Die Machete
Ramsay verließ kurz den Raum, als er zu Cersei gerufen wurde, und ich blieb in dem kalten, düsteren Raum zurück, das Blut von den Schnitten auf meinen Wangen tropfte. Die Einsamkeit schien mich zu erdrücken, und ich kämpfte mit jedem Atemzug darum, die Fassung zu bewahren.
Nach einer Weile kam Ramsay zurück. Er hielt etwas in seiner Hand verborgen, aber ich konnte nicht erkennen, was es war. Sein Grinsen war noch breiter als zuvor. „Ich habe gute Nachrichten,“ sagte er mit gefährlichem Lachen. „Sie verhandeln für deine Freilassung.“
Ich hob den Kopf, meine Augen brannten vor Angst und Hoffnung. „Bitte, Ramsay… lass mich gehen. Mein Vater und mein Onkel werden alles zahlen, was du willst. Du bekommst, was immer du willst, jeden Titel, jede Ehre, alles.“
Ramsay blieb für einen Moment stehen und sah nachdenklich aus. „Oh? Alles, was ich will?“ Er lachte leise, und für einen kurzen Moment sah es so aus, als ob er darauf eingehen könnte. Doch dann neigte er den Kopf zur Seite und sagte mit eiskaltem Blick: „Weißt du, ohne deinen Vater bist du… nichts und dein Vater… dein Vater hat meinen Vater getötet.“
Er griff in die Tasche und zog eine Machete heraus. „Aber bevor du gehst, lass mich dir eine letzte Lektion erteilen. Nachdem du deinen Vater ja so lieb hast und so sein willst wie er.“ Er hob die Machete langsam und bereitete sich darauf vor, sie auf mich niederzuschwingen.
In dem Moment, als die Machete niedersauste, schien die Zeit für mich stillzustehen. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper, und es war, als würde alles in Zeitlupe passieren. Ich blickte zur Seite und sah meine rechte Hand, die reglos auf dem Tisch lag – abgetrennt von meinem Arm. Die Realität drang nur langsam zu mir durch, aber der Schmerz kam nicht sofort. Ich schrie so laut ich konnte. Doch nicht mal das schreien linderte diesen Schmerz den ich dort verspürte.
Ramsay trat an mich heran, löste die Fesseln an meiner linken Hand und an meinen Beinen. Mit einem höhnischen Lächeln band er meine abgetrennte Hand an eine Kette und hängte sie mir um den Hals. „Du bist frei,“ sagte er mit einem grausamen Lachen, als er mich nach oben führte. Ich konnte nichts tun, nur den stumpfen Schmerz ertragen, der in Wellen durch meinen Körper pochte.
Während er mich nach oben führte, begann er, meinen Armstumpf zu verbinden, und sprach weiter. „Weißt du, es freut mich sehr, dass ich dir dasselbe antun konnte, was Locke deinem Vater angetan hat. Jetzt seid ihr beide... nichts.“
Ich konnte nicht antworten. Ich war zu überwältigt vom Schmerz, zu benommen, um überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Ramsay lachte erneut, und seine Stimme bohrte sich wie eine Klinge in meinen Kopf. „Mein Vater hat mir kurz vor seinem Tod davon erzählt. Weißt du, er war stolz darauf. Aber dann kam dein Vater... und tötete ihn. Und dann hast du Locke getötet.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Nun, es scheint, als hätte ich die Sache wieder ins Gleichgewicht gebracht.“
Zurück an Bord
Er verabschiedete sich mit einem letzten, höhnischen Lachen, bevor er mich den Wachen der Eiseninseln übergab. Sie sahen mich mit gemischten Gefühlen an – Mitleid, Abscheu, vielleicht sogar Respekt –, aber sie sagten nichts. Sie führten mich zum Hafen, wo ein kleines Boot wartete, das mich zu Tyrion und Sansa bringen sollte.
Als ich das Boot betrat, stand Sansa da, blass und entsetzt, und Tyrion blickte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Sie sahen auf die Kette um meinen Hals und meine abgetrennte Hand, die wie ein grausames Symbol baumelte. Mir war schwindelig, der Schmerz benebelte meine Sinne, und doch brachte ich irgendwie die Worte heraus – bruchstückhaft und verschwommen. „Ramsay... hat mich... er...“ Mehr brachte ich nicht heraus, aber es war genug. Der Schock stand ihnen ins Gesicht geschrieben.
Wir fuhren los, die Kälte der See kroch unter meine Haut, und die Stille lastete schwer auf dem Boot. Nach einer Weile wandte ich mich zu Tyrion und fragte mit brüchiger Stimme: „Wo ist Vater?“
Tyrion sah mich an, in seinen Augen spiegelte sich der Schmerz und die Sorge. „Er ist in seiner Kabine... auf dem unteren Deck. Marlis ist oben... sie schläft, aber nur, weil sie völlig erschöpft ist vor Sorge um dich.“
Ich nickte stumm, während wir durch die Gänge des Schiffes gingen. Der Schmerz in meinem Arm pochte, jeder Schritt fühlte sich wie eine Qual an, doch ich konnte nicht anhalten. Schließlich stand ich vor der Tür von Vaters Kabine. Meine Hand zitterte, als ich den Griff ergriff und langsam die Tür öffnete.
