SEASON XI · KAPITEL 43

Homecoming

Mit Ramsay nach Hause

WORUM ES GEHT

Lukas' Gruppe kehrt mit dem gefangenen Ramsay nach Casterly Rock zurück, wo Ramsay selbst den kleinen Joren verhöhnt. Beim Wein erzählt Lukas Jaime von einer verstörenden Vision von dessen Tod. Weil Sansa die Angst vor einer Flucht Ramsays nicht loslässt, gehen Jaime, Lukas, Sansa und Lewyn in den Kerker, wo Sansa Ramsay nach dessen letzten Provokationen erdolcht. Am nächsten Morgen treffen Tyrion und die übrigen Gefährten ein, und alle feiern das Wiedersehen.

1

Zurück auf dem Rock

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Sansa Stark, Brienne von Tarth, Erik Stark, Lewyn Ortengryn, Bronn, Ramsay Bolton, Joren, Rina

Die Kutsche rumpelte durch das Tor von Casterly Rock. Hinter uns unsere Männer, erschöpft, gezeichnet – und im Wagen, schwer gefesselt und mit zertrümmerten Knien, Ramsay Bolton.

Wir stiegen aus. Der Hof war erfüllt vom dumpfen Hämmern der Wachen, vom Wiehern der Pferde – doch in dem Moment brach jemand aus der Menge.

Rina und Brienne liefen auf uns zu. Brienne trug den kleinen Joren auf dem Arm, ihr Blick sorgenvoll, ihre Schritte hastig.

Doch Joren selbst strahlte, als er uns sah. Seine kleinen Augen leuchteten auf, er quietschte fast vor Freude. „Papa!!“ rief er, die Stimme süß und hell, die Arme nach vorne gestreckt. „Lu!!“

Brienne lachte erleichtert, übergab ihn sofort an Papa. Jaime drückte seinen Sohn fest an sich, küsste sein Haar, seine Augen feucht vor Erleichterung.

Ich streckte die Hand nach Joren aus, und er griff sofort nach meinen Fingern, brabbelte fröhlich, als wären wir nie weg gewesen.

Sansa beugte sich zu mir, küsste mich zärtlich auf die Wange. „Ich erzähle ihnen alles“, flüsterte sie. „Vom Crossroad Inn. Vom Red Fork. Von dir.“ Ich gab ihr einen Kuss zurück, und sie lächelte – dann gingen sie mit Brienne und Rina hinein, um zu berichten.

Papa und ich setzten uns auf die steinernen Stufen am Rand des Hofes. Gemeinsam hielten wir Joren, setzten ihn zwischen uns auf den Boden. Der Kleine patschte ins Gras, spielte mit unseren Händen, plapperte unverständliche Worte.

Da trat eine Wache heran, salutierte. „Mylord, was sollen wir mit dem Gefangenen tun?“

Papa sah kurz auf, sein Blick hart. „In den Kerker. Sofort. Und mindestens drei Wachen vor der Zelle. Kein Augenblick ohne Aufsicht.“

Ich folgte seinem Blick – und da war er. Ramsay.

Er wurde von drei Männern über den Hof geschleift. Blutige Knie, ein verdrehtes Grinsen im Gesicht. Seine Augen fanden uns – und Joren.

Er begann zu lachen. „Seht euch den kleinen Engel an!“ höhnte er, seine Stimme schneidend. „So süß, so rein. Weißt du kleiner, dein Bruder Lukas und dein Vater Jaime. Sie haben Fehler gemacht. Große Fehler. Und du… wirst dafür bezahlen.“

Sein Grinsen war grausam, voller Wahnsinn.

Joren drehte sich um, sah den Mann, verstand nicht – aber spürte etwas. Angst. Er packte fester meine Finger, klammerte sich gleichzeitig an Papas Hand. Seine kleinen Lippen bebten, Tränen sammelten sich.

„Still jetzt!“ knurrten die Wachen, zogen Ramsay weiter Richtung Kellergewölbe. Sein Lachen hallte noch nach, bis er verschwand.

Joren begann zu zittern. Dann weinte er, presste sein Gesicht gegen Papas Brust. Papa hob ihn sofort hoch, drückte ihn fest an sich. Ich schmiegte mich dazu, legte eine Hand auf Jorens Rücken.

„Schhh… mein kleiner Löwe“, murmelte Papa sanft. „Hab keine Angst. Der böse Mann kann dir nichts tun. Wir beschützen dich. Denn Löwen beschützen einander.“

Ich nickte, strich über Jorens Haar. „Und wir sind stark. Papa und ich – wir haben ihn besiegt.“

Papa lächelte Joren an, seine Stimme weich, fast kindlich: „Dein Bruder war ein Held. Er hat das Monster zu Boden gebracht. Ich bin so stolz auf ihn. Und du kannst es auch sein, Joren – stolz auf deinen Bruder.“

Joren schluchzte noch, aber hob langsam den Kopf. Seine Augen glänzten, seine kleinen Finger umklammerten meine Hand. Er lauschte gebannt.

Ich grinste ihm zu, wischte sanft über seine Wange. „Es stimmt. Wir haben das Monster besiegt. Für dich.“

Ein Zucken, dann ein Lächeln. Zögernd, aber süß. Dann ein leises Lachen, brabbelnde Laute, während er sich an uns schmiegte.

Papa und ich sahen uns an – und lachten mit. Für einen Moment war alles schwer vergessen. Alles, außer wir drei.

Wir gingen gemeinsam durch die Hallen von Casterly Rock, Joren auf Papas Arm, der kleine Kopf halb im Schlaf gegen seine Schulter gelehnt. Drinnen legten wir die schweren Rüstungen ab, wuschen uns den Schweiß und das Blut des Schlachtfelds vom Körper. Bequeme Hemden, lockere Hosen – fast fremd nach all den Tagen voller Stahl.

