SEASON III · KAPITEL 15

General Rehearsal

Am Vorabend der Hochzeit

WORUM ES GEHT

In der Kirche begrüßt der Geistliche Ser Gorwin, ein alter Freund Jaimes, die Familie. Während Lukas, Tyrion, Bronn und Podrick zur Weinprobe gehen, gesteht Jaime Brienne seine Wehmut, Cersei nie heiraten zu können, und seine Angst, Lukas zu verlieren. Nach der Probe der Aufstellung erscheint Lukas' Cousin und Trauzeuge Ser Paul Lannister, der aus Essos berichtet und über die goldenen Hände staunt. Die Kirche füllt sich, und die Glocken kündigen die Zeremonie an.

1

Ser Gorwin und die Weinprobe

Schauplatz: Casterly Rock · Jaime Lannister, Lukas Lannister, Tyrion Lannister, Brienne von Tarth, Bronn, Ser Gorwin, Podrick Payne

Am Altar wartete bereits der Pfarrer, Vater’s alter Freund Ser Gorwin, der uns mit einem breiten Lächeln empfing. Er reichte Jaime die Hand und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.

„Jaime,“ sagte er mit einem warmen Lächeln, „mein Glückwunsch zu deinem Sohn. Es ist kaum zu glauben, dass aus dir wildem Burschen, den ich früher kannte, nun ein Vater geworden ist, dessen Sohn heute heiratet.“

Jaime schüttelte ihm die Hand und erwiderte das Lächeln. „Gorwin, ich weiß nicht, wer von uns beiden sich mehr gewandelt hat. Aber ich danke dir. Es ist ein großer Tag, und ich bin froh, dass du hier bist.“

„Ich auch, alter Freund,“ erwiderte Gorwin, „und ich hoffe, dass du genauso stolz bist, wie ich es an deiner Stelle wäre. Die Kirche erstrahlt für ihn, und ganz Casterly Rock ist gekommen, um mit euch zu feiern.“

Während die beiden weiterredeten, wandte ich mich zu Tyrion und fragte leise: „Onkel, meinst du, Vater ist in Ordnung? Er wirkt… nachdenklich.“

Tyrion betrachtete mich einen Moment lang, die Augen voller Verständnis. „Lukas, dein Vater hat einiges durchgemacht. Er hat mehr Kämpfe hinter sich als die meisten Menschen, und die Last vergangener Entscheidungen wiegt oft schwer. Aber ich kann dir versichern: Nichts ist ihm wichtiger, als dass du heute glücklich bist. Mach dir keine Sorgen, er wird diesen Tag genießen.“

Ich nickte und lächelte ihm dankbar zu. Dann lehnte Tyrion sich ein wenig näher und meinte mit einem schelmischen Grinsen: „Apropos genießen – wie wäre es, wenn wir uns die Zeit mit einer kleinen Weinprobe vertreiben? Wir haben noch über eine Stunde bis zur Zeremonie, und ich denke, es würde dir guttun, den besten Wein für den heutigen Tag auszuwählen.“

Ein Funken Aufregung erwachte in mir. „Das klingt großartig, Onkel.“

Bronn und Podrick tauschten begeisterte Blicke aus, und es war offensichtlich, dass beide sich über die Idee freuten. Bevor wir losgingen, wandte ich mich an Brienne. „Brienne, willst du nicht auch mitkommen? Wir könnten noch jemanden mit einem feinen Geschmack brauchen.“

Doch Brienne schüttelte den Kopf und lächelte freundlich. „Ich bleibe lieber hier. Ich sage Jaime, wo ihr seid, und warte schon einmal auf die Braut.“

Wir verabschiedeten uns kurz, und dann gingen wir zur Weinkammer, bereit, die besten Tropfen zu verkosten.

2

Jaime und Brienne

Schauplatz: Casterly Rock · Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Ser Gorwin

Jaime hatte das Gespräch mit Gorwin beendet und sah sich um. Er bemerkte Brienne, die allein in der stillen Kirche stand und zu den goldenen Figuren hinaufsah, die in den Nischen thronten und in ihrer strahlenden Pracht ehrfürchtig wirkten. Jaime trat neben sie und räusperte sich.

