SEASON X · KAPITEL 42

Battle of the Red Fork

Lukas gegen Ramsay

WORUM ES GEHT

Am Red Fork kämpfen Lukas, Jaime, Bronn und Erik gegen die Bolton-Armee, bis gefälschte Rufe Lukas allein in den Wald locken. Dort hält Ramsay ihn nieder und droht ihm und seiner Familie mit Folter, doch Lukas überrascht ihn mit Lachen, zertrümmert ihm die Knie und schlägt ihn bewusstlos; Jaime, geleitet von Aurelion, findet ihn mit Bronn und Lewyn. Ramsay wird gefangen genommen, die Boltons ziehen ab, und die Gruppe fährt nach Casterly Rock. Am Blue Fork erwacht Zireael auch für Cengiz, Qyburn spricht eine rätselhafte Prophezeiung und verschwindet. Am Green Fork kämpfen Rodrik, Paul, Kevin, Jorah und Dickon gegen Eurons verfluchten Sohn Gyrontius; nach Qyburns Warnung flieht Euron, und Kevin betäubt Gyrontius mit einem Schlaftrank.

1

Ansturm der Boltons

Schauplatz: Red Fork · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Bronn, Erik Stark, Sansa Stark, Lewyn Ortengryn, Ramsay Bolton

Sie kamen wie eine Lawine.

Die ersten Pfeile schnitten durch die Luft, gefolgt vom gellenden Gebell der Hunde. Dann brandete die Bolton-Armee gegen unseren Hang, schwarzes Eisen, rote Stoffe, rasende Gesichter. Männer schrien, Schwerter zuckten, Rüstungen krachten.

Ich stand zwischen Papa, Bronn und Erik. Und wir warteten nicht.

„JETZT!“ rief Papa – und wir stürmten los.

Der erste Bolton-Mann schrie noch, bevor ich Argentus durch seine Rüstung trieb. Ich spürte die Reaktion meines Schwertes – ein Flackern, ein Puls, als ob es wusste, dass es um Papa ging. Neben mir sprang Erik in einen Hieb, duckte sich, streckte einen zweiten Gegner mit einem gezielten Schnitt über die Brust nieder.

Papa war reines Feuer.

Aurelion glühte in seiner Hand, goldenes Licht zuckte durch den Dunst, während er sich durch drei Männer schlug, mit der Präzision eines Tänzers und der Wucht eines Löwen. Er drehte sich, wich einem Speer aus, streckte seinen Gegner mit einem brutalen Rückhandschlag nieder und warf dann einem weiteren Kämpfer sein Knie in den Brustkorb.

Bronn lachte. Ernsthaft lachte. „Na los, ihr Feiglinge, einer nach dem anderen!“

Er und Papa kämpften Rücken an Rücken – einmal wich Bronn zur Seite, und Papa trat exakt im selben Moment nach vorn, hieb einen Gegner in die Knie, während Bronn dem nächsten die Kehle durchschnitt. Es war eine Choreografie aus reiner Erfahrung, reiner Wut.

Ich und Erik folgten dicht hinter ihnen, hielten die Mitte. Jede Sekunde krachte ein neues Leben gegen unsere Klingen. Ein Mann mit Axt rannte auf mich zu – ich parierte, trat ihm in den Magen, drehte mich und ließ Argentus durch seine Seite gleiten.

„LUKAS, ZWEI LINKS!“ rief Erik. Ich drehte mich, riss den Schild hoch, blockte. Erik kam unter meinem Arm durch, streckte den Ersten nieder, während ich den Zweiten entwaffnete und zu Boden schlug.

Es war, als wären wir eins.

Doch dann – der Nebel verschob sich.

Nicht der vom Himmel. Sondern der in unseren Reihen.

Papa und Bronn kämpften sich weiter in Richtung des Waldrandes. Ich sah noch, wie Aurelion aufflackerte, als Papa zwei weitere Männer niederschlug. Dann verschwand er hinter einem Banner, und Bronn mit ihm. Ich wollte rufen – doch die Schlacht war zu laut. Erik und ich standen noch in der Mitte des Hügels, keuchend, die Schwerter blutig. Sansa und Lewyn waren direkt hinter uns, am Rand des Lagers, von einer Gruppe Soldaten beschützt.

Ich wollte gerade zu ihnen zurück – als ich es hörte.

Ein Brüllen. Kein Tierlaut. Kein Menschenschrei. Etwas Dazwischen. Wild. Rasend.

Dann: „LUKAS!“

Bronns Stimme. Schmerzverzerrt.

Und direkt danach:

„ER IST HIER!!“ Papa. Laut. Klar. Durch Mark und Bein. „RAMSAY IST HIER!!“

Mein Herz fror ein.

Ich drehte mich zu Erik – sein Blick war genauso starr wie meiner.

„Das… das war Papas Stimme… und Bronn‘s“, flüsterte ich. Meine Stimme klang wie durch Watte.

Erik sah mich an, ernst, ruhig. Die Klinge in seiner Hand zitterte leicht. „Und wenn’s eine Falle ist?“ fragte er.

„Ich weiß es einfach“, sagte ich. Meine Stimme bebte. „Ich weiß, dass er da ist. Und ich muss hin. Ich muss sie beschützen.“

Erik nickte langsam. Dann sah er über die Schulter zurück. „Ich bleib hier. Bei Sansa. Bei Lewyn. Ich pass auf.“

Ich legte ihm kurz die Hand auf die Schulter – wir tauschten keinen weiteren Satz. Nur einen Blick. Einen, in dem alles gesagt war.

Dann rannte ich los. Runter vom Hügel. Hin zum Wald. Hin zu dem Mann, der mir alles genommen hatte. Und zu dem Vater, der mir alles bedeutete.

2

Die Falle im Wald

Schauplatz: Red Fork · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Bronn, Erik Stark, Sansa Stark, Lewyn Ortengryn, Ramsay Bolton

Ich rannte. Die Schlacht hinter mir, der Wald vor mir – ein einziges Flimmern aus Angst, Wut und Entschlossenheit. Mein Atem brannte in der Kehle, meine Beine schmerzten. Doch ich hielt nicht an.

Dann hörte ich es. Ein Ächzen. Gequält. Tief. Ein Stöhnen, das sich anfühlte wie ein gebrochener Brustkorb.

Dann – „BRONN!!“ Papas Stimme. Verzweifelt. Laut. Als hätte man ihm die Luft aus dem Leib gerissen.

Und dann kam es. Ein Lachen. Nicht eines. Mehrere. Und mittendrin: dieses eine, grausame, verspielte Lachen, das ich nie wieder vergessen würde. Ramsay.

Mein Blut kochte. Ich biss die Zähne zusammen und rannte schneller, schob mich durch Zweige, über Wurzeln, durch Schlamm und Schatten. Jeder Schritt war ein Schlag gegen meine Angst.

Zurück am Lager, auf dem Hügel, trat Erik zu Sansa und Lewyn, der sich gerade die Rüstung richtete.

„Lukas ist los. In Richtung Wald. Er hat Jaime und Bronn gehört – sie schrien, dass Ramsay dort ist.“

Sansa schluckte. Ihre Augen weiteten sich. „Was?! Allein?!“

„Ich bleib bei euch“, sagte Erik sofort, sein Blick entschlossen. „Er weiß, was er tut. Und ich halt euch den Rücken frei.“

Doch dann – bewegte sich etwas aus dem Dickicht.