Als ich die Tür langsam öffnete, wirbelten Tausende Gedanken wie ein Sturm in meinem Kopf. Wie konnte das passieren? Was wird Vater sagen? Werde ich jemals wieder so sein wie vorher? Wie wird mein Leben jetzt aussehen – ohne meine rechte Hand? Schmerzhafte Erinnerungen, Schuldgefühle und Angst fluteten mein Bewusstsein. Wird Vater mich jetzt anders sehen? Wie soll ich das überhaupt verkraften?
Die Tür öffnete sich schließlich vollständig, und ich sah, wie Vater zuerst mit Erleichterung aufblickte – wohl froh, dass ich zurückgekommen war. Doch der Ausdruck in seinem Gesicht veränderte sich augenblicklich, als sein Blick auf meine rechte Hand fiel, oder vielmehr auf den leeren Stumpf, wo sie einst gewesen war. Der Schock, der Schrecken – es war alles in seinen Augen zu sehen. Er konnte kaum fassen, was er sah.
Ich ließ die Tür hinter mir ins Schloss fallen und taumelte erschöpft, fast wie betäubt, auf ihn zu.
„Vater, Ich…“ Meine Beine fühlten sich schwach an, als würde der Boden unter mir wanken. Vater stand auf, unsicher, was er sagen oder tun sollte, während der Schmerz und die Erschöpfung mich überwältigten. Doch dann machte er das Einzige, was er tun konnte: Er nahm mich in den Arm.
In diesem Moment konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Die Tränen begannen leise zu fließen, erst nur ein Schluchzen, doch dann brach ich vor Schmerz, Trauer und Erschöpfung in seinem Arm zusammen. Ich begann zu weinen, ja sogar zu heulen, während er mich fest an sich drückte. Seine Arme umschlangen mich schützend, als er mit bebender Stimme versuchte, mich zu beruhigen.
„Alles wird gut, mein Junge,“ flüsterte er mir immer wieder ins Ohr. „Alles wird gut. Ich verspreche es dir.“ Er hielt mich fester, als ob er mich so vor der Welt und all dem Schmerz schützen könnte. Ich konnte nichts sagen, die Worte blieben mir im Hals stecken, aber in diesem Moment war alles, was ich brauchte, seine Umarmung – und die Hoffnung, dass vielleicht irgendwann alles wieder gut werden könnte.
Vater hielt mich weiterhin fest in seinen Armen, während ich mich gegen ihn drückte. „Ich bin so froh, dass ich dich wiederhabe,“ sagte er mit rauer, bebender Stimme. „Ich hätte dich niemals zurückgelassen. Das weißt du, oder? Alles, was ich getan habe, war, um Marlis für dich zu retten. Ich wollte dich nicht verlieren, niemals.“
Ich nickte, die Tränen trockneten langsam auf meinem Gesicht, doch die Erschöpfung blieb. „Ich weiß, Vater,“ flüsterte ich, und drückte mich noch enger an ihn. Wir beide weinten, Tränen der Erleichterung, des Schmerzes und der Angst, die uns immer noch umgaben.
Nach einer Weile fragte ich ihn leise, die Angst, die ich schon die ganze Zeit in mir trug, konnte ich nicht länger zurückhalten: „Wie soll ich das Marlis erklären? Ich habe solche Angst, dass sie mich so nicht mehr lieben wird, Vater.“
Er zog mich ein Stück von sich weg, um mir in die Augen zu schauen. Da war ein tiefer Schmerz in seinem Blick, eine Mischung aus Mitgefühl und Sorge. „Ich verstehe deine Angst, Lukas,“ sagte er sanft. „Aber die wahre Liebe... sie sieht über solche Dinge hinaus. Sie liebt dich als die Person, die du bist – nicht nur deinen Körper. Glaube mir, ich weiß, wie das ist.“ Sein Blick flackerte kurz, und ich konnte sehen, dass er an seine eigene Vergangenheit dachte, an alles, was er durchgemacht hatte.
„Deine Mutter... sie konnte mich nicht mehr so lieben, nachdem alles, was passiert war. Und ich trage meine Schuld daran. Aber das war etwas anderes. Marlis... ich glaube, sie wird anders reagieren. Sie wird dich lieben, egal was passiert. Und wenn sie dich wirklich liebt, wird sie das hier nicht ändern.“ Er berührte sanft meinen verletzten Arm, und ich konnte sehen, dass auch in ihm der Schmerz der Vergangenheit wieder hochkam. „Es ist nicht leicht, Lukas. Aber du bist noch der gleiche Mensch.“
Ich schluckte schwer, fühlte eine Mischung aus Erleichterung und immer noch anhaltender Unsicherheit. Dann begann ich, ihm alles zu erzählen, was im Kerker passiert war. Von dem Moment, als ich gefangen genommen wurde, über Ramsay, der mich verhöhnte, bis hin zu dem schrecklichen Moment, als er mir die Hand abgetrennt hatte. Ich erzählte ihm von Ramsays grausamen Worten, seinem sadistischen Lächeln, als er mich zwang, meine abgetrennte Hand zu tragen, und wie er mich verspottet hatte – über mich, über Vater, über alles, was wir ertragen hatten. Ich erzählte ihm jedes Detail, jeden qualvollen Augenblick.
