion sagen willst?“

Jaime sah geradeaus, die Hände in den Taschen, und atmete durch. „Ich hab’s mir überlegt, ja... aber ich bin mir nicht sicher, ob’s ein Plan ist oder eher ein vager Versuch, ihm nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen.“ Er grinste dann leicht und drehte den Kopf zu mir. „Wie würdest du es ihm denn sagen?“

Ich lachte leise. „Ganz einfach. Ich würde mich zu ihm setzen, ihm was zu trinken geben, ihn wissen lassen, dass er gleich überrascht sein wird… und dann sagen: ‚Brienne und ich… wir sind jetzt ein Team. Und das nicht nur auf dem Schlachtfeld.‘“ Ich grinste. „Klingt gut, solange du ihm Wein oder was stärkeres gibst.“

Jaime schüttelte lachend den Kopf. „Götter, ich hoffe doch dass er es auch so akzeptiert.“

Ich lachte leise und sagte ihm, dass er keine Angst haben musste und Onkel Tyrion es locker aufnehmen wird, nachdem sogar ich es mag.

Währenddessen lief Brienne ein paar Meter weiter hinten mit Leo, der neugierig auf sie einredete. Ich hörte, wie sie ihm leise und direkt erzählte, dass sie und Jaime nun ein Paar seien. Leo blieb einen Moment still – dann lächelte er breit, nickte anerkennend und sagte nur:

„Finde ich gut. Ihr passt zusammen. Echt.“ Dann schaute er sich kurz um und kam zu mir nach vorn. „Hey“, sagte er leise und stupste mich an, „Ich hab's gehört. Die beiden. Find ich stark von dir, wie du damit umgehst. Ich mein, nicht jeder würde so offen und… entspannt damit umgehen. Aber du wirkst richtig glücklich.“

Ich nickte nur. „Bin ich auch.“

Kurze Zeit später kamen wir am Haus an. Müde, aber zufrieden. Wir streckten uns, setzten uns auf die Veranda, tranken etwas, unterhielten uns. Tyrion war gerade dabei, ein neues Spiel zu erklären, da kam Jaime zu ihm, legte ihm grinsend eine Hand auf die Schulter und sagte:

„Tyrion… mein Lieber. Ich habe etwas, das du hören musst. Und es lässt sich einfach nicht in einem Spielzug erklären.“ Tyrion hob eine Braue. „Das klingt ja fast so, als wolltest du mich vor dem Trinken verwirren.“

Jaime zuckte unschuldig mit den Schultern. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Komm kurz mit.“

Als sie zur Tür rausgingen, drehte sich Jaime nochmal um, warf mir einen vielsagenden Blick zu und zwinkerte. Ich grinste und erwiderte das Zwinkern.

Tyrion ließ sich ächzend nieder, verschränkte die Arme und sah Jaime prüfend an. „Also gut, was ist los? Hast du endlich eingesehen, dass ich klüger bin als du?“

Jaime grinste. „Noch nicht. Aber du wirst dich freuen… denke ich. Ich wollte dir sagen… Brienne und ich. Wir…“ Er hielt kurz inne. „…sind zusammen.“

Tyrion blinzelte. „Zusammen… wie in ‚zusammen zusammen‘?“

Jaime nickte. „Genau das.“

Ein kurzer Moment verging. Dann schüttelte Tyrion langsam den Kopf. „Weißt du, Bruder… das erklärt einiges. Ich habe mir die letzten Tage schon immer gedacht, dass da etwas anders war zwischen euch.“ Er grinste breit und tat geschockt. „Und ich fragte mich schon, ob du eventuell richtig glücklich bist.“

Jaime lachte leise und gab zu dass er gerade wirklich glücklich ist.

Tyrion legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich freu mich für euch. Ehrlich. Du hast es verdient. Und Brienne… Brienne ist jemand, der dich auf Trab hält – und dich versteht. Sie wird dich nicht loslassen, wenn’s mal schwer wird.“ Er sah ihn an, ernst. „Genau das brauchst du.“

Jaime nickte leise. „Danke.“

Kurze Zeit später kamen die beiden zurück. Brienne und Leo waren oben auf ihren Zimmern. Tyrion steuerte direkt auf mich zu, die Arme vor der Brust verschränkt und mit gespielt strengem Blick.

„Weißt du, Lukas… ich finde es eine Frechheit, dass du mir so erfreuliche Neuigkeiten vorenthältst. Du hättest ruhig ein kleines Zeichen geben können. Ein Lächeln, ein Hüsteln, ein verdächtiger Blick. Irgendwas. Wir hätten ihn zu zweit fertig machen können.“

Ich tat überrascht. „Oh… also das war das, was ich vergessen hatte!“

Jaime lachte aus tiefstem Herzen, ebenso wie Tyrion. Ich grinste breit, dann fragte ich:

„Also… wie sieht’s aus, ihr beiden? Was ist mit dem Plan, die beste Familie zu werden, die Westeros je gesehen hat?“

Tyrion setzte sich in den Sessel, schenkte sich etwas ein und prostete mir zu. „Ich hoffe, du hast keine Angst vor hohen Erwartungen – denn ich plane, dass man in 300 Jahren noch über uns spricht.“

Jaime legte seinen Arm auf die Stuhllehne und sah mich warm an. „Wir fangen genau jetzt damit an. Und ehrlich gesagt – ich denke, wir sind näher dran als die meisten.“

Wir lachten, setzten uns zusammen, Leo und Brienne kamen wieder dazu, und wir verbrachten den Abend mit Geschichten, kleinen Neckereien, Gelächter und dieser wunderbaren, ruhigen Nähe, die sich nur einstellt, wenn man sich wirklich gefunden hat.

Das Haus war still geworden. Ich kam gerade aus dem Bad, rieb mir verschlafen die Augen, als ich jemanden im Flur sah. Jaime, ebenfalls auf dem Weg dorthin, grinste mich müde an.

Ich lachte leise. „Ich glaub, ich werd’s echt vermissen, mit dir zu übernachten. Einfach nur dazuliegen und zu reden.“

Er lachte sanft, die Stimme rau vom Tag. „Ich auch, Junge. Aber du weißt ja… du kannst immer mit mir reden. Egal wann, egal über was. Ob mitten in der Nacht oder mitten im Krieg.“

Ich nickte. „Danke, Papa.“

Er legte mir kurz eine Hand auf die Schulter, drückte sie – dann ging er weiter, während ich mich umdrehte und mit einem warmen Lächeln im Gesicht zurück ins Bett ging. Zufrieden. Angekommen.

Die letzten Tage auf Tarth vergingen wie im Flug. Wir verbrachten die meiste Zeit draußen in der Natur – wanderten durch dichte Wälder, schwammen immer wieder im klaren See unter dem Wasserfall, aßen gemeinsam unter freiem Himmel und erzählten uns Geschichten am Lagerfeuer. Leo, Jaime und ich führten lange Gespräche über unsere Vergangenheit, während Brienne und ich uns auch auf eine ganz eigene Weise näherkamen – wie zwei Menschen, die nicht nur einander, sondern auch ein gemeinsames Zuhause gefunden hatten. Tyrion sorgte wie immer für trockenen Humor und gute Weine, und in den letzten Abenden lagen wir alle beieinander auf den Decken, während der Himmel über Tarth in Sternen versank. Es war ein Abschied voller Wärme, stiller Versprechen und dem Gefühl, sich wirklich als Familie gefunden zu haben.