SEASON IV · KAPITEL 20

We Fall

Tod im Thronsaal

WORUM ES GEHT

Im Thronsaal hält Cersei Marlis einen Dolch an die Kehle, während Jaime, Tyrion und Bronn ihr gegenüberstehen. Cengiz lockt den Mountain hinaus, Bronn und Erik halten die Königsgarde auf. Lukas konfrontiert Jaime wütend, weil er ihn zurückgelassen hat; Jaime stößt ihn weg, Lukas schlägt mit dem Kopf auf und verliert das Bewusstsein. Nach Cerseis Demütigungen ersticht sie Marlis, woraufhin Jaime Cersei mit dem Schwert tötet. Cengiz verwundet den Mountain, muss aber fliehen; alle flüchten in die Katakomben, doch Lukas bleibt bei der toten Marlis zurück, wird als angeblicher Königsmörder verhaftet und in den Kerker geworfen – voller Hass auf seinen Vater.

1

Im Thronsaal

Schauplatz: King's Landing · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Bronn, Erik Stark, Cengiz Martell, Cersei Lannister, Marlis of the Blackwater, Gregor Clegane

Langsam, vorsichtig öffne ich die Tür – nur einen Spalt, doch das, was ich sehe, lässt mein Herz stocken.

Mein Blick fällt sofort auf den Thron.

Dort steht Cersei.

Ihr goldblondes Haar fällt in sanften Wellen über ihre Schultern, doch ihr Gesicht ist hart, ihre Augen kalt. In ihrer Hand hält sie einen Dolch – direkt an den Hals von Marlis.

Marlis kniet vor ihr, gefesselt, ihr Mund mit einem Tuch zugebunden. Tränen laufen über ihr Gesicht, und in ihren Augen liegt nackte Angst.

Mein Herz bleibt fast stehen.

Vor ihnen steht Ser Gregor Clegane – der Mountain.

Seine gewaltige, in dunkle Plattenrüstung gehüllte Gestalt versperrt den Weg. Er hält sein Schwert mit beiden Händen, bereit, jeden zu töten, der sich zu nahe wagt.

Und da sind noch drei weitere Männer:

Mein Vater.

Tyrion.

Und Bronn.

Jaime steht angespannt da, die Hand am Schwertknauf, doch seine Miene ist gezeichnet von Unsicherheit. Tyrion hat seine Arme vor der Brust verschränkt, als würde er überlegen, wie er die Situation entschärfen kann. Bronn wirkt wie immer – als wüsste er nicht, ob er gleich kämpfen oder einfach verschwinden soll.

Marlis gibt einen schockierten Laut von sich, als sie uns an der Tür sieht.

Alle drehen sich um.

Jaime erbleicht.

„Lukas?!“ Seine Stimme ist voller Entsetzen. „Was in den Sieben Höllen machst du hier?“

Ich will antworten – doch dann ruft Cengiz nach vorn.

„Ser Gregor Clegane!“ Seine Stimme hallt durch den Thronsaal.

Der Mountain wendet sich langsam zu ihm um.

Cengiz zieht sein Schwert. Sein Blick ist eiskalt. „Du Feigling. Du hast Frauen und Kinder abgeschlachtet, du hast Elia Martell und ihre Kinder auf grausamste Weise ermordet – und dafür wirst du jetzt bezahlen.“

Der Mountain erstarrt.

Dann erkenne ich es in seinen Augen.

Er erkennt Cengiz.

Ein tiefes Knurren kommt aus seiner Kehle.

Cersei wirft ihm einen scharfen Blick zu. „Bleib hier! Gregor! Bleib bei mir!“

Doch es ist zu spät.

Der Mountain hebt sein gewaltiges Schwert und stapft los.

Cengiz weicht zurück – aber nicht aus Angst. Er lockt ihn hinaus.

Gregor folgt ihm.

Sekunden später knallt die Tür zu.

Cersei schreit auf. „Wachen!“

Von draußen hören wir schwere Schritte.

Die Königsgarde.

Bronn zieht sein Schwert und wendet sich an Erik.

„Junge, wenn du nicht willst, dass hier gleich eine ganze Armee reinstürmt, dann komm mit!“

Ohne ein weiteres Wort laufen die beiden zur Tür hinaus.

Dann fällt die Tür wieder ins Schloss.

Nun sind nur noch fünf von uns im Thronsaal.

Cersei.

Marlis.

Jaime.

Tyrion.

Und ich.

Jaime läuft langsam auf mich zu.