Als ich fertig war, herrschte für einen Moment Stille. Vater saß da, seine Augen voller Schmerz und Wut, die er nur mit Mühe unterdrücken konnte. „Dieser Bastard...“ murmelte er, seine Stimme tief und von einem düsteren Zorn erfüllt. „Ich schwöre bei den Göttern, er wird dafür bezahlen. Ramsay... und Cersei... sie alle werden dafür bezahlen.“
Er holte tief Luft und sah mich dann an, seine Augen voller Entschlossenheit. „Aber jetzt... müssen wir uns auf dich konzentrieren. Ich weiß, dass das nicht leicht ist, und ich weiß, wie sehr das wehtut. Aber du bist stark, Lukas. Du wirst das überstehen, und ich werde an deiner Seite sein. Du bist nicht allein.“
Seine Worte gaben mir Trost, auch wenn der Schmerz und die Unsicherheit immer noch tief in mir saßen. „Danke, Vater,“ sagte ich leise, während ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen. „Ich hoffe, du hast recht.“
„Ich habe recht,“ sagte er, und drückte mir nochmal fest die Schulter. „Lass uns zu Marlis gehen. Du wirst sehen, sie wird dich genauso lieben wie vorher. Aber du musst es ihr erklären.“
Zusammen machten wir uns auf den Weg zu Marlis. Vater ging voran, und ich folgte ihm nervös, meine Gedanken immer noch bei dem, was geschehen war. Mein Herz pochte in meiner Brust, als wir uns ihrem Zimmer näherten. Vater trat zuerst ein, und ich blieb hinter ihm stehen, unsicher, wie ich ihr gegenübertreten sollte.
Marlis bemerkte uns sofort, und bevor Vater etwas sagen konnte, bewegte sie sich bereits in meine Richtung, ihre Augen voller Sorge und Verwirrung. Sie wusste, dass etwas passiert war – und in diesem Moment fühlte ich, wie mein Herz fast stillstand.
Marlis konnte nicht zurückgehalten werden. Sie kam auf mich zu, noch bevor Vater etwas sagen konnte. Ihre Augen waren weit aufgerissen, voller Angst und Unruhe. „Was ist passiert?“ fragte sie mit zitternder Stimme, ihre Hände leicht erhoben, als ob sie mich berühren wollte, sich aber nicht sicher war, wie. „Bitte, Lukas... sag mir, was genau passiert ist.“
Mein Herz pochte in meiner Brust. Ich hatte gehofft, dass Vater es ihr irgendwie vorsichtig erklären könnte, aber jetzt stand ich hier, konfrontiert mit ihren erwartungsvollen, angstvollen Augen. Ich holte tief Luft und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Es war schwer, die richtigen Worte zu finden, aber ich wusste, dass ich ehrlich sein musste. Also erzählte ich ihr alles.
„Ich... ich wurde gefangen genommen, als wir uns trennten,“ begann ich leise und meine Stimme war schwach, kaum mehr als ein Flüstern. „Ramsay... er hat mich gefoltert. Er... er hat mich gedemütigt, mich geschlagen, mich verhöhnt. Und dann... hat er mir...“ Ich schluckte schwer, und meine Stimme brach, als ich weitersprach. „Er hat mir meine Hand abgetrennt, Marlis.“
Ihre Augen weiteten sich noch mehr, und ich sah, wie Tränen in ihnen aufstiegen. Aber sie sagte nichts, nicht sofort. Ich fuhr fort, ihr alles zu erzählen – wie Ramsay mich verhöhnt hatte, wie er mich gezwungen hatte, meine eigene abgetrennte Hand zu tragen, wie er mir sagte, dass ich ohne meinen Vater nichts wäre. Ich schilderte jeden schrecklichen Moment, von dem Augenblick, als er mir die Hand abschnitt, bis zu dem Moment, als er mich losließ und sagte, ich sei „frei.“
Als ich fertig war, stand sie da, die Tränen liefen inzwischen lautlos über ihr Gesicht. Ihr Blick wanderte zu meinem verletzten Arm, zu dem Stumpf, wo meine Hand einmal gewesen war, und sie machte einen leisen, erstickten Laut. Ich konnte die Stille kaum ertragen. Ich fühlte mich wie gelähmt, voller Angst vor ihrer Reaktion. Was, wenn sie mich so nicht mehr lieben konnte? Was, wenn das zu viel war?
