SEASON X · KAPITEL 41

Battle of the Blue Fork

Stormbreaker und Zireael

WORUM ES GEHT

Am Blue Fork kämpfen Tyrion, Cengiz, Nina und Lennard gegen Qyburns Mutationen, die immer wieder aufstehen und dazulernen. Tyrion lässt die Gruppe sich aufteilen, damit Cengiz und Nina zur Kapelle vordringen können. Stormbreaker ruft einen Sturm herbei, und Lennard hört die Stimme seines Vaters Stannis. Cengiz trifft auf eine Mutation des toten Quentyn Martell; als Nina Zireael ergreift, leuchtet die Klinge pink, ihr Haar wird weiß, und sie vernichtet das Wesen.

1

Kreaturen, die lernen

Schauplatz: Blue Fork · Tyrion Lannister, Cengiz Martell, Nina, Lennard Baratheon, Qyburn

Ein Zischen durchbrach die Stille.

Nicht von Luft – sondern von Fleisch. Ein Mutierter, kaum noch als Mensch erkennbar, sprang aus dem Nebel. Die Knochen an seinem Hals waren durch die Haut gestoßen, wie Dornen aus einem verrottenden Stamm. Er stieß ein unmenschliches Knurren aus und warf sich mit brutaler Kraft auf Tyrion.

Doch Cengiz war schneller.

Ein einziger, fließender Schnitt – und Zireael trennte den Schädel sauber vom Rumpf. Das Geräusch, das folgte, war kein Blutplätschern – sondern ein zischendes, blubberndes Kreischen, als würde Dampf aus fauligem Wasser steigen. Der Körper zuckte, fiel, regte sich noch.

„Sie stehen wieder auf“, knurrte Nina, als der eben gefallene Krieger bereits begann, sich langsam aufzurichten, das violette Leuchten in seinen Augen erneut aufflammend.

„Dann müssen wir härter zuschlagen“, sagte Lennard, drehte sich zur Seite – und Stormbreaker krachte mit einem gleißenden Blitz in eine zweite Gestalt, deren Rüstung zersprang wie Glas.

Tyrion ließ einen Bolzen fliegen – direkt ins Auge eines Wesens, dessen Gesicht nicht mehr als menschlich zu erkennen war. Der Bolzen bohrte sich tief, das Ding sackte zusammen, gurgelte – blieb liegen. Doch aus seinem Brustkorb kroch bereits etwas anderes. Ein zweites Wesen. Kleiner. Parasitenhaft.

„Qyburn, du verdammter Wahnsinniger…“, murmelte Tyrion, nachladend.

Dann hallte wieder seine Stimme von oben:

„Oh, ihr seid gut! Viel besser als meine letzten Gäste. Aber… wie lange könnt ihr tanzen, bevor euch die Beine brechen?“

Das Zepter zuckte erneut – diesmal ohne dass er es auf den Boden schlug.

Und dann veränderte sich der Nebel.

Er wurde dichter. Schwerer. Und er begann… zu singen.

Ein leises, sirrenartiges Flüstern – als ob hundert Stimmen auf einmal durch den Dunst huschten, jeder Klang anders, jede Silbe eine Bedrohung.

Cengiz fror für einen Moment ein. Nicht aus Angst. Sondern weil etwas in seinem Inneren reagierte. Zireael vibrierte. Nicht vor Gefahr – sondern vor einer Gegenkraft.

„Das ist keine normale Magie…“ flüsterte er. Er drehte sich zu Nina, die ihn erschrocken ansah – nicht wegen der Gegner, sondern wegen seines Blicks. Seine Augen waren starr, sein Atem flach. Er wirkte – für einen Moment – als würde er etwas spüren, was die anderen nicht wahrnehmen konnten.

„Cengiz?“, fragte sie leise.

Er antwortete nicht.

Ein weiteres Wesen stürzte sich auf ihn – größer als die anderen, mit aufgebrochenem Brustkorb, aus dem fleischige Tentakeln zuckten. Doch Zireael bewegte sich allein. Die Klinge lenkte seinen Arm. Führte ihn. Und mit einem aufheulenden Schnitt spaltete sie das Monster in zwei.

