SEASON I · KAPITEL 6

Vengeance

Lockes Falle

WORUM ES GEHT

Im verschneiten Wald wird Lukas von Locke angegriffen, dem Mann, der Jaime die Hand abschlug. Locke enthüllt, dass er den angeblichen Brief von Cersei als Falle geschrieben hat. Lukas wird verwundet, tötet Locke aber und schleppt sich zurück nach Winterfell. Vor dem Tor bricht er in Jaimes Armen zusammen, der ihn hineinträgt.

1

Locke

Schauplatz: Winterfell · Lukas Lannister, Locke

Ich drehte mich gerade noch rechtzeitig um, um einem Messer auszuweichen, das mir entgegenflog. Ein Mann stürzte aus den Büschen auf mich zu. Ohne zu zögern, zog ich mein Schwert und parierte den Angriff. Es war ein intensiver Kampf – meine Muskeln waren angespannt, mein Herz raste.

Als unsere Schwerter aufeinander trafen, erkannte ich plötzlich sein Gesicht. Es war Locke, der Mann, der meinem Vater die Hand abgeschlagen hatte. Mein Blut begann zu kochen, und ein Rausch der Wut durchflutete mich. „Du!“, knurrte ich, während wir weiterkämpften. „Du hast meinem Vater die Hand genommen!“

Locke grinste kalt. „Und jetzt nehme ich dein Leben und das deines Vaters. Ihr Lannisters werdet euren letzten Atemzug tun, bevor der Winter zu Ende ist.“

Meine Gedanken kreisten nur um eines: Rache. Für all das, was er Vater angetan hatte, und für die Demütigung, die er uns zugefügt hatte. Ich konnte die Verachtung in seinen Augen sehen, die gleiche Grausamkeit, die er damals zeigte, als er Vater gefoltert hatte. Aber diesmal würde er nicht gewinnen.

Mit einem lauten Schrei griff ich ihn an, schneller und entschlossener als zuvor. Der Kampf wurde heftiger, als Locke sich bemühte, mir zuzusetzen, doch ich wich seinen Schlägen aus, parierte und drängte ihn zurück. In meinem Kopf war nur ein Ziel: ihn für das büßen zu lassen, was er meinem Vater angetan hatte.

Locke stieß mich gegen einen Baum, aber ich fing mich sofort wieder. „Das wirst du bereuen“, zischte ich, als ich einen weiteren Angriff startete. „Du wirst bezahlen für das, was du ihm angetan hast.“

Der Kampf tobte weiter, während der Schnee um uns herum wirbelte. Der Gedanke an Rache, an das Leid meines Vaters, gab mir die Kraft, Locke immer weiter zurückzudrängen, bis ich endlich die Oberhand gewann.

Als der Kampf mit Locke weiterging, wurde mir schnell klar, dass er nicht nur hier war, um mich zu töten. Mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen wich er einem meiner Schläge aus und ging einen Schritt zurück. „Du bist genau da, wo ich dich haben wollte,“ knurrte er. „Dieser Brief… war meine Falle.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich realisierte, dass Locke die ganze Zeit der Drahtzieher gewesen war. „Der Brief...“, keuchte ich, während ich versuchte, mich wieder auf die Beine zu kämpfen. „Mutter hat ihn nicht geschickt?“

Locke lachte kalt. „Glaubst du wirklich, dass die Königin dir so einfach eine Einladung schicken würde? Nein, Lannister. Ich wusste, dass du und dein Vater kommen wollen würden. Jetzt bist du hier, allein, und ich werde beenden, was ich begonnen habe.“

Wut und Verzweiflung durchströmten mich. Mein Kopf schwirrte vor Gedanken – Cersei war nicht die Absenderin des Briefes, sondern Locke. Er hatte mich in diese Falle gelockt, um mich und wahrscheinlich auch Jaime zu töten. Aber ich würde mich nicht so leicht besiegen lassen.

Mit neuer Entschlossenheit stürzte ich mich auf Locke, unsere Schwerter trafen hart aufeinander. Jeder Schlag von ihm war voller Hass, aber meine waren voller Rache. Ich spürte den Schmerz, wie meine Arme und Beine vor Anstrengung brannten, doch in meinem Kopf war nur eines klar: Ich durfte nicht verlieren. Ich musste meinen Vater rächen.

Locke war ein erfahrener Kämpfer, sein Schwert führte er mit tödlicher Präzision, aber ich war nicht mehr der Junge, der ich früher war. Ich hatte trainiert, geübt, und jeder Schlag, den ich ihm entgegenschleuderte, war fester und zielsicherer als der vorherige. Aber er war schnell. Zu schnell. Mehrmals kam er gefährlich nah daran, mich stark zu verletzen. Einmal schaffte er es, mir einen Schnitt unter den Rippen zuzufügen, und der Schmerz ließ mich auf keuchen.

„Du wirst wie dein Vater enden“, spottete er, „genauso schwach…“ als er einen weiteren Angriff startete. „Ohne eine Hand... oder schlimmer.“

„Sag das noch einmal!“ rief ich, meine Stimme heiser vor Anstrengung. Doch genau diese Worte, die er von sich gab, schürten nur noch mehr die Flamme in mir. In einem Moment der Konzentration und Wut wich ich einem weiteren Schwertstreich aus, rollte mich zur Seite und schlug mit aller Kraft nach vorne. Mein Schwert durchbohrte Lockes Bein, und er stürzte mit einem Schrei zu Boden.

Er versuchte noch, mich mit einem letzten, verzweifelten Hieb zu treffen, aber ich war schneller. Mit einem gewaltigen Schrei rammte ich mein Schwert in seine Brust und sah, wie sein höhnisches Lachen für immer erstarb.

2

Zurück zum Tor

Schauplatz: Winterfell · Lukas Lannister, Jaime Lannister, Cersei Lannister, Marlis of the Blackwater, Bran Stark, Locke

Blutüberströmt und verwundet, schnappte ich nach Luft. Locke war tot, und ich hatte den Sieg errungen, aber ich war am Ende meiner Kräfte. Ich zog mein Schwert aus seinem Körper und wischte mir mit einer zitternden Hand das Blut aus dem Gesicht. Jeder Schritt war schmerzhaft, als ich mich umdrehte und zurück nach Winterfell lief, das kalte, schneebedeckte Land hinter mir lassend.

Ich stand zitternd über ihm, das Schwert noch immer fest in meiner Hand, Blut tropfte auf den Boden nicht nur von ihm sondern auch von mir. Der Schmerz in meiner Seite pochte, und die Erschöpfung ließ mich taumeln. Locke war tot, und ich hatte meinen Vater gerächt.

Mit wackeligen Beinen machte ich mich auf den Weg zurück zu Jaime. Jeder Schritt war ein Kampf gegen den Schmerz, aber ich musste ihn sehen, ihm erzählen, was passiert war. Ich hatte meinen Vater gerächt.

Als ich kurz vor dem Tor von Winterfell war, sah ich Vater und er mich. Sein Gesicht verzerrte sich vor Sorge, als er auf mich zu gerannt kam. „Was zur Hölle ist passiert? Wer hat dir das angetan“, johlte er, seine Stimme laut und brechend, während er mich stützte. Seine Augen waren voller Angst, und ich sah den Schmerz, den meine Verletzung in ihm auslöste.

„Locke…“, keuchte ich, während ich mich schwer auf ihn stützte. „Er… er hat uns eine Falle gestellt. Der Brief... er war von ihm.“

Jaime starrte mich entsetzt an. „Locke?“ Seine Stimme zitterte. „Und du? Was hast du getan?“

„Ich habe ihn getötet“, sagte ich, die Worte schwer auf meiner Zunge. „Ich habe ihn für dich getötet, Vater.“

Seine Augen füllten sich mit Tränen, als er mich in seine Arme zog. „Du hast es getan… du hast mich gerächt.“ Seine Stimme war brüchig, und ich spürte, wie sein Körper vor Erleichterung bebte.

Ich wollte stark sein, wollte ihm sagen, dass alles in Ordnung war, aber die Erschöpfung übermannte mich. Meine Beine gaben nach, und ich sank in seinen Armen zusammen. „Für dich, Vater“, flüsterte ich, als die Dunkelheit mich umfing.

Jaime hielt mich fest, als ich begann das Bewusstsein zu verlieren. Ich hörte, wie er laut nach Hilfe rief. Ich konnte spüren, wie er mich in seinen Armen trug, seine Schritte entschlossen, aber voller Schmerz und Sorge. „Du wirst wieder gesund“, flüsterte er leise. „Ich lasse dich nicht im Stich.“

Sein Versprechen hallte in meinem Geist wider, als ich spürte, wie ich in die Dunkelheit fiel, doch der Gedanke an seinen Schutz gab mir den letzten Funken Hoffnung.

Jaime trug mich in seinen Armen, mein Körper war schwer und leblos, meine Wunden tief, doch sein Griff war fest und sicher. Der Schnee fiel leise um uns herum, während wir uns durch die eisige Landschaft kämpften, zurück nach Winterfell. Mein Blut hatte den Schnee rot gefärbt, aber das schien ihn nicht zu stoppen. Der Gedanke an das, was geschehen war, an das, was ich durchgemacht hatte, lag schwer auf ihm.

Fiveofive

Als wir am Hauptplatz von Winterfell ankamen, rannten sofort Soldaten und Bedienstete herbei. Sansa, Arya, Brienne und Bran standen ebenfalls am Tor, ihre Gesichter vor Sorge gezeichnet. Sie sahen mich in Jaimes Armen, verwundet und blass, und sofort begannen die Fragen.