Beim Abendessen war es stiller als sonst. Der Duft von gebratenem Fleisch und frischem Brot lag in der Luft, doch alle aßen langsamer, bedacht.

Brienne sah mich an, mit diesem stolzen, mütterlichen Blick. „Lukas… was du getan hast, Ramsay zu besiegen… das war stark. Stark und richtig. Jetzt ist er dort, wo er hingehört.“

Rina nickte zustimmend, ihre Stimme weich, aber voller Ernst. „Du hast getan, was viele von uns sich nicht einmal getraut hätten. Für Kevin, für uns alle… danke.“

Neben mir griff Sansa nach meiner Hand. Ihre Augen glänzten, doch ihre Stimme war leise, angespannt. „Ich finde nicht, dass er da ist, wo er hingehört. Ich finde, er sollte… nicht mehr atmen.“

Ich drückte ihre Hand fest, hielt sie, ließ sie wissen, dass ich verstand, ohne ein Wort zu sagen.

Nach dem Essen verteilten sich alle. Bronn zog sich seine Jacke über und grinste breit: „Ich geh in die Taverne. Ich brauch Bier, und zwar viel.“ Dann war er verschwunden.

Brienne nahm den kleinen Joren, der schon halb am Tisch eingeschlafen war, und brachte ihn ins Bett. Lewyn stand auf, gähnte, aber mit einem Buch in der Hand. „Ich gehe auf mein Zimmer. Lese noch ein wenig. Komm ruhig vorbei, Lukas, wenn du nicht schlafen kannst. Dann reden wir – oder trinken.“ Ich nickte, dankbar für die Geste.

Rina hatte bemerkt, wie angespannt Sansa war. Ihre Stimme war sanft, einladend: „Komm mit mir ins Bad. Ein wenig Wärme, ein wenig Ruhe. Wir beide brauchen das. Ich hab so Angst um Kevin – und du… du hast es auch schwer.“

Sansa sah mich an, suchte meine Zustimmung. Ich nickte ihr zu. „Geh. Es tut dir gut.“ Sie drückte meine Hand, hauchte mir einen Kuss auf die Lippen – dann ging sie mit Rina davon.

2

Wein in der Stube

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Lewyn Ortengryn, Sansa Stark

So blieben nur noch Papa und ich.

Er stand am Tisch, drehte den Kelch in der Hand. „Wie wär’s mit etwas Wein?“ fragte er, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. „Nur wir beide. In der Stube.“

Ich nickte sofort. Mein Kopf war schwer von allem, was geschehen war, und doch wollte ich diesen Abend nicht allein verbringen. „Ja… gern.“

„Gut.“ Papa griff nach der Karaffe. „Geh du schon. Ich hol den Wein.“

Auf dem Weg zur Stube kam ich an Lewyns Tür vorbei. Ich klopfte, und seine Stimme antwortete von innen: „Komm rein.“

Ich trat ein, warf mich spielerisch in eine Verbeugung. „Werte Maester – hättet Ihr Lust, Euch uns anzuschließen? Ein wenig Wein, Gesellschaft meines Vaters…“

Lewyn lachte, legte das Buch kurz auf den Tisch. „Verlockend, Lukas. Aber ich will diese Seite noch beenden. Ich komme nach. Versprochen.“

„Dann halt dich dran“, grinste ich und schloss die Tür wieder.

In der Stube setzte ich mich aufs Sofa. Weiches Leder, gedämpftes Licht von den Kerzen, das Knistern des Feuers im Kamin. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte es sich an, als könnte ich atmen.

Keine zwei Sekunden später ging die Tür auf. Papa trat herein, die Karaffe in der einen, zwei Becher in der anderen Hand. Er stellte sie auf den Tisch, ließ sich neben mich sinken und atmete tief aus.

Papa grinste, als er die Karaffe auf den Tisch stellte. „Ich hab extra den besten Wein geholt, den ich in Onkel Tyrions Versteck finden konnte. Gleich drei Flaschen.“ Ich musste lachen, nahm den Becher entgegen und trank. Der Wein war warm, schwer, so gut, dass er fast brannte – aber angenehm. „Verdammt gut“, murmelte ich, und Papa lachte nur und trank mit mir.

Wir leerten jeder zwei Becher, und als er uns erneut einschenkte, sah ich ihn an. „Ich hab Lewyn gefragt, ob er später dazukommen will. Ist das ok?“

Papa nickte sofort, nahm einen tiefen Schluck. „Natürlich. Für ihn ist es auch nicht leicht. Ramsay hat ihm und den Forresters damals Ironrath genommen. Und er sorgt sich bestimmt um Rodrik.“

Ich nickte, aber in mir zog es sich wieder zusammen. Ramsay. Seine Stimme. Die Worte, die er mir ins Gesicht gespien hatte, bevor ich ihn überwältigt hatte. Ich starrte auf meinen Becher, dann sah ich Papa an. „Ich muss dir etwas sagen… was er gesagt hat, was er dir, Sansa und Joren antun wollte. Es war… schlimm.“

Sofort legte Papa seinen Arm um mich, drückte mich an seine Seite. Er nahm noch einen großen Schluck, als müsse er Kraft sammeln. „Lukas… ich bin so unfassbar stolz auf dich. Dass du ihn besiegt hast. Ich hatte solche Angst um dich.“

Da liefen mir Tränen über die Wangen. Ich wischte sie nicht weg. Ich flüsterte nur: „Aber bevor ich das tue, muss ich dir etwas anderes erzählen. Ich hatte Bilder im Kopf. Von dir. Aber… komische. Sie passten nicht zu Ramsay.“