„Sie greifen nicht nur an“, sagte Cengiz nun, tonlos. „Sie... prüfen uns. Qyburn hat nicht einfach Soldaten geschaffen. Er hat Wesen gebaut, die lernen. Die sich anpassen.“

Lennard hob den Blick. „Willst du sagen… je länger wir kämpfen, desto besser werden sie?“

Cengiz nickte. „Und irgendwann… sind sie schneller. Härter. Unaufhaltbar.“

Tyrion trat neben ihn, verschwitzt, seine zweite Armbrust bereits halb gebrochen. „Dann müssen wir etwas tun, was sie nicht vorhersehen können. Etwas, das nicht… logisch ist.“

„Wie was?“, fragte Nina.

Ein Blick zwischen allen.

Dann grinste Tyrion plötzlich – schief, gefährlich. „Wir teilen uns auf.“

„Du bist irre“, flüsterte Lennard.

„Mag sein. Aber Qyburn will Kontrolle. Berechenbarkeit. Wenn wir ihm das nehmen – verwirren wir seine Kreaturen.“

Cengiz atmete tief durch, nickte. „Drei Gruppen. Zwei lenken ab. Eine geht durch den Nebel. Direkt zur Kapelle.“

Tyrion: „Und wer zur Hölle geht freiwillig mitten rein?“

Nina trat vor. „Ich. Und Cengiz. Wenn einer von uns Qyburn erreicht, dann er.“

Ein Moment des Schweigens.

Lennard senkte den Blick – dann packte Tyrion seine Schulter. „Lennard, du und ich halten sie auf der linken Seite. Du bist die Welle. Ich bin das Wasser, das sie trägt.“

Ein letztes Mal formierten sie sich. Der Nebel war überall. Die Stimmen wurden lauter. Die Welt atmete nicht mehr.

Aber sie – sie lebten. Und sie würden nicht untergehen. Nicht heute.

2

Stormbreaker erwacht

Schauplatz: Blue Fork · Tyrion Lannister, Lennard Baratheon, Cengiz Martell, Nina, Qyburn

Lennard spürte es als Erster. Stormbreaker begann zu summen. Zuerst nur leise – ein Kribbeln in der Hand, als würde das Schwert atmen. Dann flammten die goldenen und blauen Linien der Klinge auf, als hätten sie selbst die Kraft des Sturms geweckt. Der Himmel über ihnen zog sich zu, Wolken türmten sich wie schwarze Festungen, und in der Ferne rollte der Donner.

„Das…“ Tyrion duckte sich gerade vor einer mutierten Kreatur, die nach ihm griff, und starrte Lennard an. „Kommt das etwa von deinem Schwert?!“

Lennard schlug zwei Mutationen mit einem einzigen, blitzenden Schlag nieder. Der Aufprall warf Funken, die aussahen wie Miniaturblitze. Er atmete schwer und nickte. „Ja… Ich spüre es. Stormbreaker… es zieht den Sturm an.“

Der Regen setzte ein – kalt, hart, mit einem Geruch nach Ozon. Blitze zuckten durch den Nebel. Jeder Donnerknall ließ die Mutationen für einen Augenblick zurückweichen, als fürchteten sie das Licht. Doch Lennard hörte plötzlich etwas anderes.

Eine Stimme. Tief, rau, vertraut.

„Ich konnte dieses Schwert nie nutzen…“ Lennard blieb stehen. Ein weiterer Blitz erhellte sein Gesicht, Schweiß und Regen vermischten sich. „…weil ich nicht wusste, wozu es fähig ist – und ob es mich verändern würde. Doch du, mein Sohn, mein einziger Sohn…“

„Vater?“ Lennards Herz stockte.

„…Du musst es nutzen, um alle zu retten, die dir etwas bedeuten. Nutze die Kraft – und mach mich stolz.“

Stannis. Die Stimme seines Vaters hallte wie aus einer anderen Welt direkt in seinen Kopf. Lennard sog scharf die Luft ein, sein Griff um Stormbreaker zitterte kurz, dann zog er das Schwert mit neuer Entschlossenheit. „Ich werde dich stolz machen“, murmelte er.

Gerade in diesem Moment sah er, wie eine Mutation Tyrion von hinten ansprang. Lennard stürmte los, das Schwert wie eine aufblitzende Sturmpeitsche. Mit einem einzigen, gleißenden Schlag zerschnitt er das Wesen, noch bevor es Tyrion berühren konnte. Tyrion drehte sich um, keuchte und starrte ihn kurz an – nicht nur überrascht, sondern fast ehrfürchtig.