Sansa war die Erste, die sprach. „Jaime, was ist passiert? Wer hat ihn so zugerichtet?“

Jaime blickte kurz auf mich herab, dann sah er in die Runde. „Locke“, sagte er mit rauer Stimme, die voller Wut und Schmerz war. „Er hatte eine Falle gestellt. Lukas... er hat ihn gerächt, aber ihr seht ja was passiert ist.“

Brienne trat einen Schritt nach vorne, ihre Augen voller Entsetzen und Mitgefühl. „Locke? Der Mann, der dir die Hand nahm?“

Jaime nickte schwer, während er mich behutsam auf eine Trage legte, die man ihm gereicht hatte. „Ja, und jetzt hat er für seine Taten bezahlt. Aber Lukas... ich habe so Angst um ihn.“

Arya stand wortlos da, ihre Fäuste geballt, und Bran beobachtete alles mit seiner ruhigen, distanzierten Art. Sansa sprach weiter, ihr Ton jetzt fast flehend. „Wir müssen ihn sofort in die Krankenstube bringen. Wir müssen alles tun, um ihn zu retten.“

Die Heiler von Winterfell eilten herbei, um mich zu versorgen, und Jaime wich keinen Moment von meiner Seite. Er hielt meine Hand, während sie meine Wunden reinigten und nähten. Die Tage vergingen, und die Sorge in seinen Augen wuchs mit jeder Stunde, die ich nicht erwachte. Die Nächte schienen endlos, aber Jaime war immer bei mir, setzte sich an mein Bett und wachte über mich.

Nach Tagen des Schweigens und der Dunkelheit spürte ich schließlich, wie ich langsam aus der Bewusstlosigkeit auftauchte. Meine Augenlider waren schwer, aber ich konnte das vertraute Geräusch des prasselnden Feuers hören, das leise Flüstern des Windes durch die alten Steinmauern von Winterfell. Es war warm, und ich fühlte mich... sicher.

Langsam öffnete ich die Augen und sah die vertraute Silhouette neben mir. Jaime saß an meinem Bett, seine Augen waren rot von den schlaflosen Nächten, doch als er sah, dass ich wach war, erhellte sich sein Gesicht.

„Du bist wach“, flüsterte er, seine Stimme war heiser vor Erleichterung. „Gott sei Dank.“

Ich versuchte zu sprechen, doch meine Kehle war trocken. Jaime griff sofort nach einem Becher Wasser und hielt ihn an meine Lippen. Langsam trank ich, und die Kühle des Wassers brachte ein wenig Klarheit zurück in meinen Kopf.

„Vater...“, krächzte ich schließlich, meine Stimme schwach. „Ich...“

Jaime legte mir sanft eine Hand auf die Schulter. „Du musst nichts sagen“, sagte er leise. „Ich bin so stolz auf dich. Du hast mich gerächt. Aber du hättest sterben können.“ Seine Augen waren voller Schmerz. „Ich hätte dich verlieren können.“

„Ich habe immer an dich gedacht“, flüsterte ich. „Während des Kampfes... du warst alles, was mir Kraft gegeben hat.“

Jaime sah mich an, seine Augen glänzten vor Tränen. „Und ich hätte alles getan, um dich zu retten. Du bist das Wichtigste in meinem Leben. Mein Sohn.“

Wir saßen still da, die Schwere der vergangenen Ereignisse hing noch immer über uns, doch in diesem Moment war es, als hätten wir die Dunkelheit überwunden. Jaime war bei mir, und das war alles, was zählte.

Am Abend, nachdem ich endlich wieder erwacht war und die Heiler mich versorgt hatten, ging Jaime in die große Halle von Winterfell. Er wirkte müde, die Last der vergangenen Tage schien schwer auf ihm zu liegen. Brienne, die ihn schon seit Langem kannte, trat leise an seine Seite. Sie konnte die Sorgen und den Schmerz, den er verbarg, erkennen, auch wenn er versuchte, stark zu wirken.

„Wie geht es ihm?“ fragte Brienne leise, als sie sich neben ihn auf eine Bank setzte.

Jaime seufzte und fuhr sich durch sein kurzes, blondes Haar. „Er wird es schaffen. Aber er hätte sterben können... wegen Locke.“

Brienne nickte ernst und senkte den Kopf. „Es ist schwer zu ertragen, so etwas mit ansehen zu müssen. Locke hat dir schon so viel genommen, und jetzt hätte er beinahe deinen Sohn getötet.“

Jaime schloss für einen Moment die Augen, als der Gedanke ihn wieder traf. „Ich wollte ihn um jeden Preis beschützen. Ich war bereit, alles für ihn zu tun... aber er hat mich gerächt. Er hat getan, was ich wollte. Und ich war nicht da, um ihm zu helfen.“

Brienne sah ihn mitfühlend an. „Du warst für ihn da, Jaime. Du hast ihn gerettet, als er dich brauchte. Manchmal müssen wir akzeptieren, dass wir unsere Kinder nicht immer vor allem beschützen können, egal wie sehr wir es wollen.“

Jaime schüttelte langsam den Kopf. „Ich hätte es wissen müssen. Locke hat mich all die Jahre verfolgt... seine Rache an mir war nicht zu Ende. Er wollte mich weiter verletzen, und der Brief... wir dachten, es sei von Cersei. Stattdessen war es nur eine Falle.“

Brienne schwieg einen Moment, dann fragte sie vorsichtig: „Und was ist mit Cersei? Glaubst du, sie hat wirklich... so viel Hass in sich, dass sie uns eine Falle stellen würde?“

Jaime sah in die Ferne, seine Kiefermuskeln angespannt. „Cersei ist... kompliziert. Sie liebt unsere Familie auf eine verzweifelte, zerstörerische Art. Aber ich weiß nicht, wie weit sie gehen würde. Locke hat den Brief gefälscht, das ist klar. Doch Cersei ist nach wie vor da draußen, und sie ist unberechenbar. Wenn sie erfährt, dass ich ihn fast verloren habe...“ Er hielt inne, als ob er die Worte nicht aussprechen wollte.

Brienne legte eine Hand auf seine Schulter, eine Geste der Freundschaft und des Verständnisses. „Du wirst es herausfinden, Jaime. Und wenn es so weit ist, wirst du wissen, was zu tun ist.“

Währenddessen saß ich in meinem Zimmer und schaute aus dem Fenster, als Sansa zu mir kam. Sie trat leise ein, ihre Schritte sanft, aber voller Besorgnis. Ich drehte mich zu ihr um und lächelte schwach, als sie sich neben mich setzte.

„Du hast viel durchgemacht“, begann sie leise. „Ich bin froh, dass du es geschafft hast.“

Ich nickte, spürte aber die Schwere der vergangenen Ereignisse noch immer in meiner Brust. „Es war schwer. Locke hat mir erzählt, dass der Brief eine Falle war. Er wollte uns beide – mich und meinen Vater – töten.“

Sansa senkte den Blick. „Locke war immer gefährlich. Er hat deine Familie schon einmal verletzt, und er hat es wieder versucht.“

Ich schaute zu ihr, und unsere Blicke trafen sich. „Er war bereit, alles zu tun, um uns zu zerstören. Aber ich habe ihn aufgehalten. Ich habe... Rache genommen. Für meinen Vater.“

Sansa legte eine Hand auf meine Schulter. „Es war nicht deine Schuld. Locke hat das getan, weil er voller Hass war. Aber das, was du getan hast... du hast dich und Jaime verteidigt. Niemand gibt dir die Schuld.“

Ich seufzte tief und ließ den Blick wieder aus dem Fenster schweifen. „Cersei war immer in unseren Gedanken. Der Brief – wir dachten, er wäre von ihr. Und jetzt...“ Ich hielt inne, unfähig, die richtigen Worte zu finden. „Ich weiß nicht, was ich von ihr halten soll.“

Sansa sah mich lange an, ihre Augen voller Verständnis. „Cersei ist gefährlich. Aber sie ist auch deine Mutter. Manchmal ist es schwer, die beiden Seiten in Einklang zu bringen.“

Ich nickte langsam. „Mein Vater liebt sie, und ich... ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Sie ist alles, was ich je kannte. Aber jetzt, nach allem, was passiert ist...“

Sansa nahm meine Hand und drückte sie sanft. „Du wirst die Wahrheit herausfinden. Und egal, was passiert, du bist nicht allein. Wir sind alle hier für dich.“

Ich sah sie an und spürte, wie die Last auf meinen Schultern ein wenig leichter wurde.

In King's Landing, in den dunklen Hallen des Red Keep, saß Cersei Lannister in einem ihrer prunkvollen Gemächer, das Licht der untergehenden Sonne, das durch die Fenster fiel, färbte den Raum in ein warmes Orange. Sie wirkte unnahbar und ruhig, während Meister Qyburn neben ihr stand. Seine Stimme war ruhig, fast unmerklich sanft, als er ihr die Neuigkeiten überbrachte.

„Locke ist tot, Eure Gnaden,“ sagte er, seine Augen wachsam auf ihr Gesicht gerichtet, um jede Regung zu erfassen. „Er hat versagt.“

Cersei blinzelte langsam, als ob die Information sie kaum berühren würde, doch ihre Lippen pressten sich für einen kurzen Moment zusammen. Sie drehte den Kopf und starrte aus dem Fenster, die Zähne leicht aufeinandergepresst.

„Versagen“, murmelte sie und spielte mit dem Weinbecher in ihrer Hand, als ob das Wort selbst einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. „Natürlich hat er versagt.“ Ihre Stimme klang kalt, fast emotionslos, aber tief in ihren Augen funkelte etwas – etwas Dunkles, das brodelte.

Qyburn beobachtete sie weiter, sprach jedoch nicht. Er wusste, wann es besser war zu schweigen.