Zwei Gestalten. Verschwitzt, verletzt, aber lebendig. Jaime und Bronn.

Sie rannten auf sie zu, taumelnd, die Rüstung zerkratzt und die Kleidung zerrissen, Wunden an der Schulter und Stirn. Bronn blutete leicht aus einer Schnittwunde an der Wange, Jaime aus einer über der Augenbraue und hielt sich die Seite.

„Wo ist Lukas?!“ rief Jaime sofort, kaum bei ihnen angekommen.

Erik sah ihn verwirrt an. „Was meinst du? Ihr habt doch gerufen – aus dem Wald. Ihr habt doch geschrien, dass Ramsay da ist…“

Jaime erstarrte. Sein Gesicht verlor jede Farbe. Er senkte den Blick – auf Aurelion, das an seinem Gürtel hing. Es pulsierte. Wie ein Herz. Wie ein Warnsignal.

Seine Augen wurden glasig, feucht. „Oh Götter…“ flüsterte er. Dann sah er Erik direkt an, mit einem Ausdruck, der alles sagte, was Worte nicht mehr tragen konnten. „Es war nicht unsere Stimme“, keuchte er. „Es war eine Falle.“

Erik wich einen Schritt zurück. „Was?! Aber… ich…“

„WO GENAU IST ER HIN?!“ Jaime packte ihn am Arm, schüttelte ihn fast.

„Nach Nordwest, durch das erste Buschband, dann weiter über den Hang, wo die alten Steine sind – da hab ich ihn zuletzt gesehen“, antwortete Erik sofort, nun selbst panisch werdend.

Jaime ließ los, wirbelte herum. „LUKAS!!“ brüllte er in den Wald hinein, dann rannte er los. Bronn hinter ihm, fluchend und gleichzeitig seine Klinge nachziehend.

Lewyn zögerte. Er sah zu Erik – dann zu Sansa, die vor Schock kaum atmete.

„Schaffst du das hier alleine?“, fragte er leise, aber fest. „Ich muss ihm helfen. Ich muss.“

Erik nickte. „Lauf. Ich halt sie sicher.“

Lewyn verbeugte sich knapp, griff sein Schwert fester – und rannte ebenfalls los, hinter Papa und Bronn her, hinein in den Wald, hinein in die Falle.

Ich rannte weiter. Der Boden unter meinen Füßen war weich, die Zweige kratzten an meinen Armen, aber ich spürte nichts mehr außer das dumpfe Pochen meines Herzens. Mein Atem war unregelmäßig, zu schnell, mein Blick flackerte von Schatten zu Schatten.

Dann – ein Schrei. Zerreißend. Rau.

„LUUUUUUUKAS!!“ Papa.

Ich stockte. Es kam weiter vorne, gedämpft durch Bäume, aber eindeutig seine Stimme. Dann – Ramsay.

Seine Stimme schnitt wie rostiges Eisen durch die Luft. „Oh, du armer hübscher Ritter… Das tut weh, nicht wahr? So viel Hoffnung… und so wenig Sinn.“

Ein weiteres Keuchen. Ein Laut voller Schmerz. Körperlich. Menschlich.

Ich spürte, wie mir die Tränen kamen. „Nein… bitte nicht…“, flüsterte ich.

Dann sah ich ihn. Etwas lag auf dem Boden. Ein Körper. Regungslos. Die Umrisse stimmten. Die Haltung. Der Umhang. Das Haar.

Papa.

„Nein. Nein nein nein…“ Ich verlangsamte meinen Schritt. Jeder Meter fühlte sich an, als würde ich durch Lehm waten. Mein Herz schlug nicht mehr – es hämmerten Erinnerungen durch meinen Brustkorb.

Ich kam näher. Er lag auf dem Bauch. Blut über seinem Rücken. Seine rechte Hand ausgestreckt – die goldene, glänzende Fälschung. Ich konnte nicht atmen.

Ich fiel auf die Knie. „Papa…?“

Mit zitternden Händen drehte ich den Körper um – und dann brach die Welt.

Es war nicht Papa.

Es war… etwas Anderes. Ein entstellter Körper, verformt, entstellt, aber perfekt getäuscht. Die Rüstung. Die Haare. Das Blut. Und dann – als ich ihn drehte – flüsterte es:

„Ich hab dich lieb… mein kleiner Löwe.“

In Papas Stimme.

Ich schrie.

Ich fiel zurück, kroch rückwärts, weg von dem Ding, mein Rücken riss über den Waldboden, meine Finger suchten nach Halt. Argentus entglitt mir, glitt zur Seite in den Schlamm.

Das Wesen auf dem Boden begann zu vibrieren – und zerfiel. Zu Staub. Ein letzter Hauch – wie das Ausatmen einer Erinnerung – und es war weg.

Ich starrte auf den leeren Boden. Meine Hände zitterten. Mein Blick verschwamm.

Ich war allein.

Und ich verstand.

„Eine Falle…“, keuchte ich.

Ich streckte die Hand nach Argentus aus – und da war er.

Ramsay.

Wie aus dem Nebel geschossen, trat er mir mit voller Wucht ins Gesicht. Meine Welt flackerte. Ich krachte zurück, auf den Rücken, Sterne vor den Augen. Schmerz durchzuckte meine Nase, meine Lippen platzten auf. Argentus flog zur Seite, tief ins Unterholz.

Ramsay lachte.

„HAH! Oh Götter… dein Gesicht… dein Gesicht!“ Er trat mir gegen die Schulter, sodass ich aufstöhnte, und stieß dann gegen mein Bein. „So einfach war das. So verdammt einfach.“

Er beugte sich zu mir runter, seine Züge verzerrt, das Grinsen krankhaft breit. „Du würdest wirklich alles für ihn tun, nicht wahr? Für deinen lieben kleinen Papa. Du bist ja schlimmer als Sansa.“ Er spuckte neben mich in den Dreck. „Und das Beste? Du hättest den Rest da oben retten können. Deine kleine Freundin. Deine hübschen Freunde. Aber nein… der Löwenjunge kommt zu Papa gerannt.“

Ich versuchte, aufzustehen – „HALT’S MAUL!“ – meine Faust schnell, doch er war schneller.

Ein Tritt in den Bauch. Luft entwich mir. Ich krümmte mich, keuchte, schnappte nach Atem.

Er setzte sich auf mich, die Knie auf meinen Armen, drückte mich brutal in den Boden. Sein Gesicht war direkt vor meinem. „Und jetzt, kleiner Löwe… Jetzt zeig mir doch mal, was du bist. Du bist nicht er. Du bist du. Und ich bin gespannt, wie brüllend du wirklich bist, wenn man dir alles nimmt.“

Sein Grinsen wurde langsamer. Tiefer. Zielgerichtet. Und in seinen Augen… da war nichts. Nur Hunger.

3

Das Lachen des Löwen

Schauplatz: Red Fork · Lukas Lannister, Ramsay Bolton, Jaime Lannister, Bronn, Lewyn Ortengryn

Jaime, Bronn und Lewyn rannten durch das Dickicht. Die Äste peitschten gegen ihre Gesichter, das Unterholz wurde dichter, die Dunkelheit tiefer – doch keiner hielt an. Nicht für eine Sekunde.

Dann – ein Flackern.

Aurelion. In Jaimes rechter Hand. Die Klinge glühte. Zuerst nur schwach – dann stärker. Ein rhythmisches Pulsieren, als ob sie einen eigenen Herzschlag hatte. Die silbernen Adern entlang des goldenen Stahls zuckten wie Blitze unter der Oberfläche.