„Ich habe solche Angst, Marlis,“ sagte ich schließlich, meine Stimme zitterte jetzt. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nicht, wie ich dir das erklären soll. Was, wenn du mich so... so nicht mehr lieben kannst?“ Mein Blick war auf den Boden gerichtet, und ich wagte es nicht, ihr in die Augen zu sehen. Die Angst überwältigte mich.
Es dauerte einen Moment, bevor sie reagierte. Doch dann, leise und zögernd, hörte ich sie sprechen: „Lukas...“ Ihre Stimme war so weich und voller Schmerz. Ich sah auf und bemerkte, wie sie versuchte, ihre Tränen zu trocknen, doch sie konnte es nicht. „Wie... wie kannst du das denken? Wie kannst du denken, dass ich dich nicht mehr liebe, nur weil... weil dir das passiert ist?“
Ich sah sie an, immer noch voller Zweifel. „Aber ich bin nicht mehr der gleiche...“ begann ich, doch sie schüttelte den Kopf, unterbrach mich.
„Doch, Lukas, du bist immer noch der gleiche Mensch,“ sagte sie fest. „Du bist immer noch der Mann, den ich liebe. Es ist egal, was Ramsay dir angetan hat... was Cersei plant... nichts davon ändert, was ich für dich empfinde.“ Ihre Augen waren voller Tränen, aber auch voller Entschlossenheit. „Ich liebe dich nicht wegen deiner Hand oder wegen deinem Körper. Ich liebe dich, weil du du bist. Und das hat sich nicht verändert, egal was passiert ist.“
Ich fühlte, wie ein schwerer Knoten in meiner Brust sich löste. „Aber... was, wenn du es nicht mehr ertragen kannst? Was, wenn du...“
Sie trat einen Schritt näher, bis sie direkt vor mir stand, und legte sanft ihre Hände auf meine Schultern. „Lukas, hör mir zu,“ sagte sie, ihre Stimme nun etwas stärker, obwohl die Tränen immer noch liefen. „Ich bin hier. Ich werde dich nicht verlassen. Ich habe dich immer geliebt, und das wird sich nicht ändern. Nichts, was dir passiert ist, wird das ändern.“
Meine Kehle war trocken, und für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. „Ich... ich wusste nicht, dass du...“
„Ich liebe dich,“ sagte sie wieder, entschlossener. „Und wir werden das gemeinsam durchstehen, egal was passiert.“
Ich konnte es kaum fassen, und die Erleichterung überkam mich plötzlich wie eine Welle. „Marlis...“ flüsterte ich, meine Stimme brach, und ich fühlte, wie die Tränen wiederkamen, diesmal aus einem anderen Grund. Sie zog mich sanft zu sich, umarmte mich fest, und ich hielt sie genauso fest.
Wir standen da eine Weile, ohne zu sprechen, einfach nur in der Umarmung, die alle Zweifel wegwischte. Ich fühlte, wie die Last, die ich getragen hatte, langsam von mir abfiel. Sie war noch da, aber es war anders, jetzt, wo ich wusste, dass sie mich nicht verlassen würde.
Als wir uns schließlich voneinander lösten, sah ich auf und bemerkte, wie Vater uns beobachtete. Er stand am Rand des Raumes und sah uns mit einem sanften Lächeln an, als ob er gewusst hätte, wie es enden würde. Es war ein Lächeln, das Erleichterung und Stolz ausdrückte – und vielleicht auch ein Hauch von eigener Trauer, die er tief in sich begraben hatte.
Aber für diesen Moment war alles ruhig.
Eine goldene Hand
Tyrion trat leise in den Raum, das ernste Lächeln auf seinen Lippen zeugte davon, dass er uns nicht stören wollte, aber dennoch eine gewisse Dringlichkeit in seinem Blick lag. „Könnt ihr beide einen Moment entbehren?“ fragte er, und seine Augen wanderten von mir zu Vater und wieder zurück. „Ich würde gern kurz mit euch sprechen.“
Vater nickte, und ich spürte, wie er sanft eine Hand auf meinen Rücken legte. „Klar, Tyrion,“ sagte er ruhig. „Lass uns reden.“
Wir verließen den Raum und folgten Tyrion in seine Kabine. Drinnen wirkte alles ein wenig gedämpfter, das Licht war weicher, und die Atmosphäre fast beruhigend, was in starkem Kontrast zu allem stand, was wir gerade durchgemacht hatten. Wir setzten uns, und Tyrion sah mich zuerst an.
„Geht es dir ein wenig besser, Lukas?“ fragte er, seine Stimme war sanft, aber auch besorgt.