Nachdem er sich verbeugt und den Raum verlassen hatte, war Cersei allein. Ihre Gedanken kreisten um Locke und seine Torheit, aber es war nicht sein Tod, der sie wirklich beschäftigte. Es war Jaime – und der Sohn, den sie zusammen hatten. In den tiefsten Winkeln ihres Herzens war ein Wirrwarr von Gefühlen. Liebe, Hass, Verlust, Rache... alles vermischte sich zu einem undurchdringlichen Netz von Gedanken.

Jaime. Mein goldener Löwe. Mein Bruder. Mein... Cersei schloss die Augen und presste ihre Hand auf ihre Stirn. Einmal war er alles für mich. Jetzt?

Ihre Gedanken wanderten zu ihrem Sohn. Sie hatte immer einen besonderen Platz in ihrem Herzen für ihn, aber jetzt war alles anders. Er war nicht nur der Erbe ihres Hauses, sondern auch derjenige, der sich Jaime näherte. Mehr als sie je konnte. Er war das Bindeglied, das zwischen ihnen stand. Und das konnte sie nicht ertragen.

Doch was plante sie wirklich? Cersei dachte lange darüber nach, aber die Antwort blieb verborgen, selbst vor ihr selbst. All die Pläne, die Machtspiele... sie formten sich zu einem verschwommenen Bild. Was wirklich zählte, wusste sie tief in ihrem Inneren, doch es blieb unsichtbar für die Außenwelt.

Zurück in Winterfell, kam Jaime leise in das Zimmer, als Sansa meine Hand hielt. Ihr Gesichtsausdruck war voller Wärme und Freundschaft, während sie mir ein Lächeln schenkte. Mein Vater trat zögerlich ein, blieb jedoch an der Tür stehen, als er uns beide sah.

„Oh, ich wollte nicht stören,“ sagte Jaime schnell und machte Anstalten, den Raum wieder zu verlassen.

Sansa und ich tauschten einen Blick, bevor wir gleichzeitig in schallendes Lachen ausbrachen. „Oh nein, es ist nicht so, wie es aussieht!“ rief ich grinsend, und Sansa stimmte zu, während sie sanft meine Hand losließ.

„Wir haben nur geredet,“ fügte Sansa hinzu, ihre Wangen leicht gerötet. Sie stand auf, lächelte uns beide an und verabschiedete sich mit einem leisen Nicken. Als sie die Tür hinter sich schloss, fiel eine angenehme Stille über den Raum.

Jaime trat langsam näher und setzte sich auf den Stuhl neben meinem Bett. „Sansa scheint sich gut um dich zu kümmern,“ bemerkte er mit einem Lächeln.

Ich nickte leicht. „Ja, sie war oft hier. Wir haben viel über alles gesprochen – Locke, Cersei, und... naja, auch über dich.“ Ich sah ihn an und konnte in seinen Augen die Sorge und Zuneigung erkennen.

„Sansa ist eine gute Frau,“ sagte Jaime nachdenklich. „Sie hat so viel durchgemacht und ist stärker daraus hervorgegangen. Du solltest froh sein, jemanden wie sie an deiner Seite zu haben.“

Ich lächelte. „Ich bin es. Aber, Vater...“ Ich zögerte einen Moment. „Glaubst du, dass sie jemals wirklich über das hinwegkommt, was ihr angetan wurde? Über alles, was sie durchlebt hat?“

Jaime lehnte sich zurück, seine Stirn in Falten gelegt, als er nach den richtigen Worten suchte. „Sansa ist stark. Sie hat gelernt, in einer Welt voller Grausamkeiten zu überleben. Aber Narben...“ Er hielt inne und sah mich an, sein Blick voller Ernsthaftigkeit. „Man kann sie nicht immer sehen, aber sie bleiben. Sie wird es schaffen, weiterzumachen, wie sie es immer getan hat. Aber ob sie jemals wirklich darüber hinwegkommt... das weiß nur sie.“

Ich seufzte leise und nickte. „Ich verstehe das. Aber sie gibt mir Hoffnung, weißt du? Sie hat mir geholfen, stark zu bleiben.“

Jaime lächelte, und für einen Moment schien die Schwere der letzten Tage von ihm abzufallen. „Dann ist sie genau das, was du brauchst. Und sie hat Glück, dich an ihrer Seite zu haben.“

Nachdem Sansa das Zimmer verlassen hatte, setzte sich Jaime zu mir ans Bett. Er schien nachdenklich, und ich wusste, dass es um mehr ging als nur die jüngsten Ereignisse. Ich wollte mit ihm sprechen, und es fühlte sich gut an, dass er da war, immer an meiner Seite, doch die Gedanken lasteten schwer auf mir. Ich beschloss, eine Geschichte zu erzählen, um ihn aufzuheitern und um vielleicht auch selbst etwas Ablenkung zu finden.

Distant memories

„Vater, erinnerst du dich, als du damals gefangen genommen wurdest? Mutter schleppte uns – Joffrey, Tommen, Myrcella und mich – zu diesem dummen Tanzball im Red Keep. Ich hatte absolut keine Lust, und natürlich führte sich Joffrey wie immer auf, während Tommen einfach nur stumm an der Seite von Mutter blieb. Myrcella hingegen schien den Ball zu genießen und redete die ganze Zeit davon, dass sie eines Tages ihren Traumprinzen finden würde. Sie meinte auch, dass ich meine zukünftige Frau suchen solle. Ich winkte nur ab, hatte kaum Lust auf solche Gespräche."

Ich lehnte mich etwas zurück, schloss die Augen und erinnerte mich daran, wie es damals war.

„Aber dann, als ich mich umsah, sah ich Marlis of the Blackwater. Erinnerst du dich an sie? Sie war von Schloss High Tide, auf einer Insel ganz in der Nähe von Dragonstone. Wir kannten uns von früher, weil unsere Familien sich gut verstanden und wir uns auf Hochzeiten und Bällen trafen. Schon damals waren wir unzertrennlich, spielten Ritterturniere nach, bei denen ich immer der Ritter war, und sie die Prinzessin.“

Jaime lächelte leicht, als er den Namen Marlis hörte, doch sein Blick blieb wachsam, aufmerksam.

„Also ging ich zu ihr, tippte ihr auf die Schulter, und sie drehte sich um, lachte und umarmte mich sofort. Wir redeten über die alten Zeiten, wie wir uns immer auf diesen langweiligen Bällen davongeschlichen hatten, um unser eigenes Turnier zu veranstalten.“ Ich machte eine kurze Pause, als ich an die Momente zurückdachte, die mir immer noch so klar im Gedächtnis waren. „Ich schlug vor, dass wir uns wieder davonschleichen, und so saßen wir bald darauf im Garten des Red Keep. Es war eine wunderschöne Nacht, der Mond erhellte den Himmel, und wir hörten die Geräusche des Balls im Hintergrund. Wir redeten, lachten und tranken etwas Wein."

Ich spürte, wie die Erinnerungen mich völlig einnahmen. „Und dann, plötzlich, während wir am Brunnen saßen und über die Zukunft redeten, erzählte sie mir, dass sie bereits einem Greyjoy von den Iron Islands versprochen worden war. Sie war traurig und sagte, dass sie ihn nicht mochte, dass sie ihn niemals lieben würde. Sie konnte sich nicht vorstellen, mit ihm je so viel Spaß zu haben wie mit mir an jenem Abend. In diesem Moment war ich wie erstarrt. Ich fragte mich, ob sie das wirklich so meinte, wie es klang, ob sie wirklich... mich meinte. Mein Herz begann schneller zu schlagen."

Jaime schaute mich aufmerksam an, als ich fortfuhr. „Ich sagte ihr, dass es für mich auch keine Rolle spielte, da die Frau, die ich liebte, bereits einem anderen versprochen war.“ Ich lächelte bei der Erinnerung, obwohl es weh tat. „Sie nahm meine Hände, sah mir tief in die Augen und... küsste mich. In diesem Moment blieb die Zeit stehen. Wir verbrachten den Rest des Abends zusammen, und ich wusste, dass ich nie jemanden so geliebt hatte wie sie.“

Ich senkte den Kopf und meine Stimme wurde leiser. „Am nächsten Morgen, als ihre Familie abreiste, sah ich, wie sie auf ein anderes Schiff ging, das sie zu den Iron Islands bringen sollte. Ich rannte so schnell ich konnte zum Pier, von dem aus ihr Schiff ablegte. Als sie mich sah, strahlte sie, doch ich konnte die Traurigkeit in ihren Augen sehen. Ich warf ihr eine Kette zu, die sie fing und umlegte. Wir winkten uns zu, bis das Schiff in der Ferne verschwand und ich allein auf dem Steg saß. Myrcella fand mich später und brachte mich nach drinnen, doch ich konnte den Gedanken an Marlis nicht loslassen.“

Die Stille, die darauf folgte, war schwer. Ich sah zu Jaime, meinem Vater, hinüber und flüsterte: „Sie war meine wahre Liebe, Vater. Aber es gibt keinen Weg, dass ich sie jemals heiraten kann.“

Jaime senkte seinen Blick und dachte nach. „Die Wege der Liebe sind selten einfach, mein Sohn,“ sagte er nach einer Weile. „Und es gibt selten Gerechtigkeit in der Welt. Aber wenn Marlis dich so sehr geliebt hat, wie es schien, dann wird dieses Band zwischen euch nie ganz verschwinden. Egal, wo sie jetzt ist.“ Er legte eine Hand auf meine Schulter und sah mir fest in die Augen. „Vielleicht war sie nicht für dich bestimmt in dieser Welt, aber die Liebe, die ihr geteilt habt, wird dich immer begleiten. Vergiss das nicht.“

Ich nickte, obwohl es wehtat. „Es gibt immer noch Dinge, die ich für die Familie tun muss,“ sagte ich nachdenklich. „Aber manchmal... vermisse ich sie. Mehr, als ich sagen kann.“

„Und das ist normal,“ sagte Jaime leise. „Aber du bist stark. Du wirst deinen Weg finden.“

Das Gespräch verblasste, doch die Worte meines Vaters blieben tief in mir verwurzelt. Inmitten all der Kämpfe und Herausforderungen wusste ich, dass er mich verstand.