Jaime blieb stehen. Sein Blick fiel auf das Schwert – und er verstand.

„Er ist verletzt…“ flüsterte er. Sein Herz zog sich zusammen. „Er ist in Gefahr. Aurelion… du fühlst ihn.“

Die Klinge gab ein leises Sirren von sich. Fast wie ein Flüstern. Ein Ziehen. Nicht nach unten. Nicht nach oben. Sondern nach vorn. In eine bestimmte Richtung. Wie ein Licht inmitten eines schwarzen Raums.

„Dort.“ Jaime deutete, die Stimme fest. „Lukas ist dort.“

„Na dann los, du alter Löwe“, knurrte Bronn. „Lass uns dem Bastard zeigen, was es heißt, wenn man sich mit uns anlegt.“

Sie rannten weiter – Aurelion glühte mit jedem Schritt heller.

Er war noch immer über mir. Sein Knie auf meiner Brust. Seine Augen keine Augen, sondern dunkle Spiegel aus Wahn und Gier. Ich versuchte, mich zu befreien – aber meine Muskeln versagten. Alles tat weh. Alles war zu viel.

Ramsay grinste. Langsam. Sein Blick glitt über meinen Arm – und blieb an meiner rechten Hand hängen.

Der goldenen. Magisch. Beweglich. Wieder lebendig.

„Oooh… was haben wir denn da?“ Er beugte sich näher, fast schon ehrfürchtig. „Der kleine Mormont-Bastard hat also einen netten Zauber gefunden… um zu reparieren, was ich dir genommen hab.“

Er lachte. Es war kein normales Lachen. Es war das Lachen eines Jungen, der eine Fliege bei lebendigem Leib auseinandernimmt. „Ich erinnere mich noch genau, wie du damals geschrien hast. Auf Pyke. In dem Kerker. Als du gedacht hast, du stirbst. So jung, so stark, so gebrochen.“

Ich keuchte, drehte den Kopf weg. Aber er zwang mich, ihn wieder anzusehen.

„Weißt du noch, wie warm das Blut war? Ich schon. Ich weiß auch noch, wie deine Stimme geklungen hat, als du nach Jaime gerufen hast. Wie ein Kind, das weiß, dass niemand kommt.“

Dann wurde sein Grinsen noch breiter. „Aber… deine Hand ist jetzt wieder ganz, nicht wahr? Wie seine vermutlich auch. Ich hab gehört, Locke war nicht besonders vorsichtig damals, nicht so wie ich bei dir.“ Er spuckte auf den Boden. „Aber hey… das ist doch gut. Dann hab ich mehr, was ich euch wieder nehmen kann.“

Ich spuckte ihm ins Gesicht. Ein verzweifelter Akt. Ein letzter Rest Mut.

Er zuckte nicht mal. Dann – ein harter Schlag mit der flachen Hand gegen meine Wange. Ich schmeckte Blut, spürte das Brennen.

Er lachte.

„So ist’s besser. Genau das will ich sehen. Die Verzweiflung. Der Mut. Der Schmerz.“

Dann richtete er sich ein Stück auf, hockte sich auf meine Hüfte, legte beide Hände auf meine Brust – als wolle er spüren, wie mein Herz rast. Seine Stimme wurde leiser. Dunkler. „Weißt du, was ich mit dir machen werde? Ich brech dir erst beide Beine. Nicht mit einem Schwert. Sondern mit einem Stein. Langsam. Damit du jeden Knochen spürst.“

Ich wollte schreien. Ich schüttelte den Kopf. Doch mein Körper war gefangen.

„Dann werde ich dir einen Finger nach dem anderen abtrennen. Nicht abschneiden – abreißen. Damit du wieder daran erinnert wirst, wie es war, als du gegen mich zum ersten Mal verloren hast.“

Seine Stimme vibrierte vor Lust. „Und danach… lass ich dich leben. Weißt du warum?“ Er beugte sich wieder ganz nah zu meinem Gesicht.

„Damit du siehst, was ich mit ihm mache.“

Mein Herz hörte fast auf zu schlagen.

„Jaime. Dein goldener Papa. Ich werde ihn langsam aufschlitzen. Erst am Rücken. Dann an den Armen. Ich werde seine Zunge rausschneiden und ihm sagen, dass er dich nicht retten wird. Und wenn er weint – oh, und das wird er – werde ich dich zwingen zuzusehen, wie ich ihm Stück für Stück alles nehme.“

Ich zitterte. Tränen schossen mir in die Augen. Ich rang nach Luft.

„Und wenn ich mit euch fertig bin…“, fuhr Ramsay fort, als wäre es ein Gedicht, „…dann besuche ich Sansa. Und deinen kleinen Bruder Joren. Und ich schwöre dir… sie werden dich hören, wie du nach ihnen schreist. Und sie werden schreien. Und schreien. Und du wirst es nicht verhindern können. Denn du wirst zusehen. Mit gebrochenem Leib. Und offener Seele. Was ich ihnen antun werde.“

Ich schrie auf. Tränen liefen mir übers Gesicht. Ich versuchte, mich zu befreien. Alles in mir kämpfte. Ich spannte jeden Muskel an, wand mich unter ihm, trat, stieß, biss mir auf die Zunge vor Schmerz.

Doch ich kam nicht frei.

Ramsay saß noch immer auf mir, sein Gewicht wie ein Kerker, seine Knie in meinen Rippen. Sein Grinsen war so breit, dass es schon schmerzte, ihn anzusehen. Ich spürte mein Herz rasen, den Boden unter mir, das Pochen in meinen Schläfen.

Und dann… kam es. All der Schmerz. All die Bilder.

Pyke. Der kalte Stein. Sein Lachen, als er mir die Hand nahm. Seine Worte:

„Weißt du, es freut mich sehr, dass ich dir dasselbe antun konnte, was Locke deinem Vater angetan hat. Jetzt seid ihr beide... nichts.“

Und dann wieder sein Spott von eben: „Aber… deine Hand ist jetzt wieder ganz, nicht wahr? Wie seine vermutlich auch. Ich hab gehört, Locke war nicht besonders vorsichtig damals.“

Locke. Ich erinnerte mich daran, wie ich ihn getötet hatte. Wie er gefallen war. Wie ich mir schwor, niemals wieder so schwach zu sein.

Ich kann Papa nicht verlieren. Nicht Sansa. Nicht Joren. Ich darf nicht. Ich werde nicht.

Etwas in mir veränderte sich. Nicht Angst. Nicht Wut. Etwas… anderes.

Ich schloss die Augen. Atmete einmal tief durch. Und als ich sie öffnete, hob sich mein Mundwinkel. Ein Grinsen. Erst leise. Dann breiter. Und plötzlich lachte ich. Langsam. Tief. Ein Lachen, das von innen kam, das den Schmerz in Spott verwandelte.

„Hahah… hahahaha…“ Immer lauter. Immer fremder.

Ramsay blinzelte. Das Grinsen in seinem Gesicht flackerte. Er neigte den Kopf, wie ein Hund, der ein neues Geräusch hört. „Was zur Hölle…?“ murmelte er. Dann lauter: „Warum lachst du, kleiner Löwe? Glaubst du etwa, das hier ist ein Spiel? Hältst du das für lustig?“

Ich lachte weiter. Ich hörte es selbst – es klang nicht wie ich. Es klang… wie etwas, das er kannte. Wie etwas von ihm.