3

Quentyns Schatten

Schauplatz: Blue Fork · Cengiz Martell, Nina, Tyrion Lannister, Lennard Baratheon, Qyburn, Quentyn Martell

Weiter vorne, auf dem Weg zur Kapelle, schob sich Cengiz durch den Nebel. Zireael summte leise in seiner Hand, doch sein Blick war nach vorne gerichtet. Plötzlich blieb er stehen.

Etwas kam. Etwas Großes. Und als der Nebel aufriss, sah er es – und sein Blut gefror.

Die Mutation war Quentyn Martell. Oder das, was von ihm übrig war. Sein Gesicht war entstellt, aber die Züge waren erkennbar. Die Augen leer, violett leuchtend, die Haut vernarbt und von Qyburns Experimenten zerfressen. Ein monströser Schatten der Vergangenheit, auferstanden aus Cengiz’ schlimmstem Albtraum.

Cengiz’ Atem stockte. Zum ersten Mal spürte er Angst – kalt, lähmend, wie ein Dolch in der Kehle. „…Nein…“ Das Wort blieb ihm im Hals stecken.

Die Kreatur schrie auf und schlug zu. Cengiz wurde wie von einer Kanonenkugel getroffen, flog mehrere Meter zurück, krachte in den Schlamm und rutschte. Zireael entglitt seiner Hand, schlug klirrend in den Dreck.

„Cengiz!“ Ninas Schrei zerriss die Luft. Sie ließ ihren Speer fallen und rannte auf ihn zu.

Die Mutation von Quentyn stapfte vorwärts, der Boden vibrierte unter ihrem Gewicht. Cengiz versuchte, sich aufzurichten, spürte die Rippen brennen. „NINA, ES IST EINE MUTATION VON—“ „Quentyn!“ rief sie zurück, als sie einen Blick auf das entstellte Gesicht warf.

Dann sprach es. Mit Quentyns Stimme. „Ihr… habt… mich verraten… ihr… habt… mich… getötet.“

„Nein!“ Cengiz schrie zurück, seine Stimme brüchig. „Ich habe dich nicht getötet, Quentyn! Das war nicht—“ „Wir haben dich nicht ermordet!“, rief Nina, ihr Gesicht tränenverzerrt.

Doch die Kreatur hörte nicht zu. Sie hob ihr Schwert, ein groteskes Ding, aus verdrehtem Knochen und Eisen geschmiedet, und stürzte auf Nina zu.

In diesem Augenblick sah sie Zireael, das im Schlamm lag. Sie griff danach – und sobald ihre Finger den Griff berührten, geschah es.

Die Klinge leuchtete auf. Nicht weiß. Nicht silbern. Pink. Ein weiches, warmes Glühen, das in diesem Albtraum wie ein Herzschlag wirkte. Wie schon damals, als sie zusammen auf dem Bett gesessen hatten und beide die Klinge berührten, reagierte sie – nur jetzt war es stärker. Viel stärker.

„Nina…?“ Cengiz starrte sie an, unfähig zu begreifen, was er sah.

Dann veränderte sich etwas an ihr. Ihre Haare – von der Nacht dunkel – wurden in einem Atemzug schneeweiß, wie gefrorenes Licht. Ihre Augen leuchteten, Zireael summte, vibrierte, verschmolz mit ihrem Willen.

Mit einem einzigen, fließenden Schritt sprang sie vor. Das pinke Licht zog eine Linie durch den Nebel. Die Mutation von Quentyn stieß ein gurgelndes Geräusch aus, als die Klinge sie mit unfassbarer Präzision zerschnitt. Zwei, drei Schläge – und das Ding brach zusammen, zerfiel, sein violettes Leuchten erlosch.

Schwer atmend, Zireael in der Hand, rannte sie zu Cengiz. „Cengiz…“ Ihre Stimme war sanft, fast brüchig. „Es ist vorbei, die Mutation ist tot.“

Er lag noch immer im Schlamm, voller Schock, die Augen weit. Nicht nur wegen der Mutation – sondern wegen ihr.