Papa runzelte die Stirn, sah mich an. „Was für Bilder?“

Also erzählte ich es ihm. „Es war komisch, wir waren in Casterly Rock und Brienne hat mich gerufen, weil du unten lagst und schwer geatmet hast und sie meinte dass du jetzt im Sterben liegst. Ich habe so gezittert, Arme, Beine, alles, und doch irgendwie… war ich ruhig. Du lagst seitlich, keuchend, mit Augen, in denen nur Schmerz lag und die nach Erlösung gesucht haben und du konntest dich nicht mehr bewegen oder reden, nur noch atmen. Ich hab mich neben dich gesetzt, habe deine Hand gehalten, deine Haare und Wange gestreichelt, deine Brust und Schultern. Weißt du, dieser Schmerz, den ich in dir gesehen habe, war schlimmer als alles, was ich je gefühlt habe.“

Ich sagte ihm, dass ich ihm ins Ohr geflüstert hatte, dass ich ihn liebe.

„Ich habe dir gesagt, dass du dir keine Sorgen machen musst. Dass ich alles versucht habe, dich zu retten, aber du jetzt keine Schmerzen mehr haben musst. Dass du am Meer auf mich warten sollst und dir keinen Kopf machen musst um mich. Dass ich glücklich sein werde, meinen Weg finde, auf alle aufpasse und es mir so unendlich leid tut und ich wenn ich nur gekonnt hätte, alles was du durchmachen musstest auf mich genommen hätte dafür dass du in Frieden hättest leben können und dass ich so oft so eine Belastung war mit meiner traurigen, mich selbst hassenden Art aber dass ich einen Weg finden werde klarzukommen und schöne Dinge im Leben zu finden für die es sich lohnt.

Dann hab ich dir gesagt, dass ich mich schon jetzt darauf freue, wenn du mich am Meer abholen kommst.“

Ich erzählte, wie ich danach leise gesungen habe: „Es heißt die Sorgen, bleiben dir immer fern… keiner nimmt uns die Philosophie…“ – und wie seine Atmung sich da auf einmal beruhigte. Wie ich ihm Küsse auf Stirn, Wange, Mund gegeben habe.

„Dann habe ich deine Hand gedrückt und ein letztes Mal Ich liebe dich gesagt und bin dann langsam aus dem Raum gegangen.“

Papa hielt es nicht mehr. Er brach in Tränen aus, klammerte mich so fest an sich, dass ich kaum Luft bekam. Sein Körper bebte, seine Stimme war rau und gebrochen, als er immer wieder sagte: „Ich werde dich nie verlassen. Niemals, Lukas. Nie. Mach dir keine Sorgen wegen diesem Monster. Ich beschütze dich. Immer. Für immer. Ich bin hier. Ich bin bei dir. Ich liebe dich. Ich bin so stolz auf dich.“

Ich weinte weiter, aber es war ein anderes Weinen. Eines, das etwas in mir löste. Ich hielt mich an ihm fest, hörte seinen Atem, bis wir beide wieder ruhiger wurden.

Wir sahen uns an, schwach lächelnd. Er hob den Becher, ich tat es ihm nach. Wir tranken noch einen Schluck, langsam.

Da klopfte es an der Tür. Wir richteten uns beide auf, Papa wischte sich schnell über die Augen.

Die Tür ging auf, und Lewyn trat ein. Das Gesicht müde, aber er lächelte. Ich musste grinsen, als ich ihn sah.

So saßen wir da: Papa und ich noch ganz weich von dem Gespräch – und Lewyn, der hereinkam, um sich zu uns zu setzen.

Papa begrüßte Lewyn mit einem warmen Nicken und schenkte ihm sofort einen Becher Wein ein. „Komm, setz dich.“ Lewyn ließ sich auf den Stuhl fallen, lehnte den Kopf zurück. Man sah es ihm deutlich an: er war erschöpft, von allem, was hinter uns lag. Seine Augen glasig, die Schultern schwer.

Papa sah ihn eine Weile an, dann fragte er: „Machst du dir Sorgen um Rodrik?“

Lewyn nickte nur, hob den Becher und nahm einen langen Schluck. Seine Stimme war brüchig, als er sprach. „Rodrik… er ist alles für mich. Mein Bruder, mein Blut, mein Anker. Und jedes Mal, wenn ich daran denke, was Ramsay uns damals in Ironrath angetan hat… es frisst mich auf.“ Seine Stimme senkte sich, und er begann zu erzählen – vom Tag, an dem Ramsay Snow durch Ironrath gekommen war, als hätte er das Dorf schon immer besessen. Wie er Gregor Forrester vor allen Augen getötet hatte, mit einem Dolchstoß, ohne eine Spur von Menschlichkeit. Wie er die Leute verhöhnte, die Leichen zur Schau stellte, die Kinder verspottete. „Er hat es genossen. Jede Träne, jedes Schreien, jede Bitte. Ironrath war unser Zuhause, und er hat es zu einem Albtraum gemacht.“

Ich schüttelte den Kopf, spürte, wie meine Finger sich in den Stoff meines Bechers verkrallten. „Aber jetzt haben wir ihn. Jetzt sitzt er unten.“

Lewyn hob den Blick, in seinen Augen ein Funkeln aus Trauer und Hass. „Manchmal wünschte ich, er wäre tot. Für alles, was er getan hat.“

Ich nickte langsam. „Ich auch.“

Papa sagte nichts. Er hob nur seinen Becher und trank, sein Blick ins Leere gerichtet.