Ich nickte leicht. „Es wird... es wird besser. Es ist noch immer alles ziemlich... überwältigend, aber ja, es geht besser.“
Tyrion lächelte kurz und nickte, als ob er diese Antwort erwartet hatte. „Gut,“ sagte er dann, bevor er sich ein wenig in seinem Stuhl zurücklehnte. „Ich habe mit einigen Handwerkern gesprochen, die ich kenne, und... wenn du möchtest, Lukas, kann ich dir eine neue Hand anfertigen lassen. Eine goldene, ganz wie unsere Familie es gewohnt ist.“
Ich war einen Moment still, überrascht von dem Angebot, und dann nickte ich. „Ja, das... das wäre gut. Danke, Tyrion.“
„Wunderbar,“ sagte Tyrion mit einem breiten Grinsen, bevor er spaßeshalber hinzufügte: „Es scheint, als wäre unsere Familie dazu verdammt, sich neue Hände anfertigen zu lassen. Vielleicht wird das unser Erkennungsmerkmal.“
Vater, Tyrion und ich sahen uns an – und inmitten all der Dunkelheit und dem Schmerz konnte ich es nicht verhindern. Ein Lachen entkam mir. Ein echtes, ehrliches Lachen. Und das war ansteckend. Vater lachte mit, und auch Tyrion konnte sich nicht zurückhalten.
„Ja,“ sagte Vater mit einem Grinsen, „wir scheinen wirklich eine... interessante Familie zu sein.“ Er sah Tyrion an und fügte dann hinzu: „Du solltest besser aufpassen, dass du nicht auch noch deine Hand verlierst. Stell dir vor, wie das aussehen würde – drei Männer, nur eine Hand und eine goldene als Ersatz.“
Wir lachten wieder, und es fühlte sich fast so an, als ob für einen Moment die schwere Last der letzten Tage verschwunden wäre. Für diesen kurzen Moment waren wir nur drei Familienmitglieder, die gemeinsam lachten.
Nach einer Weile legte sich die Heiterkeit, und das Gespräch wurde wieder ernster. Tyrion lehnte sich vor und sah Vater und mich an, bevor er die Worte bedächtig wählte.
„Was Ramsay angeht… und Cersei...“ begann er, und seine Stimme war wieder ruhig und überlegt. „Sie sind beide gefährlich. Ramsay ist offensichtlich ein Sadist, und ich denke, wir alle wissen, dass Cersei das in gewisser Weise auch ist. Sie wird sich zurückziehen, wenn es für sie von Vorteil ist, aber sie ist noch nicht besiegt. Wir müssen vorsichtig sein, wie wir weiter vorgehen.“
Vater nickte zustimmend. „Cersei wird nicht aufgeben, das weiß ich. Sie hat immer noch ihre eigenen Pläne. Und Ramsay…“ Er hielt kurz inne, und ich sah, wie die Wut in seinen Augen aufblitzte. „Er wird einen hohen Preis zahlen für das, was er Lukas angetan hat.“
Tyrion sah nachdenklich aus. „Die Iron Islands sind ebenfalls ein Problem. Euron mag für den Moment nachgegeben haben, aber er ist unberechenbar. Wir müssen sicherstellen, dass wir nicht zu früh von hier abziehen und ihnen damit die Gelegenheit geben, sich wieder zu sammeln.“
„Und was sind unsere nächsten Schritte?“ fragte ich schließlich, obwohl mir der Gedanke an die bevorstehenden Kämpfe und Intrigen widerstrebte. Alles, was ich wollte, war Frieden.
Tyrion seufzte leise. „Zuerst müssen wir sicherstellen, dass du in Sicherheit bist, Lukas. Sobald wir das geklärt haben, sollten wir überlegen, wie wir Cersei und Ramsay endgültig loswerden. Aber dafür brauchen wir Geduld und Planung. Ein direkter Angriff auf die Iron Islands wäre ein Fehler – wir müssen warten, bis sich die Gelegenheit bietet.“
Es war klar, dass die Zukunft noch viele Herausforderungen bereithielt, aber in diesem Moment war ich dankbar für die Klarheit, die Tyrion brachte. Doch während er weiter über Strategien sprach, war da noch etwas, das in mir wuchs – etwas, das nicht warten konnte.
Ich sah Vater und Tyrion an, nahm einen tiefen Atemzug und sagte schließlich: „Ich muss euch beiden etwas sagen.“ Sie verstummten und sahen mich aufmerksam an. „Ich möchte Marlis heiraten.“
Es war still im Raum, aber keine unangenehme Stille – eher eine überraschte, nachdenkliche Ruhe. Tyrion war der Erste, der sich regte. „Lukas,“ sagte er langsam, „bist du sicher? Nach allem, was passiert ist…“
Ich nickte entschlossen. „Gerade nach allem, was passiert ist. Sie... sie war für mich da, als ich sie am meisten brauchte. Ich liebe sie, und ich will mein Leben mit ihr verbringen. Es gibt keine bessere Zeit als jetzt.“
Vater lächelte leise, und ich konnte den Stolz in seinen Augen sehen. „Ich bin froh, dass du das willst, Lukas,“ sagte er sanft. „Marlis ist eine starke Frau, und nach allem, was passiert ist, hast du jemanden wie sie an deiner Seite verdient.“
Tyrion nickte zustimmend. „Nun, wenn das so ist, dann sollten wir uns beeilen, bevor Cersei oder Ramsay wieder Probleme machen.“ Er zwinkerte, und ein Hauch seines gewohnten Schalks schimmerte durch.