Ich sah Vater an und fragte nach einer Weile zögerlich: „Denkst du, ich sollte Marlis schreiben? Nur um zu wissen, wie es ihr geht? Oder ob es vielleicht sinnvoll ist, daran festzuhalten?“

Jaime sah mich nachdenklich an. „Ihr zu schreiben... ja, das könnte eine gute Idee sein,“ sagte er langsam. „Manchmal hilft es, Klarheit zu finden. Und wenn du wirklich wissen willst, wie es ihr geht, dann ist es nur fair, es zu versuchen. Du verdienst es, diese Antwort zu bekommen, für deinen Frieden.“

Doch als ich die Frage nach dem Festhalten stellte, bemerkte ich, wie sich Jaimes Gesichtsausdruck veränderte. Er runzelte die Stirn, und seine Augen verloren sich in Gedanken, als ob meine Worte etwas in ihm aufgewühlt hätten. „Festhalten...“ murmelte er, fast mehr zu sich selbst als zu mir. Seine Miene wurde plötzlich angespannt, und ich wusste, dass seine Gedanken zu Cersei wanderten.

Er blickte ins Leere, seine Hand löste sich von meiner Schulter, und ich konnte sehen, wie er sich innerlich mit etwas auseinandersetzte. Für einen Moment sagte er nichts, und ich fragte mich, ob er überhaupt meine Frage noch gehört hatte. Dann brach er die Stille, seine Stimme war leise, fast verloren: „Manchmal... ist das Festhalten an etwas... nicht so einfach, wie es scheint. Die Vergangenheit lässt uns oft nicht los, egal, wie sehr wir versuchen, vorwärts zu gehen.“

Ich spürte, dass er nicht mehr nur über Marlis und mich sprach. Cersei – sie war immer in seinen Gedanken, immer ein Teil von ihm, und jetzt war sie wieder da, wie ein Schatten, der ihn verfolgte. Ich sah, wie schwer es ihm fiel, darüber nachzudenken, doch er kämpfte mit sich, es nicht zu zeigen.

„Aber du musst für dich entscheiden, ob es sich lohnt, an dieser Liebe festzuhalten, auch wenn die Umstände schwierig sind,“ sagte er schließlich, seine Stimme wieder klarer, aber immer noch von einem Hauch Melancholie durchzogen. „Manchmal ist das Festhalten an jemandem das, was uns vorwärts bringt... und manchmal hält es uns nur zurück.“ Seine Augen waren jetzt fest auf mich gerichtet, als ob er mir mit seinen Worten mehr sagen wollte, als er laut aussprechen konnte.

Ich nickte langsam. „Vielleicht sollte ich ihr schreiben. Es würde mir helfen, zu wissen, ob sie genauso fühlt oder ob es für sie vorbei ist.“

Jaime nickte, doch seine Gedanken schienen weiterhin bei etwas anderem zu verweilen. Und ich wusste, dass seine eigene Geschichte mit Cersei noch lange nicht zu Ende war, so sehr er es vielleicht wünschte.

Als ich den Brief an Marlis schrieb, fühlte es sich an, als würde ich all meine unausgesprochenen Gefühle und Hoffnungen auf das Papier übertragen. Doch bevor ich ihn abschickte, wollte ich sicher sein, dass er richtig war – und wer wäre besser geeignet, mir zu helfen, als Sansa? In den letzten Wochen hatten wir uns einander so nahe gekommen, dass sie inzwischen wie meine beste Freundin war.

„Sansa,“ sagte ich und klopfte leicht an ihre Tür. „Kannst du dir etwas ansehen?“

Sie sah von ihrem Buch auf und lächelte. „Natürlich, was hast du?“

Ich trat ein und reichte ihr den Brief. „Es ist für Marlis. Ich will ihn ihr schicken, aber... ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig gemacht habe. Du bist so viel besser in diesen Dingen als... na ja, als Vater.“

Sansa nahm den Brief mit einem warmen Lächeln und begann ihn zu lesen, während ich nervös in der Nähe stehen blieb. Sie las langsam, mit Sorgfalt, und als sie fertig war, sah sie mich mit einem nachdenklichen Ausdruck an.

„Der Brief ist sehr... ehrlich und direkt,“ sagte sie sanft. „Das ist gut. Aber vielleicht könnte er ein wenig... romantischer sein?“ Sie lächelte leicht. „Marlis wird sich sicher über deine Worte freuen, aber vielleicht könntest du noch mehr von dem teilen, was du wirklich fühlst.“

Sie begann, den Brief laut vorzulesen, als ob sie ihn probeweise für mich formulieren wollte:

„Liebe Marlis, Ich hoffe, dieser Brief erreicht dich in Frieden. Seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, ist viel Zeit vergangen, doch meine Erinnerungen an dich sind so lebendig wie in jener Nacht im Garten des Red Keep. Ich denke oft an unsere gemeinsamen Momente – die Ritterturniere, die Gespräche, das Lachen unter dem Mondlicht. Du warst immer jemand Besonderes für mich, und ich frage mich oft, wie es dir geht, wo du jetzt bist und ob du manchmal auch an diese Zeit denkst.

Ich schreibe dir, weil ich wissen möchte, wie es dir geht. Wie du dich fühlst und ob du glücklich bist. Es ist schwer, mit der Vorstellung zu leben, dass du in eine Ehe gezwungen wurdest, die du nicht wolltest. Aber vielleicht hat sich in der Zwischenzeit etwas geändert? Vielleicht hast du einen Weg gefunden, zufrieden zu sein.

Mir ist bewusst, dass unsere Leben sich in verschiedene Richtungen entwickelt haben, aber du wirst immer einen Platz in meinen Gedanken und in meinem Herzen haben. Ich möchte wissen, ob du genauso fühlst.

Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder so unbeschwert zusammen sein können wie damals. Und vielleicht... könnte es mehr sein als nur Erinnerungen. Mit den besten Wünschen und Gedanken, L.“

Sansa legte den Brief ab und sah mich an. „Es ist eine Mischung aus Nostalgie und Hoffnung, aber ich denke, du könntest noch tiefer gehen. Vielleicht erwähnen, wie sie dir in schwierigen Momenten Kraft gegeben hat, selbst in Abwesenheit? Frauen wollen oft wissen, dass sie wirklich wichtig für jemanden sind.“

Ich nickte langsam. „Das macht Sinn. Du hast recht.“ Ich setzte mich neben sie, und gemeinsam überarbeiteten wir den Brief, fügte hier und da mehr Details hinzu, ließ mehr von meinen wahren Gefühlen einfließen.

Als wir fertig waren, las Sansa ihn noch einmal durch und nickte zufrieden. „Jetzt ist er perfekt.“

Ich lächelte und bedankte mich bei ihr, bevor ich den Brief versiegelte. „Dann werde ich ihn abschicken.“

Sansa lehnte sich zurück und sah mich mit einem leisen Lächeln an. „Marlis wird sich freuen, das zu lesen. Es ist ein sehr schöner Brief.“

Nachdem wir den Brief abgeschickt hatten, saß ich mit Sansa noch eine Weile zusammen. „Sansa, ich wollte dich etwas fragen,“ begann ich zögernd. „Es geht um meinen Vater... und Cersei.“

Sansa seufzte leise. „Ich wusste, dass du das irgendwann ansprechen würdest.“ Sie sah mich aufmerksam an. „Jaime ist stark, aber es ist offensichtlich, dass Cersei ihn immer noch... mitnimmt. Es ist schwer, jemanden zu vergessen, den man so sehr geliebt hat, selbst wenn er einem nur Schmerz gebracht hat.“

„Denkst du, es gibt etwas, das ihm helfen könnte?“ fragte ich. „Etwas, das ihn ablenken oder... heilen könnte?“

Sansa überlegte eine Weile. „Es ist schwierig, solche Wunden zu heilen. Aber ich glaube, was ihm wirklich helfen würde, ist, wieder einen Sinn im Leben zu finden, der nicht mit Cersei zu tun hat. Vielleicht braucht er jemanden, der ihm zeigt, dass es noch andere Arten von Liebe gibt. Es könnte eine Aufgabe sein, die ihm neuen Halt gibt... oder eine Person, die ihm zeigt, dass es mehr gibt als die Vergangenheit.“

Ich nickte nachdenklich. „Vielleicht hast du recht. Er muss sehen, dass es nicht nur Cersei gibt. Aber wer könnte ihm das zeigen?“

Sansa zuckte mit den Schultern und sah mich an. „Vielleicht hat er die Person, die ihm helfen kann, schon gefunden.“ Sie lächelte sanft, aber es schien, als hätte sie mehr im Sinn, als sie sagte.

Nachdem ich mit Sansa gesprochen hatte, wurde mir klar, dass ich Vater ablenken musste, ihm etwas anderes geben musste, worüber er nachdenken konnte – und vielleicht war mein Brief an Marlis genau das Richtige, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.

Ich stand auf und lief in Vaters Richtung. Er saß in einem der Räume von Winterfell und wirkte gedankenverloren, seine Augen auf das prasselnde Feuer gerichtet. Ich trat leise ein, aber er bemerkte mich sofort und drehte sich zu mir um.

„Was ist los?“ fragte er, sein Gesicht zeigte eine Mischung aus Neugier und Besorgnis.