Ramsay runzelte die Stirn. Er schien… verwirrt. „Sag schon! Was ist so verdammt lustig? Glaubst du wirklich, du bist wie ich? Du kannst mich nicht kopieren… du bist nicht aus meinem Stoff gemacht.“

Doch ich hörte nicht auf. Ich sah ihm direkt in die Augen, grinste ihm ins Gesicht. Und in diesem Augenblick spürte ich es: Sein Griff wurde einen Hauch lockerer. Sein Blick… wanderte. Ein Riss. Ein winziger Riss in seiner perfekten Kontrolle.

Genau den brauchte ich.

Ohne Vorwarnung holte ich aus – und mit aller Kraft, die ich noch hatte, schlug ich ihm mit meiner goldenen Hand direkt ins Gesicht.

Ein Krachen, ein dumpfer Schlag. Sein Kopf ruckte zur Seite, Blut spritzte von seiner Lippe. Für den Bruchteil einer Sekunde lag ich über ihm – nicht körperlich, sondern in der Luft zwischen uns.

Sein Blick flackerte. Und ich wusste: Jetzt hatte ich ihn überrascht.

Noch während Ramsays Kopf zur Seite riss, stieß ich ihn von mir und riss mich frei. Ich kroch durch Schlamm und Wurzeln, so schnell meine Arme und Beine mich trugen. Meine Finger griffen gierig nach dem Griff von Argentus – und als ich die Klinge umschloss, fühlte ich es.

Ein Puls. Ein Herzschlag. Nicht nur meiner – auch der meines Schwertes.

Ramsay wischte sich das Blut von der Lippe, sein Blick glühte. Dann lachte er. Laut. Heiser. „Oh, das gefällt mir. Du willst spielen, Löwenjunge? Dann spielen wir. Aber am Ende bedeutet es nur, dass du länger leidest. Mehr Schmerzen. Mehr Schreie.“

Ich lachte weiter. Ein kehliges, hartes Lachen, das ihn noch mehr irritierte. Und innerlich wusste ich: Ich verliere nicht. Nicht heute. Nicht gegen ihn.

Er zog sein Schwert, stürmte auf mich zu. Ich riss Argentus hoch, blockte – Funken stoben. Mit einem Brüllen schubste ich ihn zurück, so hart, dass er gegen einen Baum krachte. Der Aufprall ließ die Rinde splittern.

Doch Ramsay kam sofort wieder hoch. Er taumelte, keuchte, und rannte erneut auf mich zu. „Ich werde dich foltern, wie noch nie jemand gefoltert wurde! Deinen Vater, deine Sansa, deinen kleinen Joren – ich reiße sie dir Stück für Stück weg! Und du wirst dir wünschen, du hättest mich nie provoziert!“

Seine Worte brannten, aber ich hörte sie kaum. Als er ausholte, blockte ich erneut, drehte mich – und glitt hinter ihn. Mit einem Tritt krachte ich ihm in die Kniekehle.

Ramsay schrie, fiel nach vorne. Ich trat ihm mit aller Wut, allem Hass noch einmal gegen das Bein – und dann gegen das andere. Ein widerliches Knacken. Beide Kniescheiben splitterten.

Sein Schrei gellte durch den Wald. Er wand sich vor Schmerz, das Schwert fiel ihm aus der Hand. Ich trat es beiseite, ließ es weit im Gras verschwinden.

Dann beugte ich mich über ihn. Sein Gesicht war verzerrt, Schweiß und Blut mischten sich. Ich grinste. Tief. Furchtlos.

„Wie es scheint…“ flüsterte ich, mein Blick brennend in seinen. „…bist du jetzt… nichts.“

Mit aller Kraft schmetterte ich meine goldene Hand in sein Gesicht. Ein dumpfer Schlag, ein Knacken. Sein Kopf schlug zurück in den Boden – und dann war es still. Ramsay Bolton, der Mann, der mir alles genommen hatte, lag bewusstlos und gebrochen vor mir.

Ich stand schwer atmend über ihm, Argentus in der Hand, mein ganzer Körper bebend – zwischen Triumph und dem Abgrund in mir.

4

Der gefangene Bastard

Schauplatz: Red Fork · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Bronn, Lewyn Ortengryn, Sansa Stark, Erik Stark, Ramsay Bolton

Dann – Schritte. Hastig. Schwer. Zweige knackten, Laub raschelte.

Ich wirbelte herum, das Schwert noch immer erhoben.

Papa. Bronn. Lewyn.

Sie stürmten durch den Busch, außer Atem, Schweiß und Schreck in ihren Gesichtern. Und dann sahen sie mich. Mich – stehend über Ramsays bewusstlosem, blutigen Körper.

Drei Augenpaare, voller Entsetzen, Staunen – und Angst, was sie vorfanden.

„Lukas!“

Noch ehe ich mich rühren konnte, stürmte Papa auf mich zu. Sein Schwert war vergessen, Aurelion glühte nur schwach an seiner Seite. Er packte mich, zog mich weg von Ramsays bewusstlosem Körper – und dann hielt er mich.

Seine Arme schlossen sich fest um mich, so fest, dass ich kaum atmen konnte, und doch war es das Sicherste, was ich je gespürt hatte. Eine Hand presste er auf meinen Rücken, die andere fuhr durch mein Haar, streifte über meine Stirn, als wolle er prüfen, ob ich wirklich noch da war.

Ich klammerte mich an ihn. Meine Finger krallten sich in seinen Umhang, ich vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. Ich konnte nichts sagen – nicht jetzt. Alles, was in mir war erschöpft, leergebrannt, überwältigt. Also blieb ich einfach. Still. Nur in seinem Arm.

„Es ist vorbei…“ murmelte er, seine Stimme brüchig. „Es ist vorbei, mein Kleiner.“

Er hielt mich so, als würde er mich nie wieder loslassen.

Dann löste er sich ein Stück, gerade genug, damit ich in sein Gesicht sehen konnte. Seine Augen glänzten feucht, glasig, aber sein Lächeln… war echt. Voller Stolz, voller Liebe.

„Wir haben gewonnen“, sagte er. „Es ist vorbei. Und ich bin so unfassbar stolz auf dich. Ramsay wird dir nie wieder etwas antun.“

Seine Hand strich mir noch einmal durchs Haar. Ich nickte nur schwach, unfähig zu antworten, und ließ die Worte einfach in mich sinken.

Hinter uns hörte man ein Schnauben. Bronn stand über Ramsays Körper, den er bereits gefesselt hatte. Er war bewusstlos, Blut an den Lippen, die Knie verdreht.

Bronn spuckte auf den Boden und sah zu uns. „Nun, meine Königslöwen… sollen wir zurück? Den anderen den Bastard präsentieren?“

Papa und ich nickten gleichzeitig. Bronn grinste nur schief, griff nach den Stricken und begann, Ramsay wie ein Sack durch das Unterholz zu schleifen.

Wir setzten uns in Bewegung.