Ich lächelte und fühlte mich, als ob ein Gewicht von meinen Schultern genommen worden war. Es gab noch viel zu tun, aber in diesem Moment war ich mir sicher: Marlis und ich würden alles gemeinsam durchstehen.
Der Antrag in Winterfell
Die Rückkehr nach Winterfell fühlte sich an wie ein Neuanfang. Der scharfe Wind, der durch die Bäume pfiff, brachte den ersten leichten Schnee des Jahres mit sich, und die steinernen Mauern der Burg wirkten wie eine Zuflucht vor allem, was wir durchgemacht hatten. Nach den Strapazen und den Schmerzen der letzten Wochen war es ein Gefühl von Erleichterung und Vorfreude, das mich durchströmte, als wir uns in der großen Halle versammelten.
Es war der perfekte Moment. Vor versammelter Runde, im Beisein von Vater, Onkel Tyrion, Sansa, Arya, Bran und meinem treuen Freund Bronn, kniete ich vor Marlis nieder. Ihr Gesicht leuchtete, als ich den Ring, der in meiner Hand lag, enthüllte und die Frage stellte, die in meinem Herzen brannte.
„Marlis,“ begann ich, während mein Herz wild schlug, „möchtest du meine Frau werden?“
Es vergingen nur Augenblicke, doch es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis sie mit glänzenden Augen und einem überglücklichen Lächeln „Ja“ sagte. Die Freude in ihren Worten war ansteckend, und der Applaus und die Glückwünsche unserer Freunde und Familie brachen aus, als wir uns umarmten. Sansa und Arya strahlten vor Freude, und sogar Bran, in seiner stillen und nachdenklichen Art, nickte zustimmend. Bronn hob seinen Becher und grinste breit. „Na endlich,“ rief er aus, „es wurde Zeit!“
Der Abend war erfüllt von Feierlichkeiten. Tyrion ließ den Wein in Strömen fließen, und jeder erhob sein Glas auf das zukünftige Paar. „Auf Lukas und Marlis!“ rief er, und alle stimmten ein, ihre Becher klingend aneinanderstoßend.
Sansa sprach ruhig mit Marlis und mir über die bevorstehenden Vorbereitungen, während Arya mit Bronn über alte Geschichten aus ihrer Reise lachte. Vater stand an meiner Seite, sah mich mit einem stolzen Blick an, und legte mir eine Hand auf die Schulter. „Ich wusste immer, dass du deinen Weg findest, Lukas,“ sagte er leise, bevor er mit Bronn und Tyrion zu einem weiteren Becher Wein überging. Es fühlte sich an wie das erste Mal seit langer Zeit, dass wir alle zusammen waren, ohne dass die Schatten der Vergangenheit über uns hingen.
Der Abend verging in einem Rausch aus Lachen, Gesprächen und Gratulationen. Als die Nacht tiefer wurde und sich der Mond über den verschneiten Himmel legte, fanden Marlis und ich uns allein auf einer der Balkone von Winterfell wieder. Der leichte Schneefall tanzte um uns herum, und das Mondlicht schimmerte auf dem weißen Teppich, der sich über die Burg gelegt hatte.
„Ich kann es immer noch nicht glauben,“ flüsterte Marlis, als sie meine Hand nahm und festhielt. „Alles, was wir durchgemacht haben... und jetzt sind wir hier.“
Ich sah in ihre Augen und spürte die Tiefe ihrer Worte. „Es war nicht leicht,“ sagte ich leise, „aber ich bin froh, dass wir es gemeinsam geschafft haben. Dass du an meiner Seite geblieben bist, bedeutet mir mehr, als ich in Worte fassen kann.“
Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter, und wir standen einen Moment schweigend da, während der Schnee sanft auf uns fiel. „Ich habe so viel Angst gehabt,“ flüsterte sie schließlich. „Als ich hörte, was dir passiert ist... ich dachte, ich hätte dich verloren.“
Ich hielt sie fester und küsste sie auf die Stirn. „Du wirst mich nie verlieren,“ sagte ich, meine Stimme voller Entschlossenheit. „Wir haben zu viel zusammen durchgestanden, um jetzt aufzugeben.“
Sie lächelte und sah mich an. „Und jetzt heiraten wir. Eine Zukunft, die ich mir nie hätte erträumen können.“
Wir sprachen noch lange über die Hochzeit, über die Pläne, die wir schmieden wollten, und die Hoffnungen, die wir für die Zukunft hatten. Der Mondschein und der sanfte Schneefall machten die Szene beinahe magisch. Es fühlte sich an, als ob in diesem Moment alles möglich war, als ob wir die Dunkelheit der Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen hatten.
For Him
For him
Während Marlis und ich über unsere Zukunft sprachen, saß mein Vater, Jaime Lannister, allein in seinem Zimmer. Die Feierlichkeiten waren für ihn ein Moment des Glücks gewesen, doch jetzt, als er allein am Tisch saß, kehrten die Sorgen zurück. Vor ihm lag ein leeres Stück Pergament, und seine Gedanken waren ganz bei Cersei.