„Ich wollte dir etwas erzählen,“ begann ich und setzte mich ihm gegenüber. „Ich habe Marlis einen Brief geschrieben. Ich habe Sansa gefragt, ob sie ihn durchliest, weil ich nicht sicher war, ob er gut genug ist. Sie hat mir ein paar Ratschläge gegeben.“

Vater lächelte leicht. „Sansa ist klug. Und was hast du geschrieben?“

Ich erzählte ihm von dem Brief, von den Erinnerungen an Marlis, die ich hineingeflochten hatte, und von meinen Gefühlen für sie. Ich beschrieb die Nacht im Garten des Red Keep und den Abschied am Pier. Vater hörte aufmerksam zu, und als ich geendet hatte, nickte er nachdenklich.

„Es klingt so, als hättest du dich ihr gegenüber ehrlich und offen gezeigt,“ sagte er. „Das ist wichtig. Es ist gut, dass du ihr geschrieben hast. Manchmal hilft es, Dinge auszusprechen oder aufzuschreiben, selbst wenn man nicht weiß, was daraus wird.“

Ich lächelte leicht. „Denkst du, es war richtig, daran festzuhalten?“

Vater runzelte die Stirn, als seine Gedanken offenbar zu Cersei zurückwanderten. Für einen Moment verlor er sich, bevor er antwortete. „Manchmal ist es schwer zu wissen, ob es richtig ist, an jemandem festzuhalten. Aber wenn du wirklich glaubst, dass sie dir etwas bedeutet, dann ist es das Risiko wert.“

Ich nickte, sah aber, dass er abwesend wirkte, und suchte nach einer Möglichkeit, ihn weiter aus seinen Gedanken zu holen. „Weißt du was?“ sagte ich mit einem aufmunternden Lächeln. „Vielleicht könnten wir wieder mit dem Training anfangen? Es würde uns beiden gut tun.“

Vater sah mich überrascht an, dann lächelte er, als wäre er dankbar für die Ablenkung. „Das ist eine gute Idee,“ sagte er. „Es ist schon eine Weile her, seitdem wir das letzte Mal trainiert haben.“

„Und danach,“ fügte ich hinzu, „könntest du mir beim Abendessen von deinen Schlachten erzählen. Du hast so viele Geschichten, die ich noch nicht kenne.“

Er lachte leise. „Glaub mir, es gibt mehr als genug davon, die ich dir erzählen könnte.“

Und so gingen wir hinaus, um mit dem Training zu beginnen. Vater nahm seinen Schwertarm und kämpfte so hart wie eh und je, während ich versuchte, Schritt zu halten. Es war ein intensives Training, aber genau das, was wir beide brauchten, um den Kopf freizubekommen. Als der Tag sich dem Ende neigte, setzten wir uns zum Abendessen zusammen, und Vater begann, von den Schlachten zu erzählen, an denen er teilgenommen hatte.

„Es war während Roberts Rebellion,“ begann er, als er in Gedanken zurückging. „Ich war jung und hatte gerade meine ersten richtigen Kämpfe hinter mir, als wir gegen die Targaryen-Truppen marschierten. Die Schlacht am Trident war eine der härtesten, die ich je erlebt habe...“

Er erzählte mir von den Schwertkämpfen, von der Taktik und den Männern, die er an seiner Seite hatte. Es war faszinierend, und ich konnte sehen, wie er sich in den Geschichten verlor, die Bilder seiner Vergangenheit so lebendig vor mir entstehen ließ.

Es war gut, ihn so zu sehen – für einen Moment ohne die Schatten, die ihn seit so vielen Jahren verfolgten.

In den folgenden Tagen trainierten Vater und ich weiter. Wir verbrachten Stunden im Hof von Winterfell, das Klingenklirren unserer Schwerter durchbrach die Stille der Burg. Ich spürte, wie ich von Tag zu Tag stärker wurde, und Vater wurde immer besser mit seiner linken Hand. Es war hartes, intensives Training, aber es half uns beiden, die Zeit zu vergessen und den Kopf freizubekommen.

Eine Woche verging so, und eines Abends, als ich mich auf den Weg in mein Zimmer machte, um schlafen zu gehen, klopfte es leise an meine Tür. Ich öffnete sie und sah Sansa stehen, ein Brief in der Hand.

„Das kam für dich,“ sagte sie leise, und in dem Moment erstarb ich innerlich. Meine Hände zitterten leicht, als ich den Brief entgegennahm. Marlis. Ich konnte es kaum fassen.

Sansa, die meine Nervosität sah, trat näher und umarmte mich sanft. „Ich hoffe, die Antwort ist gut für dich,“ flüsterte sie.

„Danke, Sansa,“ murmelte ich, sichtlich dankbar für ihre Unterstützung. Sie lächelte mir beruhigend zu, bevor sie ging und mich allein mit dem Brief zurückließ. Ich trat langsam in mein Zimmer, und gerade als ich die Tür hinter mir schließen wollte, stürmte Vater herein.

Überrascht drehte ich mich um und sah ihn an, mein Herz schlug schneller, nicht nur wegen des Briefs, sondern auch, weil ich nicht wusste, was er wollte.

„Sansa hat mir gerade gesagt, dass der Brief angekommen ist,“ sagte Vater, ein sanftes Lächeln auf seinem Gesicht. „Ich wollte dir anbieten, nicht alleine zu sein, wenn du ihn liest.“

Ein leichtes Schmunzeln huschte über mein Gesicht, als ich daran dachte, wie Sansa sich um mich sorgte. „Das ist... nett von dir. Danke, Vater.“ Ich nickte leicht, und die Nervosität ließ ein wenig nach. „Es beruhigt mich, dass du da bist.“

Wir setzten uns gemeinsam auf das Bett, und ich atmete tief durch, bevor ich den Umschlag vorsichtig öffnete. Meine Finger zitterten leicht, aber ich zwang mich dazu, den Brief herauszunehmen und ihn zu entfalten. Langsam begann ich vorzulesen.

**„Liebster, dein Brief hat mich so überrascht, aber zugleich auch tief berührt. Es ist so lange her, dass wir uns gesehen haben, aber deine Worte haben die Erinnerungen an unsere Zeit im Red Keep, an unsere Turniere und all die schönen Momente, die wir geteilt haben, wieder lebendig gemacht.

Ich habe so oft an diese Nächte gedacht, an das Lachen und den Mond, der über dem Garten schien. Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass mein Leben so einfach und unbeschwert geblieben ist, aber das wäre eine Lüge. Die Ehe, die mir auferlegt wurde, ist kalt und leer. Mein Herz fühlt sich oft wie ein Schiff an, das im Sturm umhergeworfen wird, ohne zu wissen, wohin es steuern soll.

Du hast mich gefragt, wie es mir geht... Die Wahrheit ist, ich weiß es selbst nicht immer. Die Tage auf den Iron Islands sind rau und hart, und mein Ehemann ist kein Mann, den ich lieben kann. Doch die Erinnerung an dich, an deine Freundlichkeit und an die Zeit, die wir zusammen verbrachten, ist das, was mich durchhält.

Ich weiß nicht, ob es eine Zukunft für uns gibt – die Welt ist voller Pflichten und Erwartungen, die wir nicht immer erfüllen wollen. Aber zu wissen, dass du noch an mich denkst, hat mir mehr Trost gegeben, als du dir vorstellen kannst.

Bitte pass auf dich auf, und vielleicht, eines Tages, werden unsere Wege sich wieder kreuzen.

Mit aller Zuneigung, Marlis“**

Meine Stimme zitterte leicht, als ich die letzten Zeilen las, und ich legte den Brief auf meinen Schoß, während ich einen Moment brauchte, um die Worte zu verarbeiten. Vater saß still neben mir, seine Präsenz eine beruhigende Kraft.

„Es... klingt, als ob sie noch viel für dich empfindet,“ sagte Vater schließlich leise.

Ich nickte langsam. „Ja, aber... es ist kompliziert. Ihr Leben auf den Iron Islands... es klingt so trostlos. Und doch... sie denkt noch an mich.“

Vater legte eine Hand auf meine Schulter. „Manchmal können wir die Welt nicht ändern. Aber vielleicht... gibt es doch einen Weg, irgendwann.“

Ich lächelte schwach und schaute auf den Brief. „Vielleicht.“

Nachdem ich den Brief gelesen hatte, ließ ich die Worte in meinem Kopf kreisen. Da saß ich mit Vater an meiner Seite, der mich mit einer ruhigen Präsenz unterstützte. Die Gedanken an Marlis und ihre Situation ließen mich nicht los, und schließlich wandte ich mich an ihn.

„Vater... wenn du dich in meiner Lage befändest und... Marlis wäre in diesem Fall Mutter, was würdest du tun? Wie würdest du mit diesen Gefühlen umgehen?“ fragte ich leise. Meine Augen suchten nach Antworten, nach einem Hinweis darauf, wie er seine Gefühle für Cersei in all den Jahren gehandhabt hatte.

Jaime sah mich an, seine Miene zunächst ernst und nachdenklich. Dann sprach er ruhig, mit einer Spur von Wehmut in seiner Stimme.

„Es ist... kompliziert, mein Sohn,“ begann er langsam, „Liebe, besonders die Art von Liebe, die man für jemanden empfindet, den man nicht haben kann, ist wie ein zweischneidiges Schwert. Ich habe viele Jahre meines Lebens damit verbracht, Cersei zu lieben, sie an erste Stelle zu setzen, egal was passierte. Es war nicht immer einfach. Ich habe vieles geopfert, sogar mich selbst, um bei ihr zu sein. Aber irgendwann…“ Er seufzte leise und sah für einen Moment in die Ferne, als ob er alte Erinnerungen durchlebte.