Eine Weile redeten wir weiter, fast zwanghaft, als wollten wir uns gegenseitig aufheitern, ein bisschen Normalität in den Raum bringen. Das Knistern des Feuers im Kamin war unser Rhythmus, und der Wein half, die Schwere etwas zu lindern.

Dann öffnete sich die Tür. Sansa trat herein.

Ich sprang sofort auf, lief zu ihr, zog sie fest in meine Arme. „Setz dich.“

Sie ließ sich neben uns nieder. Schon auf den ersten Blick sah ich es: die Unruhe hatte sie nicht losgelassen. Papa schenkte ihr wortlos einen Becher Wein ein, während Lewyn sie fragte: „War es schön mit Rina?“

Sansa nickte, aber ich spürte sofort, dass es nur die halbe Wahrheit war. „Ja… aber…“ Ich legte instinktiv meine Hand auf ihre, und die Worte platzten aus mir heraus: „Aber du kannst mit der Situation nicht umgehen, dass Ramsay noch atmet.“

Da brach es aus ihr heraus. „Was, wenn er sich befreit?“ Ihre Stimme zitterte. „Was, wenn er es schafft? Was, wenn er wiederkommt und uns alle foltert und tötet?“

Ich zog sie sofort fest in meinen Arm. „Nein, Sansa. Unsere besten Wachen sind unten, direkt vor seiner Zelle. Er kommt da nicht raus.“

Papa nickte. „Er ist bewacht. Rund um die Uhr.“

„Ja… ich weiß.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Aber ihr wisst doch auch, was passieren würde, wenn er es doch schafft…“

Papa und ich tauschten einen Blick. Ein Blick, der mehr sagte als Worte: Sorge. Zweifel. Das Wissen, dass sie Recht hatte.

Dann hörte ich Papas Stimme, ruhig, aber mit einer Entschlossenheit, die mir sofort das Blut gefrieren ließ. „Dann gehen wir jetzt in den Kerker. Und beenden es.“

Sansa und Lewyn rissen erschrocken die Augen auf, aber in ihren Gesichtern lag kein Widerstand – nur eine wilde, fast fiebrige Zustimmung. Beide standen schon halb auf.

Ich aber starrte Papa an, schockiert. „Was?“ wollte ich sagen, aber die Worte blieben mir im Hals stecken.

„Wir gehen jetzt,“ wiederholte er. „Hol dir eine Jacke, Sansa. Im Kerker ist es kalt.“ Sie nickte sofort und eilte hinaus.

Lewyn stellte den Becher ab, seine Augen glänzten im Licht des Feuers. „Ich… muss noch kurz…“ Er deutete Richtung Tür. „Toilette.“

Papa erhob sich langsam. Ich blieb wie angewurzelt sitzen, mein Herz raste.

3

Das Ende im Kerker

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Sansa Stark, Lewyn Ortengryn, Ramsay Bolton

„Meinst du das ernst, einfach töten?“, frage ich, ohne das Gewicht der Worte groß auszumessen. Er schaut mich an, kurz verwundert. „Wie meinst du ‚einfach töten‘?“, fragt er zurück.

„Er hat Schreckliches getan“, sage ich knapp, „aber sollen wir ihn wirklich einfach töten? Wäre es nicht klüger, ihn als Geisel zu behalten? Ihn zeigen, demütigen — aber am Leben lassen?“ Ich spreche schnell, weil mir die Vorstellung von endgültiger Rache zugleich seltsam und furchterregend vorkommt.

Papa sieht mich lange an. Dann legt er seine Hände auf meine Schultern, fest, als wolle er sicherstellen, dass ich stehen bleibe. Sein Blick ist ruhig, aber schwer. „Du weißt, was er in Ironrath getan hat. Was er Lewyn und Rodrik genommen hat.“ Ich nicke, die Worte drücken sich wie Steine in meinen Brustkorb.

Er atmet tief ein. Seine Stimme wird rau, bricht ein wenig, als er weiterspricht: „Ich will mir nicht ausmalen, was er Sansa in Winterfell angetan hat.“ Seine Daumen fahren über meine Haut, beruhigend und streng zugleich.

Dann legt er den Kopf schief, so, als würde er sich an etwas Schlimmes erinnern, das immer noch in ihm schmerzt. „Und ich weiß, was er dir auf Pyke angetan hat — was er dir genommen hat.“ Seine Augen suchen meine, offen und ungeschützt. „Auch wenn… auch wenn unsere Hände wieder da sind, weiß ich, was das in dir angerichtet hat. Diese Demütigung. Dieses tägliche Gefühl, klein gemacht zu werden. Ich hab nie den Schmerz vergessen, als Locke mir die Hand nahm…“ Seine Stimme wird leiser, brüchig.

Ohne Vorwarnung zieht er mich in eine Umarmung. Seinen Körper gegen meinen zu spüren ist wie ankerndes Holz im Sturm. Er hält mich so lange, bis ich den Flüsterton in seinem Atem spüre. Ich merke, wie sehr ihn das alles bricht; seine Schultern zittern leicht.