Er wusste, dass sie sich nicht so leicht zurückziehen würde. Sie war immer ein Teil von ihm gewesen, doch in den letzten Jahren war die Beziehung zerbrochen – und dennoch hatte er immer Angst vor dem, was sie tun könnte. Besonders jetzt, da Lukas und Marlis heiraten wollten. Cersei könnte versuchen, alles zu zerstören, so wie sie es in der Vergangenheit oft getan hatte. Sie war unberechenbar, und das machte ihn nervös.
Jaime legte seine Hände vor sich auf den Tisch und atmete tief durch. Was sollte er ihr schreiben? Wie konnte er sie überzeugen, nicht zu intervenieren?
Jaime wusste, dass er vorsichtig sein musste. Jede falsche Formulierung könnte Cersei nur noch mehr provozieren. Aber er musste es versuchen. Er seufzte und griff nach einer Feder, begann langsam zu schreiben:
„Cersei, Ich weiß, dass unsere Beziehung sich verändert hat. Ich weiß, dass wir in den letzten Jahren vieles durchgemacht haben, was uns auseinandergetrieben hat. Aber ich schreibe dir jetzt nicht, um über uns zu sprechen, sondern um dich zu bitten... Lass Lukas und Marlis in Frieden heiraten. Sie verdienen es, nach allem, was geschehen ist. Und auch du verdienst Frieden. Ich will nicht, dass wir weiter in diesen Kreislauf der Zerstörung fallen. Bitte, halte dich zurück. Lass uns nicht noch mehr zerstören.“
Er hielt inne, die Worte fühlten sich schwer auf dem Papier an, aber es war die beste Möglichkeit, die er hatte.
Jaime saß still in seinem Zimmer, die Feder in der Hand, doch anstatt weiterzuschreiben, starrte er auf das Blatt Pergament vor sich. Die Worte, die er soeben niedergeschrieben hatte, fühlten sich falsch an. Er legte die Feder weg und ließ seine Hände über das Papier gleiten. Dann, entschlossen, zog er einen Strich durch die Zeilen, die er gerade formuliert hatte. Es war nicht genug. Es war nicht das, was er wirklich fühlte.
Die Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen, waren unendlich verworren. Einerseits war da seine Liebe zu Cersei – die Frau, mit der er sein Leben geteilt hatte, die ihn zu dem Mann gemacht hatte, der er war. Doch genauso stark war der Hass, der sich tief in ihm verwurzelt hatte. Der Hass auf das, was sie ihm angetan hatte. Wie sie indirekt Schuld an seinem Verlust war, der Verlust seiner Hand, seiner Freiheit. Wie sie zugelassen hatte, dass auch Lukas dasselbe Schicksal widerfuhr. Ein Sohn, den er zu lange hatte verbergen müssen.
Jaime ließ seinen Kopf in die Hände sinken. Er spürte die Last der Jahre auf seinen Schultern, die Schuld, die in jeder Narbe, jeder Entscheidung, die er getroffen hatte, mitschwang. „Warum, Cersei?“ flüsterte er leise zu sich selbst. Die Erinnerungen an die Folter, die Robb Stark und Locke ihm zugefügt hatte, fluteten zurück – das grausame, kalte Lachen, das Geräusch von Knochen, die brechen. Doch was ihn am meisten quälte, war, dass Ramsay seinem Sohn dieselben Qualen hatte zufügen lassen, dieselbe Brutalität. Und das Schlimmste war, dass er wusste, dass Cersei davon gewusst hatte. Sie hatte es in Kauf genommen.
Ramsay hatte Lukas erzählt, was Cersei mit ihm vorhatte. Wie sie ihn benutzen wollte, wie sie bereit war, ihn zu opfern. Jaime biss sich auf die Lippe, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken, doch es gelang ihm nicht. Sie rollten über sein Gesicht, heiß und schwer, während die Wut und der Schmerz ihn durchbohrten. Er hasste sie für das, was sie seinem Sohn angetan hatte – seinem Sohn, der sein eigenes Fleisch und Blut war.
Doch er liebte sie. Trotz allem. Wie konnte das sein? Wie konnte er jemanden lieben, der ihm so viel Leid zugefügt hatte? Der so viel Zerstörung hinterlassen hatte? Diese Gedanken kreisten in seinem Kopf, als er über den Tisch hinwegstarrte, ohne wirklich etwas zu sehen. Die Gefühle zerrissen ihn von innen heraus.
„Was habe ich nur getan?“ fragte er sich, die Stimme kaum hörbar. Er dachte daran, wie Lukas nach seiner Rückkehr aus dem Kerker ausgesehen hatte – zerschlagen, gebrochen, der Verlust seiner Hand ein schreckliches Echo auf das, was Jaime selbst durchgemacht hatte. Wie konnte er seinem Sohn erklären, dass er, Jaime Lannister, der selbst seinen eigenen König ermordete, zu lange zugelassen hatte, dass Cersei solche Macht über sie beide hatte? Wie konnte er sich selbst vergeben?