„Irgendwann muss man sich fragen, ob die Liebe, die man festhält, wirklich das ist, was einen glücklich macht. Ob es die Mühe und den Schmerz wert ist, den man durchlebt.“ Er legte seine Hand auf meine Schulter und sah mir in die Augen. „Wenn Marlis deine wahre Liebe ist, dann kämpfe für sie. Aber sei dir bewusst, dass nicht jeder Kampf den Ausgang hat, den man sich erhofft. Es gibt Kräfte in dieser Welt, gegen die selbst Liebe machtlos sein kann.“

Ich nickte langsam, die Worte hallten tief in mir wider. Es war eine Wahrheit, die ich spüren konnte, auch wenn sie schwer zu akzeptieren war. „Danke, Vater... das hilft.“

Nachdem wir noch einen Moment schweigend nebeneinander saßen, entschied ich mich, Sansa nach ihrer Meinung zu fragen. Ich fand sie im Hof, wo sie sich gerade die letzten Sonnenstrahlen ansah, die Winterfell in ein goldenes Licht tauchten.

„Sansa, darf ich dich etwas fragen?“ begann ich vorsichtig. Sie drehte sich zu mir um und lächelte.

„Natürlich, worum geht es?“ Sie trat einen Schritt auf mich zu, sichtlich besorgt.

„Ich habe Marlis geschrieben und sie hat mir geantwortet. Sie... steckt in einer Ehe fest, die sie nicht will. Ich weiß nicht, ob ich weiter an ihr festhalten sollte, oder ob ich sie loslassen muss. Was würdest du tun?“

Sansa seufzte tief, bevor sie sprach. „Liebe ist nie einfach, und oft ist sie nicht gerecht. Ich weiß, was es heißt, gefangen zu sein, in einer Beziehung, die man nicht gewählt hat.“ Ihre Augen spiegelten ihre eigenen Erlebnisse wider. „Wenn du das Gefühl hast, dass es einen Weg gibt, ihr zu helfen, dann kämpfe für sie. Aber du musst auch sicherstellen, dass es nicht nur der Wunsch ist, sie zu retten, der dich antreibt. Liebe ist mehr als das. Es ist Verständnis, Kompromiss... und manchmal auch die Akzeptanz, dass man nicht alles ändern kann.“

Ihre Worte trafen mich tief, und ich nickte. „Danke, Sansa. Du hast recht... es ist kompliziert.“

Später am Tag beschloss ich, auch mit Onkel Tyrion und Bronn zu sprechen. Ich fand sie beide beim Abendessen, wo sie gerade eine hitzige Diskussion über den besten Wein Westeros führten. Als ich ihnen von meinem Dilemma erzählte, lachte Bronn kurz auf.

„Junge, wenn du sie willst, dann nimm sie dir. So einfach ist das,“ sagte Bronn trocken und lehnte sich zurück. „Liebe, Ehre, Verpflichtungen… das ist alles schön und gut, aber am Ende geht's darum, was du willst.“

Tyrion schüttelte den Kopf. „Ja, Bronn, sehr hilfreich. Ich nehme an, in deiner Welt wäre das auch immer die Lösung.“ Dann wandte er sich mir zu. „Es ist kompliziert, mein Neffe. Liebe und Verpflichtung kollidieren oft, wie Vater schon sagte. Du musst abwägen, was du mehr wertschätzt – die Möglichkeit, um sie zu kämpfen, oder die Akzeptanz, dass es vielleicht keinen Weg gibt, sie aus dieser Situation zu befreien. Aber...“ Er lächelte leicht. „Ich denke, ein wenig Hoffnung hat noch niemandem geschadet. Schreib ihr weiter, halt die Verbindung aufrecht. Du weißt nie, welche Wendungen das Leben nehmen kann.“

Ich nickte und bedankte mich bei ihnen beiden, spürte aber, dass ihre Ratschläge mir halfen, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.

Am nächsten Tag, nach all den Gesprächen, fand ich Vater und erzählte ihm vom Brief an Marlis. „Ich habe Sansa den Brief gezeigt, und sie hat mir geholfen, ihn zu schreiben,“ sagte ich, während wir am Hof saßen.

Vater lächelte leicht. „Das ist gut. Sansa ist klug, und sie wird dir in solchen Dingen sicher besser helfen als ich.“

Ich grinste. „Vielleicht... aber du bist auch eine Hilfe, Vater. Es beruhigt mich, dass du da bist.“

Vater nickte zufrieden und fragte: „Und was hast du geschrieben?“

„Ich habe ihr erzählt, wie sehr ich die Zeiten vermisse, die wir zusammen hatten, und dass ich hoffe, dass wir eines Tages wieder zueinanderfinden,“ sagte ich und sah Vater fragend an.

„Das klingt nach ehrlichen, aufrichtigen Worten,“ antwortete er ruhig. „Manchmal ist das Beste, was wir tun können, einfach die Wahrheit zu sagen.“

Nachdem wir noch einen Moment gesprochen hatten, fragte ich ihn schließlich: „Können wir wieder mit dem Training anfangen? Und... vielleicht könntest du mir danach beim Abendessen von deinen Schlachten erzählen?“

Vater lächelte breit. „Natürlich. Ich freue mich, dir davon zu erzählen.“

Nachdem wir das Training abgeschlossen hatten und ich mich mit Vater beim Abendessen wiederfand, beschloss ich, ihn um eine seiner Geschichten zu bitten. „Vater, erzähl mir doch noch einmal von der Zeit in der Königsgarde. Besonders die Momente, in denen du Mutter nahe warst, obwohl sie mit Robert Baratheon verheiratet war.“

Jaime lehnte sich zurück, nahm einen tiefen Schluck Wein und lächelte leicht, wenn auch mit einem Hauch von Melancholie. „Ah, die Zeit in der Königsgarde... Es war eine seltsame Zeit für mich. Cersei und ich hatten uns immer nahe gestanden, schon als wir Kinder waren. Aber es war anders, als sie Robert heiratete. Er war der König, und ich war der Ritter, der ihm dienen musste.“ Sein Blick wurde etwas distanzierter, als er in alten Erinnerungen schwelgte.

„Ich erinnere mich an die Nächte im Roten Bergfried. Während Robert sich dem Wein hingab und seine Huren besuchte, fand ich immer wieder Wege, Cersei nahe zu sein. Niemand konnte mir verbieten, meine Königin zu beschützen, oder?“ Er lachte leise, aber es war ein bitteres Lachen. „Ich stand oft Wache vor ihrer Tür, während Robert woanders war. Und manchmal... manchmal war ich nicht nur ihr Wächter. Es war nicht einfach, die Gefühle zu verbergen, die wir füreinander hatten. Aber es war das, was wir tun mussten, um die Fassade aufrechtzuerhalten.“

Ich nickte, während ich seinen Worten lauschte. Es war offensichtlich, wie stark seine Gefühle für Cersei damals gewesen waren – und vielleicht immer noch waren.

„Und was war mit dem Tag, bevor du den Mad King getötet hast? Was ging da genau vor?“ fragte ich, fasziniert von den Geschichten rund um diesen entscheidenden Moment in der Geschichte Westeros.

Jaime stellte den Kelch ab, seine Miene wurde düsterer. „Es war kurz bevor ich den König... tötete. Der Mad King hatte immer mehr Vertrauen in die Pyromanen gewonnen, besonders in einen, den er als seinen Berater betrachtete. Dieser Mann flüsterte ihm die Idee ein, die Stadt mit Wildfire niederzubrennen. Ich saß oft in den Besprechungen mit ihm und hörte zu, wie sie Pläne schmiedeten, die Stadt zu zerstören, sollte Robert jemals die Mauern durchbrechen.“ Er fuhr sich nachdenklich durch die Haare.

„An einem dieser Tage stand ich direkt hinter ihm, als er mit diesem Pyromanen sprach. 'Brennt sie alle nieder,' sagte er immer wieder, fast wie ein Mantra. Ich wusste, dass ich es nicht zulassen konnte. Aber ich musste warten. Es gab keine andere Möglichkeit, als auf den richtigen Moment zu warten.“

Er sah mir fest in die Augen, als er fortfuhr: „Als Robert an die Tore kam, wusste ich, dass der Moment gekommen war. Und ich tat, was ich tun musste.“ Jaime schloss kurz die Augen, als ob er das Gewicht dieser Entscheidung noch immer spüren würde.

Ich saß schweigend da und ließ die Schwere seiner Worte auf mich wirken. Nach einer Weile spürte ich, dass ich noch eine Frage hatte, die ich stellen musste. „Vater... würdest du mit mir an einen ruhigen Ort gehen? Ich möchte mit dir über etwas sprechen, das... mir am Herzen liegt.“

Er nickte und stand auf, bereit, mir zu folgen. Wir gingen zusammen durch die Gänge von Winterfell und fanden schließlich einen abgelegenen Ort im Garten, wo uns niemand stören würde. Es war eine klare Nacht, und der Mond warf ein sanftes Licht auf uns.

two fools one thought

„Was möchtest du besprechen, mein Sohn?“ fragte Jaime leise.