Er redet weiter, seine Worte sind nun nur noch ein raues Murmeln an meinem Ohr. „Ich kann mir vorstellen, was Ramsay dir am Red Fork ins Gesicht geschleudert hat. Was er mit Sansa vorhatte, mit Joren, mit mir und mit dir. Ich hab den Blick in Jorens Augen gesehen, als er Ramsay sah. Diese Angst. Dieses pure Entsetzen und unser kleiner Löwe ist noch nicht mal 1 Jahr alt.“ Seine Stimme füllt sich mit einer Wut, die nicht nur für ihn, sondern für uns alle brennt. „Nach diesem Blick — und nach dem Versprechen, uns zu foltern — lasse ich dieses Monster nie wieder auch nur einen Finger auf einen meiner Jungs legen. Ich werde es nicht zulassen.“

Seine Stimme bricht plötzlich in lautes Schluchzen. Er hält mich noch fester, als könne er mich so vor der Vorstellung schützen. Tränen laufen seine Wangen hinab; seine Worte kommen zwischen den Atemzügen. „Ich hab doch gesehen, was er dir angetan hat. Ich hab gesehen, wie du gelitten hast. Ich will das nie wieder sehen. Weder bei dir noch bei Joren. Wir müssen ihn für immer stoppen. Wir müssen ihn aufhalten, bevor er noch einmal so etwas tut.“

Ich schließe die Augen, spüre seine Hitze, seine Verzweiflung, die sich mit meiner Wut mischt. Etwas in mir kippt von Erschöpfung in glühende Entschlossenheit. Die Trauer formt sich zur Wut, die Wut zur Klarheit.

Ich drücke ihn zurück, halte sein Gesicht zwischen meinen Händen und sehe ihm in die Augen. „Du hast Recht“, sage ich, und die Worte sind kurz und hart. „Er muss für alles bezahlen. Ein für alle Mal.“

Er nickt, die Umarmung löst sich kaum, und wir stehen da — ich, zerrüttet und doch fester als zuvor, er, gebrochen und gleichzeitig unerschütterlich in seinem Willen. Die Wut kocht in mir wie ein Feuer, das nicht erlöschen wird, bis es getan ist.

Wir gehen zur Kerkertür hinaus, und Lewyn und Sansa sind schon da. Sansa schlingt sofort ihren Arm um meinen, kuschelt sich an mich, als würde ihre Nähe etwas von dem Unbehagen wegdrücken. Wir gehen die Treppe hinab. Kühle Feuchtigkeit hängt in der Luft, die Fackeln werfen flackernde Schatten an die feuchten Steinwände. Unter uns knirscht das alte Holz, unsere Schritte hallen weit.

Vor der Zelle redet Papa mit den Wachen. Einer von ihnen reicht uns einen Dolch — stumm, als gäbe es keine Worte mehr, die zuträglicher wären. Er schaut zu Lewyn, zu Sansa und dann zu mir, nickt kurz. Die Wächter öffnen die Tür. Wir treten ein.

Er liegt da, zusammengerollt auf einem Strohsack, die Stille im Raum ist schneidend. Er hat geschlafen; rückt sich mühsam zurecht, überrascht vom Besuch. Sein Mund formt ein Lächeln, und sofort beginnt er, seine Stimme wie ein Gift zu spucken.

„Schaut doch, na wer ist denn da“, säuselt er, Augen glänzend vor Wahnsinn. „Der Königsmörder, sein Bastard, meine ehemalige Geliebte und irgendein Maester — alle so herrlich naiv. Na, wie geht es euch, erinnert ihr euch noch an alles was wir zusammen erlebt haben?“

Seine Worte sind Nadelstiche, gezielt, gemein. Er zieht die alten Narben auf, reibt Salz in offene Wunden. „Oh, bist du nicht der Maester aus diesem primitiven Holzdorf? Wie hieß es nochmal? Ironwood…nein Ironrath.“ Sein Ton sickert durch mich wie Eis.

Lewyn hört nicht mehr zu. Er steht auf wie eine Feder, rennt vor, hebt die Faust — und trifft Ramsay ins Gesicht. Der Kopf zuckt, Blut am Rand der Lippe, ein raues Krächzen. Ramsay lacht, spuckt Blut, macht Witze über Ironrath wie einfach er es eingenommen hat, verhöhnt uns.

Ich halte Lewyn zurück, als er nochmal losstürmen will, halte ihn fest, zische ihm ins Ohr, dass er keine Schwäche zeigen soll, dass er gleich alles was er sagt, zurückbekommt. Ramsay sieht mich an „Oh Lukas, du wirst doch wohl nicht deine liebe Sansa mit diesem Holzfäller betrügen. Ich hätte gedacht dass bei euch Lannister eher die eigene Familie das Beuteschema ist und nicht Leute vom gleichen Geschlecht aber Hey, auch ein Genie wie ich kann sich mal Irren.“ Ich spüre das Blut in meinen Ohren, das Adrenalin, das Zischen der Wut.

Papa tritt vor. Seine goldene Hand schließt sich blitzschnell an Ramsays Hals, fest wie Eisen. Die Stimmung im Raum verzieht sich, als sich ein Schalter umlegt: von Provokation auf Ende. „Es ist vorbei“, sagt Papa, die Stimme kalt und schneidend. „Alles, was du getan hast — Ironrath, Sansa, Pyke, was du mir und meinem Sohn angetan hast — es ist vorbei. Verabschiede dich von der Welt du Bastard.“ Seine Finger verhärten sich. Ich sehe den Kampf in ihm: ein Mann, der sein Innerstes zusammenzieht, um nicht über die Klinge zu springen.