Nach einigen Metern spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Lewyn. Seine Augen ernst, aber warm. „Ich bin stolz auf dich, Lukas. Du hast nicht nur dich gerettet – du hast auch Ironrath gerächt. Mein Zuhause. Meine Familie. Dafür danke ich dir.“

Ich schluckte schwer. Bevor ich etwas erwidern konnte, mischte sich Bronn ein – mit rauer Stimme, schwer atmend, während er Ramsays Körper hinter sich herzog: „Junge, das war gute Arbeit. Richtig gute Arbeit. Du hast ihn da hingelegt wie ’nen Sack Kartoffeln.“

Ich atmete tief ein. Meine Finger fanden Papas Hand – ich hielt sie fest, als wäre sie mein Anker. Mit der anderen legte ich einen Arm um Lewyns Schulter.

„Ich bin so froh, dass es euch gut geht“, flüsterte ich, meine Stimme rau. „Aber… Sansa? Und Erik?“

Papa drückte sofort meine Hand. Lewyn und Bronn nickten beide, fast gleichzeitig.

„Erik passt auf sie auf“, sagte Papa. „Und unsere Männer… sie gewinnen. Wir sind nicht nur am Leben – wir sind im Vorteil.“

Ein tiefer Atemzug. Die Last auf meiner Brust löste sich. Zum ersten Mal seit Stunden, seit Tagen, vielleicht seit Jahren – spürte ich echte Erleichterung.

Die Schlacht klang ab. Schweres Atmen. Eisen, das auf den Boden krachte. Männer, die sich auf ihre Knie stützten, Schweiß und Blut auf den Gesichtern.

Und dann – ein Horn. Tief. Lang. Die Reste der Bolton-Armee zogen sich zurück, wie Schatten, die sich in die Wälder verzogen. Ohne Ramsay war ihr Wille gebrochen.

Wir liefen den Hang hinab, zurück zum Lager. Bronn schleifte Ramsay hinter sich her, dessen Beine gebrochen, dessen Gesicht geschwollen war. Am Rande des Lagers trat ein hochrangiger Hauptmann unserer Männer hervor, nahm den Strick entgegen. Ohne ein Wort warfen sie Ramsay in einen hölzernen Gefangenenwagen.

„Dauerüberwachung“, sagte Papa leise, aber mit der Autorität eines Mannes, der keine Diskussion zulässt. „Kein Auge darf von ihm weichen. Kein Essen, kein Trinken, kein Atemzug – unbeobachtet.“

Der Hauptmann nickte und schloss den Wagen.

Dann – ein Ruf aus der Menge. „LUKAS!“

Ich drehte mich um. Sansa. An ihrer Seite Erik.

Sie rannten, schoben Männer beiseite. Und dann war sie bei mir. Sie stürzte sich in meine Arme, fest, voller Zittern. Ihre Lippen fanden meine in einem langen, bebenden Kuss. Meine Hände legten sich um ihre Taille, hielten sie so nah wie möglich.

„Ich bin so froh… so froh, dich zu sehen“, flüsterte sie, Tränen in den Augen. Ihre Finger strichen durch mein Haar, über meine Stirn.

Ich atmete tief durch, meine Stirn gegen ihre gelehnt. „Es war eine Falle“, sagte ich leise. „Aber ich hab Ramsay besiegt. Er… er ist jetzt unser Gefangener.“

Sie riss die Augen auf. „Du… du ganz allein? Lukas…“

Ich nickte. „Ich hab für dich gekämpft. Für Papa. Für Erik. Für Lewyn, für Bronn. Für uns alle. Und jetzt… jetzt haben wir ihn. Und er wird büßen. Für alles.“

Ihre Hand legte sich auf meine Wange, sie sah mich an, als könne sie kaum glauben, dass ich noch hier stand.

Dann kamen auch die anderen zu uns. Erik legte mir die Hand auf die Schulter, seine Augen rot vor Erleichterung. Papa stellte sich an meine Seite, seine Hand legte sich schwer und warm in meinen Nacken. Lewyn lächelte leise, voller Ernst, und Bronn – verschwitzt, erschöpft – klopfte mir auf den Rücken, rau, aber herzlich.

Wir umarmten uns. Alle. Eng. Wie eine Familie, die gerade den Tod selbst ausgetrickst hatte.

„Wir gehen heim“, sagte Papa schließlich. „Nach Casterly Rock. Wir warten dort. Wenn die anderen überlebt haben – und das haben sie – werden sie uns finden. Ein Rabe. Oder sie selbst.“

Ich nickte, und alle anderen stimmten zu.

Wir packten, was wir noch hatten. Wenig. Schwert, Umhang, die letzten Vorräte. Das Lager war still, aber nicht leer – es war erfüllt von dem Wissen, dass wir gesiegt hatten.

Am Abend setzten wir uns in Bewegung. Eine Kutsche, die groß genug war für uns alle. Papa, Sansa, Erik, Lewyn, Bronn – und ich, zwischen ihnen.

Der Wald rauschte draußen, das Rad rumpelte über den Boden. Drinnen war es still – aber es war keine Stille der Angst mehr. Es war die Stille von Menschen, die lebten. Von Menschen, die zusammen überlebt hatten.

Und in diesem Moment – im Halbdunkel der Kutsche, mit Papas Hand auf meiner Schulter und Sansas Kopf an der anderen – wusste ich, dass es egal war, was noch kam. Wir hatten einander.

Und das war unser größter Sieg.

5

Zireael und Qyburns Rätsel

Schauplatz: Blue Fork · Cengiz Martell, Nina, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon, Qyburn

Cengiz lag noch im Matsch, der Atem schwer, die Finger zitternd. Sein Blick war auf Nina gerichtet: ihre Augen leuchteten violett, ihr Haar war schneeweiß geworden, Zireael in ihrer Hand pulsierte in einem warmen Pink.

Mit letzter Kraft rappelte er sich hoch. Er griff nach der Klinge – und als seine Hand den Griff umschloss, änderte sich alles.

Das Pink erlosch. Stattdessen strahlte Zireael nun hellblau, wie gefrorenes Licht. Auch seine Haare färbten sich weiß, seine Augen nahmen das gleiche Violett an wie Ninas.

Für einen Moment standen sie da – verändert, fremd und doch vollkommen eins mit der Waffe, die sie verband.

Im Hintergrund tobte der Kampf weiter. Lennard wirbelte Stormbreaker durch die Luft, und jeder Schlag rief Blitze vom Himmel herab. Donner grollte, Regen peitschte. Tyrion stand hinter ihm, die Armbrust gespannt, jeder Bolzen im richtigen Moment.

Dann kam ein kurzer Augenblick der Stille. Keine Mutation griff an. Tyrion blickte nach vorne – und sah Nina und Cengiz.

„Lennard… sieh hin.“

Lennard wandte sich um, und als er sie erblickte, stotterte er: „Bei allen Göttern… das… so etwas habe ich noch nie gesehen. Was… was bedeutet das?“

Tyrions Blick war ernst. „Ich weiß es nicht. Aber Zireael reagiert. Auf sie. Auf irgendetwas in ihnen. Wenn wir überleben, werde ich in Casterly Rock nachsehen. In dem Buch, in dem auch das Wissen über Argentus, Aurelion und Cor Unum steht. Vielleicht gibt es dort auch Hinweise auf Zireaels Geheimnisse.“

Doch Cengiz hatte nur ein Ziel. Sein Blick war auf Qyburn gerichtet, der noch immer am Fenster der Kapelle stand, das lila Zepter in der Hand.

Cengiz brachte Zireael in Position. „Es reicht.“

Er rannte los. „CENGIZ!“ Ninas Stimme zitterte vor Panik. „Warte!“

Doch er hörte sie nicht.