Sein Blick ist nicht mehr nur ernst – er ist eiskalt.

„Was machst du hier?“ Seine Stimme ist leise, aber sie zittert vor unterdrückter Anspannung.

Ich erwidere nichts.

Er geht weiter.

„Lukas“, sagt er eindringlich. „Verschwinde. Sofort.“

Mein Herz rast. Ich spüre, wie meine Hand zur Faust wird.

„Nein.“

Jaimes Miene verfinstert sich. „Ich sage es nicht noch einmal. Geh.“

Etwas in mir bricht.

„Warum?!“ Meine Stimme ist lauter, als ich wollte. „Damit ihr mich wieder allein lassen könnt?“

Jaime bleibt stehen. Sein Kiefer mahlt, seine Finger ballen sich.

„Lukas…“, sagt er langsam, aber ich lasse ihn nicht ausreden.

„Ihr habt mich ALLE zurückgelassen! Alle! Und du…“ Meine Stimme bricht fast. „Du hast mich zurückgelassen.“

Er presst die Lippen zusammen. „Das ist nicht der richtige Ort für diese Diskussion.“

Ich schüttle den Kopf. „Es ist der einzige Ort für diese Diskussion. Weil ich endlich eine Antwort will! Weil du mir endlich sagen sollst, warum ihr mich einfach allein gelassen habt!“

Jaime atmet schwer aus, als hätte ich ihn geschlagen...“

Ich trete näher. „Glaubst du, ich hätte das einfach so hingenommen? Dass du – dass ihr ALLE – mich einfach vergessen habt?!“

Jaime reißt den Kopf herum. „Ich habe dich nicht vergessen und ich wollte dich niemals allein lassen.“

„Ach nein?“ Ich lache bitter. „Und wo warst du dann? Wo warst du, als ich nach dir gefragt habe? Wo warst du, als ich nachts gehofft habe, dass du kommst und sagst, dass alles gut wird? Du hast mich allein gelassen…“

Er sagt nichts.

„Du warst mein Held, Papa“, flüstere ich, meine Stimme bricht. „Mein Held. Und dann warst du einfach weg.“

Jaime schließt kurz die Augen, als würde es ihm körperlich wehtun, mir zuzuhören.

„Ich habe getan, was ich tun musste.“ Seine Stimme klingt heiser.

Ich reiße die Augen auf. „Was du tun musstest?! Mich im Stich lassen?!“

„Dich retten.“

Seine Worte sind kaum mehr als ein Flüstern.

„RETTEN?!“ Ich lache kalt. „Du hast mich nicht gerettet. Du hast mich verlassen.“

Jaime sieht mich an, und ich sehe… Angst? Nein. Scham.

„Lukas…“, setzt er an, aber dann mischt sich Cersei ein.

„Das hast du nun davon.“ Ihre Stimme ist süffisant, kalt. „Du hast dich für deinen Vater entschieden. Gegen mich. Gegen deine Familie. Und das hier ist das Ergebnis.“

Ich drehe mich langsam zu ihr um, mein Herz hämmert.

„Das hier ist nicht meine Schuld, du hast doch erst alles so weit kommen lassen indem du Marlis und meine Freunde nach der Hochzeit entführt hast“, sage ich.

„Oh doch“, erwidert sie. „Es hätte nie so weit kommen müssen, wenn du einfach bei mir geblieben wärst.“

„Genug, Cersei.“ Tyrions Stimme ist scharf. „Als ob du dich je um jemanden außer dich selbst geschert hättest.“

Cersei schnauft verächtlich, aber Jaime übertönt sie.

„Lukas…“

Ich sehe ihn an.

„Ich habe dich nicht im Stich gelassen.“

„Doch.“ Meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. „Du hast mich nicht nur im Stich gelassen. Du hast mich weggeworfen.“

Jaime blinzelt.

Ich beiße die Zähne zusammen, damit meine Stimme nicht bricht. „Und weißt du, was das Schlimmste ist? Ich hätte es dir verziehen. Ich hätte dir alles verziehen. Wenn du es nur zugegeben hättest.“

Jaime atmet schwer.

Dann packt mich plötzlich seine Hand an der Schulter.

Er sieht mich ernst an. „Genug. Geh.“

Ich spüre einen Stich in der Brust. Ich sehe ihn an – sehe den Mann, dem ich von allen am meisten vertraut habe. Der immer da war.