Ramsay lacht, blutig; seine Spottfragen sind wie Nadeln. „Töte mich dann doch, Goldhändchen. Wird dich das erlösen? Wird es den Schmerz wegwischen, den ihr tragt? Ich habe mehr genommen, als ihr euch vorstellen könnt. Ich habe euch gebrochen. Alle von euch. Den Maester, die rothaarige Hure, die mit deinem Bastardsohn zusammen ist. Sansa was denkst du würde dein Vater, der große Ned Stark eigentlich dazu sagen wenn er noch hier wäre? Du und der Sohn des Königsmörders, den Mann den er auf den Tod gehasst hat? Er ist bestimmt enttäuscht von dir. Wie können ein Stark und ein Lannister sich lieben…“

„Halts Maul!“ schreie ich und will herantreten und Ramsay eigenhändig töten, als ich sehe, wie Papa’s Hand fester zudrückt und Ramsay beim Atmen leicht keucht. „Da siehst du es doch Königsmörder. Ich habe euch alle gebrochen. Sie nur wie dein inzestuöser Sohn reagiert, wenn man ihn mit den Fakten konfrontiert, und an deiner Reaktion merke ich auch dass eigentlich ich der bin, der euch den Atem abdrückt. Sogar dein kleiner Sohn, zur Abwechslung mal nicht mit der eigenen Schwester gezeugt, ist gebrochen. Ich habe seine kleinen Augen gesehen, sie sind so blau wie eure und ich habe in ihnen den gleichen zerbrochenen Blick gesehen.“

Ich sehe, wie etwas in Papa vor Anspannung zittert — und ich hätte Ramsay an seiner Stelle jetzt unter Qualen getötet. Doch Papa bleibt stark, er lächelt, ein kaltes, leeres Lächeln, als hätte er einen Entschluss gefasst. Dann tritt er mit voller Wucht auf Ramsays gebrochene Kniescheiben. Ramsay schreit. Es ist kein theatralischer Schrei mehr, es ist Schmerz pur, roh und laut. Er versucht seine Miene zu wahren, aber die Maske bricht, und sein Aufschrei füllt die Zelle.

Jaime tritt noch einmal zu, ohne Zögern — klar in dem, was er tut — und ich spüre, wie gezielt er es tut. Dann beugt er sich vor, nimmt den Dolch und reicht ihn Sansa. „Willst du das wirklich?“, fragt er sie. Seine Stimme ist kaum lauter als ein Hauch — aber es ist eine Frage, die ihr die Wahl lässt.

Sansa steht, ihr Gesicht ist weiß, aber in ihren Augen brennt etwas Unendliches, etwas, das all die Angst und die Wut und die Scham in Stärke verwandelt hat. Sie nickt, entschlossen. Sie geht auf ihn zu, und Ramsay lacht — ein schiefes, hohles Geräusch — versucht, Schmerz zu überspielen, versucht, Angst in uns zu säen: „Du wirst dich nie trauen. Du bist immer noch das Mädchen, das ich kannte in Winterfell… du wirst es nicht tun.“ Seine Stimme hat diesen verzerrten Humor, eine Stimme, die gern Folter als Kunst betrachtet.

Sie holt aus. Ihre Hand zittert, aber nicht lange. „Hast du letzte Worte?“, fragt sie kalt.

Er lacht. Nicht spöttisch, nicht ängstlich — nur dieses tiefe, verzerrte Vergnügen. „Wenn ihr denkt, ich sei psychopathisch, dann kennt ihr sie nicht.“ Dann tut er nichts mehr, nur noch das Lachen, das wie ein Husten klingt.

Sansa stößt den Dolch mit voller Wucht in seine Brust. Nicht einmal, nicht zweimal sondern fast unendlich oft, sodass das Blut spritzt. Die Gewalt in ihrer Bewegung ist keine Lust, sondern Befreiung. Sie sticht noch ein paar Mal nach, weil all die Worte und Bilder in ihr kochen und sie alles rauslässt. Ich gehe auf sie zu, nehme ihr die Hand vom Griff, entziehe ihr die Klinge, reiche sie Papa. Ich ziehe sie in meine Arme, halte sie. „Es ist vorbei… es ist vorbei… ich liebe dich. Ich bin so stolz auf dich.“

Sie weint, nicht nur vor Erleichterung, sondern aus einem Durcheinander von Dingen — Wut, Traurigkeit, Befreiung.

„Ich liebe dich auch“ flüstert sie mir ins Ohr.

Ich halte sie, Papa kommt neben uns, seine Schultern beben, er wirkt älter in diesem Moment. Wir stehen zusammen zwischen den Flackern der Fackeln, und die Luft fühlt sich an wie nach einem Sturm — schmutzig, gesäubert, verändert.

Keiner von uns sagt viel. Wir atmen. Die Zelle ist still, bis auf das entfernte Knarren der Riegel, das Murmeln der Wachen. Dann ziehe ich Sansa nochmal enger an mich und wiederhole mechanisch: „Er ist weg. Er ist weg.“ Sie klammert sich an mich und auch Papa und Lewyn schließen sich uns an.

4

Ohne Angst

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Sansa Stark, Lewyn Ortengryn

Wir gingen die Treppen hoch, langsam, wie nach einer langen Schlacht. Sansa sah gelöst aus, beinahe strahlend. Ihr Blick war klar, ihr Gang ruhig, aufrecht. Ich konnte spüren: Ein Teil von ihr war heute endlich frei geworden.

Lewyn atmete noch schnell, sein Körper unter Spannung. Aber seine Schultern wirkten weniger schwer als sonst. Als hätte er etwas zurückgewonnen. Ein Stück Würde vielleicht. Oder nur Ruhe.

Papa wirkte ruhig – äußerlich. Doch ich sah es sofort. Immer wenn er mich ansah, huschte dieser Ausdruck über sein Gesicht. Die Angst, dass ich das nicht verkrafte. Dass es in mir nachwirkt. Dass Ramsay einen Rest von mir zerstört haben könnte.

Zurück in der Stube füllte ich uns die Becher nach. Das Feuer knisterte wieder wie vorhin, die Luft war warm, der Wein schwer. Ich setzte mich in den Sessel, das Glas in der Hand. Für einen Moment fühlte sich alles... normal an.

Ich atmete ruhig. Das Zittern in meinen Fingern war weg. Das Adrenalin auch. Und plötzlich war da etwas Neues in mir – oder eher: etwas war verschwunden.

Die Angst.