Und doch war er immer für Lukas da gewesen, seitdem er wusste, dass er sein Vater war. Er hatte sich gesorgt, ihn beschützt, auch wenn er nie offen zeigen konnte, dass Lukas sein Sohn war – nicht in der Öffentlichkeit, nicht in einer Welt, die eine solche Beziehung verachtet hätte. Aber jetzt war alles anders. Er hatte das Recht, ihm Vater zu sein. Und genau deshalb würde er Cersei schreiben. Nicht nur für sich, sondern vor allem für Lukas. Das durfte niemals wieder geschehen.
Mit schwerem Herzen setzte Jaime die Feder erneut auf das Papier und begann, seine wahren Gefühle niederzuschreiben. Diesmal hielt er nichts zurück.
Brief an Cersei:
Cersei,
ich weiß nicht, ob du diese Worte jemals verstehen wirst. Vielleicht hast du mich längst aufgegeben, vielleicht sind wir einander fremder geworden, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Aber ich muss dir das schreiben – nicht für dich, sondern für mich. Für Lukas.
Du weißt, was geschehen ist. Du weißt, was Ramsay ihm angetan hat. Und du weißt auch, was er ihm gesagt hat. Er hat ihm erzählt, was du vorhattest, wie du ihn manipulieren wolltest. Wie du bereit warst, deinen eigenen Sohn zu opfern, um deine Ziele zu erreichen. Ich verstehe nicht, wie du das tun konntest. Ich verstehe nicht, wie du mich so verletzen konntest – und noch weniger, wie du das Lukas antun konntest.
Du kennst meine Geschichte. Du weißt, was es für mich bedeutete, meine Hand zu verlieren, gefoltert zu werden, zu einem Krüppel gemacht zu werden. Aber das war noch erträglich – bis ich sah, wie Lukas das gleiche Schicksal erlitt. Mein eigener Sohn. Unser Sohn. Unser letztes lebendes Kind.
Cersei, ich liebe dich. Ich weiß nicht, warum das noch immer so ist, nach all dem, was geschehen ist. Vielleicht ist es, weil wir seit Beginn unserer Zeit zusammen waren. Vielleicht, weil du die Mutter meines Sohnes bist. Aber dieser Schmerz... dieser Schmerz sitzt tief. Ich habe Lukas nie offen als meinen Sohn zeigen können, weil wir wussten, wie die Welt darauf reagieren würde. Aber ich war immer für ihn da. Ich habe ihn beschützt, so gut ich konnte. Und ich weiß, dass du wusstest, was Ramsay ihm angetan hat. Das ist das Schlimmste, Cersei. Du wusstest es, und du hast nichts getan.
Lukas ist gebrochen. Ich sehe es in seinen Augen. Ich sehe es jedes Mal, wenn ich ihn ansehe. Und ich kann es nicht ertragen. Du hast mir so viel genommen – meine Hand, mein Vertrauen, mein Herz. Aber Lukas wirst du nicht nehmen. Ich werde nicht zulassen, dass du noch mehr zerstörst.
Ich bitte dich, Cersei, halte dich von der Hochzeit fern. Lass uns in Frieden. Lass uns ein Leben führen, ohne die Last deiner Pläne, deiner Intrigen. Wenn du jemals etwas für mich empfunden hast, wenn du jemals einen Funken Menschlichkeit in dir gespürt hast, dann bitte ich dich: Lass Lukas und mich in Ruhe.
Jaime
Jaime las den Brief noch einmal durch. Die Worte standen schwer auf dem Papier, jedes davon ein Schlag gegen sein Herz. Er wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht und atmete tief durch. Diesmal waren es die richtigen Worte.
Nachdem Jaime den Brief fertig geschrieben und versiegelt hatte, stand er auf, seine Hände zitterten leicht, als er das Pergament in den Umschlag steckte und den Siegelring auf das heiße Wachs drückte. Er war nervös, nicht nur wegen der Worte, die er an Cersei gerichtet hatte, sondern auch wegen der Möglichkeit, dass sie antworten könnte – oder schlimmer noch, dass sie es ignorieren würde. Der Gedanke an ihre mögliche Reaktion jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Dennoch ging er entschlossen hinaus und gab den Brief einem Boten, der ihn umgehend auf den Weg bringen sollte. Jaime sah ihm nach, als er verschwand, seine Gedanken bei der kommenden Zeit.
Währenddessen war ich, Lukas, mit Marlis und Onkel Tyrion damit beschäftigt, die Hochzeitsvorbereitungen durchzugehen. Es gab so viele Details zu besprechen: das Essen, die Gäste, den Ablauf – und Tyrion, wie immer der Pragmatiker, sorgte dafür, dass alles effizient und reibungslos ablief. Marlis wirkte überglücklich, ihr Lächeln war fast ununterbrochen auf ihrem Gesicht zu sehen, und ich konnte nicht anders, als mich von ihrer Freude anstecken zu lassen. Die Hochzeit versprach, ein wunderschönes Ereignis zu werden.