Ich atmete tief durch und sammelte all meinen Mut, bevor ich meine Bitte äußerte. „Würdest du mit mir zu den Iron Islands fahren? Um Marlis zu retten?“

Jaime sah mich überrascht an, aber sein Blick war nicht kalt oder ablehnend. Stattdessen schien er meine Entschlossenheit zu spüren. „Die Iron Islands...“ wiederholte er nachdenklich. „Das ist keine einfache Reise, und noch weniger ein einfacher Plan.“

Er ging ein paar Schritte, als ob er nach den richtigen Worten suchte. „Ich verstehe, dass du für Marlis kämpfen willst, genauso wie ich für Cersei gekämpft habe, damals. Aber die Iron Islands... das ist ein anderes Terrain. Die Greyjoys sind keine einfachen Menschen, mit denen man verhandeln kann. Wenn wir gehen, um sie zu retten, wäre das wie eine Kriegserklärung. Bist du dir sicher, dass das der Weg ist, den du gehen willst?“

Ich nickte, auch wenn mein Herz vor Angst schneller schlug. „Ja, Vater. Ich liebe sie, und ich kann nicht zulassen, dass sie in einer Ehe gefangen ist, die sie unglücklich macht.“

Jaime sah mich lange an, als ob er die Ernsthaftigkeit meiner Worte abwog. Schließlich legte er mir die Hand auf die Schulter. „Wenn das wirklich dein Weg ist, dann werde ich an deiner Seite stehen. Aber wir müssen vorsichtig sein. Es wird nicht einfach, und es wird Opfer geben. Sei dir dessen bewusst.“

Ich lächelte leicht, erleichtert, dass er mich unterstützen würde. „Danke, Vater. Es bedeutet mir viel, dass du mit mir gehst.“

„Wir werden es durchdenken, und wenn der Moment gekommen ist, werden wir entscheiden, wie wir vorgehen,“ sagte er fest, aber mit einem leichten Lächeln.

In diesem Moment wusste ich, dass ich in ihm nicht nur einen Vater, sondern auch einen Verbündeten hatte. Wir ließen die Ruhe des Gartens auf uns wirken, bevor wir langsam zurück zum Schloss gingen. Die Entscheidung war gefallen – Marlis würde nicht allein auf den Iron Islands bleiben.

In der Stille der Nacht, als wir uns beide schließlich in unsere Betten legten, spürte ich, dass Vater nicht zur Ruhe kam. Jaime lag neben mir, seine Gedanken schienen schwer und dunkel. Obwohl er äußerlich ruhig wirkte, konnte ich fühlen, dass sich in seinem Kopf alles drehte. Er starrte zur Decke, seine Hände verschränkt hinter dem Kopf, während seine Augen wach blieben, ohne sich zu schließen.

Seine Sorgen drehten sich um mich – um Marlis und um den bevorstehenden Plan. Was, wenn wir scheitern würden? Was, wenn die Greyjoys stärker waren, als wir erwartet hatten? Er wusste, dass die Iron Islands nicht nur aus rauen Kriegern bestanden, sondern aus Männern, die skrupellos und ohne Gnade waren. Pyke war eine Festung, die nicht leicht zu stürmen war. Jaime kannte die Tücken, die sich in dieser Mission verbargen, aber er war entschlossen, mich zu unterstützen.

In seinem Kopf formte sich langsam ein Plan. Wir mussten unbemerkt an die Küste der Iron Islands gelangen – irgendwo, wo die Schiffe weniger patrouillierten. Danach würde es darum gehen, schnell und leise zu handeln. Marlis durfte nicht in die Hände ihrer zukünftigen Ehemänner oder der Greyjoys fallen, bevor wir sie erreichten. Es müsste ein präziser, wohlüberlegter Schachzug sein. Vielleicht könnte er noch alte Kontakte nutzen, Männer, die er von früher kannte und die auf den Inseln heimlich zu ihm halten könnten. Er dachte daran, wie er einst Königsmörder genannt wurde und wie dieser Titel ihm in der Vergangenheit half, Furcht in seine Feinde zu säen. Vielleicht konnte er diese Angst wieder ausnutzen.

In der Dunkelheit atmete er tief durch und versuchte, seine eigenen Sorgen beiseitezuschieben. Er wollte stark für mich sein. Die Mission musste gelingen – für mich und für Marlis.

Auf der anderen Seite des Zimmers lag ich, selbst mit meinen eigenen Gedanken und Ängsten kämpfend. Mein Herz war schwer, meine Gedanken verworren. Der Gedanke, Marlis zu verlieren, ließ mich kaum atmen. Was, wenn ich zu spät kam? Was, wenn sie schon fest an diesen Greyjoy gebunden war, ohne Hoffnung auf Flucht? Jeder Gedanke daran, sie in den Armen eines anderen zu wissen, machte mich fast krank.

Ich hatte Angst, dass ich nicht stark genug sein könnte. War ich wirklich bereit, für Marlis gegen eine ganze Familie von Piraten und Kriegern zu kämpfen? Was, wenn ich es nicht schaffte? Aber die Liebe zu Marlis war stärker als jede Angst. Sie war meine wahre Liebe, und ich wusste, dass ich alles tun musste, um sie zu retten.

Trotz meiner Zweifel wusste ich, dass ich nicht alleine war. Vater war an meiner Seite, und das gab mir Kraft. Gemeinsam würden wir es schaffen. Ich versuchte, mich an seine Stärke zu klammern, um mich selbst zu beruhigen, während der Schlaf nur langsam kam.

Am frühen Morgen, als die Sonne noch nicht ganz den Horizont erreicht hatte, trafen wir uns im inneren Hof von Winterfell. Die Luft war frisch, und die Morgendämmerung legte einen leichten Nebel über die Landschaft. Vater und ich standen uns gegenüber, und ich sah, dass er über Nacht eine Entschlossenheit gefasst hatte.

„Bist du bereit?“ fragte er ruhig, aber seine Stimme hatte diesen vertrauten, festen Ton, der keine Zweifel zuließ.

Ich nickte und schlang meinen Mantel fester um mich. „Ja, Vater. Wir müssen Marlis retten, egal, was es kostet.“

Jaime nickte langsam. „Gut. Hier ist der Plan. Wir reiten heute Abend noch los, und zwar vor Tagesanbruch. Die Reise wird uns an die Küste führen, irgendwo abseits der Hauptwege, damit wir keine Aufmerksamkeit erregen. Sobald wir die Küste erreicht haben, werden wir mit einem Boot aufbrechen und die Iron Islands ansteuern – direkt nach Pyke. Es wird eine lange Nacht, aber wir müssen uns beeilen, bevor sie uns auf den Inseln bemerken.“

„Und was, wenn sie uns sehen?“ fragte ich, eine leichte Unsicherheit in meiner Stimme.

Jaime legte mir beruhigend die Hand auf die Schulter. „Wir bleiben im Schatten, solange wir können. Wenn es hart auf hart kommt, werde ich dafür sorgen, dass sie uns unterschätzen. Wir dürfen nicht zögern, sollten sie uns aufhalten wollen.“

Ich atmete tief durch. Es war klar, dass dies keine einfache Mission sein würde. Aber Vaters Worte gaben mir Sicherheit. „Dann brechen wir auf, sobald die Sonne untergeht,“ sagte ich entschlossen.

Jaime nickte zustimmend. „Wir packen alles, was wir brauchen. Waffen, Proviant – und so wenig wie möglich, um uns leicht zu bewegen.“

Der Tag verging in angespanntem Warten. Wir bereiteten alles vor – Sättel, Schwerter und leichte Rüstungen. Jeder Schritt fühlte sich bedeutungsvoll an, als ob wir uns auf das Schicksal vorbereiteten. Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, gingen Vater und ich noch einmal gemeinsam durch den Plan. Es gab keine Rückkehr. Morgen vor Tagesanbruch würden wir aufbrechen und in die Nacht reiten – bereit, alles zu riskieren, um Marlis zu retten.

Der Mond war hoch am Himmel, als wir bereit waren, aufzubrechen. Die Nacht war still, und das kalte Licht des Mondes schien auf die Steine von Winterfell. Vater und ich standen nebeneinander, unsere Pferde bereits gesattelt, als eine vertraute Gestalt aus dem Schatten auftauchte. Sansa.

„Wohin geht ihr?“ fragte sie mit leiser, aber fester Stimme. Ihre Augen glitzerten im Mondlicht, und sie schien die Antwort bereits zu kennen.

Ich sah zu Vater, und er nickte mir kaum merklich zu. Es gab keinen Grund zu lügen. „Wir fahren zu den Iron Islands, um Marlis zu retten,“ sagte ich ernst. „Sie ist in Gefahr, und wir müssen sie zurückholen, bevor es zu spät ist.“

Sansa sah mich eine Weile an, ihre Stirn leicht gerunzelt. Sie war nicht wütend, aber ihre Augen verrieten ihre Sorge. „Das ist ein gefährlicher Plan, Lukas. Ihr wisst, wie unberechenbar die Greyjoys sind. Und du hast es schon gehört, was mit Theon passiert ist. Wenn sie Marlis in ihre Hände bekommen haben...“

„Das wissen wir,“ sagte Jaime ruhig. „Aber wir haben keine Wahl. Marlis bedeutet Lukas alles.“

Bevor Sansa antworten konnte, hörten wir hinter uns Schritte. Tyrion trat aus dem Schatten hervor, sein Gesicht von einem halben Lächeln geprägt, das seine Skepsis jedoch nicht verbergen konnte. „Oh, das ist ja fantastisch,“ sagte er trocken, „mein verrückter Bruder und mein Neffe machen sich also in der Mitte der Nacht auf, um gegen eine ganze Horde von Piraten zu kämpfen. Jaime, hast du endgültig den Verstand verloren?“

„Das ist kein gewöhnliches Abenteuer, Tyrion,“ antwortete Jaime, der sich vorbeugte und seinen Bruder fest ansah. „Es geht um mehr als das. Marlis ist in Gefahr, und wir müssen sie retten, bevor es zu spät ist.“

Tyrion seufzte tief und schüttelte leicht den Kopf. „Ich verstehe das, Jaime, wirklich. Aber hast du eine Ahnung, was du da auf dich nimmst? Die Iron Islands sind nicht gerade ein Ort, an dem du willkommen bist, schon gar nicht als Lannister.“