„Du warst der Einzige, dem ich bedingungslos vertraut habe“, sage ich. „Egal worum es ging. Ich habe dir alles anvertraut. Und du… du hast es einfach weggeworfen.“

Ich sehe einen Moment lang, wie es in seinen Augen flackert. Wie er blinzelt, als würden meine Worte ihn treffen.

Dann verschwindet es.

„Lukas, raus hier. Jetzt.“

Ich reiße mich los und stoße ihn weg.

Er bleibt kurz stehen.

Dann schubst er mich zurück.

Ich stolpere.

Mein Fuß rutscht weg.

Mein Kopf schlägt hart auf dem Boden auf.

Ein dumpfer Schmerz breitet sich aus.

Ich höre Tyrions aufgebrachte Stimme.

„Verdammt, Jaime, was hast du getan?!“

Dann wird alles schwarz.

Jaime steht reglos da.

Dann dreht er sich langsam um – voller Wut, voller Emotionen – und sieht Cersei an.

Jaime schreit auf, seine Stimme überschlägt sich vor Wut und Verzweiflung.

„LASS MARLIS SOFORT GEHEN, CERSEI! SIEH DIR AN, WAS DU ANGERICHTET HAST!“

Cersei dreht sich langsam zu ihm um, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen, während sie die Situation mit kalter Berechnung betrachtet.

„Ich habe nichts angerichtet, Jaime. Du hast das selbst getan.“

Jaimes Atem geht schwer. Seine Hände zittern vor unterdrücktem Zorn.

„Du hast ihn gebrochen, Cersei. Lukas… er hasst mich jetzt wegen dir. Weil du Marlis und unsere Freunde entführt hast, weil du ihn von mir weggedrängt hast. Und ich habe immer nur versucht, ihn zu beschützen!“

Cersei lacht leise, fast amüsiert.

„Ach, Jaime. Immer noch derselbe naive Narr. Du hast ihn beschützt? Nein. Du hast ihn enttäuscht. Du hast ihn schwach gemacht. Du hast ihn VERLOREN.“

Jaime schüttelt fassungslos den Kopf.

„Lass Marlis gehen. Lass alle gehen. Lass uns einfach nach Hause gehen.“ Seine Stimme bebt, aber sie ist immer noch voller Entschlossenheit.

Cersei tritt einen Schritt näher, ihre Augen glimmen vor Bosheit.

„Nach Hause? Du denkst, du kannst einfach so alles ungeschehen machen? Du denkst, du kannst dich von mir lösen? DU bist schuld an allem, was passiert ist. Und du wirst es immer sein.“

Jaime zischt: „Du bist diejenige, die unser Kind zerstört hat! Die unsere Familie zerstört hat! Die alles kaputt macht, solange es nach ihrem Kopf geht!“

Cersei verengt die Augen.

„Du bist ein Idiot, Jaime. Ein erbärmlicher, nutzloser Idiot. Du warst schon immer der schwächere von uns beiden. Du wolltest Lukas beschützen? Er ist nur gebrochen, weil er erkannt hat, was für ein WITZ du bist!“

Jaimes Körper bebt.

„Nenn mich nicht so.“

„Warum? Weil es die Wahrheit ist? Weil du der größte Feigling bist, den ich je gekannt habe? Weil du nichts wert bist – als Mann, als Bruder, als Vater?!“

Cersei tritt noch näher. Ihr Atem ist kalt.

„Du hättest NIEMALS Vater sein dürfen. Du bist ein NICHTSNUTZ, Jaime. Eine leere Hülle eines Mannes, die es nicht wert ist, geliebt zu werden.“

Jaime blinzelt. Für einen Moment – nur einen Moment – sieht man Schmerz in seinen Augen.

Dann verfinstert sich sein Blick.

Seine Stimme ist tief, düster.

„Lass sie gehen.“

Cersei grinst. „Nein.“

Und dann, ohne Vorwarnung – reißt sie den Dolch hoch und stößt ihn in Marlis’ Brust.

Ein nasses Keuchen.

Marlis zuckt zusammen, ihre Augen weiten sich, als das Leben aus ihr entweicht. Sie taumelt. Ihre Hände greifen ins Leere.

Dann sinkt sie zu Boden.

Jaimes gesamte Welt scheint zu zerbrechen.

„NEIN!!!“ Sein Schrei hallt durch den Thronsaal, voller roher, unerträglicher Qual.

Tyrion steht regungslos da, unfähig, zu atmen. Sein Gesicht ist bleich, seine Augen fassungslos auf den leblosen Körper von Marlis gerichtet.