Ich hatte Angst vor Ramsay gehabt. Lange. Pyke, meine Hand. Vor seinen Worten, seinen Plänen, seinem Blick. Aber sie war weg. Nicht mehr in meinem Nacken, nicht mehr in meinem Bauch. Fort.

Lewyn trank aus, stellte seinen Becher ab. „Ich geh schlafen“, murmelte er, und Papa nickte nur.

Sansa tat es ihm gleich. Sie leerte ihr Glas, kam zu mir, küsste mich sanft auf die Wange. „Kommst du gleich nach?“

Ich lächelte. „Ich trink nur noch aus, dann bin ich da.“

„Gut“, sagte sie leise und lächelte zurück, wirklich zufrieden, dann ging sie zur Tür. „Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“

Als sie draußen war, saß Papa mir gegenüber, die Hände locker um den Becher gelegt. Eine Weile sagten wir nichts, dann sah er mich an.

„Alles okay?“, fragte er ruhig.

Ich nickte. „Ja. Die Angst ist weg… davor, was er allen antun wollte. Was er mit Joren machen wollte. Mit Sansa. Mit dir.“ Ich trank einen Schluck. „Aber… seine letzten Worte. Was er gesagt hat. 'Wenn ihr denkt, ich sei psychopathisch, dann kennt ihr sie nicht.' Das geht mir nicht aus dem Kopf.“

Papa zog leicht die Augenbrauen zusammen, dann nahm er einen großen Schluck. „Mach dir keinen Kopf“, sagte er dann. „Wir haben ihn besiegt. Endgültig. Und wenn du ehrlich bist – kannst du dir irgendeinen Menschen vorstellen, der gefährlicher, sadistischer oder grausamer ist als Ramsay Bolton?“

Ich dachte kurz nach. Dann schüttelte ich den Kopf. „Nein. Eigentlich nicht.“

„Na also“, sagte er und hob sein Glas. Ich tat es ihm gleich. Wir leerten es zusammen.

Dann stand er auf und streckte sich. „Komm. Sansa wartet sicher schon auf dich. Und Brienne wartet auf mich.“ Er grinste, ganz leicht.

Ich stand auch auf, trat zu ihm. Er zog mich in eine feste Umarmung. Nicht lang, aber fest. Warm.

Dann trennten wir uns, er ging in den einen Flur, ich in den anderen.

Ich trat leise in unser Zimmer. Die Tür schloss ich hinter mir. Sansa lag noch nicht, sie saß am Rand des Betts, zog sich gerade die Decke zurecht. Ich setzte mich neben sie.

Sie kroch sofort zu mir rüber, schlang die Arme um mich. Ihr Kopf an meiner Schulter, ihr Atem ruhig. „Geht’s dir gut?“, flüsterte sie.

Ich nickte. „Ja… wirklich. Ich hab nochmal mit Papa geredet. Und ich bin erleichtert. Dass er weg ist. Für immer. Dass du okay bist.“

Sie sah mich an. „Ich bin okay. Wirklich. Es fühlt sich… gut an. Endlich.“ Ihre Stimme war klar, ruhig, sicher.

Wir legten uns hin. Ich zog sie an mich, hielt sie fest in meinem Arm. So schliefen wir ein – ihr Atem an meinem Hals, meine Hand auf ihrer Taille. Warm. Sicher. Leise.

5

Wiedersehen am Tor

Schauplatz: Casterly Rock · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Sansa Stark, Brienne von Tarth, Erik Stark, Bronn, Lewyn Ortengryn, Tyrion Lannister, Cengiz Martell, Nina, Lennard Baratheon, Kevin Mormont, Jorah Mormont, Dickon Tarly, Paul Lannister, Joren, Rodrik Forrester, Gyrontius Greyjoy, Rina

Am nächsten Morgen kamen wir etwas später zum Frühstück. Die Sonne schien durch die Fenster. Der Duft von warmem Brot, Käse und frischem Tee lag in der Luft.

Papa saß schon am Tisch, Brienne neben ihm. Sie fütterte Joren gerade mit einem kleinen Löffel, während er mit dem Fuß gegen ihren Arm trat. Erik und Bronn waren auch da – beide noch zerzaust, aber sichtlich gelöst. Lewyn saß ruhig da, redete mit Rina, die aufgeregt mit dem Besteck spielte. Sie alle wirkten… leichter. Befreiter.

Ich setzte mich, nahm das erste Stück Brot in die Hand, kaute. Es schmeckte salzig und weich, aber noch bevor ich den Bissen ganz heruntergeschluckt hatte, klopfte es an der Tür.

Eine Wache trat ein, die Stirn leicht verschwitzt. „Ser Jaime“, sagte er. „Lord Tyrion ist soeben eingetroffen. Mit den übrigen ihrer Freunde.“

Stille. Dann sprangen wir alle auf.

Rina ließ fast ihren Becher fallen, wäre umgekippt, hätte Sansa sie nicht gehalten. Brienne stellte den Löffel ab und hielt sie am Arm. Rina atmete schnell. Tränen stiegen ihr in die Augen.

Lewyn sah wie eingefroren aus. Aber man sah es in seinen Fingern – sie zitterten. Bronn trat zu ihm, legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ich hab gesehen, wie Rodrik gekämpft hat, Junge. Der kommt zurück. Ganz sicher.“

Ich hob Joren hoch, der in die Hände klatschte. „On…kel“, rief er fröhlich – oder etwas, das wie „Onkel“ klang. Als er „Tyrion“ hörte, lachte er.

Ich sah Papa an. In seinem Gesicht lag Erleichterung – tief und ehrlich. Sein Bruder lebte. Das allein ließ ihn atmen.