Qyburn stieß das Zepter in den Boden. Zwei riesige Mutationen brachen hervor – groteske Wesen, doppelt so groß wie ein Mann. Doch Cengiz zerschnitt sie im Vorbeigehen. Ein Atemzug, zwei Schläge, beide lagen am Boden.

Noch wenige Meter trennten ihn von Qyburn.

Da wirbelte dieser das Zepter. Rauch explodierte, verschluckte ihn – und er war fort.

Keuchend blieb Cengiz stehen, Zireael erhoben. Nina, Tyrion und Lennard erreichten ihn, Schweiß auf den Gesichtern.

Dann erschien Qyburn wieder – im zerborstenen Fenster, genau dort, wo er am Anfang stand.

Sein Zepter krachte auf den Boden. Ein Riss, ein Grollen. Alle Mutationen, die noch standen, zerfielen zu Staub.

„Zu schwach…“ zischte er. „Meine Schöpfungen waren zu schwach. Aber ihr habt mir gezeigt, wo ich sie verbessern muss. Dafür danke ich euch.“

„Du bist verrückt!“ rief Tyrion.

„Deine Kreaturen sind ein Witz!“ brüllte Cengiz. „Verbessere sie so oft du willst – ich werde sie alle vernichten!“

Qyburn lachte. Ein hohles, kaltes Lachen, das in den Knochen widerhallte.

„Ach, ihr glaubt, ihr kennt Stärke. Ihr glaubt, ihr wisst, wer Freund und wer Feind ist. Doch hört, was ihr längst vergessen habt.“

Er hob das Zepter, und seine Stimme nahm den Klang eines beschwörenden Reims an – rhythmisch, verstörend, wie ein Fluch:

„Asche ruht im Feuer, doch Feuer ruht nicht lang. Alte Flügel breiten sich, wenn Schatten neu erwachen. Blut erkennt das eigene, und Krone frisst die Krone. Wer glaubt, den Feind zu kennen, trägt ihn längst im eigenen Herz.“

Einen Moment lang schien der Nebel dichter zu werden. Ein Schatten zog sich über Qyburns Gesicht, als hätte er ein Geheimnis ausgesprochen, das keiner hören sollte.

Dann schlug er dreimal schnell mit dem Zepter auf den Boden. Klack. Klack. Klack.

Und er war verschwunden.

Der Nebel hing noch immer schwer zwischen den Hütten des verlassenen Dorfes. Nur Staub lag auf dem Boden – die letzten Reste von Qyburns Mutationen. Alles war still, als hätte jemand der Welt selbst die Stimme genommen.

Cengiz senkte Zireael. Die Klinge glühte immer noch in diesem unnatürlichen Hellblau, das seine Augen spiegelte. Neben ihm stand Nina, deren Haar weiterhin weiß war, ihre Hände zitterten. Sie blickten einander an – beide verwirrt, beide zu erschöpft, um zu verstehen, was gerade geschehen war.

„Was… ist mit uns passiert?“ flüsterte Nina.

Cengiz schüttelte den Kopf, sein Atem schwer. „Ich weiß es nicht…“

Hinter ihnen kamen Lennard und Tyrion näher, beide von Schlamm und Blut gezeichnet. Lennard wischte sich Regen aus dem Gesicht, Stormbreaker noch immer in der Hand, während der Sturm über ihnen donnerte.

„So etwas… hab ich noch nie gesehen“, murmelte Lennard, die Stimme stockend. „Eure Augen, eure Haare… die Klinge… was bedeutet das?“

Tyrion trat vor, den Blick auf Zireael geheftet, als suche er Antworten darin. „Ich weiß es nicht mit Sicherheit. Aber ich glaube, es hängt mit der Waffe zusammen. Mit Zireael. Sie reagiert nicht nur auf den Träger – sondern auf etwas Tieferes, etwas, das in euch beiden schlummert. Wir müssen zurück nach Casterly Rock. Dort gibt es ein Buch – das gleiche, in dem auch das Wissen über Argentus, Aurelion und Cor Unum steht. Vielleicht finden wir dort Antworten.“

Cengiz sah noch immer schweigend auf das Schwert. Ninas Finger griffen zaghaft nach seinem Arm.

Nach einem Moment brach Lennard die Stille. „Und… die anderen? Glaubt ihr, dass sie noch leben? Oder… was, wenn…?“

Tyrion atmete schwer aus, sein Blick ernst, aber nicht ohne Hoffnung. „Wenn sie überlebt haben – und das haben sie, da bin ich sicher – dann werden sie nach Casterly Rock kommen. Oder sie schicken uns eine Nachricht. Es ist der einzige Ort, an dem wir uns alle wiederfinden können. Es ergibt keinen Sinn, hier zu bleiben. Wir müssen zurück.“

Keiner widersprach.

Langsam packten sie ihre wenigen Sachen zusammen – Waffen, Riemen, Schilde, zerrissene Umhänge. Die Männer, die noch übrig waren, schlossen sich wortlos an.

Der Sturm ließ nicht nach, doch in der Ferne schien sich der Himmel leicht zu lichten. Die vier warfen einen letzten Blick zurück auf die Kapelle, in der Qyburn gestanden hatte – und dann wandten sie sich ab.

Der Weg führte heimwärts. Nach Casterly Rock.

6

Eurons Sohn

Schauplatz: Green Fork · Kevin Mormont, Jorah Mormont, Dickon Tarly, Paul Lannister, Rodrik Forrester, Euron Greyjoy, Gyrontius Greyjoy

Paul und Rodrik standen schwer atmend im nassen Gras. Ringsum lagen Männer – ihre Männer –, zerfetzt, reglos, niedergestreckt wie Korn nach einem Sturm.

Und dort – inmitten der Leichen – stand er. Eine Gestalt, bleich, mit einem Blick, der nicht lebendig wirkte. Augen wie leeres Glas. In seiner Hand: ein Schwert, schwarz wie Obsidian, durchzogen von roten Linien, die wie Adern über die Klinge krochen. Ein Atemzug von Verderben.

Einen Moment lang war alles still. Nur der Regen prasselte, der Fluss rauschte, der Sturm knisterte in der Ferne.

Paul und Rodrik starrten den Fremden an. Er starrte zurück. Kein Wort. Kein Laut. Nur dieser tote Blick.

„RODRIK! PAUL!“ Von der Seite kam Kevin, der im Laufschritt durch den Matsch pflügte. Seine Augen weit vor Panik. „Das ist nicht menschlich! Wir brauchen meinen Papa! Wir brauchen Dickon! Ich hol sie!“

Er rannte davon, verschwand zwischen Kämpfern und Zelten.

Da erklang ein Lachen. Ein kehliges, dunkles, schneidendes Lachen.

Euron Greyjoy trat aus dem Schatten hinter der Gestalt. Sein Umhang flatterte, nasser Stoff klebte an seiner Rüstung, sein Grinsen war breit wie das Meer.

„Beeindruckend, nicht wahr?“ fragte er höhnisch, trat näher. „Mein Sohn. Mein Blut. Mein… kleiner Sturm. Gyrontius.“

Pauls Magen zog sich zusammen. Seine Finger verkrampften sich um den Griff seines Schwertes. Rodrik warf ihm einen entschlossenen Blick zu, ein kurzes Nicken, das sagte: Wir halten stand.