„Wir wissen, was auf uns zukommt,“ sagte ich entschlossen und versuchte, selbstbewusst zu klingen, obwohl ich innerlich nervös war. „Wenn wir morgen nicht zurück sind, wisst ihr, was passiert ist. Aber das Risiko ist es wert.“

Sansa trat einen Schritt näher, ihre Augen fest auf mich gerichtet. „Lukas,“ sagte sie sanft, „wenn ihr morgen nicht zurück seid, werden wir euch befreien kommen. Wir werden nicht zulassen, dass ihr dort allein untergeht.“

Tyrion nickte zustimmend, während er Jaime musterte. „Ja, ich werde sicherstellen, dass eine Rettungstruppe vorbereitet ist. Aber glaubt mir, ich hoffe, dass wir das nicht brauchen werden.“

Ich fühlte Erleichterung bei ihren Worten, und Vater schien einen Moment nachzudenken. Dann sprach Sansa erneut, ihre Stimme voller Überzeugung: „Wir kommen mit euch – zumindest bis zur Küste. Wir lassen euch nicht einfach so losreiten, ohne zu wissen, was passieren könnte. Theon Greyjoy, mein Stiefbruder, ist auf den Iron Islands. Er könnte eine Hilfe sein. Außerdem, wenn es stimmt, was ich gehört habe, ist es möglich, dass Cersei ebenfalls dort ist – zusammen mit Ramsay Bolton. Sie könnten versuchen, ein Bündnis mit Euron Greyjoy zu schließen.“

Vater und ich schauten uns überrascht an. Cersei? Ramsay? Wenn sie tatsächlich dort waren, wurde die Lage noch gefährlicher.

„Verdammt,“ flüsterte Jaime leise. „Das wird noch komplizierter, als ich dachte.“

Wir stimmten schließlich zu, dass Sansa und Tyrion uns bis zur Küste begleiten würden. Der Weg dorthin war ruhig, doch die Luft war von Spannung erfüllt. Die Pferde galoppierten durch die Nacht, ihre Hufe schlugen laut auf den gefrorenen Boden, während das Meer vor uns immer näher kam.

Auf dem Weg sprach Sansa schließlich leise: „Theon hat mir erzählt, dass Cersei mit Euron Greyjoy einen Pakt schmieden könnte. Wenn das stimmt, müsst ihr vorsichtig sein. Euron ist nicht nur ein Pirat, er ist auch unberechenbar. Und Ramsay… nun ja, er ist schlimmer als jeder Albtraum.“

Meine Gedanken rasten. Wie viel komplizierter würde diese Rettungsmission noch werden?

Als wir die Küste erreichten, sahen wir das Boot, das uns zu den Iron Islands bringen würde. Es war klein und unscheinbar, ideal für eine heimliche Überfahrt. Sansa und Tyrion blieben zurück, wie vereinbart, und wir bereiteten uns vor, abzulegen.

Vater und ich setzten uns ins Boot, die Nachtluft kühlte unsere erhitzten Gesichter, als das Ruder ins Wasser tauchte und wir langsam Kurs auf die Iron Islands nahmen. Der Mond schien still über uns, und die Wellen trugen uns unbarmherzig voran.

„Cersei ist wirklich dort?“ fragte ich leise, während ich den Horizont absuchte.

Jaime nickte nachdenklich. „Wenn sie tatsächlich mit Ramsay und Euron dort ist, dann ist sie gefährlicher denn je. Euron will Macht, und Cersei… sie weiß genau, wie sie ihn dazu bringen kann, alles für sie zu tun.“

„Und Ramsay?“ fragte ich, die Kälte der Nacht in meiner Stimme.

„Ramsay ist ein Sadist. Wenn er wirklich auf Pyke ist, dann nicht nur, um ein Bündnis zu schmieden. Er will etwas – vielleicht Rache, vielleicht Macht. Aber was auch immer es ist, wir müssen auf der Hut sein.“

„Und was ist mit Euron?“ fragte ich. „Ist er wirklich so gefährlich, wie sie sagen?“

Jaime seufzte. „Euron ist kein gewöhnlicher Pirat. Er ist listig, unberechenbar und skrupellos. Er hat keine Moral, keine Ehre. Er wird alles tun, um zu gewinnen.“

Ich spürte, wie sich meine Sorgen weiter verdichteten, doch ich wusste, dass es kein Zurück mehr gab. „Wir müssen vorsichtig sein,“ sagte ich leise. „Aber wir müssen Marlis retten, egal was passiert.“

Jaime nickte entschlossen. „Das werden wir. Zusammen.“

Die Stunden auf dem Meer vergingen in angespannter Stille. Der Wellenschlag war das Einzige, das die Nacht durchbrach, als wir uns langsam der Küste von Pyke näherten. Die dunklen Klippen erhoben sich wie drohende Schatten vor uns, und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.

Endlich erreichten wir die raue Küste der Iron Islands. Pyke ragte vor uns auf, düster und uneinnehmbar, doch wir hatten keinen anderen Weg. Wir mussten hinein – und Marlis finden.

Wir schleichen uns hinter einen Felsen und hocken uns hin, um den Plan zu besprechen. Vater holt die Karte hervor, die Theon Sansa geschickt hatte. Sie zeigt Pyke, mit all seinen Eingängen, Gängen und den markierten Räumen, inklusive dem Zimmer, in dem Marlis gefangen gehalten wird. Er deutet auf die Stellen, die uns am meisten interessieren. „Hier sind die Seiteneingänge, die weniger bewacht sein sollten“, flüstert er und fährt mit dem Finger über die Karte. „Und hier ist Marlis. Wir müssen schnell und leise sein.“

Ich nicke, mein Herz rast, doch ich bleibe konzentriert. „Wir gehen rein, erledigen die Wachen, und holen sie raus.“

„Genau“, bestätigt Jaime. Wir atmen beide tief durch und umarmen uns kurz, bevor wir hinter dem Felsen hervortreten.

Mit schnellen, geschmeidigen Bewegungen nähern wir uns dem Eingang, wo zwei Wachen aufgestellt sind. Sie scheinen uns nicht bemerkt zu haben – noch nicht. Vater nickt mir zu, und ohne zu zögern stürzen wir uns auf sie. Die Wachen sind überrascht, ziehen ihre Schwerter, aber es ist zu spät. Ich weiche dem Schlag des einen aus, stoße mein Schwert in seine Seite, während Jaime den anderen schnell mit einem gezielten Hieb niederstreckt.

Die Körper der Wachen liegen schwer atmend auf dem Boden. Wir ziehen sie eilig hinter einen Busch, verstecken sie dort, und schauen uns an – das war knapp, aber erfolgreich. Ohne ein weiteres Wort schleichen wir uns in den Eingang der Burg hinein.

Die kühlen, steinernen Gänge von Pyke sind düster und still. Wir bewegen uns vorsichtig, die Schritte gedämpft, während wir uns weiter ins Innere der Burg vorwagen. Unsere Blicke wandern wachsam umher, immer darauf bedacht, keine Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen.

Endlich erreichen wir Marlis' Zimmer. Mein Herz schlägt wild, als ich langsam die Tür öffne. Marlis sitzt auf dem Bett, die Augen weit aufgerissen vor Schreck, als sie uns sieht. Sie ist blass, doch lebendig.

Bevor sie reagieren kann, hebt Vater die Hand und flüstert eindringlich: „Sei leise. Wir sind hier, um dich zu retten.“

Ihre Augen füllen sich mit Tränen, und sie nickt. Sie versteht.

Marlis greift meine Hand fest, ihre Finger zittern leicht, aber ich spüre ihre Entschlossenheit. „Wo müssen wir hin?“ fragt sie leise, ihre Stimme voller Dringlichkeit.

Ich atme tief durch und erkläre ihr den Weg: „Wir müssen den Gang hinunter, dann links und durch einen weiteren Seiteneingang. Dort wartet unser Boot. Aber wir müssen schnell sein.“

Sie nickt entschlossen, und wir setzen uns in Bewegung, schnell und leise durch die dunklen Gänge von Pyke. Jaime führt uns an, ich bin hinten und halte Marlis' Hand fest. Jeder Schritt hallt in den engen Korridoren wider, und meine Nerven sind angespannt, als könnte jede Sekunde jemand auftauchen.

Plötzlich stoße ich versehentlich gegen ein großes Fass, das mit einem lauten Krachen umkippt und über den Boden rollt. Der Lärm schneidet durch die Stille wie ein Schwert.

„Verdammt!“ flüstere ich, als wir stehen bleiben.

Das laute Krachen des Fasses hallt durch den schmalen Gang, als es über den Boden rollt. Sofort höre ich, wie hinter uns eine Tür aufgerissen wird. Schritte, viele Schritte, stürmen aus dem Raum. Die Wachen haben uns entdeckt.

„Da sind sie! Los, hinterher!“ brüllen sie.

Mein Herz setzt einen Schlag aus. Ich werfe einen schnellen Blick nach hinten und sehe die Wachen mit gezogenen Schwertern auf uns zurennen.

„Lauft!“ schreit Jaime vorne. Er greift Marlis‘ Hand und zieht sie mit sich. Sie zögert, blickt zu mir zurück, doch ich rufe ihr zu: „Geh! Lauft, verdammt nochmal!“

Sie schreit meinen Namen, ihre Augen voller Angst, doch Jaime zieht sie weiter. „Keine Zeit, wir müssen weg!“

Mein Atem geht schwer, als ich mich umdrehe und versuche, ihnen zu folgen, aber die Wachen sind schneller. Sie sind mir auf den Fersen. Eine der Wachen greift nach mir, und bevor ich es richtig begreife, spüre ich, wie mich eine schwere Hand packt und zurückreißt. Ich strauchle, versuche mich loszureißen, doch eine zweite Wache ist schon bei mir. Sie zwingen mich zu Boden.