Dann bewegten wir uns alle Richtung Tor. Das große Platzpflaster vor Casterly Rock glänzte im Morgenlicht. Dort standen sie.

Wir traten hinaus auf den Platz vor dem Tor. Die Morgensonne lag golden auf dem Stein, und der Wind vom Meer trug salzige Luft mit sich.

Da standen sie.

Cengiz. Nina. Tyrion. Lennard. Kevin. Jorah. Dickon. Rodrik. Paul.

Alle nebeneinander, gezeichnet vom Kampf, aber aufrecht. Ihr Anblick traf mich mit voller Wucht. Wie ein warmer Schwall, der alles für einen Moment auslöschte – Angst, Wut, Müdigkeit. Nur noch Freude.

Sansa neben mir schnappte hörbar nach Luft. Rina weinte leise. Brienne hatte ihre Hand auf Papas Arm gelegt, als würde sie sicherstellen, dass das hier kein Traum war.

Und dann liefen wir.

Wir rannten einfach los. Keine Ränge, keine Titel. Nur Menschen, die einander vermisst hatten.

Wir fielen uns in die Arme. Durcheinander. Laut. Schnell. Cengiz und ich umarmten uns so fest, dass ich hörte, wie er kurz den Atem verlor. Tyrion klopfte mir auf die Schulter und zog mich dann doch direkt an sich. Lennard nahm mich und Sansa gleichzeitig in den Arm, küsste sie auf die Stirn. Brienne und Jorah hielten sich lange und sagten kein Wort. Paul stand einfach da und ließ sich von Erik überrennen, der sich sofort an ihn klammerte. Rodrik und Lewyn packten sich gegenseitig, ihre Stirnen gegeneinander gedrückt, Tränen stumm. Rina fiel Kevin in die Arme und sagt ihm wie sehr sie ihn liebt.

Alle redeten durcheinander. Jeder erzählte, was passiert war – Cengiz von der Kapelle, Nina vom Zepter, Kevin vom Fluch, Dickon von Eurons Schiffen, Paul von Gyrontius, Tyrion von Qyburns letzten Worten. Papa umarmte Tyrion, als hätte er ihn aus einer anderen Zeit zurückbekommen.

Dann beruhigte sich alles. Der Lärm wurde leiser. Wir gingen gemeinsam hinein.

Und kurz bevor wir die Halle betraten, war es Sansa, die innehielt, sich zu uns umdrehte – und laut sagte:

„Ich habe Ramsay gestern getötet. In der Zelle. Für das, was er uns allen angetan hat. Für das, was er drohte Joren, Jaime, Lukas, Lewyn und mir anzutun.“

Alle blieben stehen.

Mir stockte der Atem. Für einen Moment war da wieder dieses Bild in meinem Kopf – das Blut, ihr Gesicht, seine Worte. Ich schluckte.

Aber dann nickten alle. Einer nach dem anderen. Und keiner widersprach. Niemand sagte etwas dagegen. Es war richtig gewesen. Und wir alle wussten es.

Die Stimmung veränderte sich nicht. Wenn überhaupt, wurde sie fester. Geschlossener. Wir gingen weiter, hinein in die große Speisekammer. Dort roch es nach frischem Fleisch, Kräutern und Brot. Die Wärme der Küche lag in der Luft.

Kevin kam zu mir, als ich mir gerade ein Glas Wasser einschenkte. Seine Stirn war gerunzelt, aber sein Ton ruhig.

„Ich hab ihn schlafen gelegt“, sagte er leise.

Ich blinzelte. „Wen?“

„Gyrontius. Mit der Mixtur, von der ich dir mal erzählt hatte. Hat ihn für ein paar Tage ausgeschaltet… Er ist in einer geschützten Zelle. Und… Lukas, ich glaube, er ist verflucht. Das, was er am Green Fork getan hat, sein Schwert… das war nicht nur Wille. Da ist mehr. Etwas Dunkles.“

Ich nickte langsam. „Ich schau nachher nach ihm“, sagte ich.

In dem Moment traten Tyrion und Cengiz zu mir. Cengiz grinste leicht, aber sein Blick war ernst. Tyrion kam direkt zur Sache.

„Lukas“, sagte er. „Kannst du mitkommen? Wir müssen etwas nachsehen.“

Ich sah ihn an. „Klar. Was los?“

„Hol deinen Vater und Lewyn. Ich geh mit Cengiz schonmal vor. Wir sind oben in meinem Zimmer. Nina wartet schon.“

Nina? Ich sah verwundert zur Treppe. Und tatsächlich – sie war nach dem ersten Wiedersehen direkt nach oben gelaufen.

Tyrion und Cengiz gingen. Ich trank mein Glas leer, drehte mich um und machte mich auf den Weg zu Papa und Lewyn.

Ich fand Papa im Gang nahe der Galerie. Er unterhielt sich gerade leise mit Brienne, als ich zu ihm trat. „Tyrion hat mich losgeschickt“, sagte ich. „Er will dich und Lewyn oben in seinem Zimmer sehen.“

Papa runzelte die Stirn. „Worum geht’s?“

„Keine Ahnung. Aber Nina war direkt nach dem Wiedersehen nach oben verschwunden… Und Cengiz auch. Tyrion meinte, wir sollen einfach mitkommen.“

Lewyn stieß gerade die Tür zur Halle auf, als ich ihn rief. Auch er drehte sich sofort um und nickte, als ich es ihm erklärte.

Wir gingen die große Treppe hoch, vorbei an dem Gemälde von Lannisport, das schon immer schief hing. Die Tür zu Tyrions Zimmer stand nur einen Spalt offen. Ich spürte eine seltsame Spannung, kaum dass ich davor stand.

Ich drückte sie auf.