Jaimes Körper zuckt vor Spannung. Dann – langsam, aber mit schrecklicher Entschlossenheit – zieht er sein Schwert.

Sein Blick, tränenerfüllt und voller Hass, fällt auf Cersei.

Sie sieht ihn an, ohne Angst. Ohne Reue.

Nur mit diesem spöttischen, selbstgefälligen Lächeln.

„Was willst du tun, Jaime?“ flüstert sie. „Du kannst mich nicht töten. Du gehörst mir. Du wirst NIEMALS von mir loskommen.“

Jaimes Lippen beben.

„Du irrst dich.“

Er hebt das Schwert.

Cerseis Augen weiten sich.

„Jaime–“

Doch es ist zu spät.

Mit der gleichen tödlichen Präzision, mit der er einst Aerys Targaryen tötete, stößt Jaime das Schwert in ihren Magen.

Ihre Lippen formen ein lautloses Wort.

Ihr Körper zuckt – dann wird er schlaff.

Sie fällt.

Langsam, fast anmutig, sinkt sie zu Boden, das Blut färbt ihre goldene Robe rot.

Und dann – liegt sie reglos am Fuß des Eisernen Throns.

Jaime steht über ihr, das Schwert noch immer in der Hand, während Tränen über seine Wangen laufen.

In genau diesem Moment öffne ich langsam meine Augen.

Mein Blick verschwimmt, während ich mich aufrichte.

Mein Herz bleibt stehen.

Marlis… liegt auf dem Boden.

Leblos.

Und mein Vater… steht mit blutbeflecktem Schwert über meiner toten Mutter.

2

Duell mit dem Mountain

Schauplatz: King's Landing · Cengiz Martell, Erik Stark, Bronn, Gregor Clegane

Die Halle ist düster, nur das Licht der Fackeln wirft flackernde Schatten auf die steinernen Wände.

Cengiz steht mit gezücktem Schwert da, seine Augen voller unbändiger Wut, während sich vor ihm der monströse Koloss von Mann erhebt – Ser Gregor Clegane, der Mountain.

Der Boden unter ihm bebt, als der Mountain langsam auf ihn zutritt, die gewaltige Klinge in seinen Pranken. Seine Rüstung ist dunkel, sein Helm verdeckt fast sein gesamtes Gesicht, doch die tödliche Kälte in seinen Augen ist deutlich zu spüren.

Cengiz hebt das Schwert.

„Ich werde dich töten, du verdammter Hurensohn.“

Der Mountain sagt nichts. Er hebt einfach sein riesiges Schwert – und schlägt zu.

Cengiz springt im letzten Moment zur Seite. Der gewaltige Hieb kracht in den Boden, sprengt Steine auf und lässt den Raum kurz erbeben.

Der Kampf beginnt.

Cengiz wirbelt herum, schlägt auf den Mountain ein, aber sein Schwert prallt an der dicken Rüstung ab.

Der Mountain holt aus – ein brutaler Hieb, der Cengiz fast den Kopf abgetrennt hätte, hätte er sich nicht gerade noch rechtzeitig geduckt.

Ein zweiter Schlag.

Ein dritter.

Jede Bewegung des Mountain ist eine Naturgewalt, so massiv und gnadenlos, dass es Cengiz all seine Kraft kostet, ihnen zu entkommen.

Doch Cengiz bleibt nicht nur in der Defensive.

Er weicht einem weiteren Angriff aus, rutscht zur Seite und schlägt gezielt mit voller Kraft gegen die ungeschützte Stelle an Cleganes Knie.

Ein dumpfes Geräusch – der Mountain zuckt leicht zusammen.

Ein Treffer.

Doch anstatt zu taumeln, lacht er nur – ein dunkles, bedrohliches Grollen tief aus seiner Brust.

Dann holt er aus – und trifft.

Cengiz prallt hart gegen eine Säule und röchelt, als ihm die Luft aus den Lungen gepresst wird.

Sein ganzer Körper schreit vor Schmerz, doch er reißt sich zusammen.

Gerade als der Mountain auf ihn zutritt, nutzt Cengiz seine Geschwindigkeit, rollt sich zur Seite und sticht mit dem Schwert in die Achselhöhle des Riesen – eine der wenigen Schwachstellen seiner Rüstung.

Diesmal gibt der Mountain ein wütendes Knurren von sich.

Blut tropft auf den Boden.

Doch es ist nicht genug.

Ser Gregor packt Cengiz mit einer Hand am Kragen, hebt ihn einfach hoch, als wäre er ein Kind, und schleudert ihn quer durch den Raum.