Euron lachte weiter, wandte sich halb ab, als würde er über eine Laune sprechen. „Er hat irgendein Schwert gefunden. Ich weiß nicht, woher. Aber seht ihn euch an – seitdem ist er nicht mehr aufzuhalten.“ Er klopfte Gyrontius fast väterlich auf die Schulter. Der Junge – nein, der Mann – reagierte nicht. Nur dieser leere Blick.

„Nun…“ fuhr Euron fort, seine Stimme triefte vor Spott. „Zeit, dass er seinen Wert beweist. Gyrontius – kümmer dich um diesen Abschaum. Schlachte sie alle ab.“

Dann wandte sich Euron ab. Ohne Hast, als wäre der Ausgang der Schlacht längst entschieden, marschierte er zurück in Richtung seines Schiffes.

Gyrontius setzte sich in Bewegung. Er trat vor. Langsam. Schritt für Schritt. Das Schwert in seiner Hand pulsierte, jeder Atemzug schien die Luft um ihn zu verdunkeln.

Paul zog sein Schwert. Die Klinge glänzte im Regen. Rodrik tat dasselbe, seine Haltung fest, sein Blick unbeirrbar.

Nun standen sie zu zweit – gegen ihn.

Der Regen peitschte über den Green Fork. Schlamm spritzte, Schwerter krachten.

Paul und Rodrik stürmten nach vorn, Seite an Seite. Zwei gegen einen. Ihre Klingen sausten nieder, koordiniert, präzise.

Doch Gyrontius bewegte sich… zu schnell. Mit einer kaum sichtbaren Drehung wehrte er beide Schwerter gleichzeitig ab. Er glitt zurück, seine Augen leer, das Schwert in seiner Hand pulsierte unheilvoll, rote Linien zuckten über die Klinge wie lebendige Narben.

Paul holte zu einem Schlag aus, zielte auf die Schulter – doch Gyrontius blockte mühelos, drehte sich, und mit einem brutalen Stoß in die Seite schleuderte er Paul einige Schritte zurück. Der Schmerz durchzuckte ihn, doch er blieb stehen.

Rodrik griff sofort an, brüllte, schwang sein Schwert gegen Gyrontius’ Hals. Doch der Junge senkte nur leicht den Kopf – die Klinge sauste über ihn hinweg. Und mit einer einzigen Bewegung rammte er Rodrik die Schulter, sodass dieser aufstöhnte und zurücktaumelte.

Während er kämpfte, murmelte Gyrontius – tonlos, gehetzt, wie ein Mann im Fieber. „…hört auf… geht weg… ich will das nicht…“ Sein Blick blieb leer, doch seine Stimme zitterte.

Paul schnappte nach Atem, rappelte sich wieder hoch. „Verdammt… er spielt mit uns.“

Rodrik knurrte, seine Zähne gefletscht. „Nein. Er kämpft nicht mit uns – er kämpft gegen sich selbst.“

Sie griffen erneut an. Klingen kreuzten sich, Funken stoben. Paul und Rodrik umzingelten ihn, zwangen ihn zum Blocken. Für einen Moment schien es, als hätten sie ihn – dann drehte sich Gyrontius mit einer fließenden Bewegung, stieß Paul mit dem Ellenbogen in die Rippen und schlug Rodrik mit dem Knauf seines Schwertes am Helm nieder. Beide taumelten.

„…es ist langweilig…“ hauchte er. „…geht endlich…“

Sein Gesicht blieb ausdruckslos, doch sein Körper zuckte, als schmerze ihn jeder eigene Schlag.

Mit einem wütenden Aufschrei stürzte Rodrik erneut nach vorn, seine ganze Kraft in einem Hieb gegen Gyrontius’ Brust. Die Klinge traf. Der graue Umhang des Mannes flatterte – und er rutschte den kleinen Abhang hinunter, prallte im Schlamm auf.

Atemlos stand Rodrik oben, seine Brust hob und senkte sich schwer. Neben ihm stolperte Paul heran.

„Rodrik!“ rief er hastig. „Hast du irgendeine Ahnung, was mit ihm los ist?“

Rodrik sah nach unten, wo Gyrontius kniete, schwer atmend, das Schwert noch immer in der Hand. Dampf stieg von seiner Haut. Seine Augen waren leer – doch aus seinen Lippen kamen Worte, gehetzt, gepresst: „…ich… will nicht… es… tut weh… hört auf…“

Rodrik kniff die Augen zusammen. „Das Schwert. Ich glaube, es ist verflucht. Er trägt den Fluch in sich. Er will gar nicht kämpfen – das Ding zwingt ihn.“

Paul keuchte, sein Blick starr. „Was… sollen wir tun? Wenn er schon wiederkommt?“

Und tatsächlich – Gyrontius stand langsam auf. Wankend, keuchend, doch mit jedem Schritt drängte ihn die Klinge vorwärts, als würde sie ihn ziehen. Sein Gesicht verzerrte sich, als kämpfe er gegen Schmerzen, doch er hob das Schwert, seine Stimme brüchig: „…ich will nicht… aber ich muss… ihr müsst sterben…“

Rodrik packte Paul am Arm, seine Stimme fest. „Wir müssen einen Weg finden, ihn zu besiegen, ohne ihn zu töten. Und dann – den Fluch brechen.“

Sie stellten sich nebeneinander. Zwei Schwerter gegen ein Schicksal. Und Gyrontius kam wieder auf sie zu – gehetzt, gebrochen, und doch tödlicher als jeder Mann, dem sie je begegnet waren.

Der Regen strömte, die Luft zerrissen von Schreien und Klingen. Rodrik und Paul standen noch immer gegen Gyrontius.

„Hör zu!“ rief Paul keuchend, während er eine Attacke parierte, die fast seine Brust gespalten hätte. „Du musst das nicht tun! Niemand zwingt dich, wir lassen dich leben!“

Gyrontius’ Gesicht zuckte, als ob kurz etwas Menschliches aufblitzte – doch sofort verkrampfte er wieder, und das Schwert zuckte mit einem eigenen, grausamen Rhythmus. „…NEIN!… ich muss… IHR MÜSST STERBEN!!“

Er hieb wild, schneller als zuvor, und seine Klinge riss eine tiefe Wunde in Pauls Seite. Paul schrie, taumelte, konnte sich aber noch auf den Beinen halten.

„Paul!“ rief Rodrik, stürzte sich dazwischen, blockte zwei weitere Schläge, die auf Paul niedergefahren wären. „Gyrontius! Hör auf! Das Schwert… das Schwert spricht durch dich!“

Doch je mehr sie sprachen, desto schlimmer wurde es. Seine Bewegungen wurden unkontrollierbarer, sein Atem heiser, sein Blick voller Hass. „…SCHWEIGT!… ihr lügt… ICH BIN STÄRKER… ich muss es tun…“

Er stürzte sich vor, und Rodrik bekam die volle Wucht seines Schwertes ab. Die Klinge riss ihm über die Brust – Blut spritzte. Rodrik fiel auf ein Knie, knurrte, biss die Zähne zusammen, rappelte sich aber sofort wieder hoch.

Gerade als Gyrontius erneut zum Schlag ausholte – brachen drei Gestalten durch den Regen. Kevin, in der Hand ein Schwert und einen kleinen ledernen Beutel an der Seite. Neben ihm Jorah, der sofort sein Schwert erhob. Und Dickon, schwer atmend, mit grimmigem Blick.

„ZURÜCK!“ rief Kevin, als er auf sie zustürmte. Er stellte sich neben Paul und Rodrik, blockte gerade rechtzeitig einen Schlag von Gyrontius, der mit übermenschlicher Wucht niedersauste.