„Brienne,“ begann er, „weißt du, wo Tyrion und Lukas hingegangen sind?“

Brienne nickte und drehte sich zu ihm. „Sie sind zur Weinkammer gegangen, um den Wein zu testen.“

Jaime nickte nachdenklich. „Das klingt nach etwas, was Tyrion organisieren würde.“

Brienne lächelte schwach und fragte leise: „Willst du nicht auch hingehen?“

Jaime schüttelte den Kopf und wich ihrem Blick aus. „Nein, lass sie. Ich bleibe lieber hier.“

Brienne musterte ihn aufmerksam, die Stirn leicht gerunzelt. „Was ist los, Jaime? Irgendetwas bedrückt dich.“

Jaime sah zur Seite, als wollte er das Gespräch abwenden, doch Brienne legte ihm eine Hand auf den Arm. „Sag mir die Wahrheit, Jaime. Was geht dir durch den Kopf?“

Er atmete tief ein und seufzte, bevor er zu sprechen begann. „Es ist nicht so, dass ich nicht glücklich wäre, Brienne. Ich bin überglücklich, dass Lukas heute heiratet. Aber…“ Er hielt inne, als ob die Worte ihm schwer über die Lippen kämen. „Es ist… schwierig, denn ich denke daran, dass ich selbst nie das erleben konnte, was ihm heute bevorsteht. Cersei und ich… Wir werden nie heiraten können. Nicht in dieser Welt, nicht in diesem Leben.“

Brienne sah ihn schweigend an, ihre Augen voller Mitgefühl. Jaime fuhr fort, seine Stimme nun etwas heiser: „Und dann… da ist noch etwas anderes. Lukas ist das erste meiner Kinder, mit dem ich eine richtige Vater-Sohn-Beziehung aufbauen konnte. Mit ihm habe ich das Gefühl, dass ich mehr als nur ein Ritter bin, mehr als ein Bruder oder ein Liebhaber. Er gibt mir einen… einen Antrieb, den ich nur selten gefühlt habe.“

Er hielt inne, und seine Stimme wurde leiser, fast wie ein Geständnis. „Manchmal habe ich Angst, dass er mich irgendwann vergessen wird, wenn er eine eigene Familie hat, oder dass ich ihm nicht mehr so wichtig sein werde. Und das ist ein Gedanke, den ich nur schwer ertragen kann.“

Brienne legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. „Jaime, das ist verständlich. Aber Lukas liebt dich, das weißt du doch. Er wird dich niemals vergessen, und ich bin mir sicher, dass er sich immer daran erinnern wird, was du für ihn getan hast. Du bist mehr als nur sein Vater. Du bist sein Held.“

Jaime sah sie an, und für einen Moment schimmerte etwas in seinen Augen. „Danke, Brienne. Es tut gut, das von dir zu hören.“

Sie lächelte und drückte seine Schulter leicht. „Heute ist ein Tag der Freude, Jaime. Er ist deine Familie, und nichts kann das ändern. Egal, wie weit sein Leben ihn führen wird – er wird immer dein Sohn sein.“

Jaime nickte langsam und sah zu Boden. „Ich werde es versuchen, Brienne. Heute zählt nur sein Glück.“

Er hob den Blick und sah die prächtige Kirche an, das Licht, das von den bunten Glasfenstern fiel, und die ruhige Majestät des Raumes. Dann wandte er sich wieder Brienne zu und lächelte leicht, das Gewicht seiner Sorgen ein wenig gelöst. „Danke, Brienne. Du hast mir geholfen, die Dinge ein bisschen klarer zu sehen.“

3

Der Trauzeuge

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Bronn, Brienne von Tarth, Paul Lannister, Ser Gorwin, Bran Stark, Podrick Payne, Theon Greyjoy

Kurz nachdem wir in der Kirche angekommen waren und den Wein getestet hatten, kamen Tyrion, Bronn, Podrick und ich fröhlich zurück in den Hauptsaal, um Jaime mitzuteilen, dass wir den besten Wein für die Feier ausgewählt hatten. Jaime, der zuvor noch gedankenverloren gewirkt hatte, lächelte uns nun warm an und wirkte sichtlich aufgemuntert.

In diesem Moment trat Pfarrer Gorwin zu uns, sein Gesicht voller ernsthafter Konzentration, und begann, die letzten Details der Zeremonie zu erklären. „Gut, da nun alle hier sind, will ich sicherstellen, dass jeder genau weiß, wo er stehen wird, damit die Zeremonie reibungslos ablaufen kann,“ begann er und deutete zum Altar.