Cengiz kracht in eine Truhe, Splitter fliegen durch die Luft.

Der Mountain stapft auf ihn zu, das Schwert erhoben.

Dann – plötzlich – öffnet sich die große Tür mit einem lauten Knall.

„CENGIZ! WIR MÜSSEN LOS!“

Erik und Bronn stürmen in den Raum, ihre Schwerter gezogen, außer Atem.

„Zu viele Königsgardisten! Wir können sie nicht halten!“ ruft Bronn.

Cengiz sieht vom Mountain zu seinen Verbündeten.

Er keucht, spuckt Blut aus, dann richtet er sich langsam auf.

Sein Blick trifft erneut den Mountain.

Er tritt einen Schritt näher, grinst blutig.

„Nächstes Mal schneide ich dir den Kopf ab, du riesiger Haufen Scheiße.“

Dann dreht er sich um – und rennt mit Erik und Bronn los.

3

Wie der Vater, so der Sohn

Schauplatz: King's Landing · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Erik Stark, Cengiz Martell, Bronn, Cersei Lannister, Marlis of the Blackwater

Der Thronsaal ist erfüllt von einer tödlichen Stille.

Cerseis lebloser Körper liegt am Fuß des eisernen Throns, ihr goldenes Haar über den kalten Stein ausgebreitet. Direkt daneben Marlis – ihr Gesicht friedlich, als würde sie schlafen, doch das Blut, das langsam aus ihrer Wunde sickert, erzählt eine andere Geschichte.

Jaime steht einfach nur da. Sein Schwert ist noch in der Hand, aber es zittert. Seine Brust hebt und senkt sich schwer, doch sein Blick ist leer.

Tyrion läuft zu ihm.

„Jaime...?“

Doch Jaime reagiert nicht.

Tyrion packt seinen Arm, schüttelt ihn leicht.

„Jaime, wir müssen hier weg! Jetzt!“

Ich blinzele.

Die Bilder vor mir verschwimmen, mein Kopf hämmert. Ich versuche zu atmen, doch meine Lungen fühlen sich an, als wären sie mit Stein gefüllt.

Das ist echt.

Cersei.

Marlis.

Tot.

Meine Mutter.

Mein Vater.

Mein Blick fällt auf Jaime, doch ich sehe nur noch den Moment, in dem er das Schwert in sie gestoßen hat.

Dann plötzlich – die Türen schlagen auf.

„WIR MÜSSEN SOFORT WEG!“

Erik, Cengiz und Bronn stürmen in den Raum, blutverschmiert, keuchend.

„Die Wachen! Sie kommen!“ ruft Erik.

Alle setzen sich in Bewegung, rennen in Richtung der Katakomben, wo der einzige Fluchtweg ist.

Ich stolpere nach vorne. Mein Körper bewegt sich, weil mein Kopf es ihm sagt, aber mein Herz...

Mein Herz bleibt stehen, als ich Marlis erreiche.

Ich halte an.

Meine Beine geben nach, ich sinke auf die Knie neben ihr.

Sie sieht so friedlich aus. So falsch friedlich.

Ich nehme ihre Hand, ihre Finger sind noch warm.

Tränen brennen in meinen Augen.

Ich will etwas sagen. Irgendetwas.

Doch alles, was über meine Lippen kommt, ist ein gebrochener Flüsterton:

„Es tut mir so leid... ich hätte dich retten müssen...“

Mein Blick verschwimmt, meine Finger zittern, als ich ihr Haar zurückstreiche.

Ein letztes Mal.

Dann höre ich Schritte.

Schwere Rüstung.

Bevor ich reagieren kann, packen mich starke Hände.

„Da ist er! Holt ihn euch!“

Eisernes Metall krallt sich in meine Arme, zerrt mich hoch.

„Er hat die Königin getötet!“

„Kingslayer, wie sein Vater!“

„Wie der Vater, so der Sohn!“

Ich wehre mich nicht.

Nicht, als sie mich durch die Gänge zerren.

Nicht, als sie mich die Treppen hinunterstoßen.

Nicht, als die Kerkerpforten aufschwingen und sie mich in die Dunkelheit werfen.

Mir ist alles egal.

Marlis ist tot.

Meine Mutter ist tot.

Mein Vater hat mich mehr verletzt, als ich jemals für möglich gehalten hätte.

Und mein Hass auf ihn ist das Einzige, das mir bleibt.

Dunkelheit.