„Nicht töten!“ brüllte Rodrik sofort, seine Stimme heiser. „Er ist verflucht! Das Schwert zwingt ihn!“

Gyrontius’ Augen leuchteten auf, seine Züge verzerrten sich. Er schlug erneut, als wolle er jeden zerreißen, der diese Worte sprach.

Kevin drängte ihn ab, rief den anderen im Getümmel zu: „Ich habe ein Mittel! Eine Mixtur – sie lässt ihn schlafen! Für Tage, wenn er sie trinkt! Ich habe davon auf meiner Magiereise erfahren!“

„TRINKEN?!“ keuchte Paul, der kaum noch stehen konnte. „Er zerfetzt uns, und du willst ihn was trinken lassen?!“

Kevin parierte, wich zurück, sein Blick verzweifelt und entschlossen zugleich. „Es ist der einzige Weg! Wir müssen es ihm geben – sonst… sonst frisst der Fluch ihn auf und uns mit!“

Fünf gegen einen. Doch Gyrontius bewegte sich wie ein Sturm, schneller, präziser, wütender. Jede Klinge, die gegen ihn geführt wurde, traf er mit brutaler Wucht zurück. Jorah bekam einen Schnitt über die Schulter, Dickon wurde von einem Schlag gegen den Brustpanzer zurückgeworfen.

„…STERBT!… STERBT ALLE!… ICH WILL NICHT… ICH MUSS…“ Seine Stimme war ein einziges Zerren, ein Heulen zwischen Wut und Schmerz.

Rodrik, schwer blutend, schrie den anderen zu: „Dann finden wir einen Weg, ihm die Mixtur zu verabreichen! Aber haltet ihn auf – um jeden Preis!“

Sie stellten sich im Kreis um ihn, fünf Schwerter gegen einen Mann. Doch es fühlte sich an, als kämpften sie gegen ein ganzes Heer – und gegen die Dunkelheit selbst, die ihn umklammerte.

Der Regen schlug wie Peitschenhiebe nieder, der Boden war nur noch Schlamm und Blut. Fünf Schwerter blitzten gegen eine einzige schwarze Klinge – und doch war es Gyrontius, der sie zurückdrängte.

Paul holte zu einem Schlag aus, zielte auf die Hüfte. Gyrontius blockte mühelos, drehte den Griff und riss Paul mit einer Bewegung zu Boden. Dickon stürmte vor, ein Brüllen auf den Lippen – doch Gyrontius trat ihn mit einer Gewalt in die Brust, dass er keuchend durch den Schlamm rutschte. Jorah hieb von der Seite, zielte auf den Arm – Gyrontius’ Schwert zuckte wie ein Blitz, und Jorah stolperte zurück, Blut rann von seiner Schulter.

„Verdammt!“ fluchte Kevin, hob das Schwert gerade rechtzeitig, um nicht selbst aufgeschlitzt zu werden. „Der Fluch macht ihn stärker!“

Rodrik biss die Zähne zusammen, blockte mit voller Kraft – doch die Klinge von Gyrontius presste ihn nieder, Zentimeter für Zentimeter. Sein Blick war leer, sein Atem heiser, und doch kam ein gequältes Murmeln über seine Lippen: „…lasst mich… bitte… hört auf… ich will das nicht…“

Rodrik sah in diese Augen – und spürte den Wahnsinn. Dann schwang Gyrontius die Klinge hoch, bereit, ihn mit einem Hieb zu zerschmettern.

7

Qyburns Warnung

Schauplatz: Green Fork · Kevin Mormont, Jorah Mormont, Dickon Tarly, Qyburn, Rodrik Forrester, Euron Greyjoy, Gyrontius Greyjoy

Plötzlich stieg Nebel auf. Dicht, grau, kalt wie Atem aus dem Jenseits.

Alle hielten inne. Selbst Gyrontius’ Schwert blieb in der Luft hängen.

Direkt neben dem großen Schiff, auf dem Euron stand, materialisierte sich eine Gestalt. Qyburn. Das Zepter in seiner Hand pulsierte violett, sein Grinsen war irrsinnig, seine Augen groß vor Wahnsinn.

„Euron…“ hauchte er, fast wie ein Liebhaber, dann lauter, schneidend: „Meine Kreaturen am Blue Fork… sie haben versagt. Doch nicht durch eure Feinde hier – nein. Dort hat sich etwas erhoben. Etwas, das ihr nicht versteht. Eine neue Gefahr. Und sie ist auf dem Weg hierher. Ihr habt keine Chance, nicht jetzt. Wir müssen fort!“

Ein Trommelschlag. Tief, donnernd. Dann ein Horn, das über das Wasser heulte.

Euron lachte nur, breit, böse. Er hob die Arme und rief seinen Männern zu: „ALLE MÄNNER! ZU DEN BOOTEN! RÜCKZUG!“

Die Soldaten der Eisenmänner gehorchten sofort, rannten, ließen Waffen und Schilde fallen, stürmten zurück zu den Schiffen.

In diesem Moment blickte Gyrontius verwirrt nach hinten, auf seinen Vater. Rodrik und Dickon nutzten die Sekunde. Sie warfen sich auf ihn, rissen ihn zu Boden, drückten die Arme nieder.

Kevin rannte sofort heran, zog den kleinen Beutel von seiner Seite, entkorkte die Flasche. „Haltet ihn fest!“ schrie er. „Wenn er das trinkt, schläft er. Tage lang!“

Gyrontius wand sich, schrie, seine Stimme diesmal nicht leer – sondern menschlich. „VATER!! VATER, BITTE!! HILF MIR! RETTE MICH!!“

Sein Schrei gellte über den Green Fork, voller Verzweiflung, voller Schmerz.

Doch Euron wandte sich nicht einmal um. Seine Schiffe lösten sich vom Ufer, Trommeln schlugen, Segel blähten sich im Wind.

Gyrontius’ Stimme brach. Erst ein Aufbäumen, dann Schreie, dann nur noch Würgen. Rodrik und Dickon hielten ihn nieder, Kevin goss ihm die Mixtur in den Mund. Er wehrte sich, wand sich, schrie – dann wurden seine Bewegungen schwächer. Seine Augen weiteten sich, wurden glasig.

Noch einmal flüsterte er heiser: „…Vater…“ Dann sackte er zusammen.

Er schlief. Friedlich. Fast wie erlöst.

Die fünf Männer richteten sich auf, schauten einander an – voller Blut, voller Wunden, voller Angst. „Wir müssen fort“, sagte Rodrik heiser. „Qyburns Worte… was auch immer kommt – wir können hier nicht bleiben.“

Kevin nickte, seine Hand zitterte, während er das Fläschchen wegsteckte. „Nach Casterly Rock. Es ist der einzige Ort, wo wir die anderen wiederfinden können. Und wo wir stark genug sind, wenn diese… Gefahr erscheint.“

Dickon nahm Gyrontius’ bewusstlosen Körper über die Schulter, schwer, aber sicher. Sie schafften ihn in einen Gefangenenwagen, banden ihn fest, legten das schwarze Schwert in eine verschlossene Kiste.

Die fünf – verletzt, erschöpft, aber lebendig – sammelten die übrigen Soldaten. Und während Eurons Schiffe bereits in der Ferne verschwanden, wandten sie sich ab vom Green Fork.

Der Rückweg führte nach Westen. Nach Casterly Rock.