„Jaime, Tyrion und Lukas,“ fuhr er fort, „ihr drei werdet hier vorne stehen, zur rechten Seite des Altars. Lukas, du natürlich im Mittelpunkt, da du heute die Hauptperson bist.“ Er zwinkerte mir zu, und ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. „Tyrion und Jaime, ihr seid zur Unterstützung da und repräsentiert die Familie.“

Dann wandte er sich an Bronn und Podrick. „Ihr zwei stellt euch etwas zurückhaltend hinter die Familie, aber so, dass ihr dennoch im Blickfeld seid – das wird den Gästen zeigen, dass der engste Kreis der Familie und Freunde anwesend ist.“ Bronn nickte zustimmend und kniff mir freundschaftlich in den Arm.

„Sobald die Zeremonie beginnt,“ erklärte Gorwin weiter, „wird Brienne draußen die Braut und ihre Familie empfangen und dann gemeinsam mit ihnen hereinkommen, wenn die Glocken läuten.“

Brienne nickte, fest entschlossen, ihren Teil perfekt auszuführen, und begab sich hinaus, um Marlis, Sansa und Hanna sowie Marlis’ Eltern entgegenzutreten. Sobald sie draußen war, wandten sich Tyrion und Jaime an mich.

„Sag mal, Lukas,“ fragte Jaime leicht verwundert, „wo ist eigentlich dein Trauzeuge?“

Mir fiel plötzlich auf, dass Ser Paul, mein Cousin, noch nicht eingetroffen war, und ein kleiner Moment der Panik überkam mich. Doch gerade, als ich mir ernsthafte Sorgen machen wollte, öffnete sich die schwere Kirchentür, und Ser Paul Lannister trat ein.

Paul, ein wenig jünger als ich und doch von einer eleganten Anmut, die typisch für das Haus Lannister war, trug ein prachtvolles, dunkelrotes Samtwams mit goldenen Stickereien, die das Löwenwappen unserer Familie in kunstvollen Linien auf seiner Brust zeichneten. Unter dem Wams trug er ein fein gefälteltes, weißes Hemd, dessen Kragen dezent hervorlugte und dem gesamten Auftritt einen edlen Touch verlieh. Seine Hosen waren aus schwarzem Leder gefertigt, passend zu den eleganten, hohen Stiefeln, die in glänzendem Schwarz und mit feinen Goldakzenten verziert waren. Ein silberner Löwenanhänger hing von seinem Hals und blitzte im Licht der Kerzen auf.

Als er uns erblickte, huschte ein breites Grinsen über sein Gesicht, und er kam freudig auf uns zu. Er umarmte mich herzlich und schlug mir auf die Schulter, dann begrüßte er Tyrion und Jaime mit einem festen Handschlag.

„Paul! Endlich bist du da,“ rief ich erleichtert und fragte neugierig, „was hast du die letzten Monate getrieben?“

Paul lehnte sich locker zurück und erzählte uns von seinen Abenteuern in Essos, wo er im Auftrag des Hauses Lannister Handelspartnerschaften in den Freien Städten überprüft und sich sogar eine Weile in Braavos aufgehalten hatte. „Ihr müsstet die Kanäle und das große Hafenviertel sehen, dort ist jede Menge los,“ berichtete er, „und ich habe einige interessante Geschäfte mit den Kaufleuten von Volantis geschlossen. Die bringen tatsächlich immer wieder rare Gewürze, Stoffe und Waffen herüber, von denen wir profitieren könnten.“

Tyrion grinste amüsiert und fragte: „Gab es dort auch etwas, was die Gaumen unserer lieben Gäste erfreuen könnte?“

Paul nickte. „Oh, das glaube ich! Ich habe ein paar seltene Weine mitgebracht, die ich euch unbedingt später zeigen will.“

Jaime klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und lächelte. „Gut gemacht, Paul. Ein Lannister durch und durch.“

Gerade als das Gespräch lebhafter wurde, drangen die ersten Geräusche von den eintretenden Gästen zu uns herüber. Die Kirche begann, sich mit fröhlichen und erwartungsvollen Stimmen zu füllen. Hohe Damen und Herren in prächtigen Gewändern, die Farben ihrer Häuser stolz zur Schau tragend, strömten in die Bänke. Sie unterhielten sich gedämpft, manche nickten uns anerkennend zu, andere winkten freundlich. Bald war die Kirche gut gefüllt, und die Stimmung war voller freudiger Erwartung.

Die Kirche füllte sich zusehends, und ich bemerkte immer mehr vertraute Gesichter, die einen Platz in den Bänken einnahmen. In der ersten Reihe setzten sich Arya, Bran und Theon nebeneinander, alle mit einem strahlenden Lächeln, das mir Zuversicht und Wärme vermittelte. Ich nickte ihnen dankbar zu und spürte, wie mein Herzschlag langsam schneller wurde.

Neben mir stand Paul, mein Cousin und Trauzeuge, und er schien meine zunehmende Anspannung zu bemerken. „Bist du nervös, Lukas?“ fragte er leise und schmunzelte, als ich nickte und zugab, dass es langsam ziemlich hitzig wurde.

„Das ist verständlich,“ meinte Paul, lachte kurz und schlug mir beruhigend auf die Schulter. Um mich etwas abzulenken, sah ich ihn schelmisch an und fragte: „Und, kannst du noch so gut mit dem Schwert umgehen wie früher?“

Paul grinste und nickte selbstbewusst. „Ja, aber vielleicht bin ich ein wenig eingerostet,“ gab er zu. „Nach all den Reisen und Verhandlungen habe ich nicht mehr so oft trainiert.“

Ich lachte und deutete auf meine rechte Hand, die golden schimmerte. „Dann könnte ich dich vielleicht doch noch im eins gegen eins besiegen,“ neckte ich ihn und hielt ihm meine goldene Hand vor die Augen.

Paul blinzelte überrascht und starrte verwundert auf meine Hand. „Was zum…? Wie kommt das denn?“ fragte er, sichtlich perplex.

Mit einem schiefen Grinsen antwortete ich: „Es liegt wohl in der Familie.“

Paul runzelte die Stirn und sah mich noch verwirrter an. „Was meinst du damit?“ fragte er neugierig.

Ich deutete mit einer Bewegung nach rechts. „Dreh dich mal um und sieh nach.“

Paul tat, wie ihm geheißen, und sein Blick wanderte zu Vater, der nur wenige Schritte entfernt stand und uns aufmerksam beobachtete. Ich zwinkerte ihm zu, und Vater verstand sofort, was ich von ihm wollte. Er hob lächelnd seine rechte Hand, die ebenfalls aus glänzendem Gold bestand, und hielt sie leicht in die Luft.

Paul sah zwischen uns beiden hin und her, sein Blick wurde immer ungläubiger. „Warte, ist das jetzt irgendwie… eine neue Tradition in der Familie? Habe ich da was verpasst?“

Noch bevor ich antworten konnte, mischte sich Tyrion, der direkt neben uns stand, mit einem breiten Grinsen ein. „Nein, Paul,“ sagte er trocken, „es ist nur so, dass dein lieber Cousin und dein Onkel den gleichen Hang zu gefährlich unüberlegten Entscheidungen haben. Und das ist das Ergebnis.“ Sein Blick wanderte amüsiert über unsere goldenen Hände.

Wir alle brachen in herzhaftes Lachen aus, selbst Paul konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Schließlich meinte er lachend: „Nun, dann sollte ich wohl auch vorsichtig sein, oder? Wer weiß, vielleicht trage ich eines Tages auch eine Hand aus Gold!“

„Das könnte durchaus sein,“ erwiderte ich belustigt und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Aber für heute brauchst du nur deinen Charme und deine Treue – beides unschlagbare Eigenschaften.“

Leicht geschmeichelt lachte Paul, bis er Vater und mir sagte: „Nein aber ehrlich, ihr müsst mir nachher bitte erzählen, wie ihr das geschafft habt.“

Vater und ich lachten und sagten ihm, dass wir das nachher bei einem seiner leckeren Weine bestimmt tun würden.

In diesem Moment verstummten die Gespräche allmählich, und die Menge in der Kirche wurde still. Die schweren Glocken begannen zu läuten, ein tiefer Klang, der durch die Hallen hallte und ein Gefühl von Feierlichkeit verbreitete. Der Beginn der Zeremonie stand unmittelbar bevor, und ich spürte, wie mein Herz jetzt rasch schlug.