SEASON II · KAPITEL 11

Peace Times in Casterly Rock

Heimkehr in den Westen

WORUM ES GEHT

Die Gruppe reist in drei bewachten Kutschen nach Casterly Rock, unterwegs erzählen Jaime und Tyrion Anekdoten aus ihrer Vergangenheit. An einem felsigen Abhang lässt Jaime plötzlich nervös anhalten, verschweigt aber den Grund. In Casterly Rock genießen Lukas und Marlis ihren ersten gemeinsamen Abend, während Jaime grübelnd allein sitzt. Da bringt ihm ein Diener einen Brief mit Lannister-Siegel.

1

Die Reise nach Casterly Rock

Schauplatz: Unterwegs · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Sansa Stark, Bronn, Brienne von Tarth, Marlis of the Blackwater, Bran Stark, Podrick Payne

Dann, nach einigen Tagen der Vorbereitungen, machten wir uns auf den Weg nach Casterly Rock. Die Kutschen waren gut bewacht – wir wollten keine Risiken eingehen. In einer Kutsche saßen Vater, Marlis, Onkel Tyrion und ich. In der zweiten Kutsche reisten Sansa, Arya und Bran, und in der dritten Bronn, Brienne und Podrick. Der Weg war lang, aber entspannt. Vater und Tyrion hatten genug Geschichten auf Lager, um die Zeit zu vertreiben.

Als wir durch ein dicht bewaldetes Tal fuhren, erzählte Jaime uns eine Geschichte aus seiner Jugend. „Ich erinnere mich an einen Sommer, als mein Vater Tywin mich auf eine Jagd mitgenommen hat. Es war einer dieser brütend heißen Tage, an denen die Luft so schwer ist, dass man kaum atmen kann. Wir jagten einen riesigen Hirsch, und mein Vater bestand darauf, dass ich ihn allein erlege. Ich war damals etwa in deinem Alter, Lukas, und natürlich völlig unerfahren. Ich habe dreimal geschossen und den Hirsch jedes Mal verfehlt.“

Tyrion grinste und warf ein: „Das ist nicht die ganze Geschichte. Was Jaime nicht erwähnt, ist, dass er vor Wut auf seinen Bogen geschossen hat, als er den Hirsch verfehlte. Der Pfeil flog zurück und streifte ihn am Bein. Vater war nicht besonders erfreut.“

Wir alle lachten laut, und selbst Jaime konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Ja, Vater war wütend, aber er war auch stolz. Er meinte, das sei die erste echte Reaktion eines Kriegers.“

Tyrion warf eine weitere Geschichte in die Runde, diesmal aus seiner eigenen Erfahrung: „Ich war einmal in Volantis unterwegs, kurz nach dem Tod von König Robert. Es war eine seltsame Zeit, und ich erinnere mich, dass ich in einer Hafenkneipe saß, als mich ein Pirat fragte, ob ich ihm nicht ein paar Goldstücke leihen könnte, damit er seine Frau zurückkaufen könne. Er behauptete, sie sei entführt worden. Natürlich wusste ich, dass er lügte, aber ich spielte mit. Am Ende stellte sich heraus, dass er nie eine Frau gehabt hatte. Er war einfach nur ein verdammter Trunkenbold.“

Das brachte uns erneut zum Lachen, und Tyrion hob seinen Becher in einem ironischen Toast. „Auf die ehrlichen Lügner dieser Welt.“

Der Weg schien wie im Flug zu vergehen, bis wir an einem felsigen Abhang vorbeifuhren, der Jaime plötzlich panisch aufhorchen ließ. Seine Augen weiteten sich, und seine Hand legte sich reflexartig auf den Griff seines Schwertes. „Halt!“ rief er.

Die Kutsche kam abrupt zum Stillstand, und wir sahen ihn alle verwundert an. „Was ist los, Vater?“ fragte ich besorgt.

Jaime war still und schaute eine Weile angespannt aus dem Fenster, als würde er jeden Moment einen Angriff erwarten. Tyrion runzelte die Stirn und sah ihn skeptisch an. „Was zum Teufel... siehst du etwas, das wir nicht sehen?“

Jaime atmete schwer aus und schüttelte den Kopf. „Es... es war nichts. Weiterfahren.“

Aber der Ausdruck auf seinem Gesicht blieb ernst, und ich konnte sehen, dass ihn etwas beschäftigte. Er sagte nichts über den Brief, den er an Cersei geschickt hatte, ich spürte jedoch dass seine Gedanken bei Mutter und voller Sorge waren. Als wir weiterfuhren, blieb die Stimmung gedämpfter, und obwohl ich ihn später fragte, warum er so nervös gewesen war, erwähnte er nichts von dem Brief.

2

Ankunft im Stammsitz

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Tyrion Lannister, Sansa Stark, Bronn, Brienne von Tarth, Marlis of the Blackwater

Nach einigen weiteren Stunden auf der Straße erreichten wir schließlich Casterly Rock. Die massiven Mauern erhoben sich majestätisch vor uns, und wir wurden von den Wachen herzlich empfangen. Es fühlte sich seltsam an, wieder hier zu sein – ein Ort, der so viele Erinnerungen an meine Familie trug, gute wie schlechte.

Wir stiegen aus den Kutschen und wurden in unsere Zimmer geführt. Die Diener waren aufmerksam, und es wurde alles vorbereitet, um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Marlis und ich bezogen ein gemeinsames Zimmer, und als wir uns schließlich nach einem langen Tag aufs Bett setzten, war es wie ein Traum. Ich schaute sie an, das Mondlicht fiel durch das Fenster und reflektierte sich im leichten Schneefall draußen.

„Kannst du glauben, dass wir hier sind?“ fragte ich sie leise und nahm ihre Hand in meine.

Marlis lächelte und drückte meine Hand. „Es fühlt sich so unwirklich an. Ich hätte nie gedacht, dass wir jemals hier gemeinsam ankommen würden. Und jetzt... planen wir unsere Hochzeit.“

Ich konnte nicht anders, als sie zu küssen, meine Stirn an ihre zu lehnen und tief durchzuatmen. „Ich bin so froh, dass du bei mir bist, Marlis. Nach allem, was passiert ist...“

Sie legte ihre Hand auf meine Wange und strich sanft darüber. „Wir haben es geschafft, Lukas. Wir sind zusammen. Und nichts kann uns mehr trennen.“

Wir sprachen lange über die Hochzeit, über unsere Pläne, unsere Zukunft, und ich versprach ihr, dass ich sie für immer lieben würde. Die Nacht war ruhig, und der leichte Schneefall schien wie ein Segen auf uns herabzufallen.

In der Zwischenzeit saß Jaime allein in seinem Zimmer. Er hatte die Ruhe der Nacht genutzt, um über alles nachzudenken. Der Brief an Cersei war längst verschickt, aber die Ungewissheit fraß an ihm. Während er in seinen Gedanken versank, fragte er sich, ob sie ihn ernst nehmen würde – oder ob sie sogar auf dem Weg war, um die Hochzeit zu stören. Seine Liebe zu ihr war kompliziert, durchzogen von Wut und Verrat. Trotz allem liebte er sie noch immer, doch die Art, wie sie ihn verraten hatte, hinterließ eine tiefe Wunde.

Er seufzte schwer und griff erneut zur Feder.

Jaime saß in seinem Zimmer und starrte auf das leere Pergament vor ihm, die Feder in der Hand, als es plötzlich an der Tür klopfte. Er seufzte, legte die Feder zur Seite und rief: „Ja.“

Ein Diener trat ein, eine Verbeugung andeutend. „Ser Jaime, es tut mir leid für die Störung, aber dieser Brief kam gerade für Sie.“ Der Diener reichte Jaime den Umschlag. Sofort erkannte Jaime das Siegel – das Lannister-Wappen, das er so gut kannte. „Danke,“ murmelte Jaime und schloss die Tür hinter dem Diener. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter, als er den Umschlag in der Hand wog. Er wusste, von wem der Brief kam, bevor er ihn überhaupt geöffnet hatte.

Er setzte sich langsam hin, Gedanken schossen durch seinen Kopf. Cersei. Was würde sie ihm schreiben? Eine Antwort auf seinen eigenen Brief, den er mit so viel Bedacht und schmerzvoller Ehrlichkeit verfasst hatte? Oder etwas ganz anderes? Er zögerte einen Moment, dann brach er das Siegel und entfaltete das Pergament. Er nahm einen tiefen Atemzug und begann